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| Traditionelle
Dhonis im Hafen von Male |
Die
große Moschee von Male mit ihrer goldenen Kuppel |
Der
Strand von Viligili - noch unberührt... |
...und
im Inneren von Viligili wartet der Dschungel. |
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| Feydhoos
Moschee - klein, aber fein |
Eine
Frau auf der Dorfstraße von Maradhoo |
Eine
Delfinschule im Norden des Addu-Atolls |
Haus
mit Garten - gesehen auf Hulhumeedhoo |
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Weißkehl-Doktorfisch
am Hausriff von Gan |

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Eine
Meeresschildkröte am Hausriff von Gan |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Reiseroute und
beschriebene Orte: Male -
Gan
- Maradhoo (Hausriff)
- Viligili
- Feydhoo
- Maradhoo
- Hithadoo
- Gan, Hausriff (10 – 15 Meter Tiefe)
- Hulhumeedhoo
- Koattey
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Donnerstag, 3. Oktober 2002: Male – Gan
Gegen
8.30 Uhr Ortszeit landen wir auf der Flughafeninsel Hulule.
Zumindest beim Landeanflug bekommt man nun trotz Wolken einiges
von den Malediven zu sehen: Rundliche oder oval schimmernde helle
Streifen im dunkelblauen Wasser, dann im Inneren eines solchen
Streifens, an dem sich die Wellen brechen, eine langgezogene oder
ebenfalls runde grün bewachsene Fläche, eine Insel, mitunter aber auch
einfach nur eine weiße Sandbank.
Als
Insel wird auf den Malediven bezeichnet, was sich bereits durch
entsprechenden Bewuchs auszeichnet – wobei Gräser und Büsche nicht
als entsprechender Bewuchs gelten. Diese Sandbänke, auch hier in der Nähe
der Hauptinsel, sind also noch Embryo-Inseln, und von hier oben erlebt
man den Bruchteil des lang andauernden Geburtsvorganges.
Die Inseln um Male und Hulule herum, die
Vorort-Inseln der Hauptstadt, haben aus der Luft gesehen nur wenig von
ihrem paradiesischem Zustand erhalten: Und auch, wenn ihre Küsten noch
grün bewachsen sind, stehen in ihrer Mitte doch meist irgendwelchen
profanen Zweckbauten
Der Flieger aus Frankfurt war durchaus voll – doch
wir sind die einzigen Gäste für den Weiterflug nach Gan, der gegen 18
Uhr starten soll.
Unser Malediven-Urlaub beginnt also mit Warten –
zunächst darauf, dass wir von Hulule zu unserem Hotel in Male gebracht
werden. 20 Minuten sollen wir uns vor dem Café am Flughafen gedulden,
doch dann wird es gut eine Stunde, dass endlich Elias, der Mann von der
örtlichen Agentur, uns und unser Gepäck in einem Dhoni verfrachtet und
wir endlich nach Male übersetzen können. Zu allem Überfluss gibt es
auch immer wieder kurze Regenschauer.
Es sind zwar nur wenige Schritte vom Anlegeplatz des
Dhonis zu unserem Hotel, wie es auf Male überhaupt keine nennenswerten
Entfernungen gibt, aber für steht natürlich schon das Taxi bereit.
Untergebracht werden wir im Kam Hotel, einem netten dreistöckigen Haus
mit Restaurant und einem winzigen Swimmingpool, ein Transithotel für
den ersten oder letzten Tag auf den Inseln.
Zwei bis drei Stunden solle man für einen
Stadtrundgang durch Male, eine der kleinsten Hauptstädte der Welt,
schon einplanen, schreiben die Reiseführer, ein Besuch des
Nationalmuseums im Sultanspark inbegriffen. Das Nationalmuseum haben wir
schon vor zwei Jahren besucht – also sollten wir mit den nur zur Verfügung
stehenden vier Stunden gut zurecht kommen.
Das Kam liegt in einer Seitenstraße des Marine
Drive, der Hafen-, Küsten- und Hauptstraße Males, und auch für uns
geht es natürlich zunächst auf den Marine Drive in Richtung
Fischmarkt. Zwar landen noch immer größere Fischerboote an, aber der
Fischmarkt ist jetzt gegen 12 Uhr so gut wie leer. Erst gegen 15 Uhr
geht das Geschäft hier wieder los. Von einem der beiden Boote, die
gerade angelegt haben, wird ein großer Fisch abgeladen: Vermutlich ein
Thunfisch, wobei es allerdings auch ein Delfin sein könnte. Vom Verkauf
des Vormittags übrig geblieben liegt noch ein großer schwarzer
Schwertfisch, um den jetzt die Fliegen schwirren.
Neben dem Fischmarkt hat sich auf der Straße ein
weiterer Markt vor allem mit Gemüseständen an der engen Straße
etabliert, und daran schließt sich schließlich eine weitere Markthalle
an, in der alles mögliche Obst verkauft wird. Wir kaufen sechs kleine
Bananen, für die ich zunächst einen US-Dollar zahlen soll, dann aber,
weil ich in einheimischer Währung bezahlen will, zehn Rufiya. Eins zu
Zehn – das ist der übliche Kurs, den man den Touristen berechnet; in
der Bank habe ich für einen Dollar allerdings 14 Rufiyas erhalten.
Bei unserem weiteren Spaziergang durch die Innenstadt
stoßen wir eher zufällig auf den alten Sultanspalast, ein prächtiges,
etwas kolonial anmutendes Gebäude, das heute von der Regierung genutzt
wird, und gleich daneben die einstöckige Freitagsmoschee mit ihren von
außen einsehbaren Gebetsräumen, in denen ständig Betrieb zu herrschen
scheint.
Die große neue Moschee, deren goldene Kuppel die Dächer
Males überragt, und die man praktisch von jeder Ecke aus sehen kann,
ist dagegen außerhalb der eigentlichen Gebetszeiten fast leer. Ich bin
die Marmorstufen zum Eingang schon fast hoch gestiegen, als mich ein älterer
Einheimischer zurück ruft: Ich habe vergessen, mir die Schuhe
auszuziehen. Nachdem ich diesen Fehler korrigiert habe, begleitet der
Alte mich nun in das Innere der Moschee, das vor allem durch die
schmucke Holztäfelung der Balustraden besticht.
Weil es inzwischen wieder zu regnen anfängt, gehen
wir ins Hotel zurück, essen als späten Lunch Fisch, werden dann gegen
16 Uhr abgeholt und zum Flughafen von Hulule zurück gebracht.
Unter den knapp 40 Passagieren sind wir die einzigen
Ausländer, die auf den Flug nach Gan warten. Kurz vor 18 Uhr landet die
Maschine, und soweit wir sehen können, bringt sie auch nur einen
Touristen zurück nach Male: Gan und das Addu-Atoll, das einzige
Malediven-Atoll südlich des Äquators, scheinen im Malediven-Tourismus
nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Nach etwas mehr als einer Stunde Flug landen wir bei
völliger Dunkelheit auf dem Flughafen von Gan, errichtet als britischer
Militärflughafen, nun wohl die halbe Insel einnehmend, und das alles für
die eine zweimotorige Maschine, mit der wir eben gelandet sind. Zu Fuß
gehen wir in die kleine Abfertigungshalle, und zwei Flughafenbedienstete
fangen an, das ganze Gepäck der Fluggäste einzeln in die Halle zu
tragen. Ein Gepäckförderband gibt es hier nicht! Aber dafür haben wir
unsere Koffer nun schneller als beim Auschecken in Male.
Schließlich holt uns ein Fahrer vom Equator Village
mit einem Kleinbus ab und nach wenigen Minuten sind wir an unserem
Urlaubsziel angekommen.
Freitag,
4. Oktober 2002: Gan, Feydhoo (Fedu)
Das
Equator
Village verdankt wie auch der Flughafen seine Existenz der britischen
Kolonialzeit: Die Ferienanlage geht auf die ehemalige Kaserne zurück
– die Bungalows die alten Offiziersunterkünfte, das Restaurant wohl
die Offiziersmesse.
Aber nur wenige Touristen haben sich in die
gepflegte, weitläufige Anlage mit unmittelbarer Nachbarschaft zum
Flughafen und zur Mole des Seehafens verirrt: Momentan beherbergt das
Equator Village nicht einmal ein Dutzend Gäste. Das Personal ist
zahlenmäßig um ein Vielfaches stärker.
Die Strände des Equator Village sind weiß,
sauber – aber eben auch klein: Zwei kleine Streifen Ufer, durch eine
Mole getrennt, jeweils nicht einmal 20 Meter lang. Der Swimmingpool
jedenfalls ist weit größer – und eben so leer.
Ein erster Schnorchelgang in der Nähe des Ufers
ist nicht besonders ergiebig: In Ufernähe sind die Korallen
abgestorben, liegen nur kleine weiße Korallentrümmer am Grund,
lediglich an zwei oder drei Stellen wachsen neue braune Korallen nach.
Es gibt einige kleine Drückerfische, aber besonders belebt ist das Meer
hier nicht. Die häufigsten Meeresbewohner scheinen wohl die zahlreichen
Krebse zu sein, die sich am Strand ihre Löcher gegraben haben.
Am Abend erfahre ich dann allerdings, dass ich
mich nur etwa zehn bis 15 Meter weiter vom Ufer hätte entfernen müssen,
um dann unmittelbar über dem Korallenriff zu schnorcheln.
Am Nachmittag verlassen wir die Anlage und
spazieren die Hauptstraße Richtung Norden zur Inselspitze – und zu
der vielleicht hundert Meter langen Steinbrücke, die auf die
Nachbarinsel Feydhoo führt.
Die Gebäude, die auf der anderen Straßenseite
gegenüber dem Equator Village liegen, gehören offensichtlich alle zum
Flughafenkomplex, auch, wenn sie heute etwa als kleine Geschäfte
anderweitig genutzt werden. Neben der Brücke schließlich befindet sich
ein inzwischen herunter gekommenes Meeresschwimmbecken, ebenfalls von
den Engländern angelegt, die offensichtlich unter keinen Umständen im
Meer direkt baden wollten.
Die Brücke, die Gan und
Feydhoo, auf
Touristenkarten auch als Fedu bezeichnet, verbindet, ist eine
zweispurige Straße – wobei eine Fahrbahn allerdings wegen
Reparaturarbeiten gesperrt ist.
Das erste, was man von Feydhoo zu sehen bekommt,
ist ein ziemlich großzügig angelegter Sportplatz, auf dem gerade ein
Sportfest abgehalten wird, sowie ein schöner weißer Sandstrand, der
jedoch absolut menschenleer ist.
Das Dorf der Insel macht einen eher unscheinbaren
Eindruck.
Samstag,
5. Oktober 2002: Gan
Die ganze Nacht hat es in Strömen geregnet und das
Pladdern des Wassers auf die Dächer war für Stunden die zeitweise
ohrenbetäubende Geräuschkulisse.
Gegen zehn Uhr vormittags geht der Dauerguss zwar in
vereinzeltes Tröpfeln über, doch der Himmel bleibt weiter
wolkenverhangen und düster.
Am Nachmittag wollen wir in einem Läden an Gans
Hauptstraße Postkarten kaufen. Der Verkäufer, ein Einheimischer,
stellt sich als „Karl-Heinz“ vor, ein Name, den er sich selbst
zugelegt hat, eben so, wie er sich seine fast perfekten deutschen
Sprachkenntnisse im Lauf von 19 Jahren Arbeit auf den Hotelinseln
weitgehend selbst bei gebracht hat. Nun ist er auf seine Heimatinsel zurück
gekehrt, betreibt seinen Krämerladen - für örtliche Verhältnisse
eher ein Supermarkt mit einem Warenangebot vom Plastikgeschirr bis eben
zur Postkarte – und will sein Heimat-Atoll keinesfalls mehr verlassen.
Natürlich würde er mit uns gerne eine Auto-Tour über
die Inselwelt unternehmen, wenn wir denn dazu Lust haben.
Am Abend fahren wir mit einem Motorboot und drei
einheimischen Begleitern zum Nachtfischen. Zwischen der Südspitze von
Gan und Viligili werden der Anker geworden und die Angelschnüre, um
leere Plastikflaschen aufgewickelte Nylonschnüre, ausgegeben. Am Ende
dieser Nylonschnur ist ein Senkblei befestigt, dazu der Metallhaken, auf
den der Köder aufgespießt wird.
Die Schnüre versinken in der Dunkelheit – und wenn
es an ihnen ruckt, gilt es, sie zwar schnell genug, aber nicht überhastet
wieder einzuholen. Drei von den Einheimischen als Red Snapper, jeweils
vielleicht ein Kilo schwer, hole ich auf diese Weise aus dem Wasser;
Karin bringt es auf eine etwas höhere Fangquote – aber der wohl
einzig wirklich verwertbare Fang sind die drei kleineren Barrakudas, die
einem der Einheimischen an den Haken gehen.
Auf insgesamt 24 Fische beläuft sich unsere
Ausbeute, die nun im Korb mit den Kiemen japsend ihre letzten Minuten
verbringt – der Blutzoll, den die Fischwelt des Atolls entrichtet hat,
dürfte aber um einiges höher gelegen haben: Schließlich haben wir
etliche Male nach einem Ruck an der Leine eine vermeintliche Beute
hochziehen wollen, nur um zu sehen, dass der Haken einfach abgebissen
war. Mit einem Haken im Maul dürfte aber kaum ein Fisch die Chance
haben, noch den kommenden Morgen zu erleben.
Detlef, der österreichische Tauchlehrer der Anlage,
vehementer Gegner des Nachtfischens, meint übrigens, dass die am Riff
gefangenen Fische ohnehin nie gegessen würden.
Sonntag,
6. Oktober 2002: Gan
Unser Schnuppertauchkurs beginnt gegen 10 Uhr im
Hafenbecken vom Gan. Die Tauchjacke bereits angezogen, die Flaschen auf
dem Rücken, marschieren wir die gut hundert Meter von der Tauchstation
durch die Anlage, müssen dann mit dem Gepäck die steilen Steinstufen
zum Wasser hinuntersteigen.
Den Vormittag verbringen wir dann mit den
Standardübungen im Wasser: Die Taucherbrille unter Wasser absetzen und
wieder aufsetzen, durch den Mund einatmen, durch das Ausatmen durch die
Nase die Luft aus der Brille herauspressen; das Atmungsgerät aus dem
Mund nehmen, Luft gleichmäßig ausatmen, Atemgerät wieder einsetzen,
mit der verbliebenen Luft aus der Lunge das Wasser aus dem Gerät heraus
blasen, auf den Boden tauchen und dort ruhig sitzen bleiben.
Am Nachmittag werden diese Übungen dann wiederholt
– und schließlich geht es zu unserem ersten Tauchgang aus dem
Hafenbecken heraus ein kurzes Stück das Innenriff entlang.
Irgend etwas mache ich aber noch mit der Atmung
falsch: Jedenfalls komme ich kaum tiefer als zwei Meter, ständig will
ich mit den Armen die sonst üblichen Schwimmbewegungen vollziehen statt
ausschließlich mit Füßen und Flossen zu arbeiten, und weil ich außerdem
den Druckausgleich vergesse, schmerzen auch noch die Ohren. Bei diesem
Tauchgang jedenfalls habe ich noch so viel mit mir selbst zu tun, dass
ich von der Unterwasserwelt nicht all zu viel wahr nehme. Weil es außerdem
ständig bewölkt ist, dazu regelmäßig regnet, ist die Sicht ohnehin
nicht berauschend. Die vorherrschende Farbe des Riffs scheint grau zu
sein, unterbrochen von den wie Steinen aussehenden nachwachsenden
braunen Korallen.
Auf einer dieser Korallen hat sich eine Mördermuschel
häuslich nieder gelassen; ansonsten sehe ich eine Vielzahl winziger
blauer Fischlein, Kaiserfische, Papageienfische und einige andere, die
ich aber nicht identifizieren kann.
Montag,
7. Oktober 2002: Gan, Maradhoo (Hausriff)
Nach der obligatorischen Wiederholung der Standardübungen
dauert unser zweiter Tauchgang am Riff immerhin rund 40 Minuten und führt
diesmal bereits in eine Tiefe zwischen vier und sechs Metern.
Zwar musste ich den noch vom gestrigen Tauchen übrig
gebliebenen Muskelkater überwinden – aber einmal im Wasser ist das Gröbste
überstanden. Mittlerweile erahne ich auch den Trick mit dem richtigen
Ausatmen, um in die tieferen Bereiche abzutauchen, und auch an den
Druckausgleich denke ich zumindest öfter als gestern, so dass die Ohren
nicht mehr ganz so schmerzen.
Entsprechend mehr sieht man nun auch von der
Fischwelt des Innenriffs von Gan: Wieder fallen die Schwärme der
kleinen blauen Fische auf, die Kaiserfische, die Papageienfische,
darunter auch ein blaues Exemplar, das fast die Länge eines Armes
erreicht hat. Immer wieder auffällig: Fische unterschiedlicher Art,
zumindest aber von ganz unterschiedlichen Farben, schwimmen einträchtig
nebeneinander, als gehörten sie zu einer Familie.
Die Tauchergruppe, die zur gleichen Zeit vor einer
der nördlichen Inseln am Außenriff unterwegs gewesen ist, bekam
allerdings, wie sie ganz glücklich erzählen, auch große Barrakudas
und schließlich sechs Meeresschildkröten zu sehen.
Am Nachmittag fahren wir zum Schnorcheln zum Hausriff
von Maradhoo, die gleich nördlich an Feydhoo anschließende Insel.
Wir ankern gut 50 Meter vor dem Strand, gehen vom
Boot aus ins Wasser. Maradhoos Hausriff erscheint zunächst als eine
„Wiese“ voller dicht an dicht wachsender Sandrosen, weist dazu große
Korallenbrocken auf, teilweise mit einem Umfang von sicherlich fünf
Metern – aber es liegt dafür auch etwa zehn Meter unter der
Wasseroberfläche, eigentlich zu tief für einen Schnorchelgang. Ich
entdecke unten am Grund einen tiefschwarzen mehr als einen Arm langen
und dicken Fisch, möglicherweise ein Napoleon – aber er ist eben doch
ein gutes Stück entfernt.
Weiter oben tummeln tummeln sich Schwärme von nur
wenigen Zentimeter langen blauen, roten und mehrfarbigen Fische, möglicher
weise Fahnenbarsche.
Wir hatten das Hausriff von Maradhoo angelaufen, weil
die See für eine Landung auf Viligili, wohin die Schnorcheltouren üblicherweise
führen, zu unruhig war.
Am Abend, wir sind zum Glück wieder zurück in der
Hotelanlage, regnet es dann auch wieder in Strömen.
Dienstag,
8. Oktober 2002: Viligili
Es scheint, als könnte dies unser erster ungetrübter
Sonnentag werden, als wir gegen 10 Uhr mit dem kleinen Motorboot nach
Viligili, die nordöstliche Nachbarinsel von Gan, aufbrechen.
Viligili, offiziell eine unbewohnte Insel, auf
der momentan allerdings eine neue Hotelanlage entsteht, nach den Worten
unseres Bootsführers aber von rund 25 Einheimischen bewohnt, präsentiert
sich bei der Anfahrt als ein dichter Urwald mit Kokosnusspalmen, umgeben
von einem weißen, flachen Sandstrand.
Ein paradiesisches Eiland, an dessen Strand
niemand die Wege der zahlreichen Krebse stört – das ist auch noch der
zweite Eindruck. Die Krebse haben am Strand tiefe runde Löcher
gegraben, daneben oder davor Sandhügel von 20 bis 30 Zentimetern
aufgeschüttet, Maulwurfshügeln nicht unähnlich.
Aber so unberührt kann kein Strand mehr sein,
dass sich nicht leere Flaschen und anderer Plastikmüll finden würde.
Das Meer, so hatte Detlef erzählt, sei für viele Malediver eben immer
noch der bedeutendste Müllabladeplatz – und die Strömung treibt den
Abfall dann hierher.
Was manchen Schnorchler und Schwimmer auch stören
könnte: Das Seegras sprießt direkt bis an den Strand von Viligili, so
dass man kaum sieht, aus was man im Wasser da alles tritt.
Gleich neben dem Strand führt ein vielleicht
zwei bis drei Meter breiter Weg durch die Palmen. Wir passieren das Camp
der Leute, die gerade im Norden die Hotelanlage errichten, kommen an
Palmen vorbei, die gemolken werden, die also angeschnitten werden und
bei denen man unter den Schnittstellen Behälter befestigt, um den
ausfließenden Sirup aufzufangen.
Vom Hauptweg führt ein wahrhafter Dschungelpfad
ins Innere der Insel ab – und an dessen Ende schauen wir auf einen völlig
versteckten Süßwassersee, wo auf der anderen Seite des Ufers gerade
zwei Reiher zum Flug aufbrechen. Allerdings scheint die Stelle, von wo
wir aus auf den See blicken, auch die Heimat der Moskitos zu sein.
Wir laufen noch bis zum Rohbau der neuen
Hotelanlage, es steht erst ein Gebäude, gehen dann zurück, um zu
schnorcheln – doch nun fängt es an zu regnen und dazu bläst auch
noch ein kräftiger Wind, der immer stärker wird. Ein Schnorchelgang
ist nun eben so unmöglich wie die Rückfahrt, da das Meer nun auch zu
gefährlich ist. Zunächst suchen wir gleich beim Ankerplatz unseres
Bootes Schutz hinter einem Gebüsch, sind aber bald schon völlig durchnässt,
so dass wir in das Lager der Bauarbeiter ziehen, die gerade Mittagspause
halten. Gegessen wird bei den Einheimischen übrigens ohne Besteck: Die
Beilagen werden mit dem Reis zu Kugeln geformt, und die schiebt man dann
in den Mund. Für uns zerschlägt man eine Kokosnuss, deren Teile uns
auf einem Plastikteller serviert werden.
Etwa gegen Ein Uhr lassen Sturm und Regen
zumindest so weit nach, dass wir wieder nach Gan übersetzen können.
Die Sonne kommt an diesem Tag allerdings nicht mehr hervor.
Mittwoch,
9. Oktober 2002: Feydhoo, Maradhoo, Hittadhoo, Gan
Gegen 9.45 Uhr brechen wir – bei viel
versprechendem Sonnenschein – zu unserer Fahrradtour durch das
westliche Addu-Atoll auf.
Auf der Brücke zu Feydhoo sind die Bauarbeiten
in vollem Gange – und im Vergleich zu unserem ersten Besuch wohl auch
schon ein gutes Stück voran gekommen. Unser Weg führt uns nun durch
die Straßen des Inseldorfes, alle schnurgerade angelegt, aber
ungepflastert, was nun zur Folge hat, dass sich überall große und
tiefe Pfützen gebildet haben Viel
Grundstücke sind von einer Mauer aus weiß gebleichten Korallen
umgeben; da, wo das nicht der Fall ist, sieht man, dass die einstöckigen
Häuser, in der Regel ebenfalls aus Korallen gebaut, inmitten eines
kleinen Gartens liegen.
Feydhoos beeindruckendste Gebäude sind zum einen
die Moschee, versehen mit einem großzügigen weiß gepflasterten
Vorplatz, einem großen, allerdings ziemlich kahlen Gebetsraum und einem
Minarett mit goldener Kuppel mit dem Halbmond an der Spitze, zum anderen
unmittelbar gegenüber auf der anderen Straßenseite das Schulgebäude,
zwei Stockwerke hoch, mehrere Trakte umfassen – modern, und scheinbar
viel zu pompös für diese kleine Insel. Eine zweite, weitaus kleinere
Moschee, wird gerade, wie wir bei unserer Rückfahrt sehen werden, auf
Kosten eines wohlhabenden Spenders gebaut.
Die Brücke, die Feydhoo mit
Maradhoo verbindet,
ist um einiges kürzer als die zwischen Gan und Feydhoo; fast scheint
es, als seien Feydhoo und Maradhoo nur zwei Teile einer einzigen
auseinandergebrochenen Insel, aber noch immer keinen Steinwurf
auseinander.
Aber Maradhoo ist um einiges größer als
Feydhoo – was sich für uns vor allem durch die breiteren Dorfstraßen
bemerkbar macht. Es gibt sogar zwei Dörfer auf dieser Insel, doch die
sind so ineinander verwachsen, dass wir keine Ortsgrenzen erkennen können.
Jedenfalls scheint es nach der Dichte der Bebauung auf Maradhoo keinen
unbewohnten Flecken mehr zu geben.
Am späten Vormittag sind diese Dorfstraßen hier
aber auch nicht belebter als auf Feydhoo. Ich versuche, eine alte Frau
in traditioneller blauer Tracht und mit weißem Kopftuch zu filmen, eine
der wenigen Passanten, die man jetzt trifft.
Auf Maradhoo folgen zwei unbewohnte Inseln, über
die aber eine moderne Asphaltstraße führt, umsäumt von
Kokosnusspalmen, auf der Ostseite dazu der Strand, der, wäre eben nicht
die Straße, an einen Bilderbuchstrand erinnert.
Ziemlich verschwitzt erreichen wir schließlich
die Südspitze von Hithadoo. Die Asphaltsraße führt weiter am Meer
entlang, an den Buchten der dem Inneren des Atolls zugewandten
Inselseite, wo kleine Fischerboote liegen und Angler im seichten Wasser
stehen. In den Ort selbst führen wieder nur ungepflasterte Wege, die
von dieser Hauptstraße der Inseln abgehen.
Wir biegen auf einen dieser Wege ab, befinden uns
kurz darauf in den Gassen der Atoll-Hauptstadt, die sich zunächst nicht
von den Dorfstraßen von Feydhoo oder Maradhoo unterscheiden. Wir kommen
an einer unscheinbaren
Moschee vorbei, ein einfacher Zweckbau, für uns erkennbar eigentlich
nur an den Lautsprechern, über die die Gläubigen zum Gebet gerufen
werden, passieren zwei alte Friedhöfe, sind dann auf der Hauptstraße
entweder der Stadt oder zumindest dieses Stadtteils. Zwar ist auch diese
Straße ungepflastert, ebenfalls von meist einstöckigen aus
Korallengestein gebauten Häusern gesäumt – aber dafür ist sie um
einiges als der Marine Drive in Male, ist sogar so etwas wie ein grüner
Mittelstreifen, in kurzen Abständen gepflanzte Straßenbäume, zu
erkennen.
Jedenfalls finden wir hier ein Café, wo wir uns
– jeder Milchshake oder frisch gepresste Saft kostet zehn Rufiyas –
mit kühlen Getränken erfrischen können. Dazu serviert uns der Kellner
in grünen Blättern irgend eine offensichtlich aus Kokosnuss
angefertigte Nascherei, die so süßlich wie schmackhaft ist.
Auf dem Rückweg bleiben wir auch auf Maradhoo
auf der Asphaltstraße, verzichten auf die Fahrt durch das Dorf – und
lernen so den Hafen der Insel kennen, zumindest von der Anlage her um
einiges größer als der Hafen von Gan, wenn hier auch nur einige
Fischerboote ankern sowie ein Schiff, das die Bezeichnung „Ferry“,
also „Fähre“ trägt. Um den Hafen herum hat sich aber so etwas wie
ein kleines Einkaufszentrum mit Supermarkt und einer Niederlassung der
staatlichen Handelsgesellschaft etabliert.
Zurück in Gan unternehme ich noch einen
Schnorchelgang, und diesmal stoße ich dabei tatsächlich vor bis zu dem
Riff, das wir bei unseren Tauchgängen zumindest ansatzweise erkundet
haben. Ich sehe die mir nun schon bekannten Fische, entdecke auch eine
kleinere Mördermuschel, gut getarnt in einer Koralle, die bedrohlich
ihren „Mund“ öffnet und schließt. Zumindest unheimlich scheint
auch das undurchdringliche Blau auf der tiefen, inselabgewandten Seite
des Riffs.
Donnerstag,
10. Oktober 2002: Gan, Hausriff (10 – 15 Meter Tiefe)
Nach einem Schnorchelgang am Vormittag unternehme
ich gegen 14 Uhr mit Umar, dem Divemaster, einen weiteren Tauchgang am
Hausriff.
Und diesmal geht es in jenes undurchdringliche
tiefe Blau, das mir gestern beim Schnorcheln noch als so unheimlich
erschien, auf eine Tiefe zwischen zehn und 15 Metern.
Hier unten, wo die einzelnen Korallenbrocken größer
und wohl auch älter als weiter oben sind, befindet sich die Kinderstube
des Riffs. Hier tummeln sich ganze Schwärme von noch winzigen Kaiser-
und Papageienfischen, und zumindest einer dieser Schwärme hat sein
Zuhause in einer großen, nach innen ausgehöhlten Koralle, die aussieht
wie eine riesige brüchige Kanonenkugel.
Aber ungefährlich ist diese Kinderstube nicht:
Ich entdecke wenigstens eine Mördermuschel, um einiges größer als im
flacheren Gewässer, und schließlich dann auch eine Riesenmuräne, von
der aber nur der Kopf aus einer höhle ragt, so dass wir nicht sehen können,
wie lang sie tatsächlich ist.
Am sonderbarsten in dieser Unterwasserwelt
scheinen mir jene länglichen Fische zu sein, die festgeklebt wie Schläuche
an den Korallen stehen, sich nicht rühren und nur sanft in der Strömung
bewegen.
Umar zeigt mir einen Seestern, zusammengerollt
wie eine Kugel, den ich selbst eher für einen Stein oder ein kleines rötliches
Stück Koralle gehalten hätte, eine Muschel – und dann sehen wir etwa
drei Meter über uns einen runden Schatten, eine gut einen Meter Umfang
messende Meeresschildkröte, die ganz langsam durch das Wasser schwimmt.
Etwa eine Stunde bleiben wir unten am Riff, dann
heißt es, wieder aufzutauchen.
Freitag,
11. Oktober 2002: Hulhumeedhoo, Viligili, Gan
Gegen neun Uhr früh brechen wir auf zum
„Inselhüpfen“, einem obligatorischen Teil fast aller
Malediven-All-Inclusive-Programme. Unsere Ziele: Die bewohnte Insel
Hulhumeedhoo im äußersten Nordosten des Addu-Atolls und Viligili, wo wir
unser Lunch bekommen sollen.
Die Überfahrt nach Hulhumeedhoo dauert keine Stunde,
aber kurz vor unserem ersten Ziel stoßen wir auf eine mindestens 50,
vielleicht sogar hundert Tiere zählende Schule von Streifendelfinen.
Die Bootsführer entdecken sie natürlich lange vor uns; wir sehen zunächst
nichts als einzelne dunkle Punkte zwischen den Wellen, dann ab und an
eine Flosse, schließlich ein Tier, das mit der Schnauze zuerst aus dem
Wasser schießt, sich einen Moment in der Luft dreht und wieder elegant
untertaucht. Dann sind wir inmitten der Schule, und kleinere Gruppen
schwimmen links und rechts von uns, vor uns, und paarweise schwimmen
auch immer wieder Delfine auf unser Boot zu, tauchen unter dem Bug
hindurch.
Scheu vor Menschen, Angst vor den Motorbooten ist
bei dieser Delfinschule jedenfalls nicht zu bemerken. Dabei wäre etwas
mehr Scheu womöglich durchaus angebracht. Detlef hatte uns schließlich
von einem Weltumsegler erzählt, der einen Videofilm gedreht haben soll,
auf dem zu sehen ist, wie maledivische Fischer in den abgelegenen
Atollen auch Jagd auf Delfine machen.
Auch auf Hulhumeedhoo gibt es zwei Dörfer, nämlich
Meedhoo und Hulhodhoo, wobei der gemeinsame Inselhafen im südlichen Meedhoo liegt. An der Hafeneinfahrt baden gerade vielleicht zwei
Dutzend Kinder, im rechteckig ausgebauten Hafenbecken liegen eine ganze
Reihe mittelgroßer Boote, und ebenfalls gleich am Hafen wird momentan
an einer neuen Moschee gebaut.
Die Hafenumgebung muss auch das
Verwaltungszentrum der Insel sein: Hier liegt das Schulgebäude, das
Rathaus und ein kleines weißes Haus ist als das örtliche Gericht
ausgewiesen.
Als wir die Bananenstauden in einem der prächtig
wuchernden Gärten fotografieren wollen, spricht uns ein Einheimischer
mittleren Alters, europäisch gekleidet, an, fragt uns, wo wir
herkommen, wie es uns auf den Malediven gefällt – Beginn des üblichen
Smalltalks zwischen Touristen und Einheimischen. Hier stellt sich unser
Gesprächspartner aber als der Insel-Arzt vor, der Mann, der sich an
seine Seite stellt, gehört zum Ältestenrat der Insel, nimmt aber nicht
m Gespräch teil.
Immerhin erfahren wir vom Inseldoktor, dass
Hulhumeedhoo rund 3000 Einwohner zählt, wobei aber längst nicht alle
Insulaner hier auch leben würden; viele seien auf Male, andere arbeiten
auf den Touristeninseln. Wer auf Hulhumeedhoo bliebe, ernähre sich vom
Fischfang, neben dem Tourismus die einzige Einnahmequelle auf den
Malediven.
Dabei sind zumindest die größeren Inseln des
Addu-Atolls überaus fruchtbar: In den Gärten der beiden Inseldörfer
wachsen nicht nur Kokosnusspalmen und Bananen, überall stößt man auch
auf Brotfruchtbäume.
Auf einem dieser Bäume hat sich eine weiße
Seeschwalbe niedergelassen, die sich hier durch einen Kopfputz
auszeichnen, der sie wie eine Kreuzung zwischen Schwalbe und Papagei
ausschauen lässt. Da sich der Vogel nun das Gefieder putzt, komme ich
endlich dazu, eines dieser Exemplare zu fotografieren. Mit den anderen
Luftbewohnern des Atolls, den überall anzutreffenden Flughunden, die
sich meist zu Beginn der Dämmerung in die Luft erheben, habe ich dieses
Glück noch nicht gehabt.
Bei unserem weiteren Rundgang durch die Inseldörfer
kommen wir an einen alten islamischen Friedhof, mit einer kleinen
Moschee in der Mitte, darum herum die nach oben oval geformten
Grabplatten aus Koralle, die ältesten bereits schwarz gefärbt.
Knapp zwei Stunden dauert unser Aufenthalt auf
Hulhumeedhoo, dann brechen wir auf zum Lunch auf Viligili.
Wir landen an der gleichen Stelle wie bei unserem
ersten Besuch auf Viligili, gehen nun aber auch den vielleicht 50 Meter
weiten langen Weg quer über die Insel, zu der dem offenen Meer
zugewandten Seite. Selbst die Luft scheint hier völlig anders als auf
der Atoll-Seite zu schmecken, frischer, geprägt von einer klaren Briese
vom indischen Ozean. Allerdings gibt es auf dieser Seite – zumindest
an der Stelle, die wir sehen – keinen Sand-, sondern einen aus zerbröselten
Korallen bestehenden Kiesstrand, und gleich am Ufer befinden sich die
scharfzackigen Korallensteine: Dies ist kein Ort, um in dem klaren Meer
zu baden, zumal auch eine starke Brandung auf die Korallen schlägt.
Innerhalb eines Jahres, so erzählt der Bootsführer,
soll die Hotelanlage fertig sein. Dann soll Gan auch einen
„internationalen“ Flughafen bekommen, der direkt mit den europäischen
Flughäfen verbunden ist. Mit dem ungestörten Leben, dass die Viligilis
Krebse auf der anderen Seite Insel führen, dürfte es dann vorbei sein
– falls das Projekt wirklich realisiert werden sollte.
Weil es vor Viligili keine wirklich schönen
Schnorchelplätze gibt, fährt unser Boot nach dem Lunch zurück
Richtung Gan, und wir gehen vor dem östlichsten Punkt von Gan, als
Tauchpunkt „Gan Inside“ genannt, ins Wasser.
Mitunter, so der Bootsführer, würden an dieser
Stelle auch größere Haie gesichtet, aber von denen ist momentan keiner
zu sehen. Die Korallen haben hier die Gestalt einzelner Felsbrocken,
teilweise von doch gigantischen Ausmaßen, fast wie ein
Unterwassergebirge, dessen Gipfel an einigen, allerdings wenigen Stellen
bis fast an die Wasseroberfläche reichen. Ich entdecke einige größere
Papageienfische, natürlich wieder Kaiserfische, auch ein paar gelbe
Falterfische, aber dies ist wegen der Tiefe doch eher ein Platz für
Taucher als für Schnorchler.
Am Abend unternehmen wir nach dem Essen noch
einen Spaziergang zum Hafen, vorbei an den Baracken, in denen die
Arbeiterinnen der Textilfabrik leben. An der Hafenmole kommen wir mit
zwei Gastarbeitern aus Sri Lanka ins Gespräch, die ihr Geld ebenfalls
in der Fabrik verdienen. Der eine aus Galle stammend lebt bereits seit
zwei Jahren hier, der andere aus Colombo seit einem Jahr. Doch beide
haben noch Verträge für zwei Jahre, werden dann nach Sri Lanka zurückkehren.
Malediver sind unter den Fabrikarbeitern nicht zu
finden.
Samstag,
12. Oktober 2002: Gan, Meedhoo (Hafen), Hithadhoo (Koattey)
Gans „historischstes“ Bauwerk befindet sich
etwa 100 Meter östlich von
Equator Village, unmittelbar gegenüber der Niederlassung der Bank der
Malediven: Das Kriegerdenkmal für die im Addu-Atoll gefallenen Angehörigen
britischen Truppen des zweiten Weltkrieges, bestehend aus zwei auf den
Flugplatz weisenden gusseisernen Kanonen, zwischen den beiden Kanonen
der Gedenkstein mit den Namen der Toten. Etwa 40 bis 50 Namen sind hier
verzeichnet, ausschließlich indische Namen. Die Gefallenen, so heißt
es auf dem Stein, wären entweder hier begraben oder seien in den Gewässern
des Atolls verschollen.
Mit dem Fahrrad unternehmen wir eine
Inselumrundung, die uns die ganze Zeit entweder um den Flugplatz herum,
teilweise aber auch auf das Gelände des Flugplatzes selbst bis
unmittelbar ans Rollfeld führt. Ein der Einfahrt zum unmittelbaren
Flughafengelände sitzt ein Uniformierter an einem Schlagbaum – und öffnet
ihn sofort, wenn Passanten nahen: Mehr als zwei oder drei Maschinen täglich
werden schließlich nicht erwartet, und so kann man das Flughafengelände
fast ständig ungefährdet passieren.
Nicht für den Flughafen benötigtes Gelände
wird landwirtschaftlich genutzt. Am Rande des Flughafens liegt ein
weites Feld mit Kokosnusspalmen, ordentlich, alle in gleicher Entfernung
zueinander angepflanzt. Palmenstrände hingegen sind auf Gan eher die
Ausnahme.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Minibus des
Hotels nach Koattey, an die Nordspitze von Hithadhoo.
Bei unserer Fahrt legen wir einen kurzen
Zwischenstopp im Hafen von Meedhoo an: Weiter draußen liegen gerade
einige größere Fangschiffe, ausgerüstet für den Thunfischfang, ein
kleineres Boot hat wohl vor noch nicht all zu langer Zeit angelegt, und
nun liegt die Beute ausgebreitet auf der Mole. Man hat den Thunfischen
bereits die Köpfe abgeschnitten, und nun wird auch der Rest gleich hier
im Hafen zerlegt, in zwei Hälften geschnitten, die mittlere Gräte
herausgebrochen, die Schwanzflosse abgehackt, alles, was nicht benötigt
wird, in Wasser geworfen. Die Filetstücke sind fertig zum Verkauf!
Koattey zeigt sich als Mischung zwischen
Farmland, auf einem Feld, an dem wir vorbei kommen, werden Kürbisse
angebaut, und einem Urwald im Kleinen, einem Dschungel zwar ohne Bäume,
dafür aber mit Palmen und allen möglichen Gewächsen. Es führen
einige schmale Wege durch dieses undurchdringlich scheinende Dickicht,
aber diese Wege sind so eng, dass unser Wagen sie kaum nehmen kann. Wir
passieren zwei Seen, haben dann den steinigen Strand erreicht, wo einige
Jungen schnorcheln, ein anderer im Wasser steht und seine Angelleine
ausgeworfen hat. Hier hat man die Korallensteine noch zu einem Damm
aufgeschüttet, der die Lagune schützen soll.
Der Dschungel reicht unmittelbar bis an den
Strand, und in seinem Gebüsch sind einige Frauen gerade am Kochen.
Der Süßwasser führende Binnensee, etwas größer
als der benachbarte Salzwassersee, liegt nur wenige Schritte vom Strand
entfernt: Das ruhige Gewässer, in dem sich etliche schwarze Fischlein
tummeln, wird von Palmen umsäumt – ein durchaus romantisches
Fleckchen, zu dem sich außer uns kein Mensch hin verirrt hat.
Sonntag,
13. Oktober 2002: Gan
Ein total verregneter
Tag, an dem man nicht einmal am Hotelpool liegen kann. Wir
verbringen die meiste Zeit auf der Veranda unseres Bungalows oder an der
Hotelbar.
Montag,
14. Oktober 2002: Gan (Hausriff)
Vormittags beim Schorcheln: Jetzt strahlt zwar
wieder die Sonne aber das
Meer ist noch aufgewühlt, die Sicht unter Wasser diesig.
Mördermuscheln sind weit häufiger., als es bei
einem ersten Tauch- oder Schnorchelgang den Anschein hat: Nur allmählich
bekomme ich einen Blick für die gut getarnten Tiere, die sich in fast
jeder Koralle fest verankert haben, ihre Schalen ganz langsam öffnen
und schließen, für den, der flüchtig vorüber schwimmt, kaum
erkennbar.
Der Höhepunkt meines nachmittäglichen
Tauchganges am Hausriff bei einer Tiefe von ungefähr neun Metern:
Unmittelbar unter uns taucht eine bräunlich gefärbte Meeresschildkröte
von vielleicht zwei Metern Umfang aus ihrer Höhle, nimmt einen Bogen
Richtung Wasseroberfläche und gleitet dann, immer noch unter Wasser
bleibend, majestätisch über die Tiefe. Wenige Minuten später stoßen
wir, allerdings entfernter, noch auf eine weitere eben so große
Meeresschildkröte, während ein Schwarm von Barrakudas direkt an uns
vorbei zieht.
Dienstag,
15. Oktober 2002: Gan (Hausriff)
Gans Hausriff, nur etwa mehr 50 Meter vom Strand
entfernt, scheint wirklich das Hausriff auch der Meeresschildkröten zu
sein.
Unser vormittäglicher Tauchgang führt uns
wieder zu dem riesigen Korallenblock am äußeren Riffrand – und schon
kurz vorher sehe ich in vielleicht zehn oder 20 Meter Entfernung eine
Meeresschildkröte durch das tiefe Blau schwimmen. Leider ist sie zu
weit entfernt, um Farbe und Musterung ihres Panzers zu erkennen und
schließlich ist sie ganz verschwunden. Dafür entdecken wir aber gleich
darauf zwei weitere Tiere, die aber eben so schnell wieder davon
schwimmen, als wir ihnen und nähern.
Aber man muss nicht einmal auf zehn oder mehr
Meter Meerestiefe gehen, mit etwas Glück sieht man auch beim
Schnorcheln ein Exemplar. So geht es mir am späten Nachmittag gegen 17
Uhr, als wieder an der Außenkante des Riffs nur ein oder zwei Meter
unter mir eine so genannte Echte Karettenschildkröte von etwas mehr als
einem Meter Umfang auftaucht, aber eben auch wieder rasch verschwindet.
Eine Stunde vor Sonnenuntergang scheint die
Oberkante des Riffs weit belebter als am späten Vormittag. Neben den
Papageien- und Kaiserfischen fallen mir diesmal mehrere Fledermausfische
und schließlich ein ganzer Schwarz schwarz-weiß gestreifter
Diana-Schweinslippfische mit schwarz-gelben Rückenstreifen und Flossen
auf.
Mittwoch, 16. Oktober
2002: Gan - Male Unser
letzter Tag auf Gan ist ein Regentag. Gegen
19.00 Uhr soll unsere Maschine nach Male gehen - am Nachmittag
erkundigen wir uns am Flughafen, ob dem denn auch tatsächlich so ist.
Vier junge Russen, die ebenfalls über Neckermann bei uns im Equator
Village untergebracht waren, machten nämlich die Erfahrung, dass die
Flugpläne nicht unbedingt eingehalten werden. Weil es nicht genügend
Passagiere gab oder aus irgend einem anderen nie so richtig bekannt
gewordenen Grund wurde ihr Rückflug nach Male gecancelt, sie konnten
erst ein ein halb Tage später fliegen, verpassten dadurch natürlich
auch alle anderen Anschlüsse. Dieses
Pech haben wir allerdings nicht: Unser Rückflug geht pünktlich, selbst
Ladenbesitzer Karl-Heinz erscheint zum Abschied am Airport - und gegen
20.30 Uhr sind wir dann wieder auf dem Flughafen von Hulule, um unsere
letzte Nacht vor dem Rückflug wieder im Kam-Hotel von Male zu verbringen.
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