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mit Wat Pho,
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Dienstag,
25. März 2003: Bangkok
Am frühen
Nachmittag, gut neun Stunden nach unserem Abflug von Wien, sechs
Stunden Zeitverschiebung gegenüber Mitteleuropa, befindet sich
die Maschine der Lauda Air im Anflug auf Bangkok. Unter uns liegen
schnurgerade abgesteckte grüne Felder, schnurgerade Straßen –
und sogar eben solche geraden Kanäle. Wir sehen hinunter auf
exakt ausgerichtete Wasserbecken, auf Vororte, die alle dem
gleichen Bauplan entsprungen zu sein.
Nur
ab und an tanzt eines der Gebäude unter uns aus der Reihe, ist größer
als die anderen, hat eine Dachform, die der ursprünglichen thailändischen
Bauweise entspricht. Solche Häuser stehen dann abseits der
Reihenhaussiedlungen, vermitteln den Eindruck, dass hier entweder
ein wohlhabenderer Besitzer sein Domizil oder irgendeine wichtige
Institution ihren Sitz hat.
Während
des unmittelbaren Landeanfluges haben die Häuser unter uns
Wellblechdächer: Hier, in der Einflugschneise, leben
offensichtlich die Ärmeren.
Die
Einreiseformalitäten sind rasch erledigt, für 1000 Baht – 45
Baht sind ein Euro – nehmen wir zu Viert einen Kleinbus zu
unserem Hotel D’Ma Pavillon, eine Fahrstunde vom Flughafen
entfernt, in der Nähe des Bangkoker World Trade Center gelegen.
Das Hotel hat über 20 Stockwerke, beherbergt momentan aber
scheinbar nicht sehr viele Gäste.
Gegen
18 Uhr regnet es in Strömen, die Straßen vor unserem Hotel
stehen unter Wasser, so dass wir uns entschließen, doch im Hotel
zu essen. Um diese Uhrzeit sind wir die einzigen Gäste in dem
Hotelrestaurant.
Später
lässt der Regen nach, und wir unternehmen noch einen kleinen
Rundgang durch die unmittelbare Nachbarschaft. Trotz Hochstraße,
Hochhäusern und allen Neubauten: Die Garküchen, die auch den
engsten Platz besetzt halten, die zahllosen Marktstände machen
das abendliche Bangkok zu einer eindeutig orientalischen Stadt,
auch wenn zumindest in diesem Viertel von der ursprünglichen
Bauweise nichts zu erkennen ist, wir nur eine einzige
Buddha-Statue entdecken können.
Ich
will mir an einem der Marktstände einen Taschenkamm kaufen. Der
kostet fünf Baht – aber das Geschäft scheitert erst einmal
daran, dass mir die Händlerin nicht auf meinen 100-Baht-Schein
– der kleinste, den ich als gerade angekommener Tourist habe –
nicht rausgeben kann. Im Hotel kostet ein Menü um 300 Baht.
Mittwoch,
26. März
2003: Bangkok mit Wat Pho, Khaosan Road, Klongs, Sukhumvit Road
Am Vormittag fahren
wir mit dem Bus zum Wat Pho, der Tempelanlage mit dem „Ruhenden
Buddha“ und den vielen Pagoden. Um da hin zu kommen, nehmen wir
den Bus 511, wobei die Ziffer 5 hier anzeigt, dass der Bus
klimatisiert ist. Die Fahrt kostet sieben Baht pro Person.
Den
letzten Teil des Weges, vorbei an einigen der insgesamt 16 Tore
der Tempelanlage, gehen wir dann zu Fuß – und als wir schließlich
den Eingang erreichen, fängt es auch wieder leicht zu regnen an.
Der
Schrein des „Ruhenden Buddha“ befindet sich gleich hinter dem
Eingang. Um das Gebäude zu betreten muss man die Schuhe
ausziehen, wobei die Schuhe von Touristen und Einheimischen
getrennt aufbewahrt werden. Der Tempel selbst besteht eigentlich
nur aus einem schmalen Gang, der um die Statue, sie misst
vielleicht eine Gesamtlänge von knapp 30 Metern, herum führt.
Vor dem Bauch des Buddha sind Nischen zum Gebet und für
Opfergaben frei gehalten, an der Rückseite stehen die Kessel, in
die die Gläubigen kleine Münzen werfen. Das Plingeling der Münzen
ist noch auf dem Vorplatz des Tempels zu hören.
Wat
Pho ist kein einzelnes Gebäude, sogar mehr als ein Gebäudekomplex
– Wat Pho ist ein Labyrinth von Tempelkomplexen, Stupen –
Cheddis, wie die buddhistischen Bauten hier genannt werden – in
unterschiedlichster Größe, ein Parkanlage der Bonsais,
und auch eine ewige Baustelle, auf der ständig etwas restauriert,
wieder hergerichtet wird. Die einzelnen Tempel – neben dem des
„Ruhenden Buddha“ gibt es noch zwei andere mit sitzenden
Buddha-Figuren, allerdings viel kleiner – selbst
spielen für den nicht-buddhistischen Besucher dabei wohl
eher eine untergeordnete Rolle, wenn er nicht gerade Experte in
siamesischer Baukunst ist: Das Beeindruckende, das, was das Auge
fast erschlägt, ist die Massenhaftigkeit der Pagoden und Figuren,
deren feine Details sich dann erst beim näheren Hinsehen erschließen.
Und
natürlich werden im Tempel auch Geschäfte gemacht, nicht nur mit
den üblichen Andenken, sondern auch ein Massagezentrum hat auf
dem Tempelareal sein Domizil aufgeschlagen. Eine halbe Stunde
Massage kostet hier 180 Baht, um einiges teurer als an weniger
prominenten Orten Bangkoks, wie wir später feststellen, aber
sicherlich nicht schlechter und bestimmt auch nicht minder
interessant.
Massagesalons
in Bangkok sind, und da macht auch der hier keine Ausnahme,
Massenbetriebe: In dem auf dem Wat-Pho-Gelände arbeiten
mindestens 20 nicht nur jüngere Masseurinnen, die Gäste oder
Patienten liegen jeweils zu dritt nebeneinander. Außer den
Schuhen behält man die Kleidung vollständig an, lediglich
Zigaretten, Schlüsselbund und ähnliches ist aus den Taschen zu
entfernen.
Begonnen
wird mit der Fußmassage, wobei die Masseurin vor allem mit ihrer
Faust oder dem Handballen auf die einzelnen Stellen des Fußes drückt,
ihre einzelnen Finger kaum zu benutzen scheint. So geht es dann
weiter das linke Bein hoch, dann das rechte Bein. Bei der Massage
der Oberschenkel setzt sich die Masseurin vor ihren Patienten,
stemmt ihren Fuß gegen dessen Oberschenkel, zieht dabei seinen Fuß
zu ihrem Oberkörper. Dann folgt die Massage der Arme bis hinunter
zu den einzelnen Fingern, die einzeln noch einmal in die Länge
gezogen werden. Zum
Schluss folgen Rücken, Nacken und Kopf. Bei der Kopfmassage
presst sie einige Augenblicke lang die Ohren ganz fest zu, zieht
ihre Finger dann urplötzlich zurück, gibt die Ohren wieder frei,
so dass man in diesem Moment meint, man hätte nie zuvor so präzise
gehört wie in diesem Moment. Und man fühlt sich nach der ganzen
Prozedur absolut frei durchblutet.
Wir
verlassen Wat Pho, wollen mit dem Schiff zur Khaosan Road, dem
Bangkoker Zentrum der Rucksackreisenden. Auf der unserer
Anlegestelle gegenüberliegenden des Chao Phaya, des Hauptflusses,
ragt der Wat Arun, der „Tempel der Morgenröte“ empor.
Der
Chao Phaya ist ein geschäftiger Fluss, auf dem neben den eher
wenigen Ausflugsbooten der Touristen vor allem Fähren und die
normalen Passagierboote der Einheimischen, aber auch jede Menge
großer Schleppkähne verkehren. Nach etwa 20 Minuten Fahrt haben
wir unser Ziel erreicht und wieder festen Boden unter den Füßen.
Khaosan
Road meint heute nicht so sehr die eher kurze, fast normale Geschäftsstraße
mit Andenkenshops und Imbissbuden, sondern die darum herum
liegenden Gassen und Gässchen mit preisgünstigen Gästehäusern
(wir hören von etwa zehn Euro für die Nacht), nicht mit preisgünstigen
Restaurants, die allerdings kaum noch etwas „hippiehaftes“ an
sich haben, das alles in einer – fast – autofreien Umgebung, für
Bangkoker Verhältnisse so etwas wie eine grüne Oase im grauen
Beton der Großstadt.
Wie
heftig dieses graue Beton sein kann, erfahren wir bei unserem
Abstecher in eines der großen Einkaufszentren der Stadt. Um dort
hin zu gelangen, nehmen wir wieder das Boot – das nun nicht über
den Hauptfluss fährt, sondern dessen Route durch die Nebenarme
und Kanäle führt – durch die Klongs, nicht, wie sie den
Touristen präsentiert werden, sondern wie sie wirklich sind. Tatsächlich:
Hier springen halbnackte ins Wasser, hier drängen sich die
kleinen, zweistöckigen Häuser, viele auch noch aus Holz, im
Schatten der Hochhäuser aneinander, und, sozusagen um sich selbst
den Ausblick zu verschönern, haben die Anwohner ihre
Uferpromenade, den vielleicht zwei Meter breiten Gehweg zwischen Häuserfront
und Kanalmauer, mit Pflanzenkübeln bestückt. Obwohl die
Behausungen einen ärmlichen Eindruck machen, erscheint das Ganze
doch auch irgendwie romantisch, eine Oase der Ruhe wie die
Umgebung der Khaosan Road – im Vergleich zu dem mehrstöckigen
Einkaufszentrum, das über lange Fußgängerbrücken mit den gegenüberliegenden
Straßenseiten und der Station der Hochbahn verbunden ist. Die
Hochbahn selbst wirkt dabei schon wie eine auf mächtigen
Betonpfeilern ruhende graue Schlange, die sich ihren gekrümmten
Weg an den einzelnen Glaspalästen vorbei sucht.
Und
das Einkaufszentrum: Endlose Verkaufsflächen auf mehreren Etagen,
Kinofilmausschnitte und Werbung auf eine Leinwand, die auf jeder
Etappe der Rolltreppenfahrt zu sehen ist, eine Gedränge, wie man
es in europäischen Märkten allenfalls bei Sommer- oder
Winterschlussverkauf antrifft. Nur die Qualität der angebotenen
Artikel hält mit diesem futuristischen Bild nicht Schritt:
Plastikwaren und Billigartikel, zum Beispiel Handys für 75 Euro,
das aber auf vielleicht 500 Meter Verkaufsfläche allein für die
Handys.
Am
Abend sind wir am Fluss essen, ganz in der Nähe der alten
portugiesischen Festung, wieder mit Blick auf den nun
angestrahlten Tempel der Morgenröte, machen danach einen
Abstecher ins Rotlicht-Milieu der Stadt, und zwar in der Gegend
der Sukhumvit Road.
Der
„Hauptplatz“ dieses Rotlichtviertels hat allerdings die
erotische Ausstrahlung eher eines deutschtümelnden Biergartens an
Mallorcas Ballermann – und die Stimmung ist vermutlich ähnlich:
Touristen mit Kameras, einige Thai-Mädchen, die allerdings meist
Herren sind, und diejenigen, die tatsächlich Frauen sind, liegen
dem Kindesalter wohl näher als der Volljährigkeit.
An
einer abgezäunten Baustelle an der Hauptstraße erzählt uns
Lukas, ein hier lebender Verwandter von Susanne und Michael,
unseren Reisebegleitern, von der Vorgeschichte dieses neuen
Bauprojektes: Noch vor einigen Wochen stand hier ein kleines
Viertel von Marktständen und Nachtbars – bis eines Nachts zehn
Bagger kamen und alles einrissen. Die Polizei sprach offiziell von
Vandalismus – konnte die Täter aber nie ermitteln. Stadtplanung
à la Bangkok.
Paradox:
In Bangkok wurde vor kurzem die Sperrstunde eingeführt. Die Bars
müssen um ein Uhr nachts schließen, die Frauen versuchen, ihre
Arbeit auf der Straße fortzusetzen, sitzen nun also auf Freier
wartend auf dem Bürgersteig – aber nirgends kann man noch eine
Cola, geschweige denn ein Bier trinken.
Donnerstag,
27. März 2003: Bangkok mit Wat Phra Keo und Patpong-Nachtmarkt
Erscheint Wat Pho
als Orgie der Lust an der Freude farbenfrohen, gigantischen und
ins Detail verliebte Bauen wird die Tempelanlage doch noch übertroffen
vom Wat Phra Keo, dieser Mischung von Königspalast, Tempelstätte
und Mönchskloster – in dem allerdings nie ein Mönch gelebt
hat.
Auch
für zahlungskräftige Touristen ist es indes nicht so einfach,
dieses bedeutendste Heiligtum des siamesischen Buddhismus,
Aufbewahrungsort des Jade-Buddhas, zu betreten. Hier wird nämlich
streng auf die Kleiderordnung geachtet, und jeder Besucher muss
erst die Kontrolle passieren, ob er dieser Ordnung auch gerecht
wird, bevor er sich überhaupt eine Eintrittskarte kaufen darf.
Insbesondere gilt: Männer tragen keine kurzen Hosen, Frauen keine
kurzärmeligen Blusen – und niemand Sandalen. Davon sind nur
buddhistische Mönche und Angehörige der Landbevölkerung
ausgenommen.
Eine
Art Boulevard führt in gerader Linie auf die Vorderfront des Königspalastes
zu, einem europäisch anmutenden Prachtbau, vergleichbar europäischen
Fürstensitzen, gemessen an denen aber doch etwas kleiner
ausgefallen.
Doch
vor dem Königspalast biegt man nun nach links ab, um die Anlage
durch den Haupteingang zu betreten, der gleich neben dem Tempel
des Jade-Buddha liegt. Der Jade-Buddha selbst, eine 66 Zentimeter
hohe Figur, schmückt nun den imposanten Altar, vor dem ständig
Dutzende von Gläubigen knieen. Anders als in Wat Pho herrscht
hier allerdings strengstes Fotografierverbot.
Nach
Herzenslust fotografieren darf man zum Glück aber außerhalb des
Heiligtums: Zum Beispiel die goldene Stupa auf der „Oberen
Terrasse“, die daneben liegende, leider nicht zugängliche,
Palmenschriften-Bibliothek, das etwa zehn Quadratmeter große
naturgetreue Modell des Tempels von Angkor Wat, das die ursprüngliche
Pracht des kambodschanischen Heiligtums wohl besser aufzeigt als
das Original selbst und die immer wieder ins Auge fallenden drei
bis vier Meter hohen Dämonenfiguren, die als Wächter fast vor
jedem Durchgang postiert sind.
Auch
im Wat Phra Keo wird ständig etwas ausgebessert, sitzen
Restauratoren an den Details der Wandmalereien mit Szenen aus der
Götter- und Geisterwelt, und sicher wird sich auch irgendwer um
die Guppys kümmern, die in den seerosenbedeckten Wasserbecken
umherschwimmen.
Auf
dem Weg zurück Richtung Königspalast werfen wir noch einen Blick
in den Krönungssaal mit der hölzernen Barke des Buddha – und
wollen dann wieder ins Hotel.
An
Taxis besteht in Bangkok zwar kein Mangel, aber das heißt nicht,
dass die auch alle bereit sind, einen Ausländer entsprechend des
Taxameterpreises zu seinem Hotel zu fahren. Hier an dieser
touristischen Sehenswürdigkeit jedenfalls verlangen die Fahrer
von uns entweder einen „Pauschalpreis“, der das fünffache der
laut Taxameter üblichen 80 Baht entspricht, und einer schließlich
würde die Tour zwar angeblich sogar für 40 Baht ohne Taxameter
machen, aber nur, wenn wir ihn in ein chinesisches Geschäft
begleiten. Erst nach etlichem Hin und Her finden wir dann doch
einen Wagen, der ganz regulär sein Taxameter anschaltet.
Am Abend fahren wir
zum Nachtmarkt in der Padbong Road. Die Straße ist gleichzeitig
die bekannteste Rotlicht-Straße von Bangkok – aber die
Nachtbars werden überdeckt von den Marktständen, an denen man
vor allem Lederwaren, Handtaschen, Gürtel, unendlich viel
Textilien und auch Armbanduhren – angeblich alles Markenware –
findet. Um die Preise wird hart gefeilscht – und zwei Gürtel
handeln wir schließlich um über die Hälfte vom Ausgangspreis
herunter.
Freitag, 28.
März 2003: Damnoen Saduak
Um 6.30 früh
werden wir zu unserer 700 Baht kostenden Halbtagestour zu den
„Schwimmenden Märkten“ von Damnoen Saduak knapp hundert
Kilometer südwestlich von Bangkok abgeholt. Die frühe Abfahrt
ist nicht so sehr wegen der Entfernung nötig, klärt uns der
Tourenbegleiter auf: Aber wer die Stadt nicht bis 7 Uhr früh
verlassen hat, muss sich auf stundenlangen Stau gefasst machen.
Trotz der
Reisfelder: Auch Bangkoks Umgebung macht eher einen halbstädtischen
als ländlichen Eindruck. Nach einem 20-minütigen Zwischenstopp
erreichen wir noch vor neun Uhr die „Floating Markets“, fahren
das letzte Stück des Weges zum eigentlichen Markt mit dem Boot
durch die Klongs.
Die Klongs sind
gerade gezogene Kanäle mit rechtwinkelig abführenden
Seitenarmen, eine vom Menschen geschaffene Fluss-Kulturlandschaft,
die aber regelmäßig überschwemmt zu werden scheint. Die Holzhäuser
stehen auf Pfählen, robusteres Gerät wird unter den Häusern
aufbewahrt – und steht damit auf den meisten Grundstücken
zumindest teilweise im Wasser. Auch für die Einheimischen hier
muss das Boot nach wie vor das wichtigste Fortbewegungsmittel
sein. Jedenfalls gibt es kein Haus, unter dem nicht mindestens
auch ein Boot liegt.
Auch wenn die
Einheimischen noch die Produkte ihrer Gärten und Felder wie zum
Beispiel Ananas oder frisch gefangene Fische mit dem Boot hierher
bringen und auch vom Boots aus verkaufen – die Floating Markets
sind vor allem eine touristische Veranstaltung, bei der in den
Geschäften am Ufer auch die gleichen Waren etwa zu den gleichen
Preisen wie auf dem Nachtmarkt der Padbong Road angeboten werden.
Allerdings: In Sachen Farbenpracht sind die Floating Markets dann
doch weit attraktiver.
Nur etwa mehr als
eine Stunde haben wir, um einige Fotos zu schießen – dann müssen
wir auch wieder die Heimfahrt antreten.
Den Nachmittag
verbringen wir schließlich am Swimmingpool unseres Hotels.
Samstag,
29. März 2003: Ayutthaya
Aufbruch von
Bangkok wieder um 6.30 Uhr früh, diesmal nach Norden Richtung
Ayutthaya, in die alte Hauptstadt Siams. 1600 Baht pro Person
nimmt Thai Tourismo für diesen Ausflug.
Verlässt man
Bangkok Richtung Norden, ändert sich das Bild der Ortschaften
sehr rasch: Die Häuser sind aus Holz, tragen die roten Dächer in
der traditionellen thailändischen Bauweise, und selbst Neubauten
werden in der überlieferten Weise errichtet.
Gegen 8.30 Uhr
stoppen wir am Bang Pa-In Palast des Königshauses. Ist schon die
Residenz in Bangkok europäisch geprägt, handelt es sich beim
Bang Pa-In geradezu um eine europäische Anlage mit einigen
asiatischen Einsprengseln, wie sie aber auch in europäischen
Palastanlagen Mode waren. Im Thai-Stil jedenfalls ist nur der
Pavillon in der Mitte des königlichen Fischteiches, rein europäisch
die obeliskenhaften Denkmäler für verstorbene Familienangehörige,
italienisch die allegorischen Figuren der Brücke, die auch
offizielle den Namen „italienische Brücke“ trägt, englisch
gepflegt der Rasen. Allerdings: Die Büsche des Parks sind zu
einheimischen Tierfiguren zurecht gestutzt, vorzugsweise zu
Elefanten – vor allem zur Erinnerung an den weißen Elefanten,
der hier als Tier des Königs lebte.
Aus der Rolle fällt
da der Thronsaal in einem chinesischen Palast, Geschenk der in
Thailand lebenden chinesischen Geschäftsleute, mit einem aus
edlem Holz geschnitzten Thron, in allen Zimmern geschmückt mit
chinesischen Vasen, Buddhafiguren, kunstvollen Möbeln.
Noch bevor wir das
Stadtgebiet von Ayutthaya erreichen, halten wir am Wat Yai Chai
Mongkol, einer nach buddhistischer Zeitrechnung im Jahr 1900 –
1372 nach christlicher Rechnung – errichteten Tempelanlage, die
vor allem an einen Sieg des Königs von Ayutthaya über den
Erzfeind Burma erinnern soll.
Die entscheidende
Episode dieses Krieges ist auf einem Wandgemälde verewigt. Die
beiden Könige sitzen sich auf ihren Kampfelefanten gegenüber,
der burmesische König umgeben von seinen zu Fuß angreifenden
Soldaten, der thailändische König allein, weil seine Truppen
aufgehalten wurden. Aber, so jedenfalls die thailändische
Geschichtsschreibung oder auch Legende, der König von Ayutthaya
gewinnt den Zweikampf und damit auch den Krieg.
Beeindruckender als
dieses Wandgemälde ist die im gleichen Tempelraum aufbewahrte
Wachsfigur eines alten Mönchs, der friedlich auf seinem Stuhl
sitzt, jeden Besucher anzuschauen scheint. Wäre nicht der
Glaskasten darum herum, meinte man, hier sitze ein lebender
Mensch: Ein Geschenk der Buddhisten der Umgebung an das Kloster,
Erinnerung an einen wohl überaus beliebten Mönch, der hier vor
acht Jahren starb.
Das Kloster wird
zwar noch als Kloster genutzt, aber die vor über 500 Jahren
gebauten Stupen überließ man wohl doch dem Lauf der Zeit, so
dass man einen Eindruck von ihrer alten, unverfälschten Größe
erhält. Regelmäßig gepflegt wird dagegen der im Freien liegende
weiße Stein-Buddha, etwa von gleichen Ausmaßen wie der liegende
goldene Buddha von Wat Pho.
Ayutthaya ist eine
friedliche Provinzstadt, in der man fast überall auf die Reste
der alten, 1767 von den Birmesen eroberten und niedergebrannten Königsstadt
stößt, auf eine halb zerfallene Stupa, auf Grundmauern aus
Ziegeln. Unser Ziel sind die Überreste des Wat Phra Si San Phet,
eine Tempelanlage aus dem 15. Jahrhundert, die immer noch von
ihren drei fast völlig unzerstörten Stupen überragt wird. Für
die Einheimischen sind diese Stupen immer noch ein Ort der
Verehrung: Steigt man die Stufen zu dem verdickten Bauch der
Stupen hoch, stößt man dort auf kleine Schreine, zu denen auch
heute noch regelmäßig Opfergaben, Räucherstäbchen, Schälchen
mit Reis gebracht werden.
Angeblich
originalgetreu wieder aufgebaut wurde der Viharn Phra Mongkol
Bophit mit dem sitzenden Buddha, der fast den gesamten Raum ausfüllt,
eine der größten Buddhafiguren in ganz Thailand.
Sind Wat Yai Chai
Mongkol und Wat Phra Si San Phet eindeutig von Ceylon beeinflusst,
kann die nur wenige Meter entfernt liegende Anlage ihren
kambodschanischen Einfluss nicht verbergen: Ein hoher Pang, der
wie ein Phallus über den See ragt.
Mit dem Schiff
fahren wir nun auf dem Menam Chao Phraya nach Bangkok zurück.
Vom Wasser aus
wirkt Thailand weit ursprünglicher als von der Straße aus: Die
auf Pfählen stehenden Holzhäuser sind unmittelbar bis ans Wasser
gebaut, Frauen stehen auf den Treppen und waschen im Fluss ihre Wäsche,
Kinder baden – und ständig stößt man auf weitere Mönchklöster,
in denen jeweils auch reges Leben herrscht. Langsam geht das ländliche
Thailand dann in die Metropole Bangkok über, sieht man die ersten
Hochhäuser, doch auch im Stadtgebiet noch gibt sich Bangkok dem
Fluss zugewandt von seiner ländlichen Seite.
Unweit vom Tempel
der Morgenröte haben wir dann unsere Anlegestelle erreicht, quälen
uns durch den Stadtverkehr zum D’Ma Pavillon zurück.
Sonntag,
30. März 2003: Bangkok – Phuket – Khao Lak (Nang Thong
Beach)
Sonntags
ist der Verkehr in Bangkok zumindest halbwegs erträglich, und so
schaffen wir den Weg zum Flughafen immerhin in gut 20 Minuten.
In
der Wartehalle für die Inlandsflüge gibt es einen abgetrennten
Bereich, wo nur Mönche sitzen dürfen. Vor allem wartende Frauen
knieen nun vor den hier sitzenden Mönchen nieder und beten –
eine Prozedur, die auf dem Bangkoker Flughafen ganz normal ist.
Unsere
Maschine startet um 13.00 Uhr, ist 90 Minuten später auf dem
Flughafen von Phuket gelandet. Angesichts des Rufs von Phuket als
internationaler Touristenort ist der Flughafen erstaunlich klein
– und vom der Stadt Phuket selbst ist weit und breit nichts zu
sehen. Die liegt doch um einiges südlich. Dafür bekam man beim
Landeanflug immerhin einige kleinere vorgelagerte Inseln zu
Gesicht.
Die Taxifahrt nach
Khao Lak, vielleicht 80 Kilometer weiter nördlich kostet 1300
Baht und führt über eine gut ausgebaute Landstraße, die sich
auch vor europäischen Straßen nicht zu verstecken braucht. Im
Westen der Straße liegt das Meer, im Osten die
dschungelbewachsenen Berge, über denen dunkle Wolken hängen.
Unser
Resort, das Green Beach Resort, besteht aus einer Bungalowsiedlung
direkt am Nang Thong Beach. Statt eines Swimmingpools gibt es in
der Mitte der Anlage einen kleinen Tümpel, in dem die Frösche
quaken. Am Strand ragen einige kleine Felsen aus dem Wasser.
Khao
Lak ist ein aufblühendes Touristenörtchen mit Boutiquen und
Restaurants, natürlich auch etlichen Tour-Agenturen auf beiden
Seiten der Straße. Häuser, in denen Einheimische leben könnten,
sind bei unserem ersten abendlichen Erkundungsgang dagegen nicht
zu entdecken.
Aber
dafür machen wir eine Entdeckung in Sachen thailändischer
Essgewohnheiten. Vor einem Textilgeschäft stochert die Verkäuferin
oder Tochter des Besitzers mit einem Holzstab unter den Steinen,
gräbt große weiße Käfer aus. Denen reißt sie dann die Beine
ab, steckt sie in eine Plastiktüte. Die Käfer, so versichert uns
der Mann aus dem Textilgeschäft, würden ganz hervorragend
schmecken.
Montag, 31. März
2003: Khao Lak (Nang Thong Beach) und Ban Bang Niang
Am Vormittag laufen
wir den Strand nach Norden hoch, an etlichen anderen Resorts,
lassen uns an der schmalen Mündung eines Flusses, die allerdings
zu tief zum Durchwaten ist, für zehn Baht pro Person mit einem
Floß übersetzen. Hier am Fluss – es ist der Ban Biang River
– ankern auch einige Fischerboote, eines ist gerade vom Fang zurück
gekehrt und wird nun mit Muskelkraft den Flusslauf hoch
geschleppt.
Kurz
darauf biegen wir wieder ab Richtung Straße: Hier weiter nördlich,
wir befinden uns nun in der Gemeinde Ban Bang Niang, stehen
bereits einige größere Hotelanlagen, weitere werden gerade
gebaut. Wir entdecken noch am Thai-Stadion den Marktplatz, wo sich
die Einheimischen mit Fleisch, Früchten und Fischen versorgen,
fahren dann – es sind gerade einige Regentropfen gefallen –
mit dem Taxi, besser gesagt, mit einem zum Taxi umfunktionierten
Kleintransporter, ins Hotel zurück, wo wir den Rest des Tages am
Strand verbringen.
Am
Nachmittag geht das Wasser etwas zurück. In den Lachen an den
Felsen tummeln sich die Schlammspringer, die Felsen selbst sind
voll mit Muscheln bewachsen, die nun von den Einheimischen
abgeerntet werden.
Dienstag,
1. April
2003: Khao Sok National Park
In Ban Bang Niang
waren wir auf eine kleine Touren-Agentur gestoßen, die, abseits
von den vielen Agenturen in Khao Lak, von den sonst üblichen
Tourenpreisen abgewichen ist. Mit Mr. Key, dem Besitzer, haben wir
für heute eine Dschungeltour inklusive Elefantentrekking in den
Khao Sok Nationalpark verabredet. Für vier Personen kostet uns
das 7200 Baht. Die anderen Agenturen berechnen 2700 Baht pro
Person.
Kurz
nach acht Uhr werden wir von Mr. Key in einem Kleinbus abgeholt,
fahren dann zum Nationalpark. Zwischenstopp an einem
Aussichtspunkt: Wir blicken auf den Urwald unter uns, auf die
dicht bewaldeten Kalksteinfelsen des Parks – während irgendwo
auf dem Felsen hinter uns eine Horde Affen brüllt. Nur zu sehen
ist von den Tieren nichts.
Schließlich
erreichen wir, ganz in der Nähe des Einganges zum Park, eine Höhle,
die früher den buddhistischen Mönchen als Kloster gedient hat.
Am Höhleneingang befinden sich die Statue eines sitzenden Buddha,
dazu die Statue einer stehenden Figur, am anderen Ende der Höhle
– sie hat eine Länge von vielleicht 20 bis 30 Metern – dann
die Statue eines meditierenden Mönchs. Auffällig die Tracht
dieses Mönches: Der trägt nämlich nicht den heute bei Mönchen
üblichen gelb-orangenen Umhang, sondern etwas, was wie ein
Leopardenfell ausschaut, dazu einen langen Kinnbart. Dies, so Mr.
Key, wäre bis vor 200 noch die übliche Mönchskluft gewesen.
Vom
Höhlenausgang führt eine hölzerne Treppe zum Fluss. Am Eingang
wurden wir mit Fischfutter versorgt – und nun stürzen sich die
Fische, einige von ihnen dürften die Länge eines männlichen
Unterarmes haben, in Schwärmen auf das Futter, das wir in die bräunliche
Flut werfen.
Kurz
darauf passieren wir die Schranke des Nationalparks, trinken in
dem Restaurant am Eingang noch einen Kaffee, brechen dann zur
ersten Dschungeltour auf. Begleitet werden wir dabei von Mr. Key,
einer Rangerin sowie zwei weiteren Einheimischen.
Zunächst
passieren wir einen Picknick-Platz, klettern dann eine über eine
Eisenleiter einen drei Meter hohen Felsvorsprung hoch, befinden
uns nun auf dem rund drei Kilometer langen Dschungelpfad, der uns
um einen der Felsen des Parks herumführt und als Pfad der „Großen
Bäume“ bezeichnet wird.
Die
ersten Meter gehen sich dabei noch an wie in einer etwas
verwilderten Parkanlage. Es gibt immerhin Stufen aus Holz, wenn
auch unbequem, die den steilen Weg nach oben etwas erleichtern,
aber irgendwann hören sie dann doch auf, und nun heißt es, sich
über die herumliegenden Äste auf glitschigem Untergrund den
schmalen Weg nach oben suchen. Halt geben uns dabei die Lianen –
solange man darauf achtet, nicht an einen mit scharfen Stacheln
bewachsenen Ast zu greifen oder einen längst abgerissenen Zweig
zu erwischen, den man beim Abrutschen dann hilflos in der Hand hält.
Wir
hören Grillen zirpen, alle möglichen Vögel zwitschern, mitunter
wohl auch das Gebrüll von Affen – doch von den Tieren des
Waldes zu Gesicht bekommen wir auf unserer ganzen Tour lediglich
zwei braune Tausendfüßler, die gemächlich über den Urwaldboden
krabbeln.
Endlich
haben wir das Ziel unserer Wanderung erreicht, den Platz der
Riesenbäume. 13 Meter Umfang misst der Stamm des größten
Urwaldriesen hier, seine Krone. 30 Meter höher, kann man vom
Boden aus nicht einmal sehen. Dabei ist um diesen mächtigsten
Baum der Umgebung sogar eine kleine Lichtung entstanden, stehen
die nächsten Bäume in respektvoller Entfernung von mindestens 20
Metern.
An
einigen von ihnen wächst eine erfrischende Frucht, die die
Einheimischen Elefantenfrucht nennen. Ihre gelbliche Schale
schmeckt säuerlich, darin verbirgt sich das weiße süße
Fruchtfleisch, darin dann noch einmal mehrere grüne Kerne. Das
Fruchtfleisch selbst erinnert dabei an Lichys.
Obwohl
der Weg breiter und wohl auch etwas bequemer ist, gestaltet sich
– zumindest für mich – der Abstieg schwerer als der Aufstieg.
Mit jedem Schritt wird der Boden rutschiger, und einige male kann
ich mich auch nicht mehr rechtzeitig an einer Liane fest halten
– ein Lehrstück, warum man im Dschungel keine Turnschuhe tragen
sollte.
In
dem Restaurant, in das wir nun zum Lunch fahren, sehen wir
immerhin einen Affen: An einer langen Leine angebunden lebt er bei
den Menschen in seinem eigenen kleinen Baumhäuschen.
Vor
unserem Elefantentrekking unternehmen wir noch einen Abstecher zum
Wat Tham Phanturat Ähnlich
wie bei dem Tempel, den wir am Vormittag besichtigten, stehen auch
hier Statuen in einer größeren Felsnische, daneben führt dann
eine Leiter auf den Felsen hinauf. Allerdings haben wir keine Zeit
mehr, die Anlage zu besichtigen.
Die
Trekking-Station besteht aus einigen kleinen Hütten, die wie ein
winziges Dorf aussehen, die meisten Elefanten stehen in einem Bach
und genießen das Wasser.
Durch
die Kautschukplantagen reiten wir nun zu einem vielleicht zwei
Kilometer entfernten Wasserfall. An den Bäumen links und rechts
unseres Weges sind hölzerne Schalen befestigt, in denen der weiße
Saft aus den Schnittstellen, die man in die Kautschukbäume
geritzt hat, eingesammelt wird. Je weiter wir uns von der Station
entfernen, desto morastiger wird der lehmige Boden, in dem die
Elefanten bei unzähligen Touren bereits tiefe Fußspuren
hinterlassen haben. Die Tiere treten in die Fußstapfen ihrer Vorgänger,
testen aber bei jedem Schritt mit dem Rüssel, ob der Boden ihnen
noch festen Halt geben kann. So vorsichtig sie sich dabei
allerdings auch bewegen – durch die Schaukelei ist ein solcher
Elefantenritt alles andere als eine bequeme Sache.
Der
Wasserfall, dem unser Ausritt galt, ist kaum mehr als drei Meter
hoch, eigentlich nur ein kleines Rinnsal, das aber ein Becken mit
erfrischendem Nass bildet, eine kühle natürliche Badewanne im
schwülen Dickicht des uns umgebenden Urwaldes.
Auf dem Rückweg
zur Elefantenstation kommen wir noch an einer Rinderherde vorbei,
die hier grast, geben an der Station den Elefanten noch einige
Bananen – machen uns dann auf den Heimweg ins Hotel.
Mittwoch, 2.
April 2003: Khao Lak (Nang Thong Beach) und Ban Bang Niang
Der
gestrige Tag fordert seinen Tribut in Form eines heftigen
Muskelkaters. In unserer Hotelanlage lassen wir uns eine Massage
verpassen, die aber auch nur kurz Linderung verschafft.
Am Nachmittag
laufen wir über die Straße nach Ban Bang Niang, um mit Mr. Key
die nächste Tour zu vereinbaren. Auf dem Markt von Ban Bang Niang
herrscht noch immer Hochbetrieb: Im Angebot sind Fleisch, darunter
komplette Schweineschnauzen, Geflügel und vor allem Fisch.
Donnerstag,
3. April
2003: Khao Lak (Nang Thong Beach)
Vormittäglicher
Spaziergang vom Green Beach Resort am Strand entlang Richtung Süden:
Knapp zwei Kilometer schätzungsweise zieht sich der weiße Strand
ohne Unterbrechung in südliche Richtung – Platz genug für die
zahlreichen Hotelanlagen, die allerdings auch auf ganzer Breite überall
bis an den Strand hinreichen, unterbrochen nur von einigen leer
stehenden Grundstücken, auf denen aber offensichtlich schon die nächsten
Bauten vorbereitet werden. Dennoch kann man nicht sagen, dass der
Strand überlaufen wäre, und abgesehen von einer einzigen
Ausnahme fügen sich die Bungalowanlagen durchaus in das üppige
Grün der Umgebung.
Freitag, 4.
April 2003: Insel Phuket mit Thalang, Khao Phra Wildlife Park und
Phuket-Stadt
Gegen
10 Uhr vormittags sitzen wir im Service-Taxi – Kosten: 2500 Baht
pauschal für mindestens acht Stunden – zu unserer
Sightseeing-Tour ins über 90 Kilometer südlich gelegene Phuket.
Nach halber Strecke überqueren wir die Sarasin-Brücke, die die
Insel Phuket mit dem Festland verbindet. Die Fischerdörfer an den
beiden Seiten mit ihren hölzernen Hütten scheinen so gar nicht
zu dieser modernen Betonkonstruktion und der breiten Straße zu
passen.
Am
Ort Thalang besuchen wir den Wat Phra Thong, einen Tempel, der um
einen aus dem boden ragenden Buddha-Kopf errichtet wurde.
Angeblich, so berichtet die Legende, gehöre der Kopf zu einer im
Boden vergrabenen Buddha-Statue aus massivem Gold, und nicht
einmal den Burmesen sei es gelungen, nach ihrer Eroberung des
Ortes diese Statue auszugraben.
Angesichts
dieser imposanten Legende handelt es sich bei Wat Phra Thong um
einen erstaunlich ruhigen Tempel: Nur ein einsamer Gläubiger
betet im Schatten der Bäume am Eingang, auf dem Gelände selbst
begegnen wir einem weiteren einheimischen Pärchen. Den großen
Kopf der angeblich vergrabenen Buddha-Statue darf man nicht berühren,
aber die kleineren Buddha-Statuen darum herum sind über und über
mit Goldblättchen beklebt, Gaben dankbarer Pilger.
Um
die eigentliche Tempelanlage herum stehen einige kleinere, aber
schmucke Häuser – die Häuser der hier lebenden Mönche, von
denen sich gerade einige mit ihrer Bettelschüssel wohl auf den
Weg in die Stadt machen.
Nicht
weit von Thalang entfernt befindet sich der Tone Sai-Wasserfall,
direkt am Eingang des Khao Phra Wildlife Parks.
Zumindest
im Eingangsbereich bis zu dem gut 20 Meter hohen Wasserfall –
momentan wegen des spärlichen Regens ein dünnes Rinnsal –
handelt es sich hier tatsächlich eher um einen Park als um einen
Dschungel, mit einem breiten Hauptweg und einem abzweigenden
Naturlehrpfad. Die thailändische Vogelwelt ist in den dichten Bäumen
zwar zu hören, aber nicht zu sehen.
Selbst
auf dem Hauptweg unübersehbar sind dafür einige Exemplare der
thailändischen Insektenwelt, vor allem die großen buntern
Schmetterlinge, und schließlich entdecken wir eine fast handgroße
bläuliche Spinne, die regungslos in ihrem Netz auf Opfer wartet.
Unser
erstes Ziel in Phuket-Stadt ist der Bang Niaw-Tempel, ein
eindeutig chinesischer Bau mit der Schlange oder dem Drachen auf
dem roten Dach, ein Heiligtum der Vegetarier. Vor den Altären mit
den chinesischen Götterfiguren stehen Ananas und andere Früchte
als Opfergaben, ein Junge hält die auf allen Altären qualmenden
Kohlehaufen am Glühen. Vor allem die zahlreichen Schmuckgeschäfte
scheinen sich fest in chinesischer Hand zu befinden.
Der
Tempel liegt inmitten des Altstadt, etwas abseits hinter einem
leicht verwilderten Grundstück, aber eben doch inmitten des
chinesischen Viertels.
Bangkok
mit seinen wild wuchernden Hochhäusern scheint als Metropole
unter Thailands Städten die Ausnahme zu sein: Mit knapp 60.000
Einwohnern dürfte auch Phuket zu den größten Städten des
Landes zählen, aber Hochhäuser sieht man hier nicht: Die Häuser
auch im Zentrum sind zweistöckig, allenfalls sieht man ab und an
ein dreistöckiges Mietshaus, aber trotz des auch hier dichten
Autoverkehrs macht all dies im Vergleich zu Bangkok einen doch
beschaulichen Eindruck.
Auf dem zentralen
Markt, einem größeren, überdachten Holzgebäude-Komplex, nähert
sich die Geschäftszeit ihrem Ende. Nur noch an einigen Ständen
werden Früchte oder Fische verkauft – doch dafür macht sich
der Geruch der Fäulnis breit. Anders dagegen an den Verkaufsständen
an einem kleineren, ansonsten unbebautren Platz: Hier herrscht
noch dichtes Gedränge um die winzigen Stände.
Gegen 16.30 Uhr
machen wir uns zurück auf den Weg nach Khao Lak.
Samstag,
5. April 2003: Taplamu - Similan Islands
Taplamu soll, so
sagt Michael, Inhaber von der Tauchschule Manta Point in Khao Lak,
der zweitgrößte Marinehafen von Thailand sein.
Tatsächlich sieht
man in der Nähe von Taplamu das mit Stacheldraht abgeschirmte
Kasernengelände – doch im Hafen selbst dümpeln nur einige
kleinere Patroullienboote, und die Wellblechhütten in der
Umgebung des Hafens machen, ebenso wie die auf dem Land liegenden
allmählich verrottenden Schifferboote, einen ärmlichen Eindruck.
Die Thais, die sich
nun mit uns zu den rund 70 Kilometer entfernten Similan Islands übersetzen
lassen, gehören dagegen kaum zu den Ärmeren des Landes. Die
Similan Islands sind nämlich ein überaus beliebtes Ausflugsziel
für die Einheimischen, die sich solche Ausflüge leisten können.
Zwischen den Inseln
8 und 9 , die wir nach gut zwei Stunden erreichen, unternehmen
mein Tauchlehrer und ich den ersten Tauchgang. Der Grund liegt in
einer Tiefe von etwa sieben Metern, und zwischen den kleineren
Korallenstücken tummeln sich vor allem Papageien- und
Doktornasenfische. Beim Auftauchen sehen wir dann noch größere
Schwärme von barschähnlichen Fischen direkt unter unserem Boot.
Ein einstündiger
Landgang führt uns auf die Insel Nr. 8, auf Kho Similan, Sitz der
Verwaltung des Similans-Islands-National-Parks, mit einigen
Bungalows und vor allem einem fast überfüllten Campingplatz.
Dazu verfügt die hügelige
Insel, die größte der Similans, über einen 2,5 Kilometer langen
Naturlehrpfad, der durch den kleinen Dschungel führt. Die Bäume
können von ihren Ausmaßen natürlich nicht mit denen mithalten,
die wir im Khao Sok National Park gesehen haben, der Weg ist trotz
der Höhenunterschiede hier auch mit leichtem Schuhwerk gangbar
– zumindest jetzt bei Trockenheit – aber einen Einblick in die
Vegetation des Regenwaldes verschafft dieser Naturlehrpfad
gleichwohl.
Die eigentliche
Attraktion von Kho Similan ist aber der knapp hundert Meter lange
absolut weiße Sandstrand, beidseitig von Felsen begrenzt, wobei
auf dem einen Felsen ein gewaltiger Steinbrocken ruht, so, als
wolle er jeden Moment ins Meer stürzen.
Unseren zweiten
Tauchgang mit einer Tiefe von nun acht Metern unternehmen in einer
Bucht von Kho Similan, die von den Tauchern Donald Duck Bay
getauft wurde. Bei unserem Tauchgang stoßen wir neben den
Doktornasen- und Papageienfischen auf einen Schwarm langer bläulicher
Füsilierfische, und Tauchlehrer Michael will mich schließlich
auch auf eine große Muräne aufmerksam machen, die ich in den
Korallen aber nicht entdecke.
Karin und Michael,
die unterdessen vom Strand zum Boot zurück schnorcheln, bekommen
einiges mehr zu Gesicht: Einen kleinen, knapp einen Meter langen
Babyhai und schließlich auch noch einen Manta.
Bei der Überfahrt
zurück nach Taplamu können wir dann noch einige fliegende Fische
beobachten.
Sonntag,
6. April 2003: Taplamu – Similan Islands
Unsere zweite
Tauchexkursion zu den Similan Islands unternehmen wir mit einem
Speedboot, das die Strecke in der halben Zeit zurücklegt.
Die Speedboote wie
auch die anderen Tauchschiffe legen in einem hinteren Teil des
Hafens ab – und um dorthin zu gelangen, müssen wir direkt durch
den Ort hindurch fahren. Dabei erscheint Taplamu noch ärmlicher
als beim ersten Eindruck: Die meisten Hütten wirken wie herunter
gekommene Geräteschuppen. In Taplamu hätten sich sowohl viele
Seezigeuner als auch Einwanderer aus Burma niedergelassen, sagt
Michael, der Tauchlehrer.
Wieder bei der
Insel Nr. 9 gehen wir diesmal an einem Tauchplatz – Tauchtiefe
12,3 Meter – ins Wasser, der Snapper Alley genannt wird. Neben
den Korallen wachsen riesige Farne, die die Formen von filigranen
Tischen oder aufgeklappten Fächern angenommen haben, und schließlich
tauchen wir durch ein felsiges Unterwassergebirge mit engen
Schluchten und Höhlen.
Den zweiten
Tauchgang des Tages unternehmen wir am „Breakfast Bent“, ein
Strömungstauchgang bei knapp 18 Metern Tiefe, und diesmal sehe
ich, wenn auch in einiger Entfernung, einen einzelnen Manta durch
das Wasser gleiten.
Montag,
7. April 2003: Thai Muang District mit Tonsai Waterfall,
Mangrovenwald, Fischerdorf, Kian Kog River – Takua Pa
Die Tour, zu der
uns Mr. Key um 8 Uhr früh vom Green Beach Resort abholt, soll uns
in unmittelbarer Umgebung zu Orten führen, die üblicherweise
kaum von Touristen besucht werden. 7100 Baht haben wir zu viert für
diesen Ganztagesausflug in den südlichen und nördlichen
Nachbardistrikt bezahlt.
Unsere erste
Station sollen die Heißen Quellen im südlichen Thai Muang
District sein. Auf dem Weg dahin stoppen wir an einer Krabbenfarm.
Die besteht aus mehreren rechteckig angelegten Tümpeln, wobei Mühlräder
das Wasser in ständiger Bewegung halten. Offensichtlich reichen
die Fänge der Fischer nicht mehr aus, so dass die Krabben nun in
solchen Zuchtstationen zu essbarer Größe herangezogen werden müssen.
Südlich von Khao
Lak bestimmt die Landwirtschaft das Leben der Menschen. Wir sehen
Pkantagen mit Kautschukbäumen, Ananas- und Bananenfelder, auf
einem Feld grasen Wasserbüffel, zu denen sich die weißen
Kuhpicker gesellen.
Nur die heißen
Schwefelquellen sehen wir nicht. Auf dem Gelände steht nun ein
Touristenresort, das verlangt für den Besuch der Quellen Eintritt
– und den zu zahlen haben wir keine Lust.
Über ein kleines
Örtchen mit einem bescheidenen chinesischen Tempel geht es nun
also zum Tonsai-Wasserfall. Kurz vor dem Wasserfall halten wir an
einem Farmerhäuschen, vor dem der Bauer den gesammelten weißen
Saft von den Kautschukbäumen in viereckigen Behältern immer
wieder zusammenstreicht. Schließlich, wenn die Masse halbwegs
trocken ist, wird sie aufgehängt, hängt sich dabei dann selbst
zu geriffelten Lappen in die Länge: Das ist der Stoff, aus dem
dann Latex und Gummi gewonnen werden.
Schon an der Straße,
eine holprige Sandpiste mit einer Steigung, die unser Minibus auf
den letzten Metern nicht mehr bewältigen kann, sieht man: Auch
der Tonsai-Wasserfall gehört nicht zum üblichen
Khao-Lak-Touristenprogramm.
Eigentlich
erstaunlich: Es gibt eine Ranger-Station, einen Getränkestand,
einen recht ordentlichen Wanderweg zum Wasserfall selbst, ein
Wanderweg, auf dem man auch zahlreiche braune, etwas größere
Eidechsen beobachten kann.
Und der Wasserfall
selbst ist eher einer der größeren in der Region: Die Felswand
misst eine Breite von vielleicht zehn Metern, ist ungefähr 30
Meter hoch – und das Wasser rauscht auf ganzer Breite herunter,
bildet unterhalb des Felsens einen klaren Tümpel, in dem man sich
herrlich abkühlen kann.
Von Kühle kann bei
unserer nächsten Station nicht die Rede sein: Ein schmales Flüsslein
mit eher trübem Wasser, bei dem in den momentan ausgetrockneten
Seitenarmen eine Fischerboote vor sich hinrotten, laufen wir auf
einem mitunter morschen Steg in den Mangrovenwald. Die Mangroven
haben sich vielfach bereits ihren Weg durch den Steg gebrochen,
oft muss man über die krumm wachsenden Stämme hinüberklettern
oder sich an den in der Luft hängenden Wurzeln vorbeischlängeln.
Einmal hören wir in der Ferne einen Affen brüllen, an einer
Flussgabelung springen Kinder von ihrem Boot aus ins Wasser.
Auch wenn uns die
ganze Zeit über nur ein einziges weiteres Boot begegnet und wir
nur an wenigen verlassenen Fischereiplätzen vorbeikommen: Dieser
Fluss soll eine wichtige Verbindungsstraße sein. Von hier, so
meint Mr. Key, würden die Boote entweder über andere Flüsse bis
nach Khao Lak und weiter fahren oder aber direkt hinaus aufs
offene Meer.
Auch unser nächstes
Ziel ist beherrscht von den Mangroven: Von einem Fischerhaus an
einer Lagune starten wir zu einer Bootstour durch das salzige
Brackwasser, das Mr. Key als „Vogel-See“ bezeichnet. Die
Mangroven haben in der Wasserfläche etliche kleine Inseln
gebildet, von den Ufern hört man die Vögel und wenigstens einen
dieser Wasservögel sehen wir auch, wie er gerade von seinem Baum
aus zum Flug startet.
Unser Ziel ist ein
direkt auf dem Wasser liegendes Fischerdorf, das von ehemaligen
Seezigeunern bewohnt wird. Die Holzhäuser, winzige Hütten, die
kaum mehr als einen Raum haben dürften, schwimmen auf großen
Ballen aus Steropor, um die Hütten herum haben die Bewohner ihre
Netze gespannt.
Die wichtigsten Gebäude,
zum Beispiel der Krämerladen, sind allerdings an Land, ebenso wie
die Reederei, in der ein älterer Mann mit seinen Gehilfen die
Holzboote der Fischer per Hand zusammenbaut, jedes Boot aus einem
einzigen Baum gefertigt. Etwa einen Monat dauert es, bis so ein
Boot fertig ist. Moderne Werkzeuge wie etwa Elektrosägen können
wir hier dabei nirgends entdecken.
Ein kurzer
Abstecher führt uns noch zum Kian Kog River, von Touristen als
Fluss des Bambus-Raftig entdeckt. Bambusstangen werden zu einem
Floß zusammengebunden, dann geht es den Fluss abwärts, und an
der Raftig-Station liegen einige dieser nicht sehr
vertrauensweckenden Wasserfahrzeuge. Momentan führt der Fluss
aber ohnehin zu wenig Wasser für diese Art des Freizeitspaßes.
Dafür erleben wir
hier gerade einen Waldbrand: Zum Glück etwas weiter weg schlagen
die Flammen bis über die Baumkronen, und das Knacken der
brennenden Bäume hört sich an wie Maschinengewehrfeuer.
Brandrodung ist auch auf den Kautschukplantagen eine weit
verbreitete Methode, sich des lästigen Unterholzes zu entledigen
– und obwohl dieses Feuer für uns als Laien fast schon außer
Kontrolle geraten zu sein scheint, ist doch niemand von den
Einheimischen auch nur in geringster Weise beunruhigt.
Unser letztes Ziel
des Tages, Takua Pa, liegt im Norden von Khao Lak. Auf dem Weg
dorthin machen wir noch einen Stop an einem schönen
buddhistischen Tempel, dessen Wandgemälde die Lebensgeschichte
des Buddha erzählen, von seiner Geburt als Prinz über die
Begegnung des jungen Königssohnes mit Tod und Armut bis zu seinem
Eingehen ins Nirwana.
Von Takua Pas
Herrlichkeit als Metropole des Zinnabbaus ist praktisch nichts
mehr erhalten: Eine kurze Hauptstraße mit alten, zweistöckigen
Holzhäusern, am Rand der Stadt einige verfallene größere Holzhäuser,
die früher als Arbeiterunterkünfte gedient haben könnten, und
ein Pavillon am Fluss, in dem zwei Männer umringt von anderen
Dame spielen – viel mehr hat Takua Pa dem flüchtigen Besucher
nicht zu bieten.
Dienstag,
8. April
2003: Khao Lak (Nang Thong Beach)
Wir legen einen
Ruhe- und Erholungstag im Green Beach Resort ein, das wir erst am
Abend verlassen, um im Ort Essen zu gehen.
Mittwoch,
9. April
2003: Khao Lak (Nang Thong Beach)
Am Nachmittag
unternehmen wir zu zweit eine vierstündige Angeltour auf einem
der Longtail-Boote, zahlen dafür 1200 Baht. Glücklicherweise hat
das Boot einen Sonnenschutz, was alles andere als eine Selbstverständlichkeit
ist. Wir brauchen ihn allerdings als Schutz gegen den Regen. Über
den Bergen war es schon den ganzen Tag bewölkt – und nun regnet
es hier auf dem Meer, während auf dem Land, wo die Einheimischen
schon sehnsüchtig darauf warten, der Regen ausbleibt.
Kleingeschnittene
Stücke vom Tintenfisch dienen uns als Köder, aber während der
Fischer, der uns bei unserer Tour begleitet, immerhin zwei größere
Fische ins Boot zieht, sind es bei uns insgesamt nur drei kleine
Snapper. Dafür wird aber von meinem Angelhaken regelmäßig der Köder
abgefressen.
Die
Seevögel, die aus der Luft urplötzlich ins Wasser stoßen, haben
offensichtlich mehr Jagdglück.
Dafür sehen wir
aber noch einige fliegende Fische ganz in der Nähe unseres Bootes
– so, als ob sie wüssten, dass von uns keine nennenswerte
Gefahr ausgeht.
Donnerstag,
10. April 2003: Boon Sung
Ziel unseres
Tauchganges am Tauchplatz Boon Sung, einige Kilometer nördlich
von Nang Thong Beach, ist ein einsamer Zinnbagger, um 1985 in 18
Meter versenkt als sich der Zinnabbau nicht mehr lohnte. Die
Korallen, di es hier einst gegeben haben soll, wurden beim
Zinnabbau zerstört, zurück blieb toter Sandboden – und nun
wird der Zinnbagger, bestehend aus zwei eisernen Plattformen, von
denen die untere einen Umfang von vielleicht 30 mal 15 Metern
misst, zum Ausgangspunkt neuen Unerwasserlebens.
Leopardenhaie
sollen sich hier fast ständig aufhalten und auch Walhaie seien
bereits gesichtet worden, berichtet unsere Divemasterin, auch wenn
wir heute weder Haie, geschweige denn Wale zu sehen bekommen:
Denen dürfte der Tauchplatz heute zu unruhig sein: Beim ersten
Tauchgang begegnen uns zwei andere Taucher von einem weiteren
Longtailboot, beim zweiten Tauchgang gleich eine ganze Gruppe von
einem größeren Tauchschiff.
Aber immerhin
entdecken wir während unseres ersten 45-minütigen Tauchganges
neben den fast schon obligatorischen Snappern und Papageienfischen
einige Weißaugenmuränen, darunter auch eine Babymuräne, große
Igel- und Drachenfische, jede Menge Rotfeuerfische, die allerdings
nur in den seltensten Fällen wirklich rot sind, Schwärme von
Tintenfischen und schließlich eine Barrakudaschule.
Geradezu gefährlich
muten die großen dunkelbraunen Muscheln mit ihren mächtigen
Zacken an den öffnungen an, Muscheln, die sich beim ersten Blick
kaum von der rostigen Oberfläche des unterscheiden.
Bei unserem zweiten
Tauchgang, diesmal bleiben wir etwas über 50 Minuten unter
Wasser, stoßen wir noch auf einige größere schwarz gescheckte
Netzmuränen, Schnecken und schließlich einige Steinfische, die,
solange sie still verharren, so perfekt an das Wrack angepasst
sind, dass man sie kaum als Lebewesen wahr nimmt.
Freitag,
11. April 2003: Ban Nam Kaem – Koh Kho Khao
Kurz vor neun Uhr
hält der – stündlich zwischen Phuket
und dem Norden verkehrende – Linienbus in der Nähe des
Supermarktes vom Nang Thong Beach. Unsere etwa halbstündige Fahrt
in dem mit Ventilatoren ausgestatteten Bus kostet 20 Baht pro
Person. Endstation ist für uns eine Kreuzung, von der eine
Nebenstraße zu dem Fischerdorf Ban Nam Kaem, dem Fährhafen nach
Koh Kho Khaom, führt.
Allerdings: Der Weg
zur Fährstation soll ungefähr acht Kilometer sein, und hier an
dieser Kreuzung gibt es nicht einmal eine richtige Ortschaft,
geschweige denn eine Taxistation. Abhilfe schaffen da die
Mopedkuriere, erkennbar an ihren gelben Jacken, die die Reisenden
auf dem hinteren Sitz platzieren und für 20 Baht zur Fähre
bringen, es dabei mit den Sicherheitsregeln allerdings nicht zu
genau nehmen. Karin und ich sitzen mit dem Fahrer zusammen auf
einem Moped – wobei drei Leute auf einem Moped in Thailand noch
nicht einmal etwas besonderes ist. Mitunter sitzen die Thais auch
zu viert auf solch einem Zweirad.
Ban Nam Kaem –
das sind einige kleine Läden, Fischerhütten am Wasser, dazu auch
einige Fischerhütten im Wasser, ähnlich konstruiert wie in dem
Fischerdorf, dass wir bei den Mangroven gesehen haben, und natürlich
vor allem die Fährstation, neben der die Hafenhalle, das wohl größte
Gebäude des Ortes steht. Auf dem Wasser sieht man die größere Fähre,
die auch Lastwagen auf die Insel Koh Kho Khao transportiert, aber
die meisten Passagiere befördern doch die normalen Longtailboote,
die, um auch Mopeds mitnehmen zu können, nicht einmal über
Sitzreihen verfügen: Wer sitzen will, muss eben auf der Außenkante
Platz nehmen.
Die Überfahrt –
Kosten: 10 Baht pro Person – dauert nur wenige Minuten, dann
gehen wir auf Koh Kho Khao an Land. Um die Fährstation herum hat
sich der Ortsmittelpunkt mit Geschäften, so etwas wie einem
Restaurant und einer Taxistation gebildet, links und rechts davon
stehen am Ufer einige Fischerhütten, mit denen auf dem Festland
vergleichbar. Aber die Inselbewohner leben nicht allein von
Fischfang, sondern auch von der Landwirtschaft: Hier sehen wir
unser erstes frei über die Straße laufendes Hausschwein.
Den Versuch, zu Fuß
auf die andere Inselseite zu gelangen – den Strand davon kann
man schon nach einem kurzen Stück Weg sehen – geben wir an
einer Baustelle, auf der gerade ein neues Touristenresort
entsteht, auf: Wir kehren zur Fähr- und Taxistation zurück,
werden dort von einem jungen Mann angesprochen, der uns unbedingt
zumindest als Tagesgäste im neu eröffneten Koh Khao Island Beach
Resort begrüßen möchte, und für 80 Baht steigen wir schließlich
in ein Taxi, um uns dorthin bringen zu lassen.
Auch Koh Kho Khao
verfügt über so etwas wie eine Hauptsraße, eine Betonpiste, die
immerhin so breit ist, dass man einem entgegenkommenden Fahrzeug
noch ausweichen könnte, von der auch etliche Sandpisten zu den am
Weg liegenden Bauernhäusern führen. Bewachsen ist die Insel mit
einem dichten Wald an Nadelbäumen, zwischen denen vereinzelte
Palmen stehen. Dazu sieht man immer wieder kleinere Seen oder Tümpel.
Das Koh Khao Island
Beach Resort, gerade vor einem Monat eröffnet, verfügt über
zehn ordentliche Doppelbungalows, einen kleinen Fischtümpel,
etwas Wald, ein nettes Restaurant – und vor allem über einen
fast endlos weiten weißen Sandstrand in absoluter Einsamkeit. Bei
einem Strandspaziergang findet man diverse Muscheln, doch so gut
wie nie af eine Spur anderer Menschen. Und vom Resort aus sieht
man über das Meer auf das winzige Eiland Ko Pha, kaum mehr als
eine größere Sandbank mit weißem Sand und einigen wenigen Bäumen.
Dort sollen zwischen November und Februar die Schildkröten ihre
Eier ablegen.
Bis gegen vier Uhr
bleiben wir in diesem herrlichen Stück Natur, treten dann unsere
Rückreise nach Khao Lak an.
Samstag, 12. April 2003: Khao Lak (Nang Thong Beach)
und Ban Bang Niang
Den Vormittag über
entspannen wir am Strand vom Garden Beach Resort, fahren am späteren
Nachmittag mit dem Taxi zum Markt in Ban Bang Niang. Wenn man die
Markthändler näher betrachtet, fallen bei vielen Frauen die
Kopftücher, bei Männern andere traditionelle Kopfbedeckungen
auf: Hier auf dem Markt wird der Anteil der islamischen Bevölkerung
in diesem Landstrich deutlich.
Sonntag,
13. April 2003: Laem Phrao – Phang Nga Bay
Die June Bahtra II,
die Ausflugsdschunke, die uns in die Phang Nga Bay bringen soll,
liegt im Jachthafen von Laem Phrao, einem Hafen am Nordostzipfel
der Insel Phuket. 2900 Baht pro Person kostet der Ganztagesausflug
von Khao Lak zu den Kalksteinfelsen in der Andamensee.
Laem Phrao
unterscheidet sich von den üblichen Thai-Dörfern: Etliche
Yachtbesitzer haben hier wohl auch gleich ihre Zweitvilla
errichten lassen – was dem Örtchen einen Hauch von Reichtum
verleiht. An den beiden Bootsstegen liegen auch etliche
beeindruckende Boote, darunter eine längere Motoryacht mit großen
dunkel getönten Scheiben, aber nur wenig freiem Deck, alles im
Stil der 20-er und 30-er Jahre. Am Ende der Tour wird uns unser
– belgischer – Tourenbegleiter berichten, dass dieses Schiff,
dass seit vier Monaten einen thailändischen Namen trägt und
unter thailändischer Flagge fährt, die letzten Jahre einem
Amerikaner gehört hatte – und 1935 für den Naziführer Hermann
Göring gebaut wurde. Hier liegt jetzt also die Karin II, weit größer,
als man sie im Film „Schtonk“ gesehen hat.
Wir verlassen den
Hafen, passieren einige kleinere, im Meer stehende Fischerhütten.
Das Wasser hier ist voller großer Quallen, ab und zu sieht man
einige fliegende Fische, und schließlich, nachdem wir die
Meerenge zwischen Phuket und dem nördlichen Festland verlassen
haben, die Kalksteinfelsen der Phang Nga Bay, wenn auch zunächst
nur als im Dunst erscheinende Sihoulette.
Kho Panak ist die
erste, etwas größere Insel, die wir bei unserer Tour passieren.
Das Wasser hat an den Rändern des dicht bewachsenen, steil nach
oben ragenden Felsens, seine Unterhöhlungen gegraben, von deren
Drcke nun gewaltige Stalagtiten bis fast zu den Wellen herab hängen.
Die Inselfelsen der Andamensee sind angeblich der einzige Ort der
Welt, wo man solche Stalagtiten gleichsam im freien zu sehen
bekommt.
Viele Inseln haben
umschlossene Lagunen – die Besonderheit von Koh Hong ist, dass
man hier beim Vorbeifahren in die offene Lagune hineinsehen kann,
wobei ein vielleicht 20 oder 30 Meter hoher, wie eine Nadel aus
dem Meer schauender Felsen den Zugang zu diesem natürlichen Hafen
schützt.
Und die
Besonderheit von Kho Talu, etwas näher am Festland gelegen: Hier
sind die vom Wasser gegrabenen Höhlen so groß, dass man mit dem
Longtailboot oder einem Kanu unter der Insel durchfahren kann,
eine Strecke, die allerdings kaum mehr als 40 Meter misst: Breiter
ist kaum eine dieser Inseln. Dazu ist Kho Talu von einem
Mangrovenwäldchen umgeben, ein Wäldchen, das auch an einigen von
der Insel entfernter liegenden Stellen seine ersten Ableger
gebildet hat, die nun allmählich zu neuen Inseln heranwachsen.
Wir passieren Kho
Khao Tapu, besser bekannt als „James-Bond-Island“, Schauplatz
des Films „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und Kho Panyi, die
einzige bewohnte Insel der Bucht, um nun Khao Kian anzusteuern:
3000 bis 4000 Jahre alt sollen die Felsmalereien sein, die hier
etwa fünf bis sieben Meter über dem Meeresspiegel den Stein schmücken.
Klar zu erkennen ist in jedem Fall ein gestreifter Fisch mit etwas
lang gezogenem Maul, andere Figuren könnten Affen, Vögel und
Menschen darstellen.
Auf Kho Panyi
unternehmen wir nun einen Landgang – wobei der Begriff
„Landgang“ nur bedingt passt. Die Häuser dieses etwa 1000
Menschen zählenden islamischen Dorfes stehen nämlich auf
Mangroven-Stelzen im Wasser, nur die Moschee und der Friedhof –
der einzige islamische Friedhof, auf dem die Toten nicht mit dem
Gesicht nach Mekka liegend sondern stehend bestattet werden –
befinden sich tatsächlich auf der Insel.
Dafür, dass sie im
Meer stehen, sind die Häuser von Panyi erstaunlich massiv: Aus
Stein gebaut, an ebenfalls auf Stelzen stehenden Betonwegen
liegend. Im verschlammten Brackwasser unterhalb des Dorfes tummeln
sich Krebse und Schlammspringer.
Seeadler sieht man
hier ebenfalls etliche – allerdings angekettet, von den
Einheimischen als Fotoobjekt feilgeboten, wenn man denn schon
keines von den –kitschigen und überteuerten – Souvenirs
kaufen möchte. Kho Panyi ist eine der überlaufenen
Touristenattraktionen der Andamensee, die nun – Thailand feiert
gerade für drei Tage das buddhistische Neujahrsfest – auch
viele einheimische Besucher anlockt.
Noch mehr Gedränge
herrscht auf der benachbarten, allerdings auch wesentlich
kleineren „James-Bond-Insel“ Kho Khao Tapu, bestehend aus zwei
Felsen mit einem kleinen, keine 30 Meter langen Strand und dem aus
dem Film bekannten davor stehenden Nadelfelsen. Zum Vollmondfest,
so berichtet unser Tourguide, würden hier bis zu 5000 Menschen am
Tag herkommen, müssten die Boote mitunter 15 Minuten Warten, ehe
sie anlegen könnten. Trotzdem sind die Andenkenläden hier um
einiges billiger als auf Kho Panyi.
Wir nehmen an Bord
unserer Dschunke das Mittagessen, fahren dann zurück zum Hafen,
machen allerdings kurz vorher noch einen Badestopp bei Koh Lawa,
einer kleinen flachen Insel mit einem hübschen palmenbewachsenen
Sandstrand. Wir gehen
allerdings 50 Meter vor dem Strand von der Dschunke aus ins
Wasser: In Strandnähe sollen Stachelrochen liegen, und in den
letzten beiden Wochen habe es bereits zwei schwere Unfälle
gegeben.
Montag,
14. April 2003: Khao Lak – Airport Phuket – Bangkok
Die Angst vor der
Lungenseuche SARS – für Singapur und Hongkong gibt es
inzwischen wohl eine Reisewarnung – wird auch auf dem Flughafen
von Phuket deutlich: Die Mitarbeiter an der Gepäckabfertigung
tragen Mundschutz, einige wohl doch eher überängstliche
Touristen ebenso. In thailändischen Zeitungen war zu lesen, dass
die Fluggesellschaften des Landes Mitarbeitern und Passagieren
solchen Mundschutz anbieten, das Tragen aber – noch – nicht
zur Pflicht machen wollten.
In Bangkok haben
wir uns im Asia Airport-Hotel einquartiert, 18 Stockwerke mit
einem Swimmingpool im zehnten, umgeben von einem Einkaufszentrum für
Elektronik-Artikel. Wegen des Neujahrsfestes sind allerdings die
meisten Läden geschlossen.
Das Neujahrsfest
wird auch als Wasserfest bezeichnet – und dazu gehört auch,
dass man sich aus Wasserflaschen oder Wasserpistolen beschießt,
anschließend mit Puder bestäubt. Auch etliche Autos tragen die
Spuren dieses Brauchs, sind völlig weiß verschmiert. Auch
Touristen werden übrigens von dieser Site nicht ausgenommen.
Dienstag,
15. April 2003: Bangkok
Den letzten
Reisetag verbringen wir fast ausschließlich im Hotel, meistens am
Swimmingpool. Am späten Abend geht unsere Maschine zurück nach
Europa.
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