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Im Herzen von
Luxor, direkt am Nil: Der "Luxor-Tempel" |
Theben-West:
Eseltreiber warten an der Fähre auf Kundschaft |
Im Tal der
Könige: Der Tempel von Pharaonin Hatschepsut |
Im
Tempel-Komplex von Karnak: Der "Heilige See" |
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Fischerboote
im Hafen von Hurghada - am Roten Meer |
Am Stadtrand
von Kairo: Ein großer Kamelmarkt |
Auf dem
Pyramiden-Feld von Gizeh: Die Cheops-Pyramide |
Fayum: Eine
Oase mit See - mitten in der Wüste |
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In der Altstadt
von Kairo: Der große Basar |
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Gesehen vom
Kairo-Tower: Der Nil und Kairos Skyline |
Reiseroute und
beschriebene Orte: Kairo -
Alexandria - Luxor
- Hurghada -
Suez - Kairo -
Sakkara - Memphis
- Gizeh
- Kairo
- Fayum - Kairo
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Samstag, 5. April 1986: Kairo - Alexandria
Einstimmung auf das Land bereits am Flughafen: Parallel zu
unserer Maschine ist das Flugzeug aus Mekka gelandet, bringt die Pilger nach Hause.
Morgens um zwei Uhr herrscht nun Hochbetrieb auf dem Flughafen, doch es geht bei aller
Hektik alles seinen geregelten Gang.
Die Pilgergruppe wird zügig abgefertigt; ein Mann mit einem
braunen Koffer, der sich vorzudrängeln versucht, wird vom Officer ans hintere Ende der
Schlange zurückgejagt, als letzter abgefertigt, zu der Zeit etwa, als eine halbe Stunde
später auch wir die Grenze passieren können.
Und das ist gar nicht so einfach: Für das Visum benötigen wir
die Bescheinigung über den Mindestumtausch in Höhe von 150 US-$ von der Bank - und was
bei dem einen Bankschalter 350 DM wären, sind an dem anderen unmittelbar daneben 400 DM.
Mit der Umtauschbescheinigung gehts also zurück zum Office - aber niemand hat uns
gesagt, daß wir am Bankschalter auch für drei ägyptische Pfund die Marken für die
Einreise hätten kaufen müssen. Also wieder zurück, die Marken gekauft, dann die Pässe
bei dem einen Beamten abgegeben, der reicht sie zur Kontrolle an den nächsten Beamten -
und nach weiteren zehn Minuten ist dann endlich alles erledigt.
Zu viert - zusammen mit den drei Reisenden, die ich im Flieger
kennenlernte -steigen wir in ein Taxi, wollen zunächst für sieben Pfund zum Nil-Hilton,
überlegen es uns dann doch anders, unternehmen statt dessen eine erste Spritztour zur
Sphinx und zu den Pyramiden.
Der erste Eindruck von der Sphinx bei Nacht ist enttäuschend.
Eingemauert, umgeben von einem Bau- und Trümmerfeld, ist sie nicht gerade eine imposante
Erscheinung.
Einer der Pförtner spricht uns an: Für angeblich einen Pfund
dürfen wir alle auf das Gelände. Der Sternenhimmel ist klar, und von nahe reicht das
Sternenlicht aus, die Sphinx in natürlicher Schönheit zu betrachten.
Offensichtlich sind gerade einige Rekonstruktionsarbeiten im
Gange: Ein Schienenstrang führt um die Sphinx herum, überall liegen Bauteile.
Vom Gesicht sehen wir nicht allzuviel, dafür springen als
erstes die gigantischen Füße ins Auge. Beim Rundgang um die Figur stoßen wir auf eine
Öffnung, die unter die Sphinx führt und die angeblich bis zum Grund des Nilwassers
reichen soll.
Auf dem Gelände wollen unsere Führer, wir haben mittlerweile
vier, plötzlich von jedem von uns zehn Pfund haben. Wir lehnen ab, zahlen aber
schließlich pro Person ein Pfund.
Unser Taxifahrer fährt uns die Straße noch weiter hinauf,
hält vor einer der Pyramiden. Sie liegt fast unmittelbar an der Straße, unter uns
befinden sich bereits die Ausläufer von Kairo.
Den Rest der Nacht verbringen wir bis fünf Uhr früh im Café
des Nil-Hilton. Die Dämmerung vollzieht sich schnell, und eine halbe Stunde warte ich auf
dem Platz vor dem Hotel auf den Bus nach Alexandria.
Um sechs Uhr früh, es ist bereits hell, herrscht hier bereits
Hochbetrieb. An einem Stand wird Reis verkauft, den die Passanten in schmuddeligen
Plastiktellern essen, an anderen Ständen gibt es Zeitungen, Zigaretten und mehr.
Den Weg nach Alexandria verbringe ich im Halbschlaf. Der Bus
nimmt die Wüstenroute. Vor Alexandria erscheint die Gegend kultivierter; schnurgerade
Wasserstraßen durchziehen die Landschaft.
Kurz nach neun Uhr ist der Bus im Stadtzentrum. Ich steige im
"St. Stephano" ab, einem Hotel mit dem verblassenden Charme der britischen
Kolonialherrschaft.
Am Abend treffe ich, wie schon in Berlin verabredet, mit Ruga
zusammen.
Sonntag, 6. April
1986: Alexandria
Wir fahren gegen Mittag zum Fort Kait Bey, passieren dabei die
imposante Küstenstraße Alexandrias fast in ihrer gesamten Länge. Alexandria zeigt sich
als moderne Großstadt, die so auch an jedem anderen - südlichen - Platz der Welt stehen
könnte.
Im Fort Kait Bey erhalte ich zunächst einmal eine Lektion
über den ägyptischen Umgang mit Fremden. Zehn Piaster kostet der Eintritt für Ruga, ein
Pfund für mich. Die Fototasche kann ich nur behalten, weil Ruga sie übernimmt. So kostet
es nur ein Pfund; für mich hätte die Fotoerlaubnis zehn Pfund gekostet.
Das Fort Kait Bey, erbaut an der Stelle, an der einst der
Leuchtturm von Pharaos stand, ist eine recht eindrucksvolle Festung. Die Ausstellung im
Inneren der Anlage befaßt sich mit dem Untergang der napoleonischen Flotte vor
Alexandria. Zu sehen sind Flottenzeichnungen Napoleons, französische Weinflaschen, alte,
halb verrostete Bohlen sowie einige französische Münzen, dazu auch noch einige alte
Waffen aus der Zeit der Türkenherrschaft, mächtige Gewehre und verzierte Säbel.
Im unteren Geschoß befinden sich Reliefdarstellungen aus dem
antiken Ägypten, darunter eine, die die Geschichte einer Seereise erzählt.
Wichtiger aber ist: Von den Außenmauern des Forts genießt man
einen Rundblick über den alten Fischereihafen und über die sich kilometerlang
erstreckende Skyline des modernen Alexandria.
Montag, 7. April
1986: Alexandria
Mein Einstieg in das alte Ägypten erfolgt über die Römer,
über das griechisch-römische Museum von Alexandria. Die einzelnen Ausstellungsstücke
sind zwar bei weitem nicht so beeindruckend wie etwa die Nachbauten des Ägyptischen
Museums in Berlin, aber die Zusammenstellung hier hat den Vorteil, in chronologischer
Reihenfolge die Geschichte eines Teils von Ägypten zu erzählen - wobei es mit dieser
chronologischen Reihenfolge mitunter jedoch nicht so genau genommen wird.
Begrüßt wird man von einem gewaltigen Stier, gearbeitet aus
schwarzem Granit oder Alabaster, eine Skulptur aus der Römerzeit.
Ägyptische Monumente sind eindeutig in der Minorität, auch
wenn deutlich wird, wie der ägyptische auf den römischen Stil abgefärbt hat. Makabres
Beispiel dafür: ein mumifizierter römischer Legionär. Sein jugendliches Gesicht ziert
den Deckel seines Sarges, aus den Leinen lugen am unteren Ende die Zehen hervor, so, als
seien sie eingeschlafen und warteten darauf, durch ein Kitzeln am Fuß geweckt zu werden.
Zwei Ausstellungsstücke haben mich besonders beeindruckt: Eine
Büste von Cäsar, eine Arbeit in weißem Marmor, bei der die Stirnfalten noch genau zu
sehen sind, Cäsar den Eindruck eines nachdenklichen Mannes macht, ohne den üblichen
heroischen römischen Pathos, hellenistische Kunst in ihrer höchsten Blüte.
Nicht weniger eindrucksvoll ist im Nachbarsaal die
Aphrodite-Skulptur, eine Figur von ungewöhnlicher erotischer Ausstrahlungskraft, mit
einem idealisierend nachempfundenen weichen Körper voller schwungvoller Linien, kein
Detail verbergend, in der Pose einer Frau, die sich gerade wieder bekleidet.
Gut aufgebaut und klar gegliedert ist die enorme Münzsammlung,
beginnend bei den griechischen Kolonialmünzen - Cleopatra, die letzte ägyptische
Königin, kann so schön übrigens nicht gewesen sein, wenn die Münzporträts authentisch
sind; vermutlich sind sie aber sogar noch geschmeichelt - über die byzantinische Zeit bis
hin zur islamischen Periode.
Vom Museum aus gelange ich, zum Teil mit der Straßenbahn, zur
Pompejussäule, einer auf einem Hügel stehenden Säule in einer Art, von der es anderswo
wahrscheinlich gewaltigere Exemplare gibt. Eigenartig ist aber die Verbindung von
römischem und ägyptischem Stil: Vom Rande des Geländes, unterhalb des Hügels, schaut
es so aus, als wenn die beiden davor aufgestellten Sphinx-Skulpturen die Säule bewachen.
Das Gelände ist umgeben von Wohnhäusern, und die Alexandriner
bekunden nur wenig Respekt vor ihren Altertümern. Am Rand des Grabungsgeländes liegt der
Müll, der einfach hinunter geworfen wurde.
Die Straße, die von der Pompejussäule zu den Katakomben
führt, zeigt die andere Seite Alexandrias, obwohl auch sie wahrscheinlich noch weit davon
entfernt ist, ein Elendsgebiet genannt zu werden. Ziegen weiden in halboffenen
zerfallenden Unterständen, die Fahrbahn starrt vor Schmutz.
Gegenüber dem Café , in dem ich kurz Pause mache, sitzt ein
Handwerker im Schlafanzug vor seinem Laden.
Von den Katakomben kann nur das oberste der drei Stockwerke
besichtigt werden. Ins Auge fällt zunächst die Begräbnishalle, in der die römisch
erzogenen Alexandriner ihre Toten zu betrauen pflegten.
Angeblich sollen die Katakomben römischen, griechischen und
ägyptischen Stil miteinander verbinden; herausragend ist aber nur der ägyptische Stil
mit seinen Götterdarstellungen auf den Sakrophagen. Wie mir der Führer in gebrochenem
Englisch erklärt, waren die hier begrabenen Toten - 300 Mumien wurden gefunden -
Anhänger des Iris-Kultes.
Leider sind auch die Katakomben ein Beleg für die schizophrene
Umgangsart der Ägypter mit ihren Altertümern: In den beiden unteren Stockwerken hat die
Kanalisation für eine Überschwemmung gesorgt, und das Wasser geht hoch bis zum ersten
Stockwerk..
Auf dem Rückweg eine für Ägypten erstaunliche Taxifahrt: Der
Fahrer hat das Taxameter angestellt und fährt den kürzesten Weg. 80 Piaster zeigt das
Taxameter an, ich zahle ihm 1,20 Pfund. Mit zwei Pfund hatte ich ursprünglich gerechnet.
Dienstag, 8. April
1986: Alexandria
Den Vormittag verbringe ich mit Magenkrämpfen und Durchfall im
Hotelzimmer; erst um 14 Uhr kann ich mich allmählich hochrappeln.
Gegen 15 Uhr stehe ich auf einem Platz, der auf der einen Seite
vom Denkmal des unbekannten Soldaten, auf der anderen Seite vom Reiterstandbild Mohammed
Alis begrenzt wird: Einer der belebtesten Plätze von Alexandria, Knotenpunkt für
Straßenbahnen, Taxis, Privatautos, Pferdekutschen und Eselkarren.
Hier treffe ich mich mit Ruga, und wir gehen nun zur einige
Querstraßen entfernt liegenden Druckerei seines Vaters. Jenseits der Hauptstraße setzt
Alexandria ein anderes Gesicht auf: Der Dreck türmt sich auf der Fahrbahn, Katzen und
Kinder durchstöbern die Müllberge.
Die Druckerei ist ein Stück für das Handwerksmuseum, alles
wird tatsächlich per Hand gefertigt, für einige Piaster Lohn. Ruga und ich erledigen
zusammen den Auftrag eines Gemüsehändlers aus der Nachbarschaft: 100 Visitenkarten will
er haben, zahlt dafür sechs Pfund. Der Kunde ist eine Ausnahmeerscheinung: Er zahlt im
voraus und ohne um den Preis zu feilschen. Zunächst werden die einzelnen Lettern
zusammengesucht und mit den Zwischenstücken in die Druckform geschraubt: eine Arbeit, die
sich als gar nicht so einfach erweist, weil viele Buchstaben bereits verbraucht sind und,
nachdem die Form schon fertig ist, wieder ausgetauscht werden müssen.
Dann wird die Form in die Handpresse gehängt, jede
Visitenkarte wird einzeln in die Maschine eingelegt, mit Stecknadeln fixiert, die Presse
mit der Hand hochgezogen - und das einhundert mal.
Damit sind die Karten aber noch längst nicht fertig. Nun
werden sie mit einer Art weißem Mehl bestäubt, was dem Druck seine Feuchtigkeit nimmt.
Als nächstes hält Ruga dann jede einzelne Karte über einen Spirituskocher, der mit
einem Metallteller abgedeckt ist, fährt mit den Spitzen einer erwärmten Pinzette über
die Schrift, die dadurch aus der Pappe hervorquellt.
Etwa um 17 Uhr haben wir mit der Arbeit begonnen, um 20 Uhr
sind die 100 Visitenkarten für den Gemüsehändler fertig.
Und da sage noch einer, Handwerk habe goldenen Boden!
Mittwoch, 9. April
1986: Alexandria - Kairo
Um 13.15 Uhr verläßt der Zug den Bahnhof Sidi Gerba von
Alexandria, passiert noch eine ganze Weile danach die sich scheinbar endlos dahinziehenden
Vororte und Neubaugebiete.
Das Niltal, wie es sich vom Zug aus darstellt, ist von
unbegrenzter Fruchtbarkeit. Wasserbüffel und Esel weiden an den Ufern der Nilarme,
überall sieht man Bauern auf den grünen Feldern.
Dörfer, Städte, Felder - alles scheint sich in dieser dicht
besiedelten Gegend zu verwischen. Die Dörfer bestehen teils aus Lehmhütten, mit Stroh
überdacht, daneben finden sich aber schon "moderne" zweistöckige Ziegelbauten.
Überall baden nackte Jungen, auch einige junge Männer, im
brackigen Nilwasser.
Die - pünktliche - Einfahrt in Kairo vollzieht sich fast
unendlich. Zunächst glaubt man, ein Dorf zu passieren, dann eine ländliche Kleinstadt,
in der die Ziegen die nie aufhörenden Müllberge nach Freßbarem durchforsten.
Schließlich werden die Häuser größer, die Straßen belebter; man weiß, daß dies
Kairo sein muß.
Der Bahnhof allerdings scheint kaum zu dieser größten Stadt
Afrikas, vielleicht der größten der Welt, zu passen: Eine Bahnhofshalle, die zwar recht
groß ist, aber ärmlich ausgestattet, dazu ein Bahnhofscafé, wie es eben einem
Provinzbahnhof zusteht.
Erstaunlich: Als ich das Schlafwagenticket für Luxor buche,
muß ich meinen Paß vorzeigen, die Paßnummer wird ins Ticket eingetragen. Der Preis
beträgt 40 Pfund, immerhin 70 DM. Ich glaube, ich habe den speziellen Touristenzug
genommen. Um 19 Uhr soll er abfahren.
Bis dahin würde ich zwar gerne einen Spaziergang, etwa zur
nahe gelegenen Stadtmauer, unternehmen, aber es gibt hier weder Schließfächer noch eine
andere Möglichkeit, das Gepäck aufzubewahren.
Donnerstag, 10.
April 1986: Luxor
Morgens um 5.30 Uhr wache ich im Zug nach Luxor auf: Es ist
bereits hell, wir passieren ein fruchtbares Land, voller kultivierter Felder, bewässert
mit Kanälen des Nilwassers, kleine Ortschaften, auch einige Städte.
Die Ortschaften machen einen bescheidenen Eindruck, aber es
fehlt der Schmutz, der überall in Kairo ins Auge stach.
Gegen acht Uhr sind wir, mit einer halben Stunde Verspätung,
in Luxor. Gegen meinen Willen lasse ich mich in ein Hotel lotsen; das Zimmer ist sauber,
es gibt sogar fließendes heißes Wasser, zum "Winter Palace" und zum
Luxor-Tempel sind es zu Fuß nicht mehr als zehn Minuten, aber ich ärgere mich schon,
weil ich den Preis von 10 Pfund nicht heruntergehandelt habe, und das Hotel in einem
modernen Mietshaus untergebracht ist, wo man nirgends gemütlich sitzen kann..
Den Vormittag verbringe ich im Luxor-Tempel: Schon die
"Auffahrt" ist beeindruckend, eine Art Allee, links und rechts die steinernen
Sphinxe, eine ganze Kette, die meisten Skulpturen dabei noch sehr gut erhalten. Der
Haupteingang liegt merkwürdigerweise oder auch zur Bequemlichkeit der Touristen
unmittelbar neben dem Hauptportal, so daß niemand die Sphinx-Straße passieren muß.
Trotzdem: Diesem Weg der der Pharaonen zu folgen, dann das Portal mit seinen beiden
mächtigen Statuen und den Obelisken zu durchschreiten - das ist schon ein eigenartiges
Gefühl von Größe!
Es folgt ein Gewirr von Säulengängen, klar gegliedert, mit
Nischen und halb abgetrennten Räumen, immer wieder durchsetzt mit Pharaonen-Statuen, bis
man schließlich ins Allerheiligste gelangt
Vom eigentlichen Tempel aus nicht zugänglich ist die Moschee,
die unmittelbar hinter dem Hauptportal errichtet wurde. Ich entdecke sie auch erst, als
ich den Tempel von außen umkreise.
Mittags wird die Hitze unerträglich, ich ziehe mich für zwei
Stunden auf mein Zimmer zurück, gehe anschließend zum Swimmingpool des "Winter
Palace", einem vornehmen alten Hotelbau mit einem sehr schönen Garten und, von der
Terrasse aus, einem exzellenten Blick auf den Nil.
Abends im Museum: Das Luxor-Museum ist um einiges moderner
eingerichtet und besser ausgestattet als das Museum in Alexandria, die Beschriftungen hier
sind auf arabisch, englisch, französisch und auch deutsch. Doch die zahlreichen
Pharaonen-Statuen strahlen kaum Individualität aus, wirken auf Dauer eintönig.. Amüsant
ist das Bett von Tut-Ench-Amun, für unsere Begriffe eher das Bett für einen Zwerg mit
verkrümmten Rückrat: kaum 1,70 Meter lang, wie eine Banane gebogen, dazu mit einem
goldenen Aufsatz, einem "Kopfkissen" - ein wahres Gegenstück zu den imposanten
Ausmaßen der Tempel. Wer in einem solchen Bett schlafen mußte, konnte wahrlich kaum alt
werden.
Ein Abend am Nil macht klar, warum der Nil als der Vater der
Flüsse bezeichnet wird: Die untergehende Sonne setzt ihn in ein mattes Licht, in dem er
majestätisch dahinfließt.
Freitag, 11. April
1986: Luxor
Die ganze Nacht über lassen mich die Flöhe in meinem Bett
kein Auge zudrücken. Dabei hatte das Hotel auf den ersten Blick einen durchaus sauberen
Eindruck gemacht! Um 2.30 Uhr morgens wecke ich den Nachtportier, aber der kann oder will
nicht verstehen,um was es mir geht. Schließlich gibt er mir ein Bett in einem anderen
Raum - zwar ohne Flöhe, aber dafür ist es angebrochen und wackelt fürchterlich. Ich
finde in dieser Nacht keinen Schlaf.
Kurz nach sieben Uhr morgens breche ich mit meinem Führer
Mohammed Hassan, einem vielleicht 60jährigen Mann, der mich am Tag zuvor angesprochen
hatte, auf die "andere Seite" des Nil, nach Theben-West, auf. An der
Anlegestelle der Fähre warten bereits die Esel. Wir nehmen uns zwei Tiere, reiten
zunächst in das nahe liegende Bauerndorf, trinken in Mohammeds Haus Tee.
Sein Haus hat zu ebener Erde vielleicht drei Räume, in allen
stehen Kanapees. Hühner laufen durch die "Küche". Sieben Kinder hat Mohammed
zu versorgen, sechs davon Mädchen, fünf davon müssen noch verheiratet werden. Eine
Pilgerreise wie einer seiner Nachbarn konnte sich Mohammed nie leisten. Der Nachbar hat
sein Haus nun mit den Bildern von Flugzeugen, Schiffen und Symbolen von Mekka verziert.
Zunächst reiten wir die Hauptstraße entlang, passieren die
Memnos-Kolosse, von wo aus man einen guten Blick auf die Berge und die hineingeschlagenen
Höhlen hat. Schließlich biegen wir ab nach Medinet Habu, dem Totentempel des Ramses und
einiger anderer Pharaonen. Die Anlage dürfte von ihrer Größe her im ursprünglichen
Zustand den Luxor-Tempel auf der Ostseite um einiges in den Schatten gestellt haben. 1803
jedenfalls beeindruckte diese Anlage einen gewissen Mr. J. Danny dermaßen, daß er hier
seinen Namen mit einer tiefen Eingravierung für die kommenden Generationen verewigen
mußte. 1804 und 1818 taten es dann andere Reisende, vermutlich aus dem Vereinigten
Königreich von Großbritannien, ihm nach.
Durch eine kahle, staubige Gebirgslandschaft, die aus einer
Reisebeschreibung von Karl May stammen könnte, geht es weiter in das Tal der Königinnen,
während die Hitze, es ist inzwischen 10 Uhr, anfängt, unerträglich zu werden.
Im Tal der Königinnen besichtige ich zwei oder drei Gräber,
darunter das eines Sohnes von Ramses, alle noch mit hervorragend erhaltener Bemalung,
wobei meist die ägyptischen Götter Osiris und Iris dargestellt wurden. In einem der
Gräber steht sogar noch der Sakrophag, daneben, unter Glas, liegt die Mumie eines
Embryos.
Letzte Station an diesem Tag ist das "Tal der
Arbeiter" und der daneben liegende, relativ kleine Tempel, den einer der
Ptolomäer-Pharaonen erbaut hat.
Das Tal der Arbeiter mit den Resten von kümmerlichen
Behausungen hebt sich schon vom Material her von den Tempeln ab. Hier wurde kein Granit
oder Alabaster verwendet, hier reichten gebrannte Ziegel und Sandstein, und selbst die
nach den Fundamenten erkennbaren "größeren" Räume waren winzig gemessen an
den kleinsten Nebenhallen der Tempel. So lebten die namenlosen wirklichen Erbauer des
hunderttorigen Theben!
Eine leicht makabre Absonderheit weist der danebenliegende
Ptolomäer-Tempel auf: Links vom Eingang, in der äußersten Ecke, ragt eine eingefallene
Mumie aus einem Erdloch, kaum noch mehr als ein - leicht beschädigtes - Skelett in seiner
tiefbraunen Umhüllung.
Zurück geht es über die Feldwege, an Zuckerrohr- und
Getreidefeldern vorbei, und unterwegs begegnen wir einer gemischten Kamel- und
Eselskarawane, unterwegs zur Arbeit auf den Feldern. Dem Nil zugewandt ist das Land eine
einzige fruchtbare Oase, aber das Dorf, in dem Mohammed Hassan lebt, ist trotzdem
äußerst ärmlich. Weil ein einzelner Eselkarren mit seinem Viehfutter die gesamte
Straße versperrt, müssen wir auf einen der Höfe ausweichen.
Während Mohammed Hassan schläft, unterhalte ich mich mit
seinem einzigen Sohn, einem 15jährigen Schüler, der aber ein hervorragendes Englisch
spricht, selber gerne Englischlehrer werden würde. Doch dazu muß er auf die
Universität, aber in Südägypten gibt es nur eine, und die in Kairo wird er sich nicht
leisten können. Deshalb wird er wohl Polizist werden müssen.
Am Nachmittag wechsele ich das Hotel, ziehe um ins
"Savoy", direkt am Nilufer gelegen. Das Hotel ist vergleichbar mit dem "St.
Stephano", kostet auch genausoviel, 15 Pfund pro Nacht.
Am Abend fahre ich noch mit der Kalesche hinaus zum
Karnak-Tempel, der wohl größten Tempelanlage, die überhaupt auf der Welt existiert.
2000 Jahre wurde an ihr gebaut; jetzt ist sie die Kulisse eines eigenartigen
Touristenspektakels, zu dem Abend für Abend hunderte von Reisenden pilgern: den "Son
et Lumière".
Weil ich zu spät für die erste Vorstellung komme, versuche
ich einen Spaziergang um das Dorf Karnak, eine Ansammlung einfachster Häuser, zum großen
Teil ohne Fenster, ein Dorf ohne erkennbare Straßen und Strukturen.
Dann sammeln sich die Touristenscharen vor dem Hauptportal des
Karnak-Tempels, eine Musik wie aus einem Monumentalfilm ertönt, das Licht geht kurz aus,
eine Stimme spricht ihr Willkommen aus, erklärt, daß man nun angelangt sei im "Haus
des Vaters", im Tempel des Gottes Amun.
Die Show ist perfekt gemacht und ergreifend. Die Lichter zeigen
auf ein Monument oder eine Statue, die fängt an, ihre jeweilige Geschichte zu erzählen.
Die Statue von Ramses II und Ramses III, die Statue des Landvermessers und des Gottes Amun
selbst - so geht es durch die ganze Anlage, bis hin zum "Heiligen See", an dem
extra erhöhte Tribünen errichtet sind.
Nun kommt der Höhepunkt, an dem gleichsam im Spiel des Lichtes
der ganze Tempel seine Geschichte zu erzählen scheint, von der Verehrung des Amun
während der ganzen Periode des ägyptischen Reiches, von den Unruhen unter Echnaton, von
den Obelisken der Hatschepsut und schließlich vom Untergang des Reiches und ihres
obersten Gottes, als die Griechen und später die Römer kamen.
Aber, so der Schluß, Karnak und sein Gott haben Babylon und
Ninive, Alexander und Cäsar überstanden, es ist immer noch da, und mehr als ein
Ruinenfeld.
Samstag, 12. April
1986: Luxor
Am späten Vormittag sitze ich wieder in der Nil-Fähre,
diesmal mit einem anderen Führer, weil ich die Verabredung mit Mohammed Hassan
verschlafen habe. Auch mein neuer Führer kommt aus dem kleinen Dorf gegenüber von Luxor,
er sagt, er sei der Neffe von Mohammed. Jedenfalls scheint er ihn wirklich zu kennen, und
er empfiehlt mir für Hurghada auch das gleiche Hotel, was tatsächlich dafür spricht.
An der Anlegestelle steigen wir auf die letzten beiden Esel,
die dort noch warten, nehmen zunächst die gleiche Route wie am Vortag, biegen dann
allerdings nach Norden ab, passieren ein am Berghang gelegenes winziges Dorf aus einfachen
Lehmziegelbauten, erreichen dann den Tempel der Hatschepsut.
In den Reiseführern wird der Totentempel der Pharaonin als
eines der Wunder Ägyptens bezeichnet, und er ist wohl tatsächlich der erste oder auch
einzige derartige Tempel in diesem Land. Mir scheint ein anderer Vergleich zutreffender,
den am Morgen beim Frühstücksgespräch ein Tourist anbrachte: Der Hatschepsut-Tempel
erinnert an ein Elektrizitätswerk.
Er ist wirklich ein "modernes" Bauwerk, mit
viereckigen statt runden Säulen und selbst die drei Terrassen wirken angesichts seiner
Lage vor allem zweckmäßig. Sakral mutet allenfalls die Auffahrtsrampe an, doch auch die
läßt sich wahrscheinlich als die zweckmäßigste Bauform erklären.
Vom Hatschepsut-Tempel aus reiten wir zurück durch das Dorf in
ein Rasthaus, unmittelbar neben dem Ramsesseum. Sicher war das eine bedeutende Anlage,
aber nach dem Erlebnis von Karnak kann sie, verfallen wie sie ist, kaum noch Eindruck
machen.
Am späten Nachmittag nehme ich noch einmal die Kalesche nach
Karnak: gewaltig der Säulensaal mit seinen wuchtigen, in den Himmel ragenden
Steinkolossen, die einst auch ein Dach getragen haben müssen. Neben diesem Säulensaal
verblassen alle anderen Monumente des Tempels, vielleicht außer den imposanten
Außenmauern und jenen fein gearbeiteten Statuen einer Pharonenfamilie im inneren Teil.
Doch alles in allem, gerade wegen des Heiligen Sees mit dem
Restaurant für lärmende Touristen davor: Das Erlebnis von Karnak bei Nacht läßt sich
durch eine Besichtigung am Tag nicht aufwiegen.
Sonntag, 13. April
1986: Luxor - Hurghada
Kurz nach sechs Uhr morgens verläßt der Bus Luxor, nimmt die
Straße Richtung Norden nach Kena, wo wir etwa um acht Uhr ankommen. Die Fahrt durch das
Niltal verläuft ereignislos, und auch von Kena bekommen wir - in diesem Fall Altay, ein
türkischer Verkäufer aus Düsseldorf, der sich mit der Ägyptenreise einen Jugendtraum
erfüllt, und ich - nicht allzu viel mit. Um neun Uhr soll es weitergehen nach Hurghada,
wir verbringen die Wartezeit mit Tee, den ein Mann mit seinem in dem Provinzbusbahnhof
errichteten Herd zubereitet.
Das Niltal verlassend nimmt die Landschaft, ziemlich abrupt,
eine völlig andere Gestalt an; die arabische Wüste erscheint trostloser noch als andere
Wüstenregionen. Von weitem glaubt man ständig, höhere Berge zu sehen; wenn man sich
ihnen dann nähert, erweisen sie sich als nichts anderes als unbedeutende felsige
Erhebungen, der Stein tausendfach durch die Gluthitze des Tages und die Kühle der Nacht
zersprengt. Ansonsten bringt nur die Asphaltstraße Leben hierher: Kein Strauch, nicht
einmal das sonst in Wüstengebieten durchaus vorkommende Moosgewächs kommt hier vor.
Hurghada, so heißt es in den Reiseführern, sei ein
aufstrebender Badeort. Dafür scheint auch das Touristendorf und das Sheraton, das wir
passieren, zu sprechen. Doch der erste Eindruck von Hurghada ist katastrophal. Der Bus
hält inmitten einer Neubausiedlung, eine Bande von Schleppern aus den Hotels stürmt den
Bus, jeder sagt, dies wäre die letzte Station und man müsse hier aussteigen, wenn man
nicht 150 Kilometer weiter in den Norden fahren wolle. Von einem Strand ist weit und breit
nichts zu sehen.
Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Der Bus fährt weiter,
mit den Schleppern, hält dann im "Zentrum", immer noch eine trostlose Gegend,
und wir fragen uns zum Hotel Ramose durch, das uns in Luxor empfohlen wurde.
Nur von dem Strand des "aufstrebenden Badeortes" ist
immer noch nichts zu bemerken. Die Einheimischen, die wir fragen, verweisen uns alle in
unterschiedliche Richtungen.
Schließlich laufen wir durch eine Ansammlung ärmlicher, aber
offensichtlich neuer Häuser, ein wahres Labyrinth, geraten wieder auf die Hauptstraße,
gehen an einer Bungalowsiedlung vorbei, gelangen endlich zum Strand: Ein schmaler
Streifen, verdreckt mit Teer. Enttäuscht kehren wir zum Hotel zurück.
Am frühen Abend unternehmen wir einen zweiten Ausflug, diesmal
an der großen modernen Hauptmoschee vorbei, geraten an eine Straßenkreuzung, entdecken
ein Restaurant, das hinter dem winzigen Hafen liegt, an einem Uferstück, das tatsächlich
als Strand, wenn auch nur als kleiner, zu bezeichnen ist.
Tröstlicher Ausblick: Selbst in der Abenddämmerung kann man
die Erhebungen der vorgelagerten Inseln erkennen.
Montag, 14. April
1986: Hurghada
Die - wenigen - Andenkenbuden von Hurghada verkaufen vor allem
eines: ausgestopfte Seeigel, ausgestopfte kleine Haifische, Muscheln. Hurghada ist als Ort
trist, absolut uninteressant, und der Strand, der sich noch in erreichbarer Nähe zu
dieser Stadt von Neuansiedlern befindet, ist kaum der Rede wert. Und was die
Andenkenläden bieten kommt aus dem Meer von nahe gelegenen Korallenriff - unter
Mißachtung von allem, was irgendwie mit Artenschutz zu tun hat.
Morgens um 9.30 Uhr sind wir an dem Office, das die Bootsfahrt
hinaus zu den Riffen und zur Insel organisiert, zahlen 11 Pfund für die Tour,
Tauchermaske, Schnorchel und Schwimmflossen inbegriffen.
Hurghadas Hafen ist in seiner Bedeutungslosigkeit geradezu
malerisch. Einige bunt angemalte Fischkutter liegen am Pier, dazu ein etwas verrotteter
Frachter, vermutlich schon längst außer Betrieb.
Die Grenzpolizei bereitet Schwierigkeiten: Wir müssen unsere
Pässe am Hafen abgeben. Vermutlich fürchtet man, wir könnten das Land illegal
verlassen. Wohin eigentlich?
Doch das Meer entschädigt uns für die Unannehmlichkeiten. Das
Wasser ist sauber, selbst im tieferen Gewässer kann man noch deutlich den Grund sehen.
Bunte, bläulich schimmernde Quallen schwimmen umher; das Meer wechselt ständig, je nach
Tiefe, seine Farben von Türkis über Grünlich ins Dunkelblaue. In der Ferne tauchen
schwarze Flossen aus dem Wasser auf: keine Haie, dafür aber ein Schwarm Tümmler.
Um die Mittagszeit ankert das Boot an einem Korallenriff,
unweit einer dem Festland vorgelagerten kahlen Insel. Zeit zum Schnorcheln: Wir tauchen in
eine andere, für mich bisher unbekannte Welt ein.
Das Riff geht bis knapp unter die Wasseroberfläche. Beim
Darüberhinwegschnorcheln berührt man ständig seine Auswuchtungen, ein zunächst
unangenehmes Gefühl, weil man nicht weiß, was sich in den Höhlungen verbirgt. Immerhin:
Weiter tiefer ragen lange spitze Stacheln aus einer kleinen Höhle. Fische gibt es in
allen Farben, zum Glück aber nicht auch in allen Größen. Unter mir schwimmt, nur wenige
Zentimeter über dem Meeresboden, ein kleiner Rochen, Fischschwärme flüchten sich ins
Innere des Korallenriffs.
Ein mittlerer Schock beim Auftauchen: Ich habe mich unter
Wasser ein gewaltiges Stück vom Boot entfernt, es sind keine anderen aus unserer Gruppe
im Wasser zu sehen. "Kleine Haifische beobachten die Schiffe, ob etwas für sie
abfällt", hatte der Kapitän gesagt. Ich schwimme so rasch wie möglich zum Schiff
genug, ängstlich zwei Rückenflossen beobachtend - die sich später als die Flossen von
Delphinen erweisen.
Nach dem Mittagessen - Fisch mit Reis - verlassen wir das Riff,
nehmen Kurs auf die Insel. Zwei strauchähnliche Ansätze von Grün bilden hier den
einzigen Kontrast zum gelben Sand und den kahlen Erhebungen. Unmittelbar am Wasser ist der
Sand weiß und fein, rieselt durch die Finger.
Auch hier noch einmal die Gelegenheit zum Schnorcheln, aber bei
weitem nicht so fantastisch wie auf dem Meer.
Gegen vier Uhr legen wir von der Insel ab, fahren zurück zum
Hafen, erleben noch einmal eine Gruppe von Tümmlern, die diesmal genau vor unserem Kutter
kreuzen, aber sofort wieder abtauchen. Um 17 Uhr sind wir wieder in Hurghada.
Eine Lektion in ägyptischer Arbeitsweise: Unsere Pässe sind
weg! Wir hatten sie dem Organisator der Bootsfahrt gegeben für die Kontrolle bei der
Grenzpolizei, doch die Polizei hat sie nicht mehr, weiß auch nicht, wo sie sein könnten.
Der Mann vom Boot meint, man habe sie inzwischen in sein Büro gebracht - aber auch dort
sind sie nicht. Angeblich seien sie bereits in der Rezeption unseres Hotels. Dort liegen
tatsächlich eine ganze Reihe von Pässen, aber nicht unsere. In einer Stunde würde man
sie aber wiederhaben, beschwichtigt man uns. Schließlich erfahren wir, das sie in einem
anderen Büro gelandet sind, holen sie dort ab. Wie unsere Pässe dort überhaupt
hingelangt sind, bleibt aber schleierhaft.
Dienstag, 15. April
1986: Hurghada - Kairo
Wieder eine Lektion in ägyptischem Geschäftssinn: Eine Gruppe
amerikanischer Touristen einigt sich mit dem Fahrer eines Minibusses auf einen Preis von
60 Pfund für die Fahrt von Hurghada nach Suez. Die Amerikaner, sechs Leute, fragen uns -
jetzt Jürgen und Thomas aus Berlin (wir haben gemeinsame Bekannte, wie wir später noch
feststellen) und ich - ob wir mitfahren wollen. Wir sagen ja, steigen ein, aber nun
verlangt der Fahrer plötzlich einen neuen Preis, obwohl die 60 Pfund eigentlich für den
kompletten Bus vereinbart waren. Die ganze Fahrt durch Hurghada geht die wüste
Diskussion, bis wir alle damit drohen, aus dem Bus auszusteigen. Schließlich können wir
zu elft - das Gepäck müssen wir zwischen den Beinen stapeln - nach Suez fahren.
Auf der Route entlang des Roten Meeres gibt es ein
Nachtfahrverbot, wie alle Reiseführer eindringlich warnen. Den Grund können wir sehr
rasch feststellen. Bereits kurz nach Hurghada wird die bis dahin tadellose Straße von
großen Schlaglöchern gezeichnet, der der Wagen im Bogen umfahren muß. Selbst vor Suez
ist die Straße nicht unbedingt besser, im Gegenteil: Aus den Schlaglöchern werden
gewaltige Risse, ganze Streifen sind aus dem Asphalt herausgebrochen. Streckenweise fährt
unser Bus der Einfachheit halber gleich ganz neben der Straße.
Die Arabische Wüste bleibt auf etliche Kilometer tot, ein Feld
von Steinen, auf dem nicht einmal ein Strauch wächst. Abwechslung für das Auge bieten
allenfalls die entfernten Berge, ebenfalls nichts als Sand und kahler Stein. Entlang der
Küste weiten sich die Minenfelder, mit Stacheldraht und Schildern mit Totenkopf kenntlich
gemacht, aus.
Im Meer ziehen Frachter nach Norden gen Suez oder kommen gerade
aus dem Kanal.
Erst kurz vor Suez wachsen wieder Bäume und Sträucher. Die
Berge reichen jetzt bis an die Küstenstraße, im Westen sieht man die Küste des Sinai.
Suez selbst ist eine moderne Industriestadt mit ausladenden
Trabantensiedlungen, kein Ort, der den Touristen unbedingt zum Verweilen einlädt. Wir
nehmen ein Überlandtaxi, zahlen zu dritt zehn Pfund, treten sofort nach unserer Ankunft
die Weiterreise nach Kairo an.
Nach Kairo hinein geht es diesmal durch die westlichen Vororte:
Eine Hochhaussiedlung neben der anderen, moderne Architektur, überall entstehen neue
Wolkenkratzer. Gegen acht Uhr abends beziehen wir unser Hotel in der Innenstadt, genau an
der Scharia El-Taab, eine der Hauptschlagadern der Metropole.
Mittwoch, 16. April
1986: Kairo - Sakkara - Memphis - Gizeh - Kairo
Ägyptischer Geschäftssinn kann sich auch anders zeigen. Noch
am Abend zuvor hatte ich auf Empfehlung von Altay mit einem Reiseführer, Aschraf Kemal,
telefoniert, für diesen Tag eine Fahrt nach Sakkara und Gizeh gebucht, die verlangten 30
Pfund für drei Personen als guten Preis empfunden. Der Bus von Aschraf Kemal holt uns
pünktlich ab, und im Bus meint der Reiseleiter dann, daß wir doch eigentlich eine kleine
Gruppe seien, er uns deshalb einen Rabatt geben würde, wir nur 25 Pfund bezahlen
müßten.
Zuerst geht es zum Kamelmarkt am Rande der Stadt. Es sind
bestimmt 200 bis 300 Kamele, die auf dem Gelände auf ihre Käufer warten. Doch das
eigentliche Geschäft, so erzählt uns unser Reiseleiter, sei bereits gelaufen; Der Markt
beginnt nämlich bereits um fünf Uhr früh, das große Treiben ist schon vorbei.
So bleibt uns nur noch, die verbliebenen Kamele - die meisten
von ihnen sollen aus dem Sudan kommen - zu bewundern. Die Tiere sind in der Regel so
gefesselt, daß sie sich nur auf drei Beinen humpelnd bewegen können. Doch das wäre für
Kamele eine Tortur, weswegen sie geduldig in der Sonne liegen.
Vor den Steinbaracken kauern einige Kamelhändler, eine Greisin
zieht am hinteren Ende des Platzes an ihrer Wasserpfeife. Ein Mann treibt seine Kamelherde
mit Stockschlägen vom Platz. Die Kamele blöken, stolpern immer wieder, weil die Gangart
auf drei Beinen - eines ist hochgebunden - für sie völlig ungewohnt ist.
Kurz vor Gizeh biegen wir nach Süden ab, folgen dem Kanal, an
dessen Ufern sich ein ländliches Kairo zeigt: Lehmhütten, auch Ziegelhütten, die
einzelnen Siedlungen zu kleinen Dörfern zusammengezogen.
Unser erstes Hauptziel des Tages heißt Sakkara, bekannt durch
die Stufenpyramide von Pharao Djoser, die älteste Pyramide überhaupt.
Wie fast überall wird auch hier eifrig restauriert. Diesmal
geht es um einen neben der Pyramide gelegenen Tempel, von dem nicht viel mehr als die
Sockel der Säulen aufgefunden wurden. Vor 60 Jahren, so erzählt man uns, habe ein
Franzose seine Liebe zu diesem Tempel entdeckt, und seit etlichen Jahrzehnten ist er mit
seinen ägyptischen Gehilfen bei den Restaurationsarbeiten.
Wir sehen den Franzosen bei seiner Arbeit an einer Säule, wie
er sorgsam die Stellen verzeichnet, auf denen dann ein Gehilfe die neuen Stücke mauert.
Anschließend werden die herausragenden Kanten Millimeter für Millimeter abgespachtelt.
Tatsächlich eine Arbeit für Jahrzehnte!
Die Pyramide selbst ist schon arg zerbröckelt, unmittelbar
neben ihr stehend fürchtet man ständig, es könne jeden Moment eine gewaltige
Steinlawine herunterprasseln. Aber die Pyramide des Djoser ist noch gut erhalten gemessen
an der daneben liegenden Unas-Pyramide, kaum noch mehr als ein Schutthaufen.
Dafür kann das Innere der Unas-Pyramide besichtigt werden:
Über eine Hühnerleiter geht es hinab, die Gänge sind kaum mehr als einen Meter hoch,
mehrmals passieren wir Stellen, an denen früher bewegliche Steinbrocken Grabräubern den
Weg versperrten. Schließlich sind wir in der Totenkammer mit dem Sakrophag aus Alabaster.
Die Kammer ist über und über mit Hyrogliephen beschriftet.
Neben der Pyramide gibt es eine "Peep-Show" auf
ägyptisch: die Kopie einer Pharaonen-Statue - das Original ist natürlich im Kairoer
Museum - steht in einem ummauerten Guckkasten mit zwei Löchern zum Durchschauen, und
davor stehen die Touristen Schlange. Dabei bekommen sie hier nicht mehr als den Kopf einer
Kopie zu sehen.
Wir fahren zu einem Rasthaus, ich steige auf ein Kamel, reite
zur nahe gelegenen Grabstätte des Ti, eines altägyptischen Ministers. Beim Aufsitzen
erscheint das Reiten auf einem Kamel noch verhältnismäßig einfach, doch schon bald wird
es arg unbequem. Ich sitze schließlich auch wie auf einem Esel, und das zieht in diesem
Fall in den Oberschenkeln und im Hintern. Die richtige Art: Man verschränkt die Beine vor
dem Sattel über dem Kamelhals.
Trotz dieses Kniffs bin ich noch längst kein geübter Reiter.
Wenn das Kamel niederknien soll, muß sich der Reiter im Sattel zurücklehnen. Mich wirft
das Kamel trotzdem fast ab.
Das Grab des Ti wird restauriert. Dank Bakschisch darf ich
trotzdem hinein - wie jeder andere, der Bakschisch zahlt. Tatsächlich sind bereits einige
der Farben neu aufgetragen worden, erscheinen sie wieder in alter Frische.
Ansonsten ist das Grabmal nichts Besonderes. Trotz der
vielfältigen Wandbemalung ist es eine Wiederholung der schon gesehenen Grabmale.
Fünf Autominuten von Sakkara entfernt liegt Memphis, die alte
Hauptstadt des ersten ägyptischen Reiches. Eine viertel Stunde gibt uns hier unser
Fahrer: "Memphis is only a little." Und damit hat er recht. Ein gut angelegter
Platz mit einigen Säulenfundamenten, dazu eine kleine Sphinx, und, als Krönung des
ganzen, eine gigantische Ramses-Statue, um die herum ein Museum erbaut wurde, alles in
einem ordentlichen Park gelegen - das ist alles, was von dem alten Memphis übrig
geblieben ist.
Nach dem Lunch geht es zurück Richtung Kairo, nach Gizeh. zu
den Pyramiden. Unser Parkplatz wird im Reiseführer als Karawansei bezeichnet, und dieser
Ausdruck ist zumindest teilweise zutreffend. Die Kameltreiber warten zu Dutzenden darauf,
Touristen aufnehmen zu können, sie zu "Karawanen" zusammenfassen zu können.
Der erste Eindruck von Gizeh: Ein Handelsumschlagplatz in Sachen Fremdenverkehr, mit
Andenken- und Postkartenverkäufern und natürlich Pferde- und Kamelführern.
In der Cheops-Pyramide ist Rauchen verboten. Darauf macht das
Schild am Eingang aufmerksam, und es müssen sich auch alle daran halten. Filmen und
fotografieren ist ebenfalls verboten. Trotzdem wird mir die Kamera am Eingang nicht
abgenommen. Leider! Sie mit sich herumzuschleppen erweist sich nämlich als äußerst
mühsam.
Im Inneren der Pyramide geht es ständig "bergauf",
wenn man von einer verhältnismäßig kurzen Strecke, die man wegen der minimalen Höhe
des Ganges auch noch in der Hocke zurücklegen muß, einmal absieht. Und
"bergauf" geht es auch weiter über eine endlos scheinende
"Hühnerleiter", auf der man ständig den zurückströmenden Touristen begegnet.
Auf halber Strecke treffen wir einen Mann aus den Dolomiten. Er gibt hier auf, nicht, weil
ihm der Weg zu steil wäre, aber weil er in der stickigen Luft und in der Hitze nicht mehr
weiterklettern mag.
Endlich sind wir, reichlich durchgeschwitzt, am Ziel: Eine
leere Grabkammer mit einem leeren Sakrophag, der Deckel achtlos an der Seite liegend.
Eingravierungen erinnern an Pyramiden"forscher" des vorigen Jahrhunderts, aber
nicht an die Pharaonen.
Die Cheops-Pyramide 1986: eine alpine Touristenattraktion mit
einem mystischen Touch vergangener Pharaonenherrlichkeit.
Schon an der Chefren-Pyramide, nur einige hundert Meter
entfernt, läßt der Touristenstrom deutlich nach. Die Pyramide des Chefren ist ja auch um
einige Meter niedriger. Die Besichtigung des Inneren ist wegen Restaurierungsarbeiten zwar
gerade nicht möglich, aber dafür ist sie zumindest von außen interessanter. Wenigstens
an der Spitze der Pyramide hat sich noch die ursprüngliche glatte Verkleidung gehalten,
bestehend aus kleinen Ziegeln, die die mächtigen Steinquader bedecken.
Hinter der Chefren-Pyramide, an der kleinsten der drei
Gizeh-Pyramiden, ist von Touristen nur noch wenig zu bemerken. Man blickt auf die endlose
Wüste, hinter sich die Skyline des modernen Kairo.
Zurück geht es noch einmal an der Sphinx vorbei, wo sich auf
dem Vorplatz an der Tribüne für das allabendliche Spektakel der "Son et
Lumière" bereits die ersten Touristen versammeln.
Die "Pyramiden-Straße" bietet teilweise immer noch
ein Bild der Verwüstung: Das "Pyramiden-Hotel" ist ausgebrannt, zerstörte
Fensterscheiben bei den Nachtclubs - Relikte des Polizistenaufstandes vom vergangenen
Dezember.
Am Abend schlendern wir durch einige Straßen der Innenstadt:
Eine sich vorwärtstoßende Menschenmenge, volle Geschäfte, die noch spät am Abend
geöffnet haben - Kairo ist vor allem eine moderne Metropole.
Donnerstag, 17.
April 1986: Kairo - Fayum - Kairo
Vor die Oase haben die Götter die Wüste gesetzt.
Pünktlich um acht Uhr werden wir wieder vom Hotel abgeholt,
fahren zunächst zur deutschen Botschaft, um für Jürgen und Thomas ein
Beglaubigungsschreiben zu besorgen, das sie wegen ihrer verspäteten Anmeldung bei der
Fremdenpolizei benötigen.
Die deutsche Botschaft ist ein moderner Zweckbau aus Glas und
Stahl, vor dem ägyptische Soldaten in schwarzen Uniformen patrouillieren.
Innen herrscht deutsche Bürokratie: Über eine halbe Stunde
dauert es, bis die beiden Briefe - jeweils ein Satz -getippt und unterschrieben sind.
Der Weg nach Fayum führt die Wüstenstraße entlang, eine
eintönige Gegend, teilweise mit schnurgerader Straße, die keinerlei Abwechslung bietet.
Dann wechselt das Bild. Felder und Palmenhaine tauchen auf, wir
haben die Oase erreicht. Neben vielen Häusern erhebt sich ein merkwürdiger turmartiger
Bau: Taubenverschläge. An der Straße stehen Frauen und Kinder, die lebende Hühner oder
Enten zum Kauf anbieten.
In einer Ortschaft namens Noris haben wir eine Reifenpanne. Ein
Kleinbus voller Touristen muß hier schon eine absonderliche Attraktion sein. Innerhalb
weniger Augenblicke sind wir von einer Kinderschar umringt, die neugierig den Bus
bestürmt.
Nach der Reparatur geht es zunächst zur Hamra-Pyramide,
angeblich einst Mittelpunkt einer großartigen Tempelanlage, von der aber nur noch weniger
übriggeblieben ist als von der Pyramide. Wir durchqueren ein Feld voller Erdlöcher,
mitunter liegen Knochen herum, angeblich Überreste von Mumien, aber dafür sehen sie mir
nun wirklich zu frisch aus.
Die einheimischen Touristenschlepper wissen den Wert ihrer
Antiquitäten offensichtlich besser einzuschätzen als die deutschen Bücher: Gerade ein
"Führer" bietet hier seine Erklärungen an, ansonsten begeben sich nur die
unvermeidlichen Fremdenpolizisten auf Bakschischjagd.
Durch die Stadt El-Fayum zieht sich der Josephskanals, und in
der Stadtmitte steht das Wahrzeichen des Distrikts, ein großes Wasserrad, Erinnerung
daran, wodurch die Schaffung der Oase überhaupt erst möglich wurde. Doch dieses
Wasserrad bleibt auch das einzige, was wir hier zu sehen bekommen.
Die Zeiten haben sich geändert, und El-Fayum macht zumindest
in seinem Zentrum den Eindruck einer eher durchschnittlichen Provinzmetropole. Daran
ändert auch der Markt voller Lebensmittel, über dem Hauch von Pfefferminzgeruch schwebt,
nichts. Doch das Obst ist, selten genug in Ägypten, frisch, die Bananen schmecken süß.
Wir verlassen Fayum Richtung Norden, fahren an Kanälen entlang
zu dem nahe gelegenen Salzwassersee, dem einzigen des Landes. Am Ufer bietet sich ein
merkwürdiges Bild: Die Fayum zugewandte Seite ist grün, Schilfwuchs noch jenseits der
Asphaltstraße, auf der Nordseite dagegen ist alles kahl.
Es tut sich nicht viel an diesem seltenen Naturwunder; nur
wenige kleine Boote liegen an der Mole, die Besitzer versuchen, fast immer erfolglos,
Touristen zu einer Bootsfahrt zu überreden.
Auf der Rückfahrt der Kontrast von Geschichte und Fortschritt:
Am Horizont heben sich die Pyramiden ab, davor reiht sich ein Hochleitungsmast an den
anderen. Die Elektrizität hat auch in die Wüste Einzug gehalten.
Freitag, 18. April
1986/Samstag, 19. April 1986: Kairo - Berlin
Eine Szene vom Kairoer Basar, nicht vom Touristen-Basar,
sondern von dort, wo die Einheimischen kaufen: Hühner gackern im Käfig, eine Frau kommt,
läßt sich mehrere Hühner vorführen, sucht sich drei heraus, feilscht um den Preis,
nachdem sie sorgfältig alle Körperteile der lebenden Ware befingert hat. Es folgt die
Schlachtung. Der Händler greift sich ein Messer, schneidet von dem ersten Huhn die Kehle
an, Blut tropft in die Schale. Das Huhn hat noch genug Kraft fortzuhüpfen, läuft
gackernd und blutend über den Platz, doch für seine beiden Leidensgefährten bringt die
Flucht nicht einmal einen Zeitaufschub. Ein Gehilfe fängt den Flüchtling ein, die
Prozedur wird ohne Unterbrechung fortgesetzt. Schließlich werden die drei Hühner in
einen blutverschmierten Bottich geworfen, wo sie allmählich ausbluten sollen.
Während wir den Tatort verlassen, hören wir hinter uns noch
das Gepolter und Gegacker der Todgeweihten.
Der Basar von Kairo ist ein Gewirr von kleinen Straßen und
Gassen, ohne erkennbare Struktur, durchsetzt von Moscheen und den Überbleibseln der alten
Stadtmauer. Nach einigem Suchen finden wir auch den Touristen-Basar.
In einem Geschäft entscheide ich mich für eine Alabastervase.
Der Händler verlangt 25 Pfund - alles Handarbeit. Ich biete 15 Pfund, bestehe darauf,
daß Maschinen nun einmal viel präziser arbeiten würden. Es folgt die übliche
Zeremonie. Der Händler streicht seine Forderung durch, geht herunter, ich streiche auf
dem gleichen Stück Papier mein Gebot durch, gehe höher. Schließlich einigen wir uns auf
19 Pfund.
Anschließend geht es in ein anderes Geschäft zum Parfümkauf.
Der Händler führt uns allerlei Parfüme vor, träufelt sie auf Arme und Hände, daß
schließlich kaum noch eine geruchfreie Stelle bleibt. Ich entscheide mich für
"Opium", aber allein für die einzig schön gearbeitete Flasche, ein kleines
Stück, das zudem mit einem unschönen Draht "verziert" ist, verlangt er zehn
Pfund. So kommt der Kauf doch nicht zustande.
Sein Nachbar ist erfolgreicher mit mir. Die bemalte Flasche
bekomme ich umsonst, es wird Tee serviert, und bei neun Pfund - ein Preisnachlaß von vier
Pfund - erhalte ich auch das Parfüm.
Am Nachmittag fahren wir zunächst zum Bahnhof, warten auf
Ruga, der allerdings nicht erscheint. Anschließend geht es zum Kairo-Tower, dem auf einer
Nilinsel gelegenen Aussichtspunkt der Stadt. Das Wetter ist diesig, die Pyramiden liegen
im Dunst, aber dafür präsentiert sich entlang des Nilufers Kairo in seiner modernen
Pracht.
Am Abend treffen wir zufällig Altay, verbringen die letzten
Stunden in der Bar unseres Hotels.
Zum Abschied ein leider nicht untypisches Erlebnis mit der
"Ehrlichkeit" der Kairoer Taxifahrer. Der erste Taxifahrer schaltet erst korrekt
das Taxameter ein, stellt es dann aus, will für die Tour 15 Pfund. Ich steige aus und
zahle gar nichts. Der zweite ist immerhin ehrlicher: Der sagt gleich, daß er das
Taxameter gar nicht erst anstellen will.
Mit dem dritten scheine ich mehr Glück zu haben. Zwar steige
ich beim Taxameterstand von 44 Piastern zu und ein anderer Fahrgast sitzt bereits im
Wagen, aber das scheint mir noch im Rahmen der alltäglichen Gaunereien zu liegen.
Beim Taxameterstand von 2,35 Pfund sind wir am Flughafen, ich
halte 2,75 Pfund abgezählt in der Hand, mein letztes Kleingeld, gebe es ihm und bin
gerade beim Aussteigen, als der Taxifahrer plötzlich fünf Pfund verlangt. Ich sage ihm,
die 40 Piaster wären Bakschisch gewesen, nehme das Geld an mich, lasse ihm nur noch zwei
Pfund, steige mit Gepäck aus. Er steigt ebenfalls aus, will nach meinem Gepäck greifen,
ich halte es fest, wende mich an einige Umstehende, sage, sie sollten nach der Polizei
rufen. Einer der Ägypter, der leidlich Deutsch spricht, behauptet, er wäre Polizist,
zeigt mir seinen vermeintlichen Ausweis, offensichtlich ein x-beliebiges Papier, ich
erwidere, daß ich ihm kein Wort glaube, verlange, daß wir ins Flughafengebäude gehen,
wo es genug Beamte in Uniform gebe.
Ein Mann schaut sich den Taxameterstand an, der Taxifahrer
schreit, schimpft, daß er bei der Flughafeneinfahrt ein Pfund gezahlt habe, dann sind es
allerdings nur noch 50 Piaster, was ich tatsächlich auch gesehen habe. Wir einigen uns
darauf, daß er genau 2,85 erhält und keinen Piaster mehr.
Ich halte eine Zehn-Pfund-Note in der Hand, der Taxifahrer muß
mir das Wechselgeld auf den Piaster genau in die Hand abzählen.
Als ich in die Flughafenhalle gehe, höre ich alle Beteiligten
noch schimpfen; wer gegen wen und warum interessiert mich nicht mehr. Ich habe mich
durchgesetzt.
Kurz nach ein Uhr früh habe ich nach den üblichen
Formalitäten die Abfertigung für den Heimflug nach Berlin passiert.
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