Mein Name ist Jürgen
Pawel. So steht es in meinem Personalausweis. Der Name wird Ihnen nichts
sagen. Aber vielleicht kennen Sie mich als Dr. Rainer Pawel. Der Name ist
nicht ganz falsch. Rainer ist immerhin mein zweiter Vorname. Und den
Doktortitel habe ich ehrlich erworben, bezahlt mit 5000 Euro für eine
mittelamerikanische Universität, die sich, soweit mit bekannt ist, auch
durchaus mit ernsthafter Wissenschaft befasst. Nennen Sie mich also nicht
einen Hochstapler oder Betrüger. Und vor allem geben Sie nicht mir die
Schuld, wenn Sie durch jene Ereignisse, an denen ich jedenfalls nicht so
beteiligt war, wie es manche Medien hinterher behaupteten, eine größere
Summe Geld verloren haben sollten. Wenn daran überhaupt jemand Schuld
trägt, dann sind Sie das das selbst allein, allein mit Ihrer Gier.
Die
Quote bestimmte
unseren Tag. Wenn ich morgens kurz nach neun Uhr mein Büro betrat, mir
die rote Lampe meines Anrufbeantworters bereits entgegenflackerte, war
über die Quote allerdings bereits entschieden, der Tag schon mehr oder
weniger gelaufen. Mir blieb dann nur, die Früchte einzusammeln oder den
Schaden zu begrenzen.
Natürlich
hätte ich früher ins Büro kommen können, vielleicht sogar sollen. Die
Geschäftsleitung hätte solch demonstrativ zur Schau gestellter
Arbeitseifer vermutlich sogar beeindruckt. Aber zum einen lasse ich mir
nur ungern meinen Morgenschlaf rauben, zum anderen kann, wer schon um acht
Uhr früh ans Telefon geht, nicht so wichtig sein. Und gegenüber
unseren Kunden den Eindruck von Unwichtigkeit zu vermeiden schien
mir wichtiger als jedes betriebsinterne Imponiergehabe.
Das, so meine auch anderen gesunden Menschenverstand zugestehende
Grundüberzeugung, musste
sogar die Geschäftsleitung einsehen.
Außerdem
hatte sich im Laufe der letzten Monate ein Ritual entwickelt, das nur zu
dieser Zeit abgehakten werden konnte. Danach musste ich eine Minute vor
neun Uhr die Drehtür unseres Hauses passieren, dem Pförtner freundlich
einen guten Morgen wünschen, um dann gut 30 Sekunden später ein
Stockwerk höher das Studio zu erreichen, aus dem dann gerade, während
der ersten Töne des Abschlussjingles, regelmäßig laut stöhnend und
fluchend der Stefan eilte.
Stefan
Herbel, der Morgen-Herbie, war unser Star. Jedenfalls bestand meine Haupttätigkeit
darin, ihn als unseren Star zu verkaufen....