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| Bláa
Lonid, die "Blaue Lagune": Islands bekannteste
heiße Quelle |
Die
Hekla, Islands großer Vulkan - gesehen von Selfoss |
Der
Hjalparfoss, ein Wasserfall des Gletscherflusses Hjalpar |
Unterwegs
auf der Landmannaleid in der Umgebung der Hekla |
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| Am
Hrauneyjaleon in der Nähe der Hekla - bei Sonnenuntergang |
Am
Wasserfall Gullfoss - auch als "Goldener
Wasserfall" bezeichnet |
Haukadalsheidi
- zwischen Gullfoss und Geysir |
Der
Geysir Strokkur spuckt alle fünf Minuten sein
heißes Wasser aus |
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Thingvellir -
wo Europa und Amerika auseinanderdriften |

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Die Laugavegur
- die Einkaufsstraße von Reykjavik |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Beschriebene Orte und
Regionen: Keflavík
- Bláa Lonid (Blaue Lagune)
- Grindavik - Selfoss
- Hekla - Hjalparfoss
- Landmannaleid - Lodmundur
- Landmannalaugar
- Gullfoss - Haukadalsheidi
- Geysir Strokkur
- Laugarvatn - Thingvellir
- Reykjavik
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Sonntag,
4. Oktober: Keflavík – Bláa Lonid (Blaue Lagune) – Grindavik – Selfoss
– Hekla
Wir
überfliegen erst eine weite Landschaft aus Eis und Schnee, einen gewaltigen
Gletscher, dann ein schwarzes Land mit einer zerfransten Küste. Nach dreiein
halb Stunden Flug von Frankfurt befinden wir uns über Island. Die Ortszeit
ist 14.30 Uhr, zwei Stunden früher als in Deutschland.
Auch
unmittelbar beim Landeanflug auf Keflavík erscheint
die Gegend keineswegs „zivilisierter“.
Unter uns breiten sich die von tiefen Spalten zerfurchten Lavafelder
aus, leicht schimmerndes Grün gibt es allenfalls hier und da als Zeugnis
eines spärlichen Flechtenbewuchses. Weit und breit ist kein Baum zu sehen,
nicht einmal ein Feld mit Gras.
Für
ein Land mit gerade 330.000 Einwohnern hat Island aber einen scheinbar völlig
überdimensionierten Flughafen – und mehr Flugverkehr als manche deutsche
Großstadt. Während wir auf unsere Koffer warten, wird nämlich gerade das
Gepäck von mindestens vier weiteren Maschinen ausgeladen. Und: Der Flieger,
mit dem wir gekommen waren, war bis auf den letzten Platz besetzt gewesen.
Dennoch herrscht erstaunlich wenig Betrieb. Das Flughafenrestaurant in der
Ankunftshalle ist verwaist, und von einer Gepäckkontrolle ist nichts zu
entdecken.
Noch
am Flughafen wird unsere Reisegruppe auf die sieben Landrover, die bei den
Touren einen Konvoi bilden werden, aufgeteilt. Dann geht es auch schon los
Richtung Bláa Lonid, zur „Blauen Lagune“. Weit
vor uns liegt ein Eisberg, umgeben von schwarzen Bergen, und die Gegend, durch
die wir kommen, scheint aus nichts anderem als Lava zu bestehen.
Die
„Blaue Lagune“ ist schon weit zu sehen, nämlich in Form des weißen
Dampfes, der in dicken Schwaden aus ihr empor steigt. Diese weißen Dämpfe
sind allerdings weniger natürlichen Ursprungs, so wie auch die ganze Lagune.
Die entstand nämlich erst dadurch, dass man hier ein Kraftwerk errichten
wollte, das Erdinnere anzapfte – und dabei eher ungewollt auch das heiße
Wasser an die Oberfläche sprudeln ließ.
Bei
der Anfahrt zur „Blauen Lagune“ passiert man schon einige Wasserläufe,
die auf den ersten Blick vereist aussehen, bei denen auch die Steine am Ufer
von einer weißen Kruste bedeckt sind. Das ist allerdings kein Eis, sondern
Silizium, das hier das ganze Wasser durchsetzt hat.
Eine
schmaler Gang führt wie eine kleine Schlucht vom Parkplatz durch das aufgetürmte
Lava zum Eingang der „Blauen Lagune“, die sich hier zunächst wie eine
„normale“, moderne Badeanstalt gibt, eine Badeanstalt mit Umkleidekabinen,
Duschräumen, Restaurant und immerhin einer halben Million Besuchern jährlich.
Der
Badebetrieb findet allerdings – ganz unabhängig von den Temperaturen – im
Freien statt. Tritt man aus dem Gebäude in das Außengelände, ist es
allerdings dort auch weit weniger kalt als man es erwarten dürfte. Und das
liegt sicherlich vor allem an dem warmen Wasser in dem großen, allerdings
nirgends tiefer als 1,50 Meter reichenden Naturbecken, aus dem auch jene Dämpfe
aufsteigen, die wir schon von weitem gesehen haben. Man kann also überall
bequem stehen – was man aber doch nicht für längere Zeit tun sollte, weil
es sonst doch extrem frisch wird.
Zum
Badebetrieb der Blauen Lagune gehört – neben einem Wasserfall – auch eine
Natursauna, betrieben durch die heißen Dämpfe aus dem Erdinneren, die
allerdings durch ein Röhrensystem in den kleinen, dunklen Saunaraum geleitet
werden. Die Dämpfe haben den Boden der Sauna so erhitzt, dass man sich an dem
durchaus die Füße verbrennen könnte.
Gegen
18 Uhr sind wir wieder auf der Küstenstraße, fahren unserem Ziel entgegen,
dem Hekla-Hotel zu Füßen des gleichnamigen Vulkans. Überraschend dabei: Bis
etwa gegen 19 Uhr haben wir sogar noch Tageslicht – und dazu einen Vollmond,
der als riesige helle Scheibe nur knapp über der Erde zu hängen scheint.
Nicht
weit von der Blauen Lagune entfernt passieren wir zunächst die Ortschaft Grindavik,
ein weit auseinander gezogenes Fischerstädtchen, eher ein Dorf mit rund 1500
Einwohnern – aber für diese Größe einem erstaunlich großen Sportstadion.
Hinter
Grindavik ist die Straße durch die Lavalandschaft, immerhin eine der
Hauptrouten Islands, vorübergehend nicht mehr asphaltiert. Damit gilt nun Tempo 80 Km/h als Höchstgeschwindigkeiten,
aber auch die sollte man mit einem normalen Wagen hier besser nicht ausfahren.
Es
ist eine menschenleere Gegend, die wir nun zunächst passieren. An einem
Aussichtspunkt in der Nähe des Meeres, markiert durch zu „Trollen“ aufgehäuften
Steinen, legen wir einen kurzen Stop ein. Nur ein einsames Haus steht auf dem
Lavafeld an der Küste.
Je
mehr wir uns Selfoss nähern, desto landwirtschaftlicher
wird die Region. Wir sehen Schafherden und Ponys auf der Weide – und
manchmal sogar schwachen Grasbewuchs und kleine Bäume.
Begegnung
mit einem Polarfuchs, der von der Straße weg eilig in Richtung der dunklen
Berge läuft: Das Tier ist völlig weiß – was gerade auf dem schwarzen
Untergrund keine wirklich gute Tarnung ist.
Selfoss
ist die Landwirtschafts-Stadt in Süd-Island, ein Ort, der sich um eine Brücke
herum gebildet hat und sich dann innerhalb von hundert Jahren zu einer – für
isländische Verhältnisse – regionalen Metropole entwickelt hat. Hier gibt
es Supermärkte, Lokale – aber nun am Abend sieht man dennoch keinen
Menschen mehr auf der Straße.
Gleich
hinter der Stadt beginnt wieder die Lavalandschaft, und an manchen Stellen
steigt der Dampf aus der Erde. Schließlich,
es ist längst dunkel, haben wir unser Hotel, das zur Gruppe „Farm-Urlaub in
Island“ gehörende Hekla-Hotel erreicht.
Montag,
5. Oktober 2009: Hekla-Hotel – Hjalparfoss – Landmannaleid – Lodmundur
– Landmannalaugar
Welcher
von den Bergen, die man weit weg von unserem Hotel aus sieht, mag denn nun die
Hekla sein, jener Vulkan, den man früher auch als „Tor
zur Hölle“ bezeichnete? Ginge es nach dem Aussehen, könnte man sich für
das zwar flache, aber in die Länge gezogene und zerborstene Massiv
entscheiden, das von seiner Form her noch am ehesten als „Tor zur Hölle“
anzusehen wäre. Aber Hekla heißt übersetzt „Haube“ - und tatsächlich ist die Hekla jene ganz friedlich anmutende
gleichmäßige Erhebung, mit ihrer schneebedeckten Kuppe scheinbar eher ein
Ziel für Wintersportler, ohne jede Spur eines Kraters oder Schlotes.
Jedenfalls aus der Ferne gesehen!
Auf
der Tour, die wir am frühen Nachmittag beginnen, scheint sich das Bild der
Hekla als einer freundlichen Riesin zu bestätigen. Wir fahren auf einer
asphaltierten Straße parallel zu einem Wasserlauf, neben der Straße weiden
die Schafe und die Ponys. Die Hügel spießen grün – und auf einigen Inseln
im Fluss wachsen sogar kleine Wäldchen.
Allerdings
war Island auch nicht immer so baumlos wie heute, erklärt Yon, der Guide von
der Landrover-Firma, über den Funkanlage unseren kleinen Konvoi auf. Bestimmt
gut ein Viertel der ganzen Insel waren ursprünglich vor allem von Birkenwäldern
bedeckt, die dann aber abgeschlagen wurden, weil schon die ersten Siedler
Feuerholz und auch Weideland für die Schafe benötigten. Auf kleinen
Fluss-Inseln wie hier dagegen konnten sich kleine Wäldchen halten – weil
die Schafe dorthin nie gelangten.
So
gesehen ist diese faszinierende karge Schönheit Islands zum großen Teil also
auch das Ergebnis einer von Menschen verursachten Umweltzerstörung
- wobei man nun hier und da sieht, dass es inzwischen auch Versuche
einer Wiederaufforstung gibt.
Unseren
ersten Stop legen wir am Hjalparfoss ein. Dazu
verlassen wir die Asphaltstraße, fahren über eine Geröllpiste voller
steiler Hügel – und stehen schließlich auf einem Parkplatz oberhalb eines
fast kreisrunden Sees. Über uns stürzt das Wasser von zwei Felsschluchten in
den See – wobei die beiden herabstürzenden Wasserfälle zu vereinigen
scheinen, kurz, bevor sie auf die Oberfläche treffen.
Dafür,
dass hier doch ein Wasserfall mit einigen Getöse in ihn hineinstürzt, weist
der See eine erstaunlich ruhige Oberfläche vor – und auf breiter Front und
ganz ruhig fließt das Wasser vorbei an den Felsklippen in einen eher stillen
Fluss.
Der
Wind bläst jetzt bereits recht frisch, und ohne dicke Jacken wäre es nun
trotz Sonnenschein und herrlichen Landschaftsbildes recht unangenehm.
Wir
überqueren noch zwei Dämme, die zu einem Stausee gehören, kommen dann zu
einem Schild, das daraufhin weist, dass die Weiterfahrt auf der vor uns
liegenden Piste, auf der Landmannaleid, momentan
nicht möglich sei. Das, so meint Yon, gelte aber nur für normale PKW, nicht
für unsere Landrover, eine Einschätzung, die sich etliche Kilometer als
Irrtum herausstellen wird.
Kurz
hinter dem Abzweig hat sich das Landschaftsbild schon drastisch verändert.
Hier durchfahren wir nur noch ein Feld von geborstenem Lava und Bimsstein, der
bei der letzten Eruption der Hekla im Jahr 2000 an die Oberfläche
geschleudert wurde. Zeitweise hat man den Eindruck, man durchfahre eine
endlose Kohlehalde, eine leblose schwarze Steinwüste, die nun aber von einer
immer dicker werdenden Schneeschicht bedeckt wird.
Schnee
im Oktober sei für diese Gegend allerdings völlig ungewöhnlich, meint Yon.
Normalerweise falle im November der erste Schnee, der dann aber auch nicht
lange liegen bliebe, gleich wieder schmelzen würde.
Immerhin
deutet der Schnee auf Leben in der Einöde. Neben der Piste befindet sich eine
kleinere Blutlache, umgeben von Pfotenspuren. Vielleicht stieß hier ja ein
Polarfuchs auf seine Beute.
Irgendwann
ist die zugeschneite Strecke durch diese absolute Mondlandschaft auch für
unsere Rover nicht mehr befahrbar. Zwar hatten wir vorher immer wieder Luft
aus den breiten Reifen unserer Fahrzeuge gelassen, damit die statt den Schnee
zu durchfahren auf ihm „schwimmen“ können, aber irgendwann helfen auch
diese bei den klirrenden Temperaturen nervenaufreibenden Arbeiten nicht mehr
weiter. Wir müssen umkehren, zurück zu dem Ausgangspunkt, also zu dem, das
uns vor der Benutzung der Piste gewarnt hatte. Zwei Stunden hat uns dieser
Irrweg gekostet.
Nun
also fahren wir wieder auf der Asphaltstraße weiter Richtung Landmannalaugar,
einer Asphaltstraße, auf der im Sommer auch ein Linienbus verkehrt, von der
man aber jetzt nur die Spitzen der Poller, der Straßenmarkierungen sieht. Die
Straße selbst ist nämlich unter Schnee begraben.
Nach
etlichen Kilometern, vorbei an einigen wenigen einsamen Gehöften, geht es
wieder auf eine, natürlich wieder unter dem Schnee liegende Schotterpiste.
Nur ein paar große schwarze Lavabrocken schauen aus der geschlossenen weißen
Decke hervor.
Etwa
gegen 18 Uhr geht der Vollmond auf, gegen 19 Uhr versinkt die Sonne hinter den
Bergen. Faszinierend: das einmalige Blau des Himmels vor dem Sonnenuntergang,
das auch kaum durch irgendwelche Wolken getrübt wird. Wir passieren zu diesem
Zeitpunkt gerade den Stausee Hrauneyalón und die Region Lodmundur.
In
der Dunkelheit überqueren wir zwei mal einen flachen Flusslauf. Das Wasser
des Flusses dampft. Dabei hat es sich angeblich auf vielleicht zehn Grad abgekühlt
– ist aber damit immer noch zehn Grad Celsius wärmer als die Luft.
Gegen
20 Uhr erreichen wir Landmannalaugar. In der Nähe
der warmen Quellen stehen auf einem von Hügeln umgegebenem Plateau die
Baracken, die der isländische Wanderverein als Ausgangspunkt für
Gletschertouren hier errichtet hat. Im Sommer bringt der Linienbus die
Wanderer bis hierher – die sich dann auf die gut 50 Kilometer lange Strecke
über den Gletscher bis zur Südküste begeben.
In
der Haupthütte essen wir unseren Lammbraten, danach nehmen einige noch ein
Bad in der heißen Quelle, und nach 22 Uhr treten wir die Rückfahrt an. Es
ist schon eine Uhr früh, als wir wieder in unserem Hotel ankommen.
Trotz
der inzwischen bitteren Kälte sind die Islandpferde immer noch auf ihren
Weiden.
Dienstag,
6. Oktober 2009: Gullfoss – Haukadalsheidi – Geysir – Laugarvatn –
Thingvellir – Reykjavik
Nach
unserem Aufbruch um 9.30 Uhr kommen wir bei unserer Tour zunächst in nördliche
Richtung, vorbei an einem Ort namens Fludir, ziemlich schnell in eine
landwirtschaftlich intensiv genutzte Region. Hier zeigt sich Island als eine
grüne Insel mit satten Weiden, großen Schaf- und Pferdeherden – und sogar
Rinderherden bekommt man hier zu sehen.
Nach
vielleicht einer halben Stunde haben wir unser erstes Ziel, den Gullfoss
erreicht. Sicherlich gibt es höhere Wasserfälle als den Gullfoss. Und es
gibt auch breitere Wasserfälle. Aber es dürfte schwerlich einen zweiten
Wasserfall geben, der so verschiedene Formen des Fallens liefert wie dieser.
Dabei
erscheint der Gullfoss zunächst wie ein längsseitiges Dreieck, dem man sich
selbst von der schmalen Spitze aus nähert. Denn zu den weiteren
Besonderheiten des Gullfoss gehört, dass man sich dem Fall tatsächlich bis
auf wenige Meter nähern kann.
Dazu
geht es vorbei an einem kleinen Denkmal für Sigrid von Bratthold, jener
Bauerntochter, die in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts den Wasserfall
davor bewahrte, für den Bau eines Kraftwerkes zerstört zu werden. Ihr Vater
hatte nämlich als Eigentümer des Landes den Wasserfall zu genau diesem Zweck
an die Regierung verpachtet. Die Tochter, die den Wasserfalls stets als ihren
besten Freund bezeichnete und wohl regelmäßig ihre gesamte freie Zeit an
seiner Seite verbrachte, zog deshalb zwei mal zu Fuß nach Reykjavik,
erreichte dann tatsächlich, dass die Regierung auf den Bau des Kraftwerkes
verzichtete. Nun steht der Gullfoss unter Naturschutz, und Sigrid von
Bratthold gilt als so etwas wie die Ahnherrin des Naturschutzgedankens auf
Island. So geht jedenfalls die Geschichte, die Yon zum besten gibt, der dazu
auch noch zu berichten weiß, dass die gute Sigrid wohl wegen ihrer übergroßen
Liebe zum Wasserfall zeitlebens unverheiratet blieb.
Also
vorbei am Denkmal für die Naturschützerin führt der Weg an jener Schlucht
entlang, in die der Fluss seinen zweiten Sturz macht. Die Gischt, die dabei
die Felsen hochspritzt, hat die Grasbüschel und Sträucher mit einer
Eisschicht überzogen, so einen fast mystisch anmutenden Eiswald entstehen
lassen.
Es
ist eine Front, von der der Fluss in den schmalen Canyon stürzt, ein Canyon,
dessen hohe Felsränder nur wenige Meter auseinander liegen. Jedenfalls kann
man aus der Nähe den Fall des Wassers nicht mehr verfolgen, sieht nur, dass
es tosend am Felsrand verschwindet.
Das
ist aber nur der Endpunkt vom Gullfoss. Bevor das Wasser nämlich in den Spalt
stürzt, hat es sich, von der oberen Stufe kommend, in einem Beckengesammelt,
jenem Becken, dem der ganze Wasserfall seine dreieckige Form verdankt.
Die
Felsformation, von der man nun sowohl auf den ersten Fall als auch auf die
tiefe Schlucht, dem Ziel des zweiten Falls schaut, wird allerdings ständig
nass gespritzt – und ist bei den Temperaturen, die wir jetzt haben, natürlich
gefährlich glatt.
Nach
dem Gullfoss-Besuch ist es Zeit für eine Geländefahrt, und zwar auf der Haukadalsheidi,
die zwischen Gullfoss und Geysir liegt. Ein Schild weist die Piste zwar wieder
als unpassierbar aus, wie schon gestern passieren wir wieder die ersten
Schneewehen – aber im Unterschied zu gestern erweist sich der Weg diesmal
doch zumindest für die Landrover als zu bewältigen.
Wir
passieren zwei Flussläufe, durchqueren eine Landschaft mit erodiertem
Lavaboden, auf dem man nun überall zur Wiederaufforstung Alaska-Lupinien
angepflanzt hat. Diese Pflanzen wurden extra dazu eingeführt, sollen sich
bisher auch bewährt haben.
Dann
eröffnet sich vor uns eine weite Prärielandschaft, eine Ebene neben der Hügelkette,
aus der wir gerade kommen, und weit vor uns schießt gerade eine Fontäne
Dampf aus dem Boden. Das ist der Geysir Strokkur,
unser nächstes Ziel.
Auf
dem Weg dorthin kommen wir aber noch doch ein kleines Waldstückchen, in dem
etliche Ferienhäuser stehen. Mit 40, sagt Yon, müsse ein Isländer, der
etwas auf sich hält, ein Sommerhaus besitzen. Und solche Sommerhäuser
errichtet man am besten dort, wo man auch einen Wald – und sei er noch so
bescheiden – findet.
Rund
um den Geysir riecht die Gegend nach Schwefel. Eigentlich bezieht sich das
Wort Geysir auf jene heiße Quelle, die bis vor einigen Jahren ihre heißen Dämpfe
und das Wasser regelmäßig bis in eine Höhe von 50 Metern heraus schoss, nun
aber wohl wegen verstopfter Kanäle im Erdinneren schon etliche Zeit inaktiv
ist. Aber immerhin hat dieser Geysir allen anderen auf der Welt seinen Namen
gegeben, liegt selbst immer noch in einem rötlich gefärbten Feld anderer,
noch aktiver Geysire, und an seine Stelle ist der Strokkur getreten, den wir
ja schon von weitem gesehen hatten.
Zwischen
zwei Ausbrüchen des Strokkur liegen mindestens fünf, aber selten mehr als 15
Minuten. Die Anzeichen eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs: Das Wasser
im Becken beginnt zu brodeln, es bilden sich Blasen, dann folgt auch schon der
Schuss, spuckt den heißen, weißen Dampf bis zu 20 Meter hoch. Danach
verschwindet das Wasser wieder im Erdboden, bis sich das Becken wieder für
den nächsten Schuss füllt.
Es
gibt eine ganze Reihe solcher Becken, unterschiedlich aktiv, und eines davon
muss wohl als Glücksbringer gelten. Jedenfalls liegen auf dem Boden zahllose
Münzen, die man allerdings nicht mehr herausholen kann. Das Wasser ist
kochend heiß.
Bei
unserer Weiterfahrt passieren wir Laugarvatn, ein
Ort, der um eine heiße Quelle innerhalb eines größeren Sees entstanden ist.
Im Grunde genommen besteht der Ort auch aus nicht viel mehr als der
Badeanstalt, einigen Geschäften, den Ferienhäusern in der Nähe – und
etlichen Schulen und Fortbildungsstätten, die hier ihren Sitz haben.
Ein
Wald an einem See, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees eine schroffe,
unendlich lange Felswand: Das ist der Nationalpark von Thingvellir,
ein Naturschutzpark und für die Isländer dazu ein historisches Monument. Vor
dieser Felswand nämlich fanden im Mittelalter die Volksversammlungen, der
Thing statt, und ein Mast mit der isländischen Flagge an der Spitze markiert
den Punkt vor dem Felsen, an dem angeblich dabei der Gesetzessprecher
gestanden haben soll.
Von
einem Aussichtspunkt an der oberen Felskante hat man den Überblick über die
gesamte Region. Unten liegt ein Wasserlauf, an dem einige Häuser und eine
Kirche stehen, vor allem aber sind es die gewaltigen Felsspalten, die sich
kolossal durch diese Landschaft ziehen. Das ist die Stelle, an der der
amerikanische und der europäische Kontinent auseinanderdriften. An unserem
Aussichtspunkt auf der Felskante stehen wir nun – geologisch betrachtet –
bereits auf amerikanischem Boden, was da unter uns liegt, gehört zu Europa.
Gegen
15 Uhr sind wir in Reykjavik, quartieren uns in
unserem Hotel am alten Flughafen, nun als Binnenflughafen genutzt, ein, fahren
dann in die Innenstadt.
Reykjaviks
Haupteinkaufsstraße, die Laugavegur, ist eine schmale Einbahnstraße, in der
man noch einige ältere Holzhäuser findet, von der Richtung Landesinnere noch
schmalere Gassen abgehen und von der aus man an jeder Straßenecke auf die
Bucht schaut. Es sind auch nicht einmal übermäßig viele Geschäfte in
dieser Straße, einige edlere Boutiquen, doch das ganze Bild wirkt eher
kleinstädtisch. In einem Restaurant auf der Einkaufsstraße wird damit
geworben, dass man hier Wal-Steak serviert.
Auf
einem Platz in der Altstadt stehen zwei Säulen, denen weißer Dampf
entweicht, wohl zwei Stelen zu Ehren der Geothermie. Fast unmittelbar gegenüber
ist in einem winzigen Holzhaus eine Kunstgalerie untergebracht. Das Haus
stammt noch aus dem 19. Jahrhundert, ist damit das älteste Haus der ganzen
Stadt.
Ein
kurzer Besuch im nahe gelegenen Siedlungs-Museum: Besonders viele Exponate
werden hier nicht gezeigt, lediglich einige Werkzeuge, unter anderem aus
Walfischknochen, Reste der ältesten Mauer, die auf Island errichtet wurde.
Vor allem soll das Museum in Animationen das Leben der ersten Siedler
veranschaulichen, ein Leben, das vor allem von der Landwirtschaft bestimmt
war.
Gegen
18 Uhr trifft unsere Gruppe im Hilton-Hotel mit dem isländischen Unternehmer
und Wirtschaftsingenieur Thomas Möller und dem Schriftsteller Einar Caráson
zusammen. Interessant, an welche Zukunftsperspektiven die Isländer arbeiten!
Der Ingenieur projektiert, so erzählt er, gerade eine Pipeline, durch die
eines Tages frisches Trinkwasser von Islands Gletscherflüssen nach Europa
gepumpt werden soll, ein Projekt, das, so meint er, innerhalb von 20 Jahren
realisiert werden könne.
Und
der Schriftsteller rüttelt an dem Bild, das wohl vor allem die Deutschen von
den Isländern haben: Ein etwas verschrobenes Volk im hohen Norden, das wie im
Mittelalter noch fest an Trolle und Feen glaubt. Er, so Caráson, habe
jedenfalls fast sein ganzes Leben auf Island verbracht, glaube nicht an Feen
und Trolle – und habe auch noch nie einen Isländer getroffen, der daran
glaubt.
Nach
dem Meeting unternehmen wir noch eine kurze Stadtrundfahrt, vorbei zum
Beispiel an dem modernen Sportstadion, das 1972 international bekannt wurde
durch die Austragung der Schachweltmeisterschaft zwischen Bobby Fischer und
Boris Spassky und an dem – absolut bescheidenen – Gästehaus der
Regierung, wo sich Ronald Reagan und Michael Gorbatschow trafen. Treffpunkt
zwischen Ost und West – dieses Bild von sich scheint den Isländern wohl
lieber zu sein als das Bild der trollgläubigen Nordmänner.
Mittwoch,
7. Oktober 2009: Keflavík
Um
5.30 Uhr verlassen wir unser Hotel, sind nach einer Stunde Fahrt wieder am
Flughafen von Keflavík. Auf dem Flughafen herrscht absoluter Hochbetrieb.
Doch dieser Eindruck täuscht, so, wie auch der Eindruck bei unserer Ankunft täuschte.
Denn tatsächlich starten alle Maschinen nach Europa zu so früher Stunde,
fast zur gleichen Zeit – so, wie die Maschinen aus Europa auch fast alle zur
gleichen Zeit ankommen. Mit den Maschinen von und nach Amerika wird es sich
dabei nicht anders verhalten.
Wir
fliegen jedenfalls pünktlich um 7.30 Uhr zurück – und der Flughafen kann für
einige Zeit wieder in seinen Ruhezustand fallen.
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