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Orte und
Sehenswürdigkeiten: Turku
mit Dom, Universitätscampus,
Brinkala-Haus,
Handwerksmuseum,
Burg, Marina
und Schifffahrtsmuseum,
Schären
mit Västaboland
und Nagu,
Naanatali
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Donnerstag, 13. Januar 2011:
Turku
Wir landen um
17.30 Uhr auf dem Flughafen von Turku, ein
kleiner Flughafen, dessen Terminal von außen wie eine abgelegene
Turnhalle in einem Winterwald wirkt, umgeben von schneebedeckten
Tannen.
Und Turku zeigt
sich zunächst als eine weitläufige, moderne Stadt, etwas
provinziell vielleicht, aber trotz des hohen Schnees sind die Straßen
überall sorgfältig geräumt.
Unser Hotel,
das Sokos Hamburger Börs, ursprünglich Grand Hotel Hamburger Börs,
liegt direkt am Kauppatori, dem Marktplatz von Turku, auf dem nun
am Abend Jugendliche mit dem Bau von Schneemännern befasst sind.
Es ist allerdings auch kein historischer Marktplatz, sondern eine
eher verhältnismäßig neue Anlage, an der zwar ein
neoklassizistisches Theater steht, der ansonsten aber doch von
Neubauten umgeben ist, darunter auch ein größeres
Einkaufszentrum.
Vom Marktplatz
geht eine größere, immer noch weihnachtlich dekorierte Fußgängerzone
ab, in die sich zu dieser Uhrzeit aber nur wenige Passanten
verirrt haben.
Freitag,
14. Januar 2011: Turku – Nagu (Schärengarten)
Über eine der
fünf Brücken von Turkus Innenstadt fahren wir über den
zugefrorenen Aurajoki auf die Südseite, den alten Teil der Stadt,
und dabei zunächst zum Dom.
Der in der Nähe
des Flusses auf einem Hügel stehende Steinbau wirkt von außen
wie eine übergroße Dorfkirche, ist aber immerhin Finnlands älteste
Kirche – und nach wie vor der Bischofssitz des Landes. Die Außenmauern,
soviel kann man jedenfalls sehen, stammen offenkundig aus
verschiedenen Epochen, die ältesten Teile aus Feldsteinen, jüngere
aus Backstein.
Doch bevor wir
nun das Innere des Doms besichtigen, gehen wir zunächst auf den
wenige Schritte entfernten früheren Universitätscampus.
Die Anlage ist fast typisches repräsentatives frühes 19.
Jahrhundert, angelegt nach dem letzten großen Brand von 1827, als
die ursprüngliche Holzstadt endgültig unterging, durch eine
planmäßig angelegte Stadt aus Steinhäusern ersetzt wurde. Ein
nicht einmal besonders großes Denkmal auf diesem Campus erinnert
an den Geschichtsprofessor Henrik Gabriel Porthann, das erste öffentliche
Denkmal überhaupt, das in der damaligen russischen Provinz
aufgestellt wurde.
Eine andere
Sehenswürdigkeit auf diesem Campus-Gelände: Das Brinkala-Haus,
benannt nach einer früheren Adels-Familie der Region, vorübergehend
genutzt als Rathaus, damals auch mit einem Turm versehen, der
einen Teil des Gebäudes herunterdrückte, deshalb wieder entfernt
werden musste, aber einen Knick im Fundament des Hauses hinterließ.
Die Hofgebäude des Brinkala-Hauses werden nun von diversen
Kultureinrichtungen und Galerien genutzt – während vom Balkon
des vorderen Gebäudes alljährlich der „Weihnachtsfrieden“
ausgerufen wird.
Wir gehen nun
zurück zur Kirche, besichtigen das Kirchenschiff von Innen. Der
Innenraum ist gotisch geprägt, wirkt teilweise geradezu filigran,
beherbergt als Bischofssitz auch die größte mechanische Orgel
Finnlands, weswegen hier regelmäßig weltliche Konzerte statt
finden. Beachtenswert: Im Boden der Kirche sind etliche
Grabplatten eingelassen. Lange Zeit diente die Kirche nämlich
auch als Friedhof zumindest für die besser gestellten Einwohner
Turkus – während die Armen anonym in einem Massengrab
beigesetzt wurden.
Wieder vorbei
am Campus, wo sich auch noch vereinzelt einige ältere Holzhäuser
finden, fahren wir nun zum Handwerksmuseum
der Stadt, einem Freilichtmuseum, das aus einigen Gassen von rund
200 Jahre alten Holzhäusern besteht, die den letzten großen
Brand überstanden hatten und sogar bis in die 1940-er Jahre als
Wohn- und Arbeitshäuser fungierten.
Wie sich Turku
hier präsentiert, erscheint es eher wie ein Dorf als wie eine
Stadt. Die Gassen zwischen den Häuserfronten sind schmal – und
man betritt die Häuser nicht von der Gasse aus, sondern muss erst
in den jeweiligen Hof.
Eine der
wenigen Ausnahmen ist der Haus, in dem der Kaufmannsladen
untergebracht ist, früher wohl ein kleines Geschäft für alle
Dinge des täglichen Bedarfs, nun ein Andenkenladen, in dem gerade
eine ältere Frau in einer vielleicht aus dem 19. Jahrhundert
stammenden Tracht ihren Dienst hinter der Ladentheke versieht.
Mehr als drei oder vier Kunden gleichzeitig passen allerdings
nicht in den engen Verkaufsraum – und das danebenliegende „Büro“,
in dem noch ein Haushaltsbuch auf dem Sekretär, dem einzigen Möbelstück,
ausliegt, ist sogar noch etwas kleiner. Durch großzügige Geräumigkeit
zeichneten sich die Häuser des ursprünglichen Turku jedenfalls
nicht aus!
Vorbei am
Aurafluss steuern wir unser nächstes Ziel, die Burg an. An Ufer
des Flusses liegen etliche, nun leer stehende Restaurantschiffe,
im Sommer alles beliebte Treffpunkte. Die Schiffe müssen
allerdings allesamt auch schon eine ganze Weile auf ihren jetzigen
Positionen liegen: Die Brücken Turkus sind nämlich so niedrig,
dass die Schiffe nun gar nicht darunter durchkämen. Ihre Liegeplätze
verlassen können sie so nicht mehr.
Wir passieren
Turkus einstiges Industriegebiet, nun eines der
„Kulturviertel“, kommen an einer alten Fähre vorbei, dazu am
– nun ziemlich menschenleeren – Passagierhafen, sind dann an
der alten Burg, in der Zeit der schwedischen
Besetzung Sitz des Gouverneurs und damit Finnlands
Regierungszentrale, dazu auch Finnlands älteste steinerne
Festung.
Dabei wirkt die
Festung von außen zunächst einmal gar nicht so alt, sieht eher
aus wie ein weißer, wuchtiger Zweckbau vielleicht aus dem 17.
Jahrhundert, natürlich repräsentativ, aber weder überladen
protzig noch sonderlich befestigt.. Das ist aber auch nur der
neuere Anbau, und erst durch einen offenstehenden Torbogen betritt
man den Burghof zum älteren Teil der Anlage, die etwa ab 1280
entstanden ist.
Gemessen an
mittel- oder südeuropäischen ist es zwar eine kleinere Burg, dürfte
mit ihren drei Türmen an der Frontseite zu ihrer Zeit in dieser
Gegend doch einigen Eindruck gemacht haben.
Die Räume in
diesem Teil der Burg müssen im Winter teilweise extrem kalt
gewesen sein: Kamine gab es offenkundig nicht überall. Dafür an
manchen Wänden teilweise aber noch gut erkennbar: Die
Wandmalereien, die die Räume früher verzieren sollten.
Teile der
Anlage mussten jedoch nach dem Krieg rekonstruiert werden. Während
des Finnisch-Sowjetischen Krieges war Turku mehrfach bombardiert
werden, dabei auch die Burg neben dem Hafen Ziel dieser Angriffe.
Vorbei an der
„Marina“, wo nun historische Schiffe wie
die „Suomen Joutsen“, eine 1902 Fregatte mit drei Masten, zur
allgemeinen Besichtigung liegen, verlassen wir die Stadt, fahren
auf der Ringstraße zu den Schären, dem
Archipel von rund 20000 Inseln und Inselchen vor der Küste
Finnlands.
Dabei bemerkt
man bei dieser winterlicher Fahrt nicht unbedingt, wenn man vom
Festland aus auf die Inseln gelangt. Die Brücken sind zum Teil
sehr kurz, kaum länger als eine kleine Brücke über ein kleines
Flüsschen, und von der Ostsee sieht man auch nicht all zu viel.
Die ist nämlich zugefroren, und ihr Anblick unterscheidet sich
nicht wesentlich von dem der verschneiten Felder am Rand der Straße.
Meist sieht man
nur vereinzelte Häuser, verstreut liegende Bauernhöfe, kaum eine
zusammenhängende Siedlung. Dennoch ist das alles hier das
Stadtgebiet von Västaboland, einer
erst 2009 gebildeten Gemeinde für die Schären.
An der Fährstation
von Pargas sieht man dann auch eindeutig, dass wir auf den Inseln
sind: Die Straße endet an einer Fährstation, bestehend aus einem
einzigen Pier in einer kaum besiedelten Region – und die nächsten
Inseln sind ein gutes Stück entfernt.
Aber immerhin
ist die Ostsee nicht so dich zugefroren, dass wir für die Überfahrt
– es ist wohl schon eine Strecke von einigen Kilometern –
einen Eisbrecher benötigen würden. Auch die ganz normale Fähre
hat sich ihre Fahrrinne bereits gebrochen, wobei vom Schiffsrumpf
immer wieder knarrende Geräusche zu hören sind, vom Scharren des
Stahls an der Eisdecke.
Nach vielleicht
zehn oder 15 Minuten haben wir die Fährstation von Nagu
erreicht. Rund um das Pier der Fähre macht Nagu fast den Eindruck
eines nun geschlossenen Strandbades mit Anlegestelle für kleine
Privatboote. Am Wasser stehen, wie kleine Bungalows, einige
Umkleidekabinen, es gibt ein kleines Geschäft, das auch gut als
Strandkiosk dienen könnte und, nur wenige Schritte entfernt, aber
beinahe „zentral“ gelegen, ein nun jedoch geschlossenes Hotel,
ein kleines, aber äußerstgemütlich und einladend wirkendes
Holzhaus.
Dass Nagu eine
ständig bewohnte Siedlung ist, erkennt man nur, wo außer uns
kein Mensch zu sehen ist, am ehesten noch an der steinernen
Dorfkirche und dem Friedhof, der sie umgibt.
Eine schmale
Straße führt über die Insel, neben der Straße liegen einige
Bauernhöfe – und auf den zugeschneiten Feldern stehen sogar
einige Kühe an einem Futtertrog.
Unser Ziel ist
eine Station für verschiedene Outdoor-Aktivitäten, für
Quad-Touren, Schnee-Schuhwandern oder Langlauf. Wir folgen dem
Waldweg zu einem See, der für diese kleine Insel doch eine
beachtliche Größe hat, natürlich völlig zugefroren ist, über
den man nun auch laufen kann. Das hier ist die Natur der Schären,
eine Natur, in der, so sagt unsere örtliche Reiseführerin, auch
viele Tiere des Nordens leben, zum Beispiel auch zwei Hirscharten
stark vertreten sind.
Es dämmert
bereits, als wir uns auf den Rückweg machen
- und bei völliger Dunkelheit erreichen wir, noch immer
auf den Schären, die Anlage des Airisto Spa, wo wir vor dem
Abendessen noch einen Saunagang machen. Die finnische Dampfsauna
ist dabei nicht einmal sonderlich heiß, aber sehr, sehr feucht
– und hinterlässt auf der ganzen Haut eine schwarze Rußspur,
die man hinterher gründlich abduschen sollte.
Abends zurück
in Turku besuchen wir in der Nähe unseres Hotels noch die „Old
Bank“, eine der größeren urigen Szene-Kneipen der Stadt, an einem Freitag bis spät
sehr gut gefüllt.
Samstag,
15. Januar 2011: Turku
Am Rand, fast
schon außerhalb der Stadt liegt das „Life on a Leaf“ getaufte
Designer-Haus des finnischen Künstlers Jan-Erik Andersson, das
wir zunächst am Vormittag besuchen. Es ist ein gelbes, etwas oval
gehaltenes Gebäude, auch innen ohne wirkliche Ecken, sondern
alles leicht abgerundet, ein Haus, das der Künstler auch zur
Besichtigung frei gibt.
Vor dem Haus
werfen wir noch einen Blick in die wie eine Zwiebel geformte
Sauna, eine jener Saunen, die in diesem Jahr zur allgemeinen
Nutzung auf den Plätzen der „Europäischen Kulturhauptstadt
Turku“ aufgestellt werden sollen. Innen unterscheidet sich diese
Sauna aber nicht im geringsten von anderen Saunen, nur, dass es
hier eher besonders eng ist.
Zum Mittagessen
sind wir in dem Restaurant der Brauerei Koulu, ein zumindest von
der Einrichtung her sehr traditionelles Restaurant. Eine
Freitreppe hoch geht es auf die Galerie mit dem altertümlichen
Tresen und in den Speisesaal
– alles stilvoll und nostalgisch, im Stil des ausgehenden 19.
bzw. frühen 20. Jahrhunderts.
Am Abend sind
wir bei der Lichtshow auf dem Forum Marinum anlässlich der Eröffnung
des Kulturjahres. Mit unseren Pressekarten kommen wir dabei in das
nun zum VIP-Bereich umfunktionierte Schifffahrtsmuseum.
Ein großer Teil der Ausstellung widmet sich der Erforschung des
Nordmeeres, auch mit historischen Aufnahmen, nicht minder
bedeutend ist der der Kriegsmarine gewidmete Teil. Manko des
Museums aber: Die erklärenden Begleittafeln sind nur auf Finnisch
und Schwedisch gehalten.
Sonntag,
16. Januar 2011: Naantali
Unsere
Rückreise zum Flughafen von Helsinki führt uns über Naanatali,
1443 um das damalige Kloster gegründet, eine der ältesten Städte
Finnlands, mit einer Altstadt, die ausschließlich aus gelb, blau
und rot getünchten Holzhäusern besteht, aus Häusern, die, so
die hiesige Tradition, die Namen ihrer – ursprünglichen –
Besitzer tragen.
Im
19. Jahrhundert hatte sich das Städtchen an der Ostseeküste zum
Bade- und Kurort für russische Adelige. Heute sind die Gästehäuser
rund um die Strandpromenade etwas bescheidener, und an die alte
Tradition knüpft nur das – neue – Spa Hotel an, ein Haus, das
neben dem Hauptgebäude auch noch aus einem umfunktionierten
Schiff besteht, in dessen Kajüten man sich nun ebenfalls
einmieten kann.
Nach
dem Mittagessen in diesem Hotel fahren wir weiter zum Flughafen
von Helsinki, um von dort unseren Rückflug anzutreten.
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