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| Die
Strandpromenade des Touristenzentrums Dahab. |
Unterwegs im
Coloured Canyon, dem größten Canyon des Sinai |
Eine
"Wüstenrose" gesehen bei der Oase Aan Khodra |
Aan Khodra, das
"Grüne Auge" zwischen den Bergen |
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| Ziegen - die
Lebensgrundlage der Beduinen |
Ein Blick auf
den White Canyon - Klettertour inbegriffen. |
Ein
Rotfeuerfisch - gesehen am Riff Abu Lou Lou, Nuweiba |
Das Hilton-Hotel
von Taba - direkt an der Grenze zu Israel |
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Eine
Kreuzritterburg auf der Pharaoneninsel - Taba |

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Eilats Strand
- Touristenmagnet zwischen den Grenzen |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Beschriebene
Orte, Sehenswürdigkeiten und Tauchplätze: Nuweiba
mit den Riffen Abu Lou Lou,
Magana,
Mazeriq,
The Valley,
Dahab,
Coloured Canyon,
Oase Aan Khodra,
White Canyon,
Taba
und die Pharaoneninsel,
Eilat
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Donnerstag, 20. Oktober 2005:
Sharm El Sheik – Dahab – Nuweiba
Gegen
12 Uhr, bereits nach vier Stunden Flug, liegen die kahlen und
schroffen Berge des Sinai unter uns. Die Maschine landet 20
Minuten früher als erwartet auf dem Flughafen von Sharm El Sheik
– und gegen ein Uhr bereits können wir unseren Bus nach Nuweiba
besteigen.
Eine zweispurige Straße, schmal,
aber solide ausgebaut, führt an den Bergen vorbei nach Norden.
Zunächst liegen die Berge noch etwas entfernt, links und rechts
der Straße zunächst eine platte Sandfläche und etwas weiter
erheben sich dann steil die nackten Felsen, bis diese Felsen
schließlich ganz dicht an uns heranrücken, die Straße wie ein
schmaler Canyon durch das Felsgebirge führt. Nur ab und an sieht
man eine Ansammlung von Büschen, noch seltener einen Baum.
Aber
selbst in dieser absoluten Einöde sieht man mitunter menschliche
Behausungen, abgelegene Häuser, manchmal ein Militärcamp. Und ab
und an führt eine verschlungene Geröllpiste auf steilen Kurven
in die Berge.
Von
Dahab, das wir gegen 14 Uhr erreichen, sehen wir allerdings nicht
mehr als eine eintönige Siedlung dreistöckiger Wohnhäuser am
Rand der Straße, Sozialbauwohnungen auf bescheidenem Niveau –
und schließlich das Hotel, in dem der größte Teil der Gäste
aussteigt. Nur noch zu dritt fahren wir jetzt weiter nach Nuweiba.
Bei
der Anfahrt erscheint Nuweiba etwa eine Stunde später um einiges
größer und bedeutender als Dahab. Das mag vielleicht auch an den
beiden großen Fährschiffen im Hafen liegen, die den Ort als
wichtigen Verkehrsknotenpunkt wirken lassen. Und immerhin befindet
sich in der Nähe des Hafens ein auch ziemlich großer Busbahnhof.
Dabei ist uns auf dem ganzen Weg hierher kaum ein Auto, erst recht
kein Bus entgegen gekommen!
Das
Hilton Nuweiba ist eine riesige Ferienanlage mit mehreren Gebäudetrakten,
einer Bungalowsiedlung, etlichen Restaurants und Swimmingpools,
auch einer Minigolfbahn. Vom Strand aus blickt man auf die
gebirgige Küste von Saudi-Arabien. Die Küste liegt zum Greifen
nahe – zumindest so nahe, als sei es nur eine kleine Bootstour,
als wären wir nicht am Ausläufer eines Meeres, sondern an einem
lang gezogenen See im Gebirge.
Am
Abend sammelt sich am Steg ein Schwarm von einem knappen Dutzend
Rotfeuerfischen, angezogen vom Preis Licht – und der
reichhaltigen Beute unter den Schwärmen kleiner Fische, die sich
hier ebenfalls unmittelbar in Strandnähe tummeln.
Freitag, 21. Oktober 2005:
Hilton Nuweiba, Abu Lou Lou (Hausriff), Nuweiba
Nach
einem gemächlichen Vormittag am Strand – beim ersten Baden
erscheint das Wasser richtig kalt – gehen wir gegen 14 Uhr zum
Tauchen. Die deutschsprachige Basis der Emporer Divers liegt
direkt in der Anlage des Hotels, und das Hausriff mit dem Namen Abu Lou befindet sich vielleicht
30 Meter vor dem
Strand. Abu Lou Lou wird von den Tauchlehrern der Basis auch
„Rotfeuerfisch-City“ genannt, und wir werden noch sehen,
warum.
Der
Einstieg ist also von Land aus,
was hier im Norden des Sinai die übliche Methode sein soll. Boote
werden in diesem Teil des Golfes von Aquaba kaum eingesetzt.
Zunächst
überquert man in maximal drei Meter Tiefe eine kleine
Unterwasserwiese aus Seegras, durch das schon Schwärme kleiner
blauer Fische ziehen. Allmählich wird es tiefer, der
Seegrasbewuchs bricht ab – und über sandigen Boden erreichen
wir das Hausriff . Abu Lou Lou ist kein einheitlich
zusammengewachsenes Riff, sondern besteht aus mehreren Korallenblöcken,
die, mit ganz unterschiedlicher Größe, wie Felsen aus dem
sandigen Boden hervorrangen. Einer dieser Korallenfelsen, und
durchaus einer der größeren, wird ganz von einem Schwarm von
Fischen bedeckt. Am Boden, im Schatten der kleineren Korallenblöcke,
sieht man Dutzende von Rotfeuerfischen, die hier völlig ruhig im
Wasser verharren, sich auch
nicht von uns Tauchern in irgendeiner Weise beeindrucken lassen.
Die lilalanen Papageienfische erreichen hier beeindruckende Größen
von vielleicht bis zu einem knappen Meter, die bräunlichen
Barsche sind auch nicht viel kleiner. Schließlich kreuzt noch ein
Einhornfisch unseren Weg, entdecken wir dazu noch zwei Muränen.
Am Abend
laufen wir vom Hotel in die Stadt Nuweiba -
vielmehr: in das Hafenviertel. Eigentlich wollten wir
ein Taxi nehmen – aber am Hotel wartet kein Taxi, und der Preis,
nach dem wir uns vorsorglich an der Rezeption erkundigt hatten,
schien mit 60 Pfund für die Hin- und Rückfahrt doch etwas überteuert.
Die Taxifahrer, die uns auf der zweieinhalb bis maximal drei
Kilometer langen Strecke bis zum Hafen ansprechen, verlangen sogar
noch mehr, fangen ihre Preisforderung bei 150 Pfund an.
Offensichtlich sieht man uns an, dass wir gerade erst eingetroffen
sind, meint, wir hätten wohl noch keine Preiserfahrung.
Beeindruckend:
Das kleine, unscheinbare Nuweiba ist
zum Massenlager geworden. Auf den Straßen vor dem Hafen
stehen Hunderte von Reisebussen, den Namen der Busgesellschaften
nach aus allen Teilen Ägyptens, zum Beispiel aus dem Nil-Delta,
vor jedem Bus lagern die einheimischen Fahrgäste, sitzen auf
Decken, die auf dem Boden ausgebreitet sind, halten viele
Familien, weil es nun schon dunkel und nach den Regeln des Ramadan
Essen wieder erlaubt ist, ihr Mahl. Ganze Familien sind hier
unterwegs in den überfüllten Bussen, wobei man in den total überfüllten
Cafes – davon stoßen wir auf drei – nur Männer sieht.
In
Nuweiba sammeln sich die Pilger zur Hadsch nach Mekka, warten
vermutlich auf die nächste Möglichkeit, die Fähre zu nehmen –
und wer nicht mit dem Bus gekommen ist, nahm vielleicht auch das
Kamel. Neben den Bussen lagern jedenfalls auch einige
Kamelkarawanen. Später hören wir: Die Wartezeit, die die Pilger
hier verbringen, beträgt mitunter bis zu 15 Tage.
Unser
Ausflug nach Nuweiba dauert etwas über eine Stunde – dann
verbringen wir den Rest des Abends im Hotel.
Samstag,
22. Oktober 2005: Hilton Nuweiba, Abu Lou Lou
Am
frühen Nachmittag unternehme ich einen weiteren Tauchgang zum
Hausriff, wobei der erste Teil dieses Tauchganges allerdings
einigen Navigationsübungen gewidmet ist. Danach dann beginnt aber
wieder eine entspannte Erkundungstour entlang der einzelnen
Riffformationen.
Auch,
wenn ich auf einer Tiefe von vielleicht 15 Metern versteckt in
einer Felsmulde auf eine etwas über einen Meter lange Muräne stoße
– der interessanteste Teil dieses Hausriffs liegt auf einer
Tiefe von acht Metern, ist Jener große, von Fischschwärmen
umlagerte Block, der mir schon gestern aufgefallen war.
Neben
den Papageienfischen, diesmal gleich mehreren Einhornfischen, den
obligatorischen Feuerfischen begegnen uns diesmal auch einige prächtige
große Exemplare von Kofferfischen. Und schließlich macht mich
Andy, der Tauchlehrer, an einer kleinen Koralle auf einen daran
klebenden grauen Fleck aufmerksam – ein Anglerfisch, der fast
mit der Koralle verwachsen scheint.
Sonntag,
23. Oktober 2005: Nuweiba – Dahab
Eine
Entdeckung vormittags beim Schnorcheln am „Schnorchelstrand“
des Hilton: Gleich hinter dem Ufer
beginnt ein abgestorbenes Korallenfeld – und hier hat es
sich in einer Mulde ein mächtiger Steinfisch gemütlich gemacht,
liegt völlig unbeweglich da, trotz seiner vielleicht 40
Zentimeter Länge, es mag auch etwas mehr sein, nicht so einfach
zu erkennen. Erst beim genaueren Hinsehen fallen sein Maul, die
Augen und natürlich auch die Zacken auf seinem Rücken auf. Pech
für den, der glaubt, man könne zur Not auch über das
Korallenfeld laufen.
Neben
dem Steinfisch sollen sich, so hören wir später, auch zwei Muränen
regelmäßig hier in Ufernähe aufhalten. Die sehen wir heute
allerdings nicht.
Um
14 Uhr treten wir unsere Fahrt nach Dahab an.
Die
Geschichte Dahabs, erzählt aus der Sicht unseres ägyptischen
Reiseleiters: Erst gab es hier nur ein kleines Fischerdorf, dann
bauten die Israelis einige Häuser, um hier Soldaten zu
stationieren, begannen auch mit dem Bau von einem größeren
Hotel, und schließlich begann ab 1990 der Ausbau des Ortes zum
Touristenzentrum. Dazu entstanden auch die – aus monotonen Blöcken
– bestehenden Wohnsiedlungen für rund 2000 Angestellte und ihre
Familien. Und weil das Leben hier noch etwas billiger als in Sharm
El Sheik sei, würden auch viele Leute, die dort arbeiten, hier
leben.
Für
den Tagesbesucher sind natürlich nicht diese Wohnsiedlungen der
Angestellten interessant, auch nicht die großen Hotelanlagen,
sondern der Teil Dahabs, dem der Ort seinen Ruf als
Anziehungspunkt der Hippies und Travellers verdankt.
An
der den Fußgängern vorbehaltenen Strandpromenade findet man so
auch keinerlei Spuren des einstigen Fischerdorfes mehr – doch
dieses „Traveller-Dahab“ mit seinen kleinen, einfachen Unterkünften,
einer Unmenge von aneinandergereihten Restaurants und Cafés, dazu
natürlich auch den Geschäften mit Andenken und Kitsch aller Art
ist noch vorhanden.
Dabei
ist der Strand eher schmal, steinig – und auch der Weg ins
Wasser, wo man einige Tauchergruppen, aber kaum Badende sieht, ist
mit Steinen übersät.
Im
südlichen Teil der Strandpromenade, wo es kaum noch Geschäfte,
dafür aber noch jede Menge kleine Hotels gibt, stoßen wir auf
eine archäologische Ausgrabungsstätte, die Überreste eines
antiken Handelsplatzes der Nabatäer, der hier vom ersten
vorchristlichen bis zum zweiten nachchristlichen Jahrhundert
bestanden hat. Das vielleicht vierzig Meter lange und dreißig
Meter breite Areal liegt unmittelbar an der Strandpromenade, fast
unmittelbar am Wasser – und soll der Hinweistafel nach das
historische Lagerhaus sein, das bei Bauarbeiten 1989
wiederentdeckt wurde. Viel mehr als die dicken Grundmauern und die
Aufteilung der einzelnen Räume sind jedoch nicht zu erkennen.
Um
20 Uhr sitzen wir wieder in dem Wagen, der uns zurück ins Hilton
von Nuweiba bringt.
Montag,
24. Oktober 2005: El Magana
Morgens
gegen neun Uhr brechen wir zu unserer Tauchexkursion ins wenige
Kilometer nördlich gelegene El Magana, eine kleine unscheinbare
Beduinensiedlung aus einigen ärmlichen Steinhäusern. Der Weg
dorthin führt vorbei an der „Stadt“ Nuweiba, nicht zu
verwechseln mit der Ansiedlung, die sich viel weiter kein
südlich um den Hafen von Nuweiba gebildet hat. Aber auch
diese „Stadt“ besteht lediglich aus einer eintönigen
Wohnsiedlung, einem Kraftwerk – und einer größeren Farm, auf
der auch einige Gewächshäuser stehen. Magana ist da zwar etwas
„ursprünglicher“ – macht aber auch nicht den Eindruck eines
exotischen Ausflugszieles.
Nördlich
von El Magana säumen kleine, einfache Hüttensiedlungen den
Strand: Einsame Unterkünfte für Reisende, die die großen
Hotelanlagen lieber meiden. Auch das von Beduinen betriebene Camp,
von dem aus wir unsere beiden Tauchgänge unternehmen, ist eine
solche Anlage: Es gibt ein bescheidenes Restaurant, einige Hütten,
Beduinen, die uns Tee bringen – und eine alte Beduinenfrau, die
gerne ihre selbstgemachten Ketten verkaufen möchte.
Bis
auf 30 Meter Tiefe geht es am Tauchplatz von Magana, und obwohl
die Korallenbänke hier um einiges größer als am Hausriff des
Hilton sind, ist Magana doch bei weitem nicht so fischreich. Bei
unserem ersten Tauchgang, einem Tieftauchgang auf
30 Meter, begegnet uns gleich zu Anfang eine große
silberne Makrele, die einzige erwähnenswerte Fischbegegnung
dieses Tauchganges. Dafür sind die Korallen um so beeindruckender
– und am Grund bilden sie sogar riesige „Seerosen“.
Der
zweite Tauchgang, der uns auf eine Tiefe von 20 Meter führt,
bietet dann aber das absolute Highlight: Gleich beim Abstieg
kreuzt ein großer grüner Napoleonfisch unseren Weg beim Abstieg,
bleibt eine ganze Weile in unserer Nähe – und auf dem Rückweg
werden wir ihm dann wieder begegnen. In einer Mulde hat es sich
ein Igelfisch gemütlich gemacht, wir sehen einige Falterfische,
Papageienfische, schließlich einen einsamen Rotfeuerfisch. Am
Grund lauern einige Mördermuscheln mit aufgesperrtem Maul.
Gegen 14
Uhr fahren wir zurück ins Hilton, verbringen die Zeit bis zum
Sonnenuntergang dort am Strand.
Dienstag,
25. Oktober
2005: The Valley
Sicherlich
ist „The Valley“ kein besonders origineller Name für einen
Tauchplatz an der Küste des Sinai – aber schließlich, so sagen
uns die Mitarbeiter vom Tauchcenter, sei er ja auch erst kürzlich
entdeckt worden, würde heute überhaupt erst zum ersten mal mit Gästen
angefahren. Auch für die Tauchlehrer selbst ist das erst der
zweite Tauchgang an diesem Ort, einige Kilometer nördlich von El
Magana, gelegen im Schatten der Berge, und an einem
Traveller-Resort aus einigen Basthütten, das sich passend zu den
Bergen „Red Rock“ nennt.
Der Name
„The Valley“ passt aber auch zum Tauchplatz selbst. Denn das
markanteste dieses Tauchplatzes ist der Canyon, gebildet aus zwei
langgezogenen Korallenbänken, die auf dem sandigen Boden eine
vielleicht fünf Meter breite Furt für die Passage der Taucher
lassen. Hat man diesen Canyon passiert, durchschwimmt in maximal
18 oder 19 Metern Tiefe einen regelrechten Korallengarten. Gegen
Ende unseres Tauchganges gelangen wir noch zu einem größeren
Korallenbrocken, der zur Heimstatt kleinerer Fischschwärme
geworden ist. Ganz in der Nähe, knapp unterhalb der Oberfläche,
ziehen ein halbes Dutzend Hechte vorbei.
Beim
zweiten Tauchgang nehmen wir wieder die gleiche Route, entdecken
diesmal aber einige besondere Fische, die wir beim ersten mal noch
nicht gesehen haben. In der Mulde einer Koralle beispielsweise döst
ein Kofferfisch, man sieht eine ganze Reihe von Doktorfischen,
Papageienfische, und schließlich stoßen wir auf einen
unbeweglich an seinem Platz verharrenden Steinfisch.
Kurz vor
14 Uhr ist der zweite Tauchgang beendet und wir fahren zurück ins
Hilton.
Mittwoch,
26. Oktober 2005: Coloured Canyon – Aan Khodra – White Canyon
Unsere
Tour durch die Canyon des Sinai beginnt morgens um acht Uhr –
und führt uns zunächst in die „Altstadt“ von Nuweiba. Es
gibt einige kleine Geschäfte, einen „Supermarkt“, und obwohl
außer uns kein Mensch auf der Straße zu sehen ist, sind die Läden
bereits geöffnet.
Wir
fahren ein gutes Stück auf der Asphaltstraße nach Norden, biegen
dann auf eine Geröllpiste ins Landesinnere, in Richtung des
Coloured Canyon. An einigen Stellen links und rechts der Piste
sieht man Drahtzäune. Die, so sagt unser Guide, markieren noch
die Minenfelder aus der Zeit des Sechs-Tage-Krieges.
Die
Berge, die wir passieren, sind aus Granit. Doch bei einem kurzen
Stop können wir feststellen, wie porös das Gestein hier ist. Der
Granit zerbröckelt regelrecht in unseren Händen.
Schließlich
erreichen wir ein einfaches Gasthaus, einsam auf einem Plateau
stehend, dem Ausgangspunkt für unsere etwa eineinhalbstündige
Wanderung durch den Coloured Canyon. Der Coloured Canyon, so Ashad,
unser Guide, sei nicht nur der größte Canyon auf dem Sinai –
sondern immerhin auch der drittgrößte der Welt!
Doch um
in den Canyon zu gelangen, müssen wir erst einmal
hinunterklettern. Und das ist schon ein etwas anderer Weg, als man
ihn vielleicht von einem deutschen Mittelgebirge kennt.
Wahrscheinlich sind es zunächst kaum mehr als vierzig oder fünfzig
Höhenmeter, die es abwärts geht, aber auf dem Geröll und den
ausgetretenen Steinen muss man dabei auf jeden Schritt achten, was
schon diesen Abstieg als kleines Abenteuer erscheinen lässt. Und
dabei war das nur der Anfang!
Unser Führer
macht uns auf ein Kleinod aufmerksam: Eine versteinerte Muschel in
einem auf dem Boden liegenden Stein. Der Sinai lag einst unter dem
Meer.
In den rötlichen
Bergen fallen immer wieder kleinere Stellen in den verschiedensten
rötlichen und bräunlichen Tönungen auf, Schattierungen, denen
der Canyon seinen Namen verdankt. Und diese Farbschattierungen
erscheinen immer wieder als Muster, könnten fast beim ersten
Hinsehen mit archaischen Zeichnungen verwechselt werden, mal ein
Auge darstellend, ein anderes mal vielleicht einen Elefanten. Und
über uns erscheinen die oft in gleichmäßigen Abständen
voneinander entfernten Höhlen – eigentlich sind es nur Nischen
im Fels – wie sorgfältig gearbeitete Fenster.
Dass
dieser Canyon auch eine uneinnehmbare Festung hätte sein können,
das erfährt man, wenn es von den breiten ebenen Weg in die
schmalen und schmalsten Schluchten geht, oft nur so breit, dass
eine einzelne Person noch halbwegs passieren kann. Und oft genug
heißt es dabei dann auch noch: Man muss wieder über einen Stein
hinüberklettern, der fast wie ein unüberwindliches Hindernis
erscheint. Hier wird der Canyon endgültig zum Labyrinth.
Wüstenhasen
und Wüstenfüchse soll es hier geben, doch uns begegnen als
einzige Vertreter der einheimischen Tierwelt kurz bevor wir den
Canyon verlassen ein Leguan, der sich gerade auf einem
Felsvorsprung sonnt sowie schließlich noch ein kleiner
Salamander, der vor unseren Blicken aber schleunigst das Weite
sucht.
Nachdem
wir den Coloured Canyon verlassen haben, geht es nun über die Wüstenpisten
Richtung Süden, zum White Canyon. In der Nähe des Coloured
Canyon selbst kann man dabei tatsächlich noch von einer Piste
sprechen, bei der links und rechts auch einige kümmerliche Bäume
wachsen, unter denen die Ziegen grasen. Menschen sieht man
allerdings nicht in der Nähe.
Die
Fahrt durch die Wüste gestaltet sich bei Geschwindigkeiten über
50 Stundenkilometern zur wahren Achterbahnfahrt, bei der man auf
den Rückbänken hart durchgeschüttelt wird – nichts für Leute
mit empfindlichen Bandscheiben. Nur einmal sehen wir im Schatten
eines Felsens eine ruhende Karawane, ansonsten begegnen uns erst
wieder Menschen beim Abzweig zur Oase Aan
Khodra.
Aan
Khodra – das ist bei der Anfahrt zunächst ein mit Palmen
bewachsener sanfter Sandhügel, ein grüner Flecken in der Sandwüste
zwischen den Bergen. Sechs Familien leben hier mit ihren Ziegen,
einigen Kamelen – und verdienen ihr Geld ihr Geld mit den
Touristen, die von hier aus entweder in den White Canyon starten
oder nach ihrer Wanderung hier Rast machen, zum Beispiel, in dem
sie an die Reisenden Bergkristalle verkaufen und sie natürlich
auch bewirten.
Der
Name Aan Khodra bedeutet „Grünes Auge“: Die Oase liegt schließlich
wie ein Auge in der Talmulde zwischen den Felsen. Der Ursprung der
Oase, die unterirdische Quelle, die das Grün sprießen lässt,
liegt dabei außerhalb des Palmenhains: In einer Höhle sammelt
sich das Wasser, das aus den benachbarten Bergen herunterfließt.
Der
Einstieg in den White Canyon ist um einiges leichter als der
Abstieg in den Coloured Canyon. Von der Oase führt ein fast
bequem zu nennender Spazierweg in den breiten Canyon-Eingang, und
der weiße Wüstensand, dem der Canyon wohl seinen Namen verdankt,
ist so weich, dass man auch gut ohne Schuhe laufen kann.
Die
Struktur des Canyon ist allerdings vergleichbar mit dem des
Coloured Canyon, wobei wir es hier aber nicht mit porösem Granit,
sondern mit kompaktem, absolut hartem Sandstein zu tun haben. Für
uns heißt das aber schon bald: Die bequeme Wanderung ist vorbei,
es heißt, wieder durch schmale Gänge, über steile Felsbrocken
zu klettern – wobei der Schwierigkeitsgrad diesmal noch etwas höher
zu sein scheint. Und der Ausstieg aus dem Canyon, der Weg zurück
zum Plateau, auf dem unser Wagen wartet, gestaltet sich schließlich
vollends zur alpinen Prüfungsaufgabe. Zunächst steigt man an
einer vielleicht fünf Meter hohen, schon leicht durchgetretenen
Stahlleiter den gerade emporragenden Felsen hoch, hält sich dann
mit den Händen an einigen Vorsprüngen fest, sucht mit den Füßen
Halt in ebenfalls schon ausgetretenen Mulden, versucht, nicht
hinunter zu schauen – und erreicht mehr hangelnd als Kletternd
das Plateau.
Inzwischen
ist es auch schon gegen 17 Uhr, wird es bald wieder dunkel –
also Zeit, die Heimfahrt anzutreten.
Donnerstag,
27. Oktober 2005: Mazeriq
Unser
heutiger Tauchplatz liegt im Süden des Hilton. Auf dem Weg
dorthin fahren wir wieder am Hafen vorbei, der nun, nach dem
Verschwinden der Mekka-Pilger einen verschlafenen Eindruck macht,
passieren einige moderne, aber eintönige Wohnblocks – und
kommen dann durch ein Dorf,
in dem in den Höfen die Ziegen und Kamele stehen, die Menschen in
primitiv gemauerten Steinhäusern leben, aber es überall Werkstätten
für alles mögliche zu geben scheint, vor allem für das
Zusammenschweißen von Autoteilen.
Von
diesem Dorf aus geht es auf eine Geröllpiste, die direkt am
Strand verläuft, und beiderseits von achtlos weggeworfenen
Plastikflaschen gesäumt wird.
Mazeriq
ist ein steiniger Tauchplatz, das heißt, man gelangt nur über
mitunter äußerst rutschige Steine ins Wasser bis zu dem Punkt,
an dem man endlich abtauchen kann. Insgesamt besteht der
Tauchplatz dann aber aus großen Korallenbänken, schönen Fächerkorallen
auf sandigem Boden, und zu sehen bekommen wir farbenprächtige
Rotmeerwimpelfische, viele kleine Goldfische, eine kleine Muräne
und schließlich als Höhepunkt des ersten Tauchganges drei
Blaupunktrochen.
Allerdings
stoßen wir bei diesem Tauchgang auf einige Fischreusen: Im
Unterschied zum südlichen Sinai ist hier der Fischfang noch
erlaubt – was auch ein Grund ist, weshalb man hier weit weniger
Fische sieht.
Unser
zweiter Tauchgang bei Mazeriq beginnt an der Koralle, die im
Wasser einen vielleicht fünf Meter hohen, dicken runden Turm
bildet. Hier tummeln sich Kaiserfische, dazu auch einige
Papageienfische, und in einer Mulde entdecke ich einen versteckten
Kofferfisch. Beeindruckend: Die Riesenmuscheln, die am Boden
gleichmäßig ihre Schalen öffnen und schließen, ungerührt von
dem Treiben um sie herum.
Freitag,
28. Oktober 2005: Abu Lou Lou (Hilton Hausriff)
Wir
unternehmen am Vor- und am Nachmittag je einen gemächlichen
Tauchgang am Hausriff. Wobei: Das ist bisher immer noch das
fischreichste, das es hier in der Umgebung zu geben scheint.
Am
Vormittag begegnen uns gleich nach dem Abtauchen, noch über der
Seegras-Fläche, ein großer Makrelenschwarm, dazu auch noch ein
vereinzelter Kofferfisch.
Am Riff
selbst gibt es dann jede Menge Barsche, Großaugensoldaten, dazu
ein halbes Dutzend Muränen, darunter auch ein besonders großes
Exemplar von der Dicke eines Armes, das in einer Nische ruhig auf
Beute lauert. Dazu entdecken wir einen an einem Korallenstück
klebenden Anglerfisch, dazu auch noch auf einen kleinen
Steinfisch. Und natürlich gibt es auch wieder jede Menge
Rotfeuerfische!
Am Ende
des Tauchganges sehen wir an einem kleineren Riffbrocken einen
weiteren Makrelenschwarm, der gerade über einen Schwarm kleinerer
Fische herfällt.
Am
Nachmittag sind die Makrelenschwärme verschwunden, sehen wir nur
eine einzige Makrele; überhaupt ist der Nachmittag wohl nicht die
Zeit der großen Schwärme. Dafür finden wir aber die Muränen
wieder, natürlich auch die Rotfeuerfische, sehen diesmal sogar
zwei Anglerfische, auch wieder einen Kugelfisch, aber auch
Langnasendoktorfisch.
Den
ganzen Tag über ist es leicht bewölkt, über den Bergen sogar
richtig dunkel – und als wir auftauchen, fällt für einige
Minuten sogar ein leichter Regen.
Samstag,
29. Oktober 2005: Abu Lou Lou (Hilton Hausriff)
Zwei
Tauchgänge am Hausriff des Hilton, bei Abu Lou Lou, die
Abschluss-Tauchgänge meines Advance-Kurses, am Nachmittag
Fisch-Identifikation, nach Einbruch der Dunkelheit dann ein
Nachttauchgang.
Am
Nachmittag sehen wir am Hausriff immerhin ein knappes Dutzend Muränen,
die meisten davon dicht bei dicht an einem einzigen kleineren
Korallenbrocken, in direkter Nachbarschaft mit einem imposanten Drückerfisch,
dazu natürlich wieder jede Menge Rotfeuerfische, Kaiserfische,
Großaugensoldaten, Eidechsenfische, Lippfische, Barsche – und
zum ersten mal an diesem Riff auch zwei lange Schiffshalter, die
allerdings einigen Abstand zu den übrigen Riffbewohnern halten.
Der
gleiche Tauchplatz, knapp drei Stundenspäter: Das große Fressen
hat begonnen! Die Muränen, von denen man sonst meist nur den Kopf
sieht, der aus einer Höhle hervorschaut, haben ihre Stammplätze
verlassen, begeben sich wie über den Grund schlängelnd auf Jagd.
Ein großer Papageienfisch scheint sich auf der Oberkante des
Riffes zum Schlafen gelegt zu haben, Kofferfische, darunter einige
recht beachtliche Exemplare, verharren ruhig auf dem sandigen
Boden. Auf Beutezug, meist in Dreiergruppen, sind nun auch die
Rotfeuerfische, die völlig ruhig umherschweifen und dann
blitzschnell nach den kleinen Fischen schnappen. Ein Steinfisch,
auf einer Koralle liegend, kaum zu erkennen, reißt seinen Kopf
hoch, sperrt sein Maul auf – das Ende für einen unachtsamen
kleinen Fisch.
Sonntag,
30. Oktober 2005: Abu Lou Lou (Hilton Hausriff)
Am
Nachmittag wieder ein Tauchgang zum Hausriff, diesmal mit der
Kamera: Dabei kommen mir ein Kurznasendoktorfisch,
auch Einhornfisch genannt, Muränen
und Rotfeuerfische,
ein Kofferfisch
und schließlich auch ein kaum von „seiner“ Koralle zu
unterscheidender Anglerfisch vor die Linse.
Montag,
31. Oktober 2005: Taba, Pharaoneninsel
Etwa
viertel vor Acht, mit 15 Minuten Verspätung, werden wir zu
unserer Tagestour ins 80 Kilometer entfernte Taba und zur
Pharaoneninsel abgeholt. Die gut einstündige Fahrt führt fast
die ganze Zeit unmittelbar der Küste entlang, auf der linken
Seite die Berge, die weiter im Norden auch eine dunklere Farbe
anzunehmen scheinen, auf der rechten Seite das Meer.
Und die
zweispurige Küstenstraße trennt offenbar auch zwei Welten.
Eigentlich verzeichnet unsere Karte vom Sinai zwischen Nuweiba und
Taba keine weiteren Ortschaften, und Ortschaften im eigentlichen
Sinn gibt es auch tatsächlich nicht – aber überall entlang der
Küste sieht man siedlungsähnliche Ansammlungen, in der Nähe von
Nuweiba noch ziemlich einfache Traveller-Unterkünfte, weiter im
Norden dann große Hotel- und Ferienanlagen, viele aber
offensichtlich leer stehend, andere im Rohbau und womöglich schon
seit Jahren verlassen. Andere dagegen sind wirklich in Betrieb,
und je mehr wir uns Taba nähern, desto dichter aneinander liegen
auch diese Anlagen.
Auf der
Bergseite dagegen passieren wir immer wieder kleinere
Beduinensiedlungen, meist nur aus einigen weinigen ärmlichen
Stein- oder Palmenhütten bestehend, in denen zwischen den
einzelnen Höfen Kamele und Ziegen äsen. Kurz vor Taba erhaschen
wir bei der Vorbeifahrt schließlich auch einen schnellen Blick
auf die Pharaoneninsel mit ihrer mittelalterlichen Burg.
Abgeschirmt
wie Festungen sind auch die Hotelanlagen: An den Eingängen stehen
bewaffnete Wachposten, einfahrende Fahrzeuge werden durchsucht,
vor einer Anlage sehen wir sogar einen Schützenpanzer – und im
Hilton-Hotel von Taba müssen alle Besucher vor dem Einlass eine
Sicherheitsschleuse passieren, auch ihr Gepäck durchsuchen
lassen. Die Spuren vom Bombenanschlag auf das Hauptgebäude sind
dennoch erkennbar; die Wiederaufbauarbeiten bei zwei Aufgängen
noch immer nicht abgeschlossen.
Das
Tauchzentrum des Hilton ist buchstäblich das letzte Haus von Ägypten:
Schwimmen, Schnorcheln oder gar Tauchen jenseits des Bootssteges
sind verboten, dahinter liegt ein Polizeiboot, man sieht Wachtürme
– und keinen Steinwurf entfernt ein weißes Haus mit der
Aufschrift „Welcome to Israel“.
Auf der
Taba gegenüberliegenden östlichen Seite des Golfes erkennt man
klar den Hafen von Aquaba, in dem gerade eine der Fähren aus
Nuweiba liegt, Richtung Nord sieht man die Häuser von Eilat,
verglichen mit Aquaba oder Taba eine wahre Großstadt.
Damit
ist die Fahrrichtung des Tauchbootes, auf dem wir den Tag
verbringen werden, vorgegeben: Richtung Süden. Zunächst steuern
wir den etwa 45 Bootsminuten entfernten Tauchplatz Ras Amira –
gegenüber dem Hyatt-Hotel – an. Das Wasser ist hier keine zehn
Meter tief, absolut klar – und auf dem Boden erkennt man die
Korallenbänke ganz deutlich. Auch der nächste Tauchplatz, die
Leute von der Tauchstation nennen ihn „Fjord“, weil er in
einer Bucht liegt, ist ganz ähnlich: Kristallklares Wasser, nicht
sehr tief, Korallenbänke, die bis an die Felsen des Ufers
reichen.
Und
schließlich, als dritte Station, die Pharaoneninsel, ein ziemlich
nahe am Festland gelegenes Felsinselchen, eine Lagune, vielleicht
einmal ein künstlich angelegter Hafen, auf der
festlandzugewandten Seite die mittelalterliche Burg mit Zinnen und
Schießscharten – und auf der dem Golf zugewandten Seite noch
einigermaßen erhalten Reste der mauer, die früher vielleicht
einmal die ganze Pharaoneninsel umschlossen haben mag.
Wie
gewaltig die Anlage wirklich ist, erkennt man aber erst beim
Umfahren der Insel: Auf der Seite zum Sinai stehen noch immer die
der eigentlichen Burganlage vorgelagerten Wachtürme und die
Mauer. Wer immer diese Burg errichten ließ, um damit die Zufahrt
nach Aquaba unter Kontrolle zu haben – seine Feinde erwartete er
bei dieser Bauweise wohl vom Sinai.
Es ist
schon 16 Uhr durch, als wir wieder in Taba anlegen – und bereits
dunkel, als wir wieder unser Hotel in Nuweiba erreichen.
Dienstag,
1. November 2005: Abu Lou Lou
Ein
letzter Tauchgang am Hausriff des Hilton-Nuweiba: Noch auf der
„Wiese“ von Seegras scheint uns ein Hecht zu erwarten. Dazu
begegnen wir wieder unseren Muränen, die heute Nachmittag auch
etwas weiter aus ihren Nischen hervorlugen als sonst, eine sogar
ganz herausschießt, um sich auf die Jagd zu begeben,
Papageienfische, Koffer- und Doktorenfische – und natürlich die
hier unvermeidlichen Rotfeuerfische.
Mittwoch,
2. November 2005: Eilat
Zwei
Foto-Stopps auf dem Weg zur ägyptisch-israelischen Grenze bei
Taba:
Den
ersten legen wir bei einer kleinen romantischen Lagune in der Nähe
von Taba ein, ein abgelegener Flecken – aber immerhin als
Tauchplatz ausgewiesen – der uns bereits bei unserer ersten
Fahrt nach Taba aufgefallen war.
Und den
zweiten Stopp machen wir gegenüber der Pharaoneninsel: Vom
Festland aus bietet die Burg mit all ihren Wehranlagen noch den
imposantesten Eindruck!
Eine
komplette Stunde benötigen wir schließlich, um an der Grenze von
der ägyptischen Seite bis zum Taxistand auf der israelischen
Seite zu gelangen. Das liegt allerdings weniger an den Kontrollen
selbst als vielmehr daran, dass wir das Pech haben, hinter einer
russischen Reisegruppe zu stehen, die mit ihrem kompletten Gepäck
hinüber will. Für uns gestaltet sich der Übergang dagegen
erstaunlich unproblematisch: Auf ägyptischer Seite zahlt man zwei
Pfund für die Ausreise, durchquert die Sicherheitskontrollen,
dann folgen die Sicherheitskontrollen auf israelischer Seite, für
uns auch nicht wesentlich strenger – und dann sind wir auch
schon an der Passkontrolle. Als wir das Grenzgebiet verlassen
wollen, werden wir allerdings noch einmal zurück geschickt. Wir
haben zwar erkennbar keinerlei Gepäck bei uns, brauchen aber auf
dem Papier der Sicherheitskontrolle auch noch den Stempel, dass
wir keine zollpflichtigen Waren mit uns führen.
Dann
endlich können wir ins Taxi steigen, lassen uns für 35 Schekel,
etwa sieben Euro, ins Zentrum von Eilat bringen.
Das
israelische Feriengebiet reicht wie das ägyptische bis
unmittelbar an die Grenze – wobei die Anlagen auf der
israelischen Seite allerdings um einiges dezenter wirken, auch
nicht an die Strand-, sondern die Landseite der Straße gebaut
sind. Nach kurzer Fahrt passieren wir dann den Hafen von Eilat. In
Massen entladen werden japanische Autos, beladen werden die
Schiffe mit Salz vom Toten Meer. Unser Taxifahrer macht uns auf
– die nicht mehr benutzten – Öltanks aufmerksam. Bis in die
70-er Jahre hatte Israel sein Öl aus dem Iran bezogen – über
den Hafen von Eilat.
Nach
etwa 15 Minuten haben wir das Stadtzentrum, zumindest das, was
unser Taxifahrer dafür erklärt, erreicht. Und von der
touristischen Logik her ist es auch das Zentrum: Hier stoßen nämlich
die Strandpromenade, geprägt von der Sihoulette der großen
Hotels, und das Einkaufsviertel der Stadt aufeinander. Auch das
Rollfeld des Airports endet an diesem Punkt. Zentraler geht es nun
also wirklich nicht mehr.
Der
Strand von Eilat ist, gemessen an den Stränden der ägyptischen
Touristenorte auf dem Sinai, kaum mehr als eine öffentliche
Badeanstalt – doch dafür um einiges lebendiger. Gleich an die
Strandpromenade liegt ein Basar, die Geschäfte an der Promenade
demonstrieren internationalen Standard, die luxuriösen Hotels,
als erstes das Hilton, hier mit filigraner Fassade, liegen dicht
an dicht. Den Abschluss dieser Hotelparade bildet das „Herods“,
ein palastartiger Bau mit Palmen auf dem Dach und auch auf den
Balkonen seiner Zimmer.
Eine
Mole, von deren Spitze aus man noch einmal über das ganze
Panorama dieses kosmopolitischen Fleckens sieht, auf den Strand,
auf einige wenige Hochhäuser in der eigentlichen Stadt, auf die
Berge und auf die Negev-Wüste, markiert den Grenzpunkt: Bereits
nach wenigen hundert Metern Strandleben beginnt das Grenzgebiet zu
Jordanien.
Gegen 16
Uhr – bei der Ausreise aus Israel mussten wir noch einmal pro
Person 71 Schekel Gebühr bezahlen – sind wir wieder in Taba und
treten die Heimfahrt nach Nuweiba an.
Donnerstag,
3. November 2005: Nuweiba – Sharm – El Skeik
Pünktlich
um 11 Uhr werden wir für den Heimflug abgeholt. Kurz hinter Dahab
machen wir noch eine kurze Rast an einem einsamen Beduinenzelt. Es
gibt Tee, vor dem Zelt langweilen sich ein Esel und ein Kamel,
warten auf weitere Gäste. Wir selbst haben ja keine Zeit mehr zu
einem letzten Ausritt in die Wüste.
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