Morde unter Jugendfreunden

Ein unglaubwüriges Geständnis von...






Motto: Versuche erst gar nicht, die Wahrheit zu sagen: Suche nach einer plausiblen Erklärung!
 



"Ich muss mit einem Geständnis beginnen. Ich habe Harald umgebracht. Nein, es war kein vorsätzlicher Mord, ich wollte ihn bloß zur Rede stellen wegen seines Verhältnisses zu meiner Frau, aber er hat mich nur ausgelacht, und da habe ich die Kontrolle über mich verloren. Die Leiche musste ich doch irgendwo verstecken. Mit dem Tod von Michael und Stephan habe ich nichts zu schaffen. Ich bin kein Mörder.

Wie er so da lag auf dem sauberen Teppich, der Harald, mit aufgerissenen Augen, da ist mir gleich unsere alte Indianerhöhle eingefallen. Das ist natürlich keine richtige Höhle, die gibt es in unserer Gegend doch nicht, sondern so eine eine Art Unterstand aus dem Krieg. Der ist dann vergessen worden, und als Kinder hatten wir ihn entdeckt. Der Stephan ist damals über einen Ast gestolpert und dabei in die Höhle eingebrochen. So kamen wir vier zu unserem Versteck, das außer uns kein Mensch kannte. Wir hatten den Zugang immer zugeschüttet und geschworen, niemandem unser Geheimnis zu verraten. Der Stephan ist später unserer Gegend verschwunden, keiner wusste wohin, und wir anderen drei haben auch nie wieder über unsere Höhle geredet.

In diesem alten Versteck wollte ich die Leiche von Harald verbergen. Ich habe die Höhle auch auf Anhieb wiedergefunden. Nur war sie nicht mehr leer, so, wie wir sie damals verlassen hatten. Mir ist fast das Herz stehen geblieben, als ich das Skelett entdeckte. Ich habe mir gleich gesagt: Das muss der Stephan sein. In seinem Schädel klaffte ein ziemlich großes Loch. Der musste eins auf den Kopf bekommen haben und dann dorthin gebracht worden sein.

Was sollte ich denn machen? Zur Polizei gehen und denen erzählen, dass ich eine Leiche verstecken wollte und dabei auf eine andere gestoßen bin, konnte ich schließlich nicht. Also habe ich den Harald dazugelegt und den Eingang wieder verdeckt.

Die Polizei hat so etwa einen Monat nach dem Harald geforscht, die Sache dann aber fallen lassen. In seiner Firma fehlte wohl auch Geld, 200.000 Mark sollen es gewesen sein, und die glaubten, er sei damit auf und davon. Zuzutrauen wäre ihm des schon gewesen. Mich hat die Geschichte mit dem Skelett aber nicht mehr in Ruhe gelassen.

Der Stephan war ermordet worden. Daran gab es gar keinen Zweifel. Und es musste einer von uns Vieren gewesen sein. Sonst wusste ja keiner von der Höhle. Harald war ein Schlitzohr, und er wäre auch über Leichen gegangen, wie man so sagt. Aber er war auch immer etwas feige. Schwächere zu verprügeln hat ihm nichts ausgemacht, aber an den Stephan hätte der sich nie rangetraut.

Es kam also nur der Michael infrage. Einen Rochus auf den Stephan hat er ja öfters gehabt, und da flogen dann manchmal auch die Fetzen. Aber dass er ihn eines Tages einfach umbringen würde, hätte ich nie für möglich gehalten.

Ich habe mich mit dem Michael getroffen und vorsichtig versucht, das Gespräch auf Stephans Verschwinden zu lenken. Erst wollte er mir ausweichen, aber dann habe ich ihm ins Gesicht gesagt, dass er die Leiche in unserer alten Höhle vergraben hat. 'Die hast Du wohl gefunden, als Du den Harald verbuddeln wolltest,' hat er mir geantwortet.

Nun waren wir also durch ein tödliches Geheimnis verbunden. Warum der Michael den Stephan erschlagen hat, kann ich allerdings nicht sagen.

Aber von dem Tag an habe ich eine wahnsinnige Angst vor dem Michael gehabt. Er hat mir wahrscheinlich auch nicht über den Weg getraut. Jedenfalls stand für mich fest, dass er mich umbringen wollte. Ich hätte ja alles über ihn verraten können. Er war ein Mörder, wenigstens ein Totschläger, während man doch den Tod von Harald eigentlich als tragischen Unfall bezeichnen musste.

An dem Abend, als er mich noch nach Geschäftsschluss in meiner Werkstatt aufsuchte, hat er es bestimmt vorgehabt. Ich habe es ihm angesehen, wie er hereingekommen ist, mit ganz kaltem Gesicht, und anfing: 'Wir haben miteinander zu reden.' Er griff dabei in die Jackentasche, wollte vielleicht eine Pistole oder ein Messer herausholen. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als ihm zuvorzukommen. In meinem Kopf gab es nur noch: Der oder ich. Den Hammer zu nehmen und ihm überzuziehen war da eins. In seiner Jacke fand ich zwar neu eine Zigarettenschachtel, keine Waffe, aber der Michael war immer der Stärkste von uns Vieren gewesen. Der hätte keinen Revolver und kein Messer gebraucht, um mich fertig zu machen. Und einen anderen Grund hätte er doch nicht gehabt, an dem Abend zu mir zu kommen.

Dass ich mit dem Hammer nach ihm geschlagen habe, war reine Notwehr. Vorzuwerfen habe ich mit deswegen nichts."

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:

" ...wird der Angeklagte wegen Totschlags in drei selbständigen Tateinheiten zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren verurteilt.

Ein planmäßig gefasster Tötungsvorsatz konnte dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Zu seinen Gunsten anzuerkennen war ferner seine feste Überzeugung, dass die drei Tatopfer intime Beziehungen zu seiner Frau, bzw. seiner Jugendfreundin unterhielten. Angesichts des impulsiven Charakters des Angeklagten, der auch nicht unbedingt als gewalttätig einzustufen ist, geht das Gericht davon aus, dass er in allen drei Fällen zunächst eine Aussprache gesucht hat, in deren Verlauf es dann zu den unkontrollierten Handlungen gekommen ist.

Gegen den Angeklagten spricht jedoch die Systematik, die er nach seinen Taten beim Verstecken der Tatopfer an den Tag legte. Auch lässt der Angeklagte jede Reue vermissen. Die von ihm vorgetragene Version widerspricht jeder richterlichen Lebenserfahrung."