Leere Fensterhöhlen starrten aus den von Ruß geschwärzten Mauern. Vorsichtig kletterten Privatdetektiv Bernd Holzer und Kriminalkommissar Werner Stache....

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Bernd Holzer und ein Hochzeitstag mit Bombe

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Leere Fensterhöhlen starrten aus den von Ruß geschwärzten Mauern. Vorsichtig kletterten Privatdetektiv Bernd Holzer und Kriminalkommissar Werner Stache über die Trümmer in den einstigen Bibliotheksraum. Eine Bombe hatte die Prachtvilla von Bodo Gunnarsen in eine trostlose Ruine verwandelt.

"Das war eindeutig das Werk von Terroristen," fasste Kommissar Werner Stache die bisherigen Ermittlungsergebnisse zusammen. "Als Aufsichtsratsvorsitzender der Gunnarsen-Flugzeug-Werke gehört Bodo Gunnarsen zu den gefährdeten Personen. Außerdem haben wir Flugblätter gefunden, in denen sich eine Terroristengruppe zum Anschlag bekennt."

"Was ist mit der Bombe?", wollte Bernd Holzer wissen.

"Eine Dynamitladung mit Zeitzünder, in der Bibliothek versteckt," erklärte der Kommissar. "Den Spuren nach hat sich der Täter an der Bombe noch einmal zu schaffen gemacht, nachdem sie bereits scharf war. Wahrscheinlich haben die Attentäter ihren Zeitplan geändert. Der Bombenleger dürfte zum Hauspersonal oder einer Wartungsfirma gehört haben."

Der Privatdetektiv durchstöberte die Schutthaufen. Sein Auftraggeber, die Curana-Versicherung, zweifelte an dieser Version. Bodo Gunnarsen war nur formell Eigentümer. der Flugzeug-Werke, die Bank drängte auf Rückzahlung seiner Schulden. Das Einzige, was Gunnarsen noch besaß, war seine auf zehn Millionen Mark versicherte Villa und das kostbare antike Mobiliar. Doch dafür hatte er keinen Käufer finden können. Bernd Holzer schien, es auch ein zu ungewöhnlicher Glücksfall,  dass sich bei dem angeblichen Attentat niemand in der Villa befand.

Die verkohlten Reste eines alten Buches weckten seine Neugier. "Karl May: Durch die Wüste, 1895", entzifferte der Detektiv auf dem angebrannten Deckblatt. Bodo Gunnarsen war als leidenschaftlicher Sammler von Erstausgaben bekannt.

Die beiden Männer wollten gerade den Tatort verlassen, als Margret Gunnarsen und ihr Chauffeur Jürgen Bleier zwischen den Trümmerbergen auftauchten. Der Chauffeur hatte der Gattin seines Chefs die Hand gereicht, um ihr über die Halden zu helfen. Margret Gunnarsen ließ ihren Begleiter sofort los, als sie den Beamten und Bernd Holzer bemerkte.

"Hier gibt es nichts mehr zu finden.", meinte Werner Stache. Bernd Holzer war sich da nicht so sicher. Nachdenklich steckte er die letzten Überbleibsel der berühmten Erstdrucksammlung in seine Tasche.

Aufsichtratsvorsitzender Bodo Gunnarsen hob beschwörend die Arme. "Das habe ich doch alles schon der Polizei erzählt," beteuerte er.

"Ich weiß,“ erwiderte Privatdetektiv Bernd Holzer. "Aber die Curana-Versicherung benötigt bei solchen Fällen einen eigenen Bericht." Vor sich hatte Bernd Holzer ein sorgfältig erschnürtes Päckchen auf den Tisch gelegt.

Die Aussagen des Firmenchefs ergaben nichts Neues. Er sei mehrfach bedroht worden, aber bis zu dem Bombenanschlag habe er die anonymen Warnungen nicht für voll genommen. Das kannte Bernd Holzer schon aus den Polizeiakten.

"Und was ist an diesem Tag nun genau passiert?", hakte der Detektiv ungeduldig nach.

"Margret und ich wollten unseren Hochzeitstag feiern,"  berichtete Bodo Gunnarsen. „Wir hatten vor, einen gemütlichen Nachmittag in unserem Haus zu verbringen, nur wir beide, ohne das Personal- und ohne die üblichen Besucher. Für den Abend hatten wir Theaterkarten besorgt."

"Den Theaterdonner bekamen sie nun ja einige Stunden früher als beabsichtigt," bemerkte Bernd Holzer trocken.

Die Miene des Aufsichtsratsvorsitzenden erstarrte zu Eis. "Da die Polizei bereits alles protokolliert hat, sehe ich in unserem Gespräch keinen Sinn mehr," wollte er den vorlauten Privatdetektiv kühl verabschieden.

„Ich schon,“ blieb Bernd Holzer stur. "Zum Beispiel wüsste ich gern, wieso Ihre Frau nicht im Haus war, als die Bombe hochging. Sie hatten sich doch mit ihr verabredet."

Bodo Gunnarsen sprang aus seinem Schreibtischstuhl hoch. "Weil Margret Gott sei Dank eine Autopanne hatte. Sie wollte in der Stadt eine Überraschung für mich besorgen und kam wegen der Panne nicht pünktlich zurück.“ Er hatte inzwischen die Tür aufgerissen und zeigte wild gestikulierend auf den Ausgang. „Leute Ihres Schlages scheinen es allerdings lieber zu sehen, wenn es auch noch Tote gibt."

„Es gibt auch interessante Fälle ohne Mord,“ erwiderte Bernd Holzer gelassen. Der Detektiv rutschte bequem in seinen Polstersessel zurück. "Aber wenigstens Sie hätten doch pünktlich kommen können."

Zornentbrannt fuhr sich Bodo Gunnarsen durch die Haare. "Zu Ihrem Pech bin ich aber nicht pünktlich gewesen," brüllte er Bernd Holzer an. "Die Aufsichtsratssitzung am Morgen hatte länger gedauert als vorgesehen. Mein Chauffeur ist mit 80 Stundenkilometern durch die Stadt gerast, weil er mich rechtzeitig zu meiner Frau bringen wollte. Kurz bevor ich dann die Villa betrat, flog die Bombe..."

"Wo war da eigentlich Ihr Chauffeur?", fiel der Privatdetektiv in den Redeschwall ein. "Der hat doch auch keinen Kratzer abbekommen?"

"Mein Chauffeur ist gar nicht aus dem Wagen ausgestiegen," antwortete Bodo Gunnarsen. "Herr Bleier wollte gleich weiter, meine Frau mit ihrem Auto abholen. Sie hatte doch..."

Der Privatdetektiv unterbrach Gunnarsen mit einem kurzen Pfiff. Das Mosaik der Indizien war zusammengesetzt.

Bernd Holzer hielt seinem Gegenüber das Paket unter die Nase. "Bisher habe ich nur auf Versicherungsbetrug getippt."

"Wie kommen Sie auf Versicherungsbetrug?" , fragte Bodo Gunnarsen entsetzt.

"Kein wirklicher Liebhaber würde es über das Herz bringen, seine mühevoll zusammengetragene Sammlung dem schnöden Mammon zu opfern. Sie konnten das auch nicht."

"Aber meine Erstausgaben sind doch alle vernichtet.", verteidigte sich der Beschuldigte.

Bernd Holzer wedelte triumphierend mit seinem Päckchen. "Ein paar alte Bücher sind verbrannt. Karl May, 'Durch die Wüste' , erschienen 1895. Bestimmt ein teures Stück, aber keine Erstausgabe. Die wäre nämlich von 1892, wie Sie wissen."

Der Ertappte nickte resigniert. "Was wollen Sie jetzt tun?"

"Zunächst einmal das eigentliche Verbrechen aufklären," ließ der Detektiv den verdutzten Firmenchef stehen.

Für Bernd Holzer war es keine Überraschung, auch Jürgen Bleier in Margret Gunnarsens Hotelzimmer anzutreffen.

"Basteln Sie gerade an neuen Todesfallen oder halten Sie nur ein harmloses Schäferstündchen?", begrüßte er das Paar. "Vielleicht störe ich auch bei einer spiritistischen Sitzung.", fügte der Detektiv noch sarkastisch hinzu.

Wortlos starrte Jürgen Bleier den Detektiv an. Margret Gunnarsen hatte sich besser unter Kontrolle.

"Sind Sie nicht reichlich unverschämt?", fauchte sie.

"Unverschämt war eher, was Sie vorhatten, Gnädigste.", konterte Bernd Holzer. "Sie wollten sich nicht mit dem simplen Versicherungsbetrug ihres Mannes begnügen, sondern auch noch dessen Lebensversicherung kassieren und mit dem geliebten Chauffeur teilen. Zusammen mit Ihrem Mann haben Sie die Bombe in der Bibliothek gelegt und den Zeitzünder auf den Abend eingestellt. Während Ihr Mann im Büro war, drehten Sie ihn dann auf Mittag zurück. Herr Bleier, so hatten Sie mit Ihrem Komplicen vereinbart, musste Ihren ahnungslosen Mann nur rechtzeitig zur Hochzeitstagsüberraschung abliefern."

Jürgen Bleier wollte sich auf den Detektiv stürzen. "Dann bringen wir eben erst Dich um." schrie er wie von Sinnen.

Kriminalkommissar Werner Stache, der vom Flur alles mit angehört hatte, hielt den Rasenden fest. 

"Wie sind Sie dahintergekommen?", fragte Margret Gunnarsen tonlos.

"Dass eine Frau eine Autopanne hat und selbst am Hochzeitstag nicht pünktlich kommt, macht allein noch nicht stutzig," kombinierte der Detektiv. "Aber kann Herr Bleier vielleicht logisch erklären, warum er erst mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt düst, um Herrn Gunnarsen pünktlich zu seinem Festessen zu bringen und seine Frau nicht etwa warten muss, vor der Villa der eilige Chauffeur aber plötzlich weiß, dass diese Frau wegen einer Autopanne noch gar nicht zu Hause ist und in der Stadt abgeholt werden muss? Telepathische Fähigkeiten kaufe ich Ihnen jedenfalls nicht ab.“