Beim
Frühstück fragen wir die Besitzerin des Restaurants nach der
Möglichkeit, einen Wagen zu mieten, möglichst mit Fahrer, und einige
Minuten später taucht ein Mann auf, mit dem wir uns auf eine
Drei-Tages-Tour über die ganze Insel einigen. Der Preis, den John
nennt, entspricht genau unseren Erwartungen: 200 Dollar am Tag.
Sicherlich hätten wir ihn herunterhandeln können, haben dazu aber
angesichts seines fairen Angebotes keine Lust.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum
Strand, laufen dabei durch die Ansammlung von Bretterhütten am Ufer des
Negril River. Was ich gestern noch für die Reste eines Fischerdorfes
gehalten hatte, erweist sich nun als reiner Touristenmarkt. In den
kleinen Buden werden vor allem Holzschnitzereien angeboten, Decken und
natürlich auch die rot-gelben Rasta-Strickmützen.
Auffällig ist übrigens: Die Angestellten im
Supermarkt oder auch in der Bank, wo ich 200 US-$ eingetauscht habe,
tragen alle die Haare kurzgeschoren. Da ist der Rasta-Look
offensichtlich verpönt.
Den Rest des absolut sonnigen Tages verbringen wir am
Strand. Abkühlung im Wasser fällt aus - das Wasser ist ebenso warm wie
die Luft.
Am späten Nachmittag versuche ich am Negril River,
bei den Bootsbesitzern für morgen eine Tour zu organisieren. Aber eine
einstündige Fahrt auf dem Fluss soll pro Person 30 Dollar kosten,
allenfalls auf 20 Dollar wollen sie sich herunterhandeln lassen. Bei
vier Personen erscheint mir
dieser Preis immer noch zu hoch.
Samstag,
6. November 1999: Negril
Vor dem Frühstück laufen wir einige hundert Meter
vom Hotel Richtung Osten: Die Bretterbuden stehen hier unmittelbar an
dem winzigen Strand, der hier allerdings aus Korallensteinen besteht.
Die fast gerade Linie dieser Bretterbuden entlang der Straße wirkt wie
ein Wild-West-Städtchen. Selbst die Kirche auf der gegenüberliegenden
Straßenseite, ein schmuckloser weißer Steinbau, passt zu diesem Bild.
Auf dem Baum an der Landzunge zwischen Sandstrand- und
Steilküsten-Negril haben sich schwarze Fischadler eingenistet.
Nach einem kurzen mittäglichen Schauer ziehen wir
wieder an den Strand.
Für den kommenden Tag mache ich nun eine Tour mit
einem Glasboot aus. Gut zwei Stunden sollen wir auf dem Wasser sein,
dabei die vorgelagerte Insel ansteuern und Gelegenheit zum Schnorcheln
haben. Das Ganze, so der vereinbarte Preis, kostet 15 US-$ pro Person.
Der Bootsführer nennt sich Smokey Joe.
Sonntag,
7. November 1999: Negril
Negril,
vom Meer aus gesehen: Ein gelber Streifen liegt vor den Palmen, im
Hintergrund erheben sich die dichtbewachsenen Berge in einem
ununterbrochenen Grün. Nur ab und an sticht am Strand ein größeren
Gebäude hervor. Wären nicht die vielen Boote auf dem Wasser, könnte
man das fast für einen unberührtren Flecken halten.
Wir sind mit Smokey Joes Glasboot auf dem Weg zu den
Korallenbänken.
Zunächst befindet sich unter uns nichts als blanker
Sand, nach einiger Zeit dann von Seegras bewachsen. Schließlich kommen
einige kleinere Korallenfelsen dazu und Gewächse, die von oben
aussehen, wie Kakteen, die auf dem Meeresboden wachsen.
Am beeidruckendsten an diesem Teil der Unterwasserwelt
sind aber die Seesterne, die hier eine Armlänge Durchmesser erreichen,
und verstreut auf dem Grund liegen.
Schließlich haben wir den Punkt erreicht, an dem wir
zum Schnorcheln ins Wasser gehen. In großen Schwärmen ziehen die
Zebrafische an uns vorbei, gelb gestreifte possierliche Wesen, die sich
dem Taucher, der sich ganz ruhig verhält, vorsichtig nähern, sich fast
berühren lassen. Dazu entdecke ich lange silbrige Fische mit einem
spitzen Maul, fast so etwas wie Schwertfische im Kleinformat. Knapp
über dem Grund, innerhalb der Korallenstücke, tummeln sich vereinzelte
kleine tiefblaue Fische.
Mittags sind wir zurück am Strand, wo wir bleiben,
bis dunkle Wolken über uns aufziehen. Während wir auf dem Heimweg
sind, fängt es an zu regnen, und rasch befinden wir uns in einem
starken tropischen Guss. Von unserer Hotelterrasse aus beobachten wir,
wie das Wasser von dem höher gelegenen Teil der Anlage herunterströmt,
während es blitz und donnert, als sei die Sintflut hereingebrochen.
Montag, 8. November 1999: Negril - Savanna-La-Mar - Belmont -
Black River - Mandeville – Spanish Town – Kingston
Einige
kleinere Erdnussfelder, anschließend Bananenplantagen – und
schließlich Zuckerrohr, soweit das Auge reicht: Das ist die Landschaft,
die wir passieren, nachdem wir kurz nach neun Uhr Negril Richtung
Kingston verlassen haben. Wir kommen durch kleine Dörfer mit
Holzhütten und einer Unzahl von Kirchen aller möglichen
Glaubensrichtungen, bis wir als unser erstes Etappenziel Savanna-La-Mar,
die Provinzhauptstadt von Westmoreland, erreichen.
Savanna-La-Mar
ist ein quirliges Kleinstädtchen mit
einem, für seine Größe, imposanten Gerichtsgebäude, das allerdings
eher an eine Kirche erinnert. Aber natürlich befinden sich auch gleich
mehrere echte Kirchen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.
Unmittelbar am Wasser liegen die Markthallen, zwei
größere, im Inneren ziemlich dunkle Holzbauten. An den Ständen wird
fast ausschließlich Obst verkauft, aus Fässern auch eingelegter Fisch
– aber die meisten Marktstände haben nun nach 10 Uhr vormittags
bereits geschlossen, und es gibt, außer uns, auch kaum noch
Kauflustige.
Vor den Markthallen haben einige Straßenhändler ihre
Waren auf dem Bürgersteig ausgebreitet, und dazwischen suchen die
Ziegen nach Fressbarem unter dem Abfall. Auf Fotoapparat und Kamera
reagieren die Menschen hier allerdings allergisch, und schließlich
fordert mich ein Polizist auf, das Videogerät einzustecken.
Nach einem kurzen Blick auf die Bucht geht es auf der
schmalen, aber ordentlich asphaltierten Küstenstraße, weiter Richtung
Black River. An manchen Stellen neigen sich die Bäume über der Straße
hin zum Wasser, so dass es scheint, als fahre man durch einen Tunnel.
In
Belmont, einem unscheinbaren kleinen Straßendorf,
machen wir Stop, um das Grab des Reggae-Musikers Peter Tosh zu besuchen,
Der weiße Sakrophag befindet sich in einem kleinen Steinbau, der
Eingang bemalt mit den äthiopischen Farben.
Auf der Grabplatte liegt ein schon vergilbtes Poster von Haile
Selassi.
Black
River, so erzählt unser Fahrer John, war die
erste Stadt auf Jamaika, die Elektrizität bekam. Einige Holzhäuser,
prachtvoll mit Säulen und großzügigen Veranden errichtet, etwa im
Stil der Herrenhäuser der amerikanischen Südstaaten, erinnern auch
noch an den einst mit der Holzindustrie verbundenen Reichtum. Doch die
früher stolzen Gebäude stehen heute, meist schon halb zerfallen, leer.
Eigentlich wollen wir eine Bootstour auf dem Fluss
unternehmen um die Krokodile zu sehen, doch der Preis von 15 US-$ pro
Person schreckt uns zunächst einmal ab. Schließlich erkundigen wir uns
bei einer Touristengruppe, die gerade aus einem der anlegenden Boote
steigt und erfahren, dass momentan ohnehin keine Krokodile zu sehen
sind. Wegen der Brunftzeit sind die Tiere momentan überaus scheu.
Wir verzichten also auf die Flusssafari, fahren nun
ins Landesinnere, in die Berge. An einem Stand an der Straße kaufen wir
allerdings von einer fülligen Händlerin für 100 Jamaika-$ eine Tüte
roter Flusskrebse, berühmt als die Spezialität der Region. Die Krebse
sind extrem scharf gewürzt, schmecken äußerst pikant – aber es ist
eben auch mühselig, das Fleisch heraus zu fingern.
Nun geht
es durch die „Bambus-Allee“, eine kurze
Wegstrecke auf der Straße nach Mandeville, wo die herüberhängenden
Bambusstangen von beiden Seiten der Fahrbahn ein regelrechtes dichtes
Dach über der Straße gebildet haben. Weiter oben in den Bergen halten
wir an einem Aussichtspunkt, schauen auf ein riesiges grünes Tal, an
dessen einem Ende dunkle Gewitterwolken aufziehen. Über uns kreisen
große schwarze Krähen, die aus einiger Entfernung wie Adler wirken.
Mandeville und
Spanish Town, für die Verhältnisse
Jamaikas schon Großstädte, durchfahren wir ohne Halt. John meint, dass
Spanish Town für Touristen ein noch gefährlicherer Ort sei als die
Slums von Kingston. Es regnet mittlerweile ohnehin in Strömen, also
keine Einladung zum Spaziergang.
Wir erreichen
Kingston gegen 17.30 Uhr. Es ist gerade
Rush Hour, wir kommen nur im Schritttempo vorwärts, und an dem Bus vor
uns hängen die Passagiere wie Trauben aus der offenen Tür. Für 50
US-$ pro Doppelzimme steigt unsere Reisegruppe – mit John sieben
Personen – im Sandhurst Guesthouse ab. Unser Hotel liegt im höher
gelegenen, vornehmen Teil von Kingston, und vom Hotelgarten aus schauen
wir auf die Lichter von Jamaikas Hauptstadt.
In dem Viertel, in dem wir nun übernachten, sind die
Fenster der schicken Häuser vergittert – und jedes Mal, wenn ein
Wagen die Einfahrt passiert hat, wird auch sofort das Eisentor zu
unserer Hotelanlage wieder geschlossen.
Dienstag, 9. November 1999: Kingston – Irish Town - Newcastle
– Holywell National Park – Buff Bay – Port Antonio – Long Bay
Wir
verlassen Kingston, kommen dabei zunächst wieder am Bob-Marley-Museum
vorbei, das wir bereits gestern passierten – ein ummauertes Gebäude
mit einer ziemlich kitschigen Statue im Vorgarten – und fahren dann
nach Norden in die Blue Mountains, in das Kaffeeanbaugebiet von Jamaika.
Zunächst, etwa bis zur Höhe von Gordon Town, einem
kleinen Bergstädtchen, ist die Asphaltstraße noch recht ordentlich.
Dann nehmen die Schlaglöcher zu – und irgendwann verwandelt sich die
Straße in eine schmale Geröllpiste, die bei jedem Regenguss zur
Modderbahn wird.
Bei
Irish Town machen wir uns auf die Suche nach einem
Aussichtspunkt, von dem aus man die ganze Bucht von Kingston
überblicken soll. Diesen Aussichtspunkt finden wir schließlich auch,
und zwar zu Füßen einer Kaserne, die ähnlich einer Burg auf einem
Hügel angelegt ist. Aber auch von den Militärs nimmt hier niemand
Anstoß daran, dass wir ungeniert fotografieren und filmen.
Bei schönem Wetter muss die Aussicht auf Kingston und
seine vorgelagerten Inseln fantastisch sein, doch heute liegt Dunst
über der Ebene unterhalb des Gebirges. Die Hochhäuser von Kingston
sind aber trotzdem zu erkennen.
Im
Café Gap, einem kleinen schmucken Landhaus bei Newcastle, lernen wir
den würzigen Geschmack des Blue-Mountain-Kaffee kennen. Wir trinken ihn
auf der Terrasse der Anlage, mit Blick auf ein grünes Tal mit Pinien,
Dschungelflecken und natürlich Kaffee-Plantagen, während unmittelbar
neben uns ein blau-gelber Kolibri mit länglichem roten Schnabel
zwischen seinem Busch und seiner Tränke umherschwirrt. Auf dem
Berghang
von unserem Aussichtspunkt gegenüber liegt der Holywell National Park.
Nach
unserem Mittagskaffee machen wir uns in diesem Nationalpark auf den rund
ein ein halb Kilometer langen Rundgang, der an drei Aussichtsplattformen
entlang führt. Normalerweise werden, so sagt uns ein weiblicher Ranger,
die Rundgänge nur in Begleitung eines Führers genehmigt und kosten 200
Jamaika-Dollar pro Besucher. Doch da die Ranger heute alle au einem
Schulungskurs seien, sollen wir uns allein auf den Weg machen und dann
eine Spende in beliebiger Höhe hinterlassen.
Der
Holywell National Park lässt sch als ein Stück „zivilisierter
Dschungel“ beschreiben: Ein ordentlicher in Treppenform angelegter
Kiesweg führt durch die Anlage, aber links und rechts dieses markierten
Weges ist das Dickicht bereits undurchdringlich. Auf dem Boden wachsen
ab und an Pilze, überall wuchern die Farne und etliche Bäume sind
über und über von einem wollartigen Parasitengewächs befallen.
Pech
haben wir allerdings an den drei Aussichtspunkten: Die Wolken werden
immer dichter, die Aussicht immer kürzer – und schließlich fängt es
auch noch an zu regnen, so dass wir zu unserem Wagen umkehren.
Ein
gutes Stück vom Park entfernt erleben wir noch einmal die Farbenpracht
der Blue Mountains: Bei einem kleinen Wohnhaus wurden Azaleen und
Rhododendron, dazu auch Trompetenblumen angepflanzt, die sich hier nun in
ganzer Pracht nahtlos in die Gewächse des Regenwaldes integrieren.
Dann
passieren wir einen Wasserfall, der aus einer Höhe von vielleicht 50
Metern in mehreren Etappen vom Felsen stürzt und sich mit dem Fluss
unterhalb der Straße vereint. Solche Wasserfälle entlang des
Buff-Bay-River, einem schmalen, aber doch recht wilden Fluss, bekommen
wir noch einige zu sehen.
Bei
Buff Bay, einem recht lebendigen, aber doch gesichtslosen Ort, haben wir
die Küste wieder erreicht. Im Unterschied zu Negril ist hier der
Sandstrand dunkel, fast schwarz, und an Bananenplantagen vorbei fahren
wir weiter Richtung Port Antonio, das wir im strömenden Regen
erreichen.
Das
erste, was man von Port Antonio zu Gesicht bekommt, sind die
vorgelagerten Inseln, dicht bewachsen, eine wahre Augenweide. Witzig in
der Stadt selbst: Ein großes Haus, das die Baustile aller möglichen
Länder vereinigt. Während eine Fassaden-Front an den Palast der Winde
im indischen Jaipur erinnert, befindet sich daneben ein anderes
Fassadenstück im Fachwerkstil und in einen anderen Teil dieses Hauses
wurden schließlich griechische Säulen eingebaut.
Wir
verlassen Port Antonio wieder, kommen an einer vorgelagerten Insel
vorbei, auf der ein Hotel im Stil eines weißen Märchenschlosses
erreichtet wurde, passieren noch etliche andere noble Hotelanlagen, auch
einen Golfplatz, fahren nun nach Long Bay, unserem Tages-Etappen-Ziel.
Die
Straße wird allmählich wieder holpriger, ist von Schlaglöchern
übersät, die Hütten werden ärmlicher. Wir befinden uns im
ländlichen Jamaika, vom Tourismus noch nicht völlig erschlossen.
Long
Bay selbst ist, wie der Name sagt, ein lang gezogenes Örtchen an der
Küstenstraße, bestehend aus verstreut liegenden Holzhütten, selten
ein besserer Steinbau dazwischen. Es scheint wie das Ende der Welt:
Gegenüber von unseren bescheidenen Hotel – trotzdem kostet das
Doppelzimmer 25 US-$ - liegt ein „Supermarkt“ mit spärlichen
Auslagen, wo aber kein Rum verkauft wird. Den bekommen wir in einer
extra für uns geöffneten Kaschemme, wo aber das elektrische Licht
nicht funktioniert. Und zum Essen müssen wir einige Kilometer weit
zurückfahren, zu einer Bretterbude, in der es für die Gäste nur zwei
kleine Tische und auch nicht genügend Stühle gibt. Aber die Portionen
sind reichlich, und das frittierte Hähnchen schmeckt auch recht
ordentlich.
Mittwoch, 10. November 1999: Long Bay – Boston
- Port Antonio – Ocho Rios – Runaway Bay – Discovery Bay - Montego
Bay – Lucea – Negril
Es
hat die ganze Nacht über geregnet, und auch am Morgen will es nicht
aufhören, in Strömen zu gießen. In der dunklen Wolkendecke am Himmel
ist nicht ein winziges blaues Fleckchen zu sehen. Der Regen ist zwar
nicht kalt, aber nach wenigen Schritten im Freien ist man bereits
völlig durchnässt.
Long
Bay hat, soweit wir es vom Hotel aus sehen können, einen schmalen ,
aber langen Streifen gelbe Sandstrand, an dem es allerdings keinen
Schatten gibt – den man momentan allerdings ohnehin nicht bräuchte.
Das
Wetter zwingt uns, unsere Pläne zu ändern: Statt weiter nach Osten zu
fahren, entscheiden wir uns, sofort nach Ochos Rios aufzubrechen und am
Abend in Negril zurück zu sein.
Als
wir aufbrechen, ist es kurz nach acht Uhr, und entlang der Strecke nach
Port Antonio haben noch sämtliche Bretterbuden, in denen normalerweise
Essbares verkauft wird, geschlossen. Im Reiseführer wird das winzige
Örtchen Boston – dieses Dorf fällt auch durch seine gepflegten
Steinhäuser auf – als Zentrum der jamaikanischen Schlachterei
erwähnt. Den ganzen Tag über werden in größeren offen stehenden
Hütten Hühnchen und Schweine zubereitet. Das hatten wir gestern Abend
in der Dämmerung teilweise an einigen Stellen bei der Vorbeifahrt auch
noch sehen können, doch nun gibt es auch hier für uns kein
Frühstück. Das kann natürlich auch am Wetter liegen, denn der Regen
will einfach nicht nachlassen.
In
Port Antonio, inzwischen
ist es auch gegen neun Uhr, kehren wir in einem typischen jamaikanischen
Restaurant an: Ich esse „Frühstückshähnchen” – kleine
geschmorte Hühnerstücke mit vielen Knochen, dazu Kochbananen.
Von
der einst spanischen Anlage Port Antonios ist nichts mehr zu erkennen,
und der Hafen, in dem Kapitän Bligh die Brotfrucht zur Ernährung der
schwarzen Sklaven ausschiffte, dämmert heute ebenfalls vor sich hin. Momentan liegt hier nicht ein einziges Schiff.
Gleich
gegenüber vom Hafen steht jenes merkwürdig anmutende Gebäude, das uns
schon gestern aufgefallen war, und das wir nun auch von Innen
besichtigen. Wir finden eine Shopping-Passage mit einem Innenhof, zur
einen Hälfte im Mittelalter-Look, auf der anderen Seite als Sakralbau
gestaltet. Auf zwei Stockwerken liegen die Geschäfte, Bildergalerien
und ein gepflegtes Café.
Gegen
Mittag, wir nähern uns allmählich Ocho Rios, hört der Regen endlich
auf. Das Touristenzentrum kündigt sich mit großzügigen Villenanlagen an – und mit heftigen Preisen. Wir wollen, noch ein
gutes Stück von der Stadt entfernt, ein Kilo Bananen kaufen, sollen
dafür aber zwei US-$ bezahlen, woraufhin wir natürlich verzichten.
John meint, dass diese Preise hier auch von den Einheimischen verlangt
würden, aber das kann ich ihm nicht glauben. Immerhin hatte er und
kürzlich erzählt, dass sich die monatlichen Verdienste im Durchschnitt
zwischen umgerechnet 400 und 800 Mark bewegen würden.
Ocho
Rios selbst ist ein moderner Ort mit breiten, sauberen Straßen, sogar
gepflegten Rasenflächen – und äußerst hässlichen Hochhäusern, die
hier unterhalb der grünen Berghänge besonders deplaziert wirken.
Unser
Ziel sind die Dunn’s River Falls, eigentlich ein herrliches Stück
Natur, das hier aber lediglich als Zentrum eines eigenartiges
Vergnügungsparks dient.
Der
Dunn’s River stürzt hier auf einer Wegstrecke von vielleicht hundert
Metern in mehreren Etappen in rasanter Geschwindigkeit in seine
Mündung, unmittelbar am gelben Sandstrand von Ocho Rios, und die große
Touristenattraktion Jamaikas besteht nun darin, von der Mündung am Meer
aus gegen die Strömung über die Felsen zu klettern, bis man
schließlich völlig durchnässt die Ziellinie erreicht. Das ist aber
eben kein einsames sportliches Naturvergnügen, sondern eine
Massenveranstaltung, die zunächst einmal sechs US-$ Eintritt,
Trinkgelder für die Guides, Ausleihgebühren für die Aufbewahrung der
Sachen und Ausleihgebühren für die Wasserschuhe kostet. Wer dabei noch
ein Foto von sich in den Fluten haben möchte, zahlt noch einmal 29
US-$. Und am Ausgang der Anlage warten dann die Souvenirhändler in
Dutzenden von Buden auf den Besucher.
In
Runaway Bay watet die nächste „größte Attraktion“ von Jamaika auf
uns. Aber wir haben Glück: Wegen Rekonstruktionsarbeiten ist die „Runaway
Cave“ offiziell noch bis Dezember für den Besucherverkehr gesperrt,
aber gegen fünf US-$ pro Person schließen uns die Wachmänner das Tor
auf, führt uns auch jemand durch die gigantische Tropfsteinhöhle.
Zunächst
steht man in einer riesigen Halle, von der sich mehrere verschlungene
Gänge abzweigen. Die Stalagmiten und Stalagtiten werden vom unserem
Führer als „Delfin“ oder als „Stiefel“ bezeichnet, aber es
bedarf schon einiger Fantasie, um solche Figuren zu erkennen. Ein
kleineres Gewölbe mit einer stets feuchten Tropfsteinformation dient
als „Musikzimmer“. Jeder Schlag auf den kaminförmigen Stein erzeugt
einen Ton wie von einem Kesselinstrument. Beeindruckend: Durch das
Gestein haben sich an manchen Stellen die Wurzeln der oberhalb der
Höhle wachsenden Bäume gefressen, und diese steinharten Wurzeln ruhen
nun wie Schlangen auf dem Höhlenboden. Die Höhle, so unser Führer,
diente wohl auch schon den Arawak-Indianern als Zufluchts- oder Zeremonienstätte.
Unweit
von Runaway Bay liegt Discovery Bay, der Ort, wo angeblich Columbus zum
ersten mal Jamaika betreten hat. Daran erinnert nun ein „Columbus Park“.
Wichtiger für die Insel-Wirtschaft ist aber wohl, dass in der Discovery
Bay das nahe von hier geförderte Bauxit verschifft wird – wofür ein
hässliches Monstrum von stählerner Verladeanlage steht, dass beinahe
den Anblick der ganzen Gegend verschandelt.
Bei
Dunkelheit, die jetzt bereits allerdings schon kurz vor 18 Uhr
einbricht, fahren wir durch Montego Bay, diesmal nicht nur durch die
Touristenviertel, sondern auch durch das Montego Bay der Einheimischen,
durch eine sprudelnde Großstadt, wo sich nun zur Hauptverkehrszeit die
Menschenmassen und die Autos durch viel zu enge Straßen drängen.
Kurz
darauf passieren wir Lucea, Jamaikas Filmstadt, wo unter anderem der
James-Bond-Film „Live and let die“ und die einheimische Produktion
„Cool Runnings“ über die jamaikanische Bob-Mannschaft bei den
olympischen Winterspielen von Calgary gedreht wurde, wie uns John
erzählt. Immerhin hat hier der Markt noch geöffnet – und der Markt
wirkt mit seinen farbigen Bretterbuden hier irgendwie auch etwas
exotischer als die anderen Märkte die wir bisher auf der Insel gesehen
haben.
Kurz
nach 20 Uhr sind wir dann wieder in unserem Hotel in Negril – wo wir
erfahren müssen, dass während unserer Abwesenheit in dem Trakt, in dem
Günther und Gitte sowie Dagmar und Monika wohnen, eingebrochen wurde.
Auch das Zimmer von Gitte und Günther wurde von den Einbrechern
durchwühlt, aber zum Glück fehlt wohl nichts.
Donnerstag, 11. November 1999: Negril
Wir
gönnen uns einen geruhsamen Tag am Strand.
Freitag, 12. November 1999: Negril
Kurz
nach zehn Uhr fahren wir mit dem bunt angemalten Strand-Shuttle-Bus
Richtung Osten, wollen eigentlich zum Lighthouse, dem alten Leuchtturm
an der Steilküste. So weit fährt der Bus allerdings nicht, dreht
bereits vorher wieder um.
An
den Bretterbuden zu Beginn des „Steilküsten-Negril“ waren wir ja
schon gewesen – und dahinter schließen sich nun die Hotels und
Pensionen an, die hier, zumindest vom äußeren Eindruck, um einiges
kleiner sind als die Anlagen von „Sandstrand-Negril“. In den Mulden
des scharfkantigen Korallengesteins haben sich Kolonien von Krebsen
angesiedelt, die aber sofort ins Meer flüchten, wenn man sich ihnen
nähert.
Den
Nachmittag verbringen wir wieder am Sandstrand.
Samstag, 13. November 1999: Negril – Savanna-La-Mar – Montego Bay
– Lethe (Great River) – Montego Bay – Savanna-La-Mar – Negril
Gegen
10 Uhr brechen wir von der Busstation an der Tankstelle auf, um uns
Montego Bay anzusehen. Dafür geht es mit dem Kleinbus mit knapp 20
Sitzplätzen zunächst in die Provinzhauptstadt Savanna-La-Mar. Einen
Fahrplan gibt es nicht, die Wagen werden „nach Bedarf“ eingesetzt
– und fahren natürlich nur, wenn auch der letzte Sitzplatz gefüllt
ist. Dabei gilt: In jeder Sitzreihe finden vier Passagiere Platz. Das
ist noch einigermaßen bequem, solange es sich um schlankere Fahrgäste
oder Kinder handelt. Aber wehe, wenn hier eine der rundlichen Matronen
vielleicht noch mit Gepäck sitzt! Dafür zahlen wir für die Fahrt aber
auch nur 35 Jamaika-$, für uns ein erträglicher Preis, für die
Einheimischen sicherlich aber auch nicht gerade billig.
In
Savanna-La-Mar gelangen wir wieder an den Markt, den wir bereits von
unserem ersten Besuch kennen: och nun am Samstag Vormittag herrscht hier
absoluter Hochbetrieb. Sämtliche Stände sind besetzt, die Käufer
drängen sich durch die Marktgassen.
Am
Busbahnhof werden wir sofort in einen abfahrbereiten Kleinbus nach
Montego Bay gelotst. Wir besetzen die letzten beiden freien Plätze und
der Wagen nimmt nun Kurs durch die Berge. Der Fahrpreis: 60
Jamaika-Dollar.
Bei
der Tour durch die Berge wechseln sich Dschungelstrecken und Farmland
– wir sehen vor allem in Reihe und Glied gepflanzte Zitrusbäume –
ab. Die Berghänge selbst sind alle dicht bewachsen.
Etwa
gegen 12 Uhr erreichen wir Montego Bay, gelangen dabei entlang der alten
Bahnstrecke und durch einige ärmliche Viertel mit Bretter- und
Wellblechbuden den an der St. James-Street gelegenen Busbahnhof.
Gleich
neben dem Busbahnhof befindet sich ein kleinerer Markt, aber wir ziehen
nun zunächst entlang der St. James-Street in die Innenstadt.
An
historischen Sehenswürdigkeiten hat Montego Bay kaum etwas zu bieten.
An einem Platz an de St. James-Street steht „The Cage“, ein winziger
Steinbau mit einem kleinen Türmchen, ähnlich einer Kapelle,
tatsächlich aber eine alte Arrestzelle, in die früher jeder Schwarze,
der nach 15 Uhr auf der Straße angetroffen wurde, erst einmal gesteckt
wurde, weil man ihn für einen entlaufenen Sklaven hielt. Neben diesem
Relikt steht ein – eher hässliches – Denkmal für Sam Sharp, den
schwarzen Prediger, der 1832 an dieser Stelle wegen seines Kampfes gegen
die Sklaverei hingerichtet wurde.
In
einem modernen Einkaufszentrum trinken wir einen Kaffee und essen ein
Eis, suchen dann den Souvenirmarkt von Montego Bay auf. Hier sind die
Bretterbuden im Unterschied zum Andenkenmarkt von Negril weit
großzügiger, schon ordentliche kleine Holzhäuser, einige davon mit
regelrechten Wandgemälden geschmückt, aber dafür ist das Areal hier
weit kleiner als das Areal am Negril River. Das Wetter ist regnerisch
– und momentan halten sich hier auch kaum Touristen auf.
Wir
verlassen den Markt – und begegnen nun, scheinbar zufällig,
vielleicht aber auch geplant, einem der Angestellten aus unserem Hotel
Angeblich habe er gerade seinen freien Tag, sei mit seinem Wagen da, und
wir könnten ihn gerne begleiten. Leicht skeptisch, dass wir hier als
Touristen geschröpft werden sollen, besteigen wir den Wagen, wo ein
David, angeblich der Bruder, am Steuer sitzt
David,
auch er angeblich ein früherer Angestellter im Cotton Tree Hotel, sagt
auch durchaus ganz klar, dass er als freiberuflicher Touristenführer
arbeite, er dazu ja auch den Wagen habe. Nun: Was uns betrifft, ist
zunächst weder von bezahlter Sightseeingtour noch von irgendeinem Preis
die Rede.
Zunächst
beginnt die Geschichte ganz harmlos, und unsere beiden Guides bemühen
sich durchaus, und Montego Bay zu zeigen. Wir fahren zum Richmon Hill,
einem Hügel mit luxuriöser Hotelanlage, von der aus man die gesamte
Bucht von Montego mit der grünen vorgelagerten Insel und auch die
Umgebung bis zu den Bergen übersieht. Unsere Guides machen uns auf die
Slums zu Füßen des Richmon Hill aufmerksam: Enge, verschlungene
Gassen, Wellblech. Doch abgesehen davon wirkt Montego Bay von hier oben
wie eine große Stadt mit schöner Lage an einem freundlichen Meer.
Unsere
nächste Station ist der Fruchtmarkt, zu dem, so die beiden, die Bauern
aus dem ganzen Distrikt kämen, um hier ihre Bananen, Tomaten und alles,
was auf der Insel wächst, zu verkaufen. Angeblich 20.000 Menschen
würden sich jeden Samstag auf diesem Markt versammeln, und tatsächlich
herrscht ein Gedränge, dass es völlig unverständlich erscheint, wieso
sich David und sein Bruder hier mit dem Wagen durchquetschen können.
Merkwürdigerweise machen die Passanten bereitwillig Platz, und die
beiden kennen hier auf dem Markt auch offensichtlich jede Menge
Menschen, begrüßen immer wieder jemanden mit Handschlag.
An
einem vornehmeren Einkaufszentrum am Rand der Stadt, in der Nähe des
Stadions, wo heute ein Fußballspiel stattfindet, zu dem die Fans in
Bussen anreisen, nehmen wir mit den beiden noch einen Kaffee – und nun
beginnt unsere eigentliche Entführung zur Rasta-Tour.
Wir
wollen eigentlich zurück zum Busbahnhof, doch unsere beiden Guides
meinen, uns noch eine Farm „ganz in der Nähe“
zeigen zu müssen. Wir seien in jedem Fall wieder rechtzeitig in
Negril, beruhigen sie uns – und fangen auf der Landstraße Richtung
Berge schon einmal während der Fahrt durch den Regen an, einen Joint zu
rauchen, wollen mir auch einen Brocken Ganjha „schenken“, worauf ich
aber doch lieber dankend verzichte. Schließlich biegen wir von der
asphaltierten Hauptstraße ab und fahren nun auf einer holprigen Piste
durch die Felder weiter. Weit und breit sind keine Häuser zu sehen. Es
ist klar, dass dies für uns ein teureres Vergnügen werden soll –
aber noch immer ist von Geld keine Rede.
Tatsächlich:
Etwa in der Höhe der Ortschaft Lethe gelangen wir zu einer ordentlich
ausgewiesenen „Natural Farm“, von wo aus man von einer Anhöhe aus
auf die bewaldeten Berge schaut und in der Ferne auch das Rauschen des
Great River hört. Nun wollen wir endgültig umkehren, aber erst, so
heißt es jetzt, müssten wir noch zum Great River selbst
hinunterfahren. Der passiert hier wirklich ganz in der Nähe einige
kleinere Stromschnellen, und es gibt an dieser Stelle sogar ein
Restaurant, das aber keinen einzigen Besucher hat.
Erst
jetzt kehren wir wirklich um – und nun fangen David und unser
Hotelangestellter an, auch über Geld zu reden. 3500 Jamaika-Dollar
würden sie für die Tour normalerweise berechnen, aber so viel wollten
sie von uns natürlich nicht, sondern „nur“ das Geld für das Benzin
und den „Service“, also 2500 Jamaika-Dollar.
Ich
gehe zunächst nicht darauf ein und sage, dass wir über das Geld reden
können, wenn wir in Montego wieder am Busbahnhof seien. Jedenfalls
wollen die beiden sicher sein, dass wir nicht unterwegs aussteigen: Die
Zentralverriegelung hat die Wagentüren verschlossen.
In
Montego Bay, es ist nach 17 Uhr, herrscht Rush Hour, die Hauptstraße
ist völlig verstopft, und die beiden Guides nehmen nun eine Route
abseits der Hauptstraße, über holprige, ungepflasterte Wege, nicht,
ohne uns an jeder Straßenecke darauf aufmerksam zu machen, dass gerade
diese Straße eine reine Gangster-Straße sei, durch die kein Tourist
laufen dürfe. Wahrscheinlich glauben sie, dass uns das von ihrer
eigenen Ehrlichkeit überzeugt.
Aber
sie bringen uns immerhin zum Busbahnhof, fragen, was wir zahlen wollen,
und ich versuche auch wirklich, sie herunterzuhandeln. Das gelingt zwar
nicht wesentlich, aber als 2400 Jamaika-$ ihren Besitzer gewechselt
haben, öffnet sich auch die Zentralverriegelung.
Wir
sind froh, die beiden los zu sein. Von dem Betrag, um den wir
erleichtert wurden und dem, was wir gesehen haben, wurden wir von den
beiden Rasamen aber auch nicht mehr geschröpft
als in Negril von Smokey Joe und seiner Glasboot-Tour.
Wir
steigen in den Bus nach Savanna-La-Mar, müssen dort einige Zeit auf den
Anschluss warten – und sind noch vor 20 Uhr wieder in Negril.
Sonntag, 14. November 1999:
Negril
Der
Sonntag erscheint zunächst völlig verregnet.
Am
späteren Vormittag machen wir uns, als es gerade etwas trockener ist,
mit Gitte und Günther auf dem Weg zum Lighthouse, dem Leuchtturm am
Ende der Steilküste.
Die
Steilküste hat ihren besonderen Reiz: Die Wellen haben Buchten und
Höhlen in das Gestein geschlagen, an vorgelagerten Felsbrocken schäumt
die Gischt.
Der
Leuchtturm selbst, weiß, etwa 20 Meter hoch mit einigen zerfallenen
Gebäuden daneben, ist weniger berauschend. Dafür liegt er an einem
schönen Platz, und noch vor dem Leuchtturm erhebt sich ein mächtiger
Baum mit gewaltigem Wurzelwerk und einem Stamm-Umfang von vielleicht
knapp zehn Metern.
Die
Schwüle wird allmählich jedoch immer drückender.
Am
Abend erfahren wir aus dem Fernsehen in unserem Restaurant von einer
Hurrican-Warnung, die wir später noch einmal im Radio hören. Am Himmel
ist kein Stern zu sehen, es weht ein kräftiger Wind, und immer wieder
kommt es zu heftigen Regenschauern.
Montag, 15. November 1999: Negril
Einer
der Geschäftsinhaber aus dem Einkaufszentrum neben dem Cotton Tree
Hotel hat seinen Laden mit Holzplatten vernagelt. Aber der Hurrican ist,
wie wir hören, an Jamaika vorbeigezogen.
Doch
den ganzen Tag über weht ein heftiger Wind, so dass man nicht einmal am
Strand liegen kann. Es hat sich merklich abgekühlt.
Dienstag,
16. November 1999: Negril – Montego Bay – Cancun – Berlin
Um
7.45 Uhr sollen wir vom Transferbus für die Fahrt zum Flughafen von
Monetgo Bay abgeholt werden. Vorher hat einer der Hotelgäste jedoch
Probleme an der Rezeption: Gestern Abend sagte er, dass er heute
abreise, er also die 50 US-$ Kaution für den Hotel-Safe zurück haben
wolle. Heute nun hat die Managerin nur einen 100-$-Schein, will den ohne
Wechselgeld aber nicht herausrücken, und der Hotelgast hat nun einmal
keine Dollar-Scheine mehr.
Ich
helfe scheinbar, das Problem zu lösen – indem ich der Managerin eben
2000 Jamaika-Dollar als Wechselgeld gebe. US-$ wären ihr erkennbar
lieber gewesen.
Doch
die Hilfe ist nur scheinbar: Am Flughafen von Montego Bay stellt sich
nämlich heraus, dass der 100-$-Schein gefälscht ist. Nur mit Hilfe der
Reiseleiterin von FTI gelingt es uns, die Polizei dazu zu bewegen,
zumindest ein Protokoll anzufertigen. Den Schein kassieren die Beamten
ein, eine Quittung können sie nicht ausstellen. Am Telefon erklärt die
Hotelmanagerin gegenüber der Reiseleiterin übrigens, wir hätten
versucht, ihr den Schein anzudrehen.
Mein
Abschied von Jamaika: Beim Sicherheitsscheck fragt mich die Beamtin, ob
sie die ungenützten Filme haben könne. Ich bin schon über die Frage
ziemlich sauer, sage „Nein“ – und stelle später fest, dass sie
bei der Kontrolle einen Film hat verschwinden lassen.
Um
12.45 Uhr startet unsere Maschine, landet dann nach ein ein halb Stunden
in Cancun, wo wir nach 75 Minuten Aufenthalt zurück nach Berlin
fliegen.
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