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der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Die Reiseziele
und beschriebenen Orte: Tromsö
mit Lyngsfjord,
Tomakdal
und Polarmuseum,
Longyearbyen
(auf
Spitzbergen) mit Svalbard Museum,
Hundeschlittenfahrt
im Adventstal,
Svalbard Willmark,
sowie
Oslo
mit Munch-Museum,
Akershus-Festung,
Rathaus
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Montag,
17. November 2008: Tromsø – Tamokdal
Beim
Anflug auf Stockholm scheint die Landschaft unter uns fast noch
herbstlich zu sein, teilweise sogar sommerlich: Die Wälder haben
inmitten des Grün zwar ihre kahlen Stellen, aber von Winter ist
noch keine Spur.
Eine
Stunde später herrscht über Oslo ein ähnliches Bild – nur,
dass es hier wohl weniger Wald gibt, dazu auch schon hier und da
etwas Schnee liegt. Nur, dass es kurz nach 16 Uhr bereits dunkel
wird,, lässt die fortgeschrittene Jahreszeit erkennen.
Und
dann Tromsø: Wir fliegen in einen
Schneesturm hinein, der für die Einheimischen vermutlich aber
kaum mehr als ein Schneewind ist, und man hat den Eindruck, dass
die Flugbahnen des Airportes spiegelblank sind.
Die
Stadt rund 65.000 Einwohner zählende Stadt Tromsø liegt, wie
auch der Flughafen, auf der gleichnamigen Insel. Ungewöhnlich:
Weite Teile der Stadt bzw. der Insel sind untertunnelt, und auch
wir fahren nun durch das Tunnelsystem, in dem es sogar
Kreisverkehre gibt, zu unserem Hotel, dem Rica Ishavshotel. Das
befindet sich direkt am Hafen, wo wir später in der Nacht
noch ein Schiff der Hurtigrouten sehen werden.
Nach
dem Einschecken im Hotel, inzwischen ist es 19.40 Uhr, geht es
etwas über eine Stunde mit dem Kleinbus zunächst über die Tromsø-Brücke
nach Süden ins Landesinnere, in das Camp von Lyngsfjord
Adventure. An der Station werden wir in Empfang genommen, zusätzlich
eingekleidet mit weiteren Socken, einem Thermo-Overall, Stiefeln
– und das heißt das Abenteuer für unsere Gruppe: eine nächtliche
Fahrt mit dem Hundeschlitten.
Fünf
Hunde ziehen dabei einen jeweils mit zwei Menschen besetzten
langen Holzschlitten, einer der Passagiere sitzt, sogar relativ
bequem, vorn auf der Transportfläche, der andere steht hinten auf
den Kufen. Vermutlich kann man den Schlitten auch lenken, aber wie
das geht, wird uns im Schnellkurs nicht beigebracht. Wir lernen
nur, dass derjenige, der auf den Kufen steht, zum Abbremsen einen
Fuß auf das am Boden bzw. im Schnee schleifende Plastikstück
setzt, er sich für eine Vollbremsung mit beiden Füßen auf das
eiserne Gestänge stellt, und, wenn man eine Drehung des
Schlittens nach links will, man sich nach rechts lehnt und
umgekehrt. Doch die Hunde kennen ja den Weg – und am wichtigsten
für uns sind die Bremsmanöver.
Tatsächlich
steckt eine enorme Kraft in so einem Hundegespann. Bevor es
losgeht, sind die Tiere ständig am Heulen, wobei nicht so recht
klar ist, ob das vor Freude oder vor Angst ist. Einige Hunde
springen, so gut es das Gespann zulässt, immer wieder hoch, wohl,
um die vorderen Gespanne zu sehen – und auf Kommando geht es
dann wirklich rasant ab.
Aber
wirklich diszipliniert sind die Hunde wohl auch nur im Beisein
eines wirklichen Hundeführers. Die beiden hinteren Tiere unseres
Gespannes verbeißen sich während der Fahrt während eines
heftigen Kampfes ineinander, trennen sich erst, als einer der
Hundeführer hinzukommt. Obwohl wir fast ständig auf der Bremse
stehen, fällt unser Schlitten zudem drei mal um, weil die Hunde
immer wieder, statt den eingefahrenen Weg zu nehmen, abseits in
den hohen Schnee wollen.
Von
der Landschaft sieht man während der Fahrt nicht all zu viel: Als
wir gegen Ende unserer Tour ein freies Feld überqueren, sind in
der Dunkelheit einige Berge auszumachen – und dem Namen Tomakdal
nach befinden wir uns ja auch in einer Talebene.
Das
Tomak Camp, oberhalb eines kleinen Flusslaufes gelegen, wo wir
unser Abendessen nehmen, ist eine im Stil der Samen – die
finnische Grenze ist ungefähr 20 Kilometer entfernt –
errichtete Zelt-Siedlung, Indianerzelten nicht unähnlich – und
durch das auf dem Herd brennende Feuer im Inneren ist es auch
wohlig warm, allerdings auch ziemlich rauchig. Unser Abendessen
besteht aus einem an Kartoffelsuppe erinnernden Eintopf mit
Rentierfleisch.
Nach
dem Abendessen geht es wieder zurück zu unserem Hotel in Tromsø,
wo wir kurz vor ein Uhr früh ankommen.
Dienstag,
18. November 2008: Tromsø – Longyearbyen, Spitzbergen
Gegen
neun Uhr früh schließlich kann man die Lichtverhältnisse als
etwas ähnliches wie Dämmerung bezeichnen. Auf der dem Hafen
gegenüberliegenden Seite erkennt man die Eismeerkirche, das
herausragende Bauwerk der anderen Seite der Stadt.
Wir
bleiben allerdings in der Altstadt. Um neun Uhr werden wir mit dem
Bus aus dem Hotel abgeholt, fahren am Hafen entlang, passieren die
alten hölzernen Kaufmannshäuser auf der „Landseite“, die
ehemaligen „Fischerhäuser“ auf der Seeseite – und sind nach
einem kurzen Stück Weg, immer noch im Hafenbereich, am Polarmuseum,
untergebracht in einem hölzernen Fischerhaus aus den 1830’er
Jahren.
Neben
dem roten Gebäude sind einige Harpunen ausgestellt, und um Jagd,
wenn auch nicht so sehr um die Waljagd, geht es dann auch im
Polarmuseum.
Im
ersten Stockwerk sind historische Polarszenen nachgestellt, zum
Beispiel gleich als erste Szene „Jäger auf Spitzbergen bei
ihrer Hütte“. Alle Gerätschaften sind auf dem Flachdach
gelagert, zum Beispiel die Schlitten, damit der Eisbär sie nicht
zerstören kann. Die Nahrungsmittel dagegen sind an der Hauswand
aufgehängt, weil die nach einem Eisbärenbesuch zur Not neu
beschafft werden könnten. Die Hütte selbst besteht aus zwei Räumen.
Man betritt sie durch den Flur und Vorratsraum, dahinter kommt das
kleine Wohn- und Schlafzimmer mit einem zweistöckigen Bett.
Andere
Szenen befassen sich mit der Rentier- und auch der Robbenjagd. Die
Nordnorweger halten das Erschlagen von Robbenbabys durchaus für
eine humane und zulässige Jagdmethode, weil dem Tier ja bereits
beim ersten Schlag das Genick gebrochen würde. Außerdem zu
sehen: Präparierte Eisbären, Moschusochsen, Polarfüchse.
Das
obere Stockwerk des Museums ist unterdessen den Expeditionen von
Roald Amundsen und Fridtjof Nansen gewidmet, vor allem aber Roald
Amunsen, der hier zwar nicht geboren wurde, aber längere Zeit in
Tromsø lebte und von hier seine Polarexpeditionen startete. Zu
den Exponaten gehören die kleine, schwarze Schreibmaschine, die
Amunsen bei seinen Expeditionen bei sich führte, eine Dresdener
„Erika“, Briefe, die Amundsen und auch Nansen geschrieben
haben.
Nach
dem Besuch des Museums geht es durch die Stadt zurück zum
Flughafen. Bei so einer kleinen Stadtrundfahrt bekommt man
durchaus auch einen Eindruck von der nicht einmal neuen
Internationalität von Tromsø.
Gleich
neben dem Polarmuseum befindet sich das angeblich älteste Kino
Europas, heute vor allem für Filmfestivals genutzt. Ebenfalls in
der Nähe, aus Holz gebaut, die Tromsøer Kathedrale, die nördlichste
evangelische Kathedrale der Welt. In den Bürgerhäusern der
schmalen Hauptstraße befindet sich ein Lokal, ein Club neben dem
nächsten, und verlässt man die Innenstadt, zeigt sich Tromsø
als Kultur- und Bildungsstadt. Da gibt es ein großes, neu
gebautes Theater, diverse Universitätsgebäude, aber auch die
Mack-Brauerei, eine im frühen 19. Jahrhundert von einem Deutschen
gegründete Brauerei – und ihr gegenüber ein früheres
Bierlokal, das ursprünglich der Treff der Polar-Fahrer gewesen
ist.
Eine
Besonderheit außerhalb der Stadt: der kleine „Strand“ von
Tromsø, wo sich auch um diese Jahrszeit noch jeden Freitag gegen
17 Uhr die so genannten Eis-Bader treffen.
Kurz
nach 12 Uhr mittags fliegen wir von Tromsø weiter nach Norden,
nach Spitzbergen, und etwa ab 13.30 Uhr befinden wir uns dann in der Dunkelheit. Es scheint
absolute Nacht zu sein, als wir kurz darauf auf dem Flughafen von Longyearbyen
landen.
Am
Hafen vorbei geht es mit dem Bus zu unserem Hotel, einem SAS
Radisson. Die Lufttemperatur beträgt um einiges unter 20 Grad
Celsius.
Am
Nachmittag erfahren wir bei einem Treffen mit den Vertreterinnen
von „Spitzbergentravel“ einiges über den Tourismus auf dieser
in norwegisch „Svalbard“ genannten Inselgruppe, die zwar von
Norwegen verwaltet wird, aber eben nicht zu Norwegen gehört, mit
ihren 64.000 Quadratkilometern Fläche eineinhalb mal so groß wie
Dänemark ist und ungefähr 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt
liegt.
Immerhin
schon 1807 wurde hier die erste Unterkunft für Reisende
eingerichtet, 1896 folgte aber erst das erste Kreuzfahrtschiff.
Das erste Hotel gab es dann bereits im Jahr darauf, nämlich 1897.
Von 1950 bis 197 gab es schließlich einen regelrechten
Spitzbergen-Tourismus, der allerdings vor allem die Eisbären-Jäger
anlockte. Inzwischen hat die Inselgruppe im vergangenen Jahr über
30000 Besucher gehabt – und kommen die meisten hierher, nicht um
Eisbären zu schießen, sondern um sie in der freien Natur zu
erleben.
Mittwoch,
19. November 2008: Longyaerbyen
Um
neun Uhr vormittags, bei absoluter Dunkelheit, beginnt unsere
Stadtrundfahrt durch das rund 2000 Einwohner zählende
Longyearbyen. Unsere erste Station ist die Svalbard Galerie,
gelegen in der so genannten „Neustadt“, gegenüber den Wohnhäusern
der Studenten, ein Museum für moderne arktische Kunst.
Ausgestellt sind vor allem Bilder eines norwegischen Künstlers,
der sich in seinen Werken vor allem mit den Lichtverhältnissen
auf Spitzbergen befasst, Licht, das geprägt wird von der
Reflexion von Schnee und Eis, vom Polarlicht.
Persönlich
interessanter finde ich allerdings die Sammlung alter Landkarten.
Zwar handelt es sich nur um Reproduktionen, aber historisch
reichen sie zurück bis ins Ende des 16. Jahrhundert, in die Zeit,
als Spitzbergen 1596 vom niederländischen Seefahrer Willem
Barents entdeckt wurde. Erstaunlich, wie die frühen Kartographen
doch bereits ein ziemlich genaues Bild der polaren Inselgruppe
festhielten!
Historisch
nicht minder interessant, wenn auch nicht so ästhetisch, sind die
hier ausgestellten Geldscheine, angefangen im Wert von zehn Øre
bis zu Tausend Kronen. Schließlich war Spitzbergen einmal das
Gebiet der Kohleförderung, und diese, von der Kohle-Gesellschaft
ausgegebenen Scheine, waren bis in die siebziger Jahre des 20.
Jahrhunderts in Umlauf.
Bei
der Fahrt zur Universität sehen wir nun überall die Reste der
Kohleförderung: Da ziehen sich die Förderbänder entlang der
Straße, und das an einen Ölbohrturm erinnernde Gebilde, das ich
gestern für ein Denkmal gehalten hatte, ist zwar auch ein
Industriedenkmal, war aber ein ganz normaler Bestandteil dieses Fördersystems.
Die Besonderheit auf Spitzbergen in Sachen Denkmalpflege nämlich:
Alles, was vor 1941 gebaut wurde, steht unter Denkmalschutz.
Das
neu errichtete Universitätsgebäude – 350 Studenten sind hier
erfasst - steht wie praktisch alle Häuser auf Spitzbergen auf
Stelzen. So kann man auch auf dem Permafrost stabil bauen.
Unser
Ziel ist das in der Uni untergebrachte Svalbard
Museum, ein Museum über die Lebensbedingungen und die Ökologie
der Arktis sowie der Besiedlung der Inselgruppe. Den größten
Teil der Ausstellung nehmen die Exponate der einheimischen
Tierwelt ein, Robben, Wale, Vögel, ein erst vor wenigen Jahren
geschossener Eisbär. Dazu sind die Ausrüstungsgegenstände der
frühen Walfänger ausgestellt, das Werkzeug der Pomoren,
sibirischer Jäger, die im 18. Jahrhundert nach Spitzbergen kamen.
Nach
dem Museumsbesuch geht es kurz vor 12 Uhr, das ist die
„hellste“ Zeit des Tages, zum Eisbären-Schild am Stadtrand
von Longyearbyen. Dieses „Verkehrsschild“, das so an jedem
Ortsausgang zu finden ist, gilt nun
für ganz Spitzbergen, das allerdings nur ein Straßennetz
von nicht einmal 50 Kilometern hat. Dafür dürfte es sich aber um
eines der am häufigsten fotografierten Verkehrsschilder der Erde
handeln.
Ebenfalls
am Ortsausgang liegt eine der Hundestationen. Die Huskys sind hier
vor ihren Hütten angekettet, es gibt ein größeres
Freilaufgehege, Zwinger – und natürlich ist das ganze Gelände
von einem hohen Zaun umgeben. Mitunter sollen nämlich in der Nähe
der Hundestation auch schon Eisbärenspuren entdeckt worden sein.
In
der Ferne sieht man dazu noch weitere Lichter: Das ist die
„Grube Nr. 7“!, die Kohlegrube, die noch immer in Betrieb ist
und auch die 25000 Tonnen Kohle liefert, die Longyearbyen selbst
jedes Jahr verbraucht.
Nach
dem Fotoshooting geht es wieder zurück zur Uni, wo wir uns einen
Vortrag über die Entstehung der Polarlichter anhören. Auch, wenn
wohl viele Fragen nach wie vor ungeklärt sind, weiß man doch,
dass Polarlichter ein Ergebnis des Sonnenwindes sind, sie durch
die Elementarteilchen entstehen, die die Sonne ständig mit einer
Geschwindigkeit von 400 Kilometern pro Sekunde ausstößt, die
dann auf das Magnetfeld der Erde stoßen. Dank eines Satelliten,
den man genau in der Bahn dieser Elementarteilchen stationiert
hat, lassen sich Erscheinungen von Polarlichtern nun mit einer
„Vorwarnzeit“ von 40 Minuten vorhersagen. Und: Da die
Polarlichter mit den Aktivitätsphasen der Sonne – eine Phase
meint ein Intervall von 11 Jahren - zu tun haben, weiß man auch,
dass 2010/2011 eine Hochphase an Polarlicht-Erscheinungen sein
wird, während wir aktuell eher weniger Polarlichter haben.
Dennoch
werden wir noch Polarlichter beobachten können.
Gegen
14 Uhr werden wir zur Hundeschlittenfahrt
abgeholt. Wie in Tromsø werden auch hier fünf Hunde vor einem
Zwei-Mann-Schlitten gespannt – wobei wir hier die Hunde selbst
anspannen sollen. Die machen zwar einen extrem wilden Eindruck,
bellen und springen uns an, aber das ist tatsächlich ein Zeichen
von Sympathie und Freude. Ein Husky, der einen Menschen akzeptiert
hat, hat alle Menschen akzeptiert, und so lassen
"unsere" Hunde auch unsere vermutlich eher ungeschickten
Versuche zu, ihnen das Geschirr überzustülpen und dann an die
Leine des Schlittens zu binden, wobei der Leithund nach vorne
kommt, die Hunde dann auch noch mit einer Extraleine mit ihrem
jeweiligen Gespann-Partner verbunden werden.
Unsere
Fahrt geht über eine weite Ebene, die das Tal von Longyearbyen,
das Adventstal, bildet. In der Ferne leuchten auf einem Berg die
Lichter der „Grube Nr. 7“, in der Dunkelheit sind die Umrisse
der Berge auszumachen.
Es
ist eine eisige Fahrt, bei der der Hauch meines eigenen Atems
immer wieder meine Brille beschlägt, auf der sich dann sofort
eine Eisschicht bildet, und obwohl ich von der Station dicke
Gummistiefel mit einer zusätzlichen Wärmeeinlage bekommen habe,
schmerzen die Zehen richtig vor Kälte.
Doch
den Hunden scheint das nichts auszumachen. Die legen auf dem doch
ziemlich ebenen Boden im Tiefschnee ein atemberaubendes Tempo vor,
und der Schlitten lässt sich hier – im Vergleich zu unserer
Tour in Tromsø – relativ einfach steuern.
Über
uns hat sich ein absolut klarer Sternenhimmel, ohne Wolken, ohne
jeden Dunst ausgebreitet, ein Sternenhimmel, der auch am Boden
noch etwas Licht zu geben scheint. Und schließlich sehen wir ein
Polarlicht. Zunächst glaubt man, eine Wolke zu sehen, aber für
Wolken ist es hier natürlich viel zu kalt. Und Wolken schimmern
auch nicht so grün-bläulich, wie milchiges Glas, das, warum auch
immer, auf einmal zerfließt. Und während wir das Polarlicht
beobachten, geht neben diesem Polarlicht auch noch eine
Sternenschnuppe herunter – gleich zwei Himmelsattraktionen
gleichzeitig.
Ein
noch imposanteres Polarlicht bekommen wir wenige Stunden zu
Gesicht. Gegen 19 Uhr werden wir zu einem Ausflug in den „Svalbard
Willmark“ abgeholt, einige kleine Hütten ein paar Kilometer
von Longyearbyen entfernt, gelegen im Adventstal, eine Station,
von der aus die bis 14-tägigen Hundeschlitten-Touren über
Spitzbergen starten.
Das
Polarlicht erstreckt sich nun über fast die Hälfte des Himmels,
bildet zwischen den Sternen immer wieder neue Formen, dreht und
windet sich, fast so wie ein lebender Organismus, etwa eine
gigantische Qualle. Und:
Dieses Polarlicht verdient auch von der Intensität her diesen
Namen, bringt tatsächlich Helligkeit in diese ewige Nacht.
Beim
Abendessen erzählt uns Karl, der Betreiber der Svalbard Willmark,
Geschichten aus der Arktis. Er selbst ist einige Jahre zur See
gefahren, diente dann in der norwegischen Marine, arbeitete einige
Jahre als Ingenieur in den Kohleminen von Spitzbergen – und
baute dann um 1990 sein Wildpark-Zentrum auf. Dazu gehören nun 80
Schlittenhunde, mit denen Karl mit seinen Gästen auf 14-tägige
Spitzbergen-Expeditionen geht, und dazu gehört eben auch die
Barents-Villa, in der wir unser Abendessen einnehmen.
Dieses
Holzhaus ist, so erzählt Karl, ist eine exakte Nachbildung der Hütte,
in der Willem Barents und seine Männer 1596/1597 ihren Winter auf
Spitzbergen verbringen mussten. Nachempfunden war die aus den
Schiffsplanken errichtete Original-Holzhütte eigentlich den
Behausungen der Samen, ausgestattet mit einem Vorraum, den jeder
passieren musste, der in den eigentlichen Wohnraum wollte, ein
Wohnraum, der beherrscht wurde von der Feuerstelle. Von den 17
Mann, die am Bau dieser ersten Hütte auf Spitzbergen beteiligt
waren, kehrten allerdings nur elf nach Holland zurück. Die
anderen überlebten diesen ersten Überwinterungsversuch nicht.
Nachbildungen der Degen und Lanzen, mit denen die Entdecker
Spitzbergens auf Jagd gingen und sich auch gegen Eisbären wehren
mussten, zieren nun die Wände der Barents-Villa – doch
dramatischer als Eisbärenangriffe war für die Männer wohl die Kälte.
Eine Dicke von bis zu 15 Zentimetern erreichte die Eisschicht an
den Holzwänden, und zwar innerhalb des Raumes. Und das hat sich
auch beim Nachbau nicht geändert: setzt man sich mit dem Gesicht
zur Feuerstelle, hat man es vorne warm, während der Rücken kalt
bleibt.
Erfolgreicher
in ihrem Überlebenskampf waren da die vier Pomoren, die im 18.
Jahrhundert sechs Jahre auf der Insel aushaltern mussten, dabei
nicht mehr als eine Axt und ein Gewehr mit zwölf Patronen bei
sich hatten. Ein Beweis, so glaubt Karl, dass man zum Überleben
in der Arktis nicht viel mehr als den entsprechenden Lebenswillen
benötigt.
Donnerstag,
21. November 2008: Longyearbyen – Oslo
Ich
nutze den freien „Vormittag“ für einen Bummel durch die
Stadt: Allerdings besteht die Innenstadt aus nicht mehr als einer
parallel zur Hafen- und Industriestraße verlaufenden Fußgängerzone.
Die kann man sich im arktischen Sommer gut als Promenade
vorstellen, mit Kaffees, in denen die Menschen sogar draußen
sitzen, da in norwegischen Restaurants absolutes Rauchverbot gilt,
mit Andenkensgeschäften, die nun – es ist gegen 10 Uhr –
allerdings meist noch geschlossen haben und Läden für zollfreien
Einkauf. Auffällig ist ein größerer Holzbau, das
„Polar-Hotel“, und das Denkmal im Zentrum dieser Fußgängerzone,
ein Denkmal, das einen Minenarbeiter darstellt.
Gegen
14 Uhr fliegen wir zurück nach Oslo, wo wir, nach einer
Zwischenlandung in Tromsø, gegen 19 Uhr landen. Mit dem
Shuttlebus fahren wir in eines der Flughafenhotels.
Freitag,
22. November 2008: Oslo
Gegen
neun Uhr fahren wir zurück zum Flughafen, deponieren dort unser
Gepäck, nehmen dann den Schnellzug nach Oslo. Die Fahrt zum
Osloer Hauptbahnhof dauert 21 Minuten, doch die Hin- und Rückfahrt
kosten umgerechnet immerhin stolze 40 Euro.
Der
Platz um Oslos Hauptbahnhof ist eine einzige Baustelle, und selbst
die Osloer Kathedrale ist ganz und gar von Bauplanen umhüllt.
Aber wenigstens ist das alte Bahnhofsgebäude, ein gelber
Prachtbau im klassizistischen Stil, den Blicken noch nicht
verborgen.
Zwei
U-Bahnstationen entfernt, am U-Bahnhof Tøyen, befindet sich das Munch-Museum.
Das Museum für den immerhin bekanntesten norwegischen Maler, ein
modernistischer Flachbau aus Glas, Stahl und Beton, liegt in einem
Umfeld, in dem man nicht unbedingt Kunst und Kultur erwarten würde.
In unmittelbarer Nachbarschaft liegen Sozialbauwohnungen im Stil
der 50-er und 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts – aber auch der
Botanische Garten liegt wohl nicht sehr weit.
Die
Einlasskontrollen ins Museum sind vergleichbar mit den
Sicherheitskontrollen am Flughafen – seit dem letzten Gemäldediebstahl
ist man hier wohl ziemlich vorsichtig. Neben einer Vielzahl von
Munch-Gemälden gibt es momentan auch noch eine Werkschau zum
Munch-Aufenthalt Ende des 19. Jahrhunderts sowie einen Raum, in
dem die Kolossal-Gemälde des Künstlers, die er im Auftrag meist
norwegischer Schulen oder Universitäten schuf, restauriert
werden. Diesen Raum kann man allerdings zwar vom Eingang aus
ansehen – darf ihn aber nicht betreten.
Nach
dem Museumsbesuch fahren wir zurück zum Hauptbahnhof, machen uns
zu Fuß auf Richtung Hafen. Auch der Bahnhof liegt unmittelbar am
Wasser – und so ist der Weg zum Hafen, den man die ganze Zeit über
im Auge hat, sofern man nicht in die Stadt einbiegt, gar nicht zu
verfehlen. Wir kommen an der alten Börse vorbei, , am Büro der
Fred-Olsen-Reederei – und erreichen schließlich den Eingang zur
Akershus-Festung.
Kommt
man von der Hafenpromenade macht diese Festung zunächst keinen
besonders imposanten Eindruck;
wäre da nicht das Hinweisschild, würde man das Gelände
vielleicht gar nicht erst betreten. Das erste Haus, was man sieht,
ist ein zwar massiver, aber eher einfallsloser rötlicher
Backsteinbau, vielleicht eine alte Unterkunft für Soldaten. In
der unmittelbaren Nachbarschaft stehen kleine Gebäude, die so
auch an einer Dorfstraße zu finden sein könnten. Folgt man dann
dem Hauptweg, könnte man auch tatsächlich den Eindruck gewinnen,
gerade durch ein Dorf zu spazieren – bis hin zum von einer Wiese
überwachsenen Dorfplatz. Tatsächlich ist auf diesem Gelände
aber immerhin ein Teil des norwegischen Verteidigungsministeriums
untergebracht!
Hinter
dem „Dorfplatz“ liegt die Mauer, die den mittelalterlichen
Kern von Festung und Schloss umgibt – und der Ausgang aus dem
Gelände führt uns direkt in das Herz der Altstadt Oslos, mit
ihren verwinkelten Gassen und kleinen Plätzen, mit Bürgerhäusern
noch aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Und
nach einem kurzen Spaziergang haben wir dann auch den Hafen und
das Rathaus erreicht. Dieses Rathaus, in dem alljährlich der Friedensnobelpreis verliehen
wird, ist ein recht massiver roter Backsteinbau, ein Zweckbau ohne
alle Verzierungen, dreigeteilt, bestehend aus einem etwas
niedrigeren Mittelteil und zwei in die Höhe gebauten Komplexen
links und rechts.
Der
davor liegende Teil des Hafens wird momentan vor allem als
Yachthafen genutzt, und von einer Anhöhe aus sieht man weit
hinaus auf den Fjord von Oslo.
Wieder
durch die Altstadt, vorbei am Grand Hotel und dem gegenüberliegenden
Parlament, geht es noch ein Stück durch die Fußgängerzone zurück
zum Hauptbahnhof, ein Weg, den man zügig in einer halben Stunde
laufen kann.
Kurz
nach ein Uhr mittags jedenfalls sind wir wieder unterwegs zum
Flughafen um unseren Rückflug anzutreten.
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