Geschichten zu der
großen Frage, warum das, was schief gehen kann, auch meistens schief
geht - wobei Erfolg und Glück aber mitunter auch gerade auf der
Kombination von Faulheit und Missgeschick basieren.
Triviale
Kurz-Krimis mit einem superschlauen Detektiv und scheinbar cleveren Ganoven, die aber über ihre vermeintliche Schlauheit stolpern -
also der normale Serienstoff.
Was
will der Erzähler damit sagen?
So lautete die Frage, mit der wir auf dem
Gymnasium regelmäßig gequält wurden. Eine Variante dieser Frage war: "Warum
entschied sich der Dichter für dieses und kein anderes Ende?"
Meine Literaturheroen jener
Zeit waren Arthur Rimbaud, in dessen Lyrik es ohnehin weder einen Anfangs-, noch einen
Endpunkt gab, Hermann Hesse, dessen Geschichten immer mit dem Beginn eines Lebens anfingen
und mit einer Lebenserkenntnis endeten und schließlich Ernest Hemingway. Dessen Storys
begannen klar mit dem Ereignis und endeten mit dem Ereignis. Punkt.
Doch bei modernen deutschen
Kurzgeschichten war die Frage nach dem Schlusspunkt mitunter wirklich kaum zu
erklären. Nur einer in unserer Klasse fand eine
plausible Antwort: Der Dichter will sagen, dass er vom Honorar seiner Geschichte seine
Miete zahlen muss - und er entschied sich für dieses oder jenes Ende, weil er vielleicht
nach Zeilen oder nach Seiten bezahlt wird und er ja irgendwo einen Schlusspunkt setzen
muss. Eine gute Note gab es für
diese Antwort nicht. Jahre später gehörte es als junger
Redakteur an einer Provinzzeitung zu meinen Aufgaben, die letzte Seite der
Wochenendausgabe zu redigieren. Auf dieser Seite standen regelmäßig Kurzgeschichten kaum
bekannter Autoren. Die waren billig zu haben, gaben unserem Familienblatt aber einen
literarischen Anstrich. Der Ärger war: Die Texte passten nie in die
für sie vorgesehen Spalten. Und das erste, was ein Redakteur beim Bearbeiten fremder
Artikel lernt, ist: Bei Überlänge fange hinten an zu streichen! Um den Geschichten auf
diese Weise einen völlig neuen Schluss zu verpassen, musste ich sie nicht einmal lesen. Im Internet gibt es diese Probleme nicht: Es
gibt keine Honorare, von denen man leben könnte - und um die Frage der Länge
muss sich
kein Verfasser Gedanken machen. Trotzdem sollte der geneigte Leser nicht in den Fehler
verfallen, übermäßig zu interpretieren. Denn von meinen heutigen Lieblingsautoren James
A. Michener, Egon Erwin Kisch, Ephraim Kishon und immer noch Karl May habe ich vor allem
eine Erkenntnis gewonnen: Eine Story ist eine Story ist eine Story -
und was nicht drin steht, steht eben nicht drin.