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Beschriebene
Orte und Sehenswürdigkeiten: Pukova II
- Newskij-Prospekt
- Newa - Wassiljewskij-Insel
- Petrograder Seite
- Smolnyj-Komplex
- Christi-Auferstehungskirche „Auf dem Blute“
- Michaelsschloss
- Nikolaus-Marine-Kathedrale
- Puschkin
mit dem Katharinenhof,
Gostinyj Dwor
- Haseninsel
mit Peter-und-Paul-Festung - Eremitage
und Winterpalast - Isaak-Kathedrale
- Mikhailovsky-Theater
- Peterhof
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Freitag,
26. Juni 2009: St. Petersburg mit Pukova II, Isaak-Platz,
Newskij-Prospekt, Newa
Gegen
16.30 Uhr Ortszeit – zwei Stunden weiter als unsere mitteleuropäische
Zeit – landen wir auf dem eher kleinen Flughafen Pukova
II. Die Maschinen bleiben hier noch auf dem Rollfeld stehen
und man wird mit dem Bus zum Terminal gebracht.
Es
ist ein verhältnismäßig kleiner Flughafen mit einer ziemlich
chaotischen Gepäckausgabe. Es gibt kaum Gepäckbänder, die sind
teilweise falsch ausgewiesen, und während wir darauf warten, dass
unser Gepäck da anrollt, wo es der Anzeige nach anrollen müsste,
steht es längst im Flughafengebäude herum, bis wir es eher zufällig
entdecken.
Und
dann warten wir über eine Stunde vergeblich auf unseren Transfer,
bis wir schließlich für 700 Rubel, ein Euro hat 43 Rubel, ein
Taxi zu unserem Hotel nehmen.
Es
ist eine extrem breite Straße, die vom Flughafen nach St.
Petersburg hineinführt, eine Allee mit fünf Fahrbahnen in jede
Richtung, der Moskowskij-Prospekt. Die Häuser repräsentieren den
sozialistischen Prachtbau-Stil der 50-er und 60-er Jahre des 20.
Jahrhunderts, und hier werden wohl zumindest die Vorderfronten der
Gebäude auch ordentlich in Schuss gehalten. Schließlich
passieren wir das Denkmal für die „Helden des Großen Vaterländischen
Krieges“, ein hohe Säule, umgeben von heldenhaften
Rotarmisten-Skulpturen, alles auf einem eigenen großen runden
Platz, hinter dem dann auch schon bald die Altstadt anfängt, in
der auch unser Hotel, das Petro Palace, liegt. Etwa eine halbe
Stunde dauert unsere 17 Kilometer lange Fahrt vom Flughafen zum
Hotel.
Ein
erster längerer Orientierungsspaziergang von unserem Hotel, die
Anschrift lautet Malaya Morskaya Ulitsa 14, führt zunächst zum
Isaakplatz mit der Isaak-Kathedrale, deren beeindruckende Kuppel
wir schon von unserem Hotel aus gesehen haben. Ganz für sich
alleinstehend muss diese Kathedrale tatsächlich bombastisch,
alles erschlagend wirken – hier, mit all den anderen
Kolossalbauten in der Nachbarschaft, zum Beispiel dem Marienpalast
auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes, erscheint selbst
diese gewaltige Kathedrale fast „normal“.
Einige
Umwege nehmend gelangen wir nach einem kleinen Fußmarsch zum Newskij-Prospekt,
der, den direkten Weg genommen, von unserem Hotel eigentlich keine
zehn Gehminuten entfernt ist. Der wohl imposanteste Bau
direkt an der Petersburger Hauptstraße ist die
„Kathedrale der Mutter Gottes von Kasan“, etwas zurückversetzt
von der Straße mit einem eigenen Vorplatz, ein halbrunder
Arkadenbau, etwa dem Petersplatz in Rom nachempfunden. Doch jetzt
dient der Rasen vor den Arkaden vielen der Spaziergänger, die
sich noch auf dem Newskij-Prospekt tummeln, als Liegewiese.
An
der Brücke über den Gribodejowa-Kanal werben die Veranstalter
von Bootstouren für ihre Fahrten, und von hier aus sieht man auch
die Kuppeln der Christi-Auferstehungskirche „Auf dem Blute“,
auch Blutkathedrale genannt, mit seinen Zwiebeltürmen ein ganz
und gar russisch-orthodoxer Bau, was für Petersburg eher ungewöhnlich
ist.
Unser
Bummel über den Newskij-Prospekt führt weiter bis schließlich
Antischkow-Brücke über die Fontanka. Obwohl – oder vielleicht
auch weil - es schon spät am Abend ist, es dabei aber noch immer
taghell scheint, herrscht auf dem Newskij-Prospekt Verkehr wie zur
Rushhour. Und dabei springen vor allem die Stretch-Limousinen ins
Auge, von denen einige, in schwarz und weiß, mit verdunkelten
Fenstern, die Straße auf und ab fahren, offensichtlich auch auf
Ausschau nach zahlungsfähigen Fahrgästen. Kontrast: auf dem Bürgersteig
sitzen Rentnerinnen und Versehrte, versuchen, Heiligenbilder oder
anderes zu verkaufen, und an den Straßenrestaurants, von denen es
aber nur wenige gibt, werden Gäste von Straßenkindern
angebettelt.
Wir
kommen am Gostinyj Dwor, einem in einem zweistöckigen ehemaligen
Palast untergebrachten Kaufhaus vorbei, entdecken ganz in der Nähe,
kenntlich an der Gedenktafel an der Fassade, ein Haus, in dem von
1893 bis 1895 Lenin entweder wohnte oder arbeitete, an dem
Buchladen im Singerhaus, der sich über Mangel an Kunden auch um
diese Uhrzeit nicht beklagen kann, wobei die meisten Kunden das
Geschäft als Lesesaal zu nutzen scheinen, am Denkmal von
Katharina II, sind dann an der Fontanka mit der Anitschkow-Brücke,
wegen der sie schmückenden Figuren auch „Pferdehalter-Brücke“
genannt.
Und
immer noch zu Fuß geht es zurück Richtung Newa und Admiralitätspalast
– wobei die wie ein Mast aus der Kuppel des Palastes
herausragende Spitze immer den Weg weist.
Es
geht inzwischen auf Mitternacht zu, ist dennoch nicht dunkel, aber
immerhin so dämmerig, dass der Admiralitätspalast – wie auch
die anderen Paläste – angestrahlt wird, nun in einem grünlichen
Farbspiel schimmert.
Vorbei
an „Generalität“ und Winterpalast laufen wir nun das nur noch
kurze Stück zur Uferpromenade an der Newa, wo
sich inzwischen eine regelrechte Volksfeststimmung ausgebreitet
hat. Die Menschen stehen dichtgedrängt um Feuertänzer,
Imbissbuden, Musikgruppen, die hier liegenden Restaurantschiffe
sind bis auf den letzten Platz besetzt, auf der Newa selbst
sammeln sich die kleinen Boote, Ausflugsschiffe, drehen dazu auch
einige Jetski-Fahrer ihre Runden. Auf der anderen Seite der Newa,
rund um die ebenfalls angestrahlte Akademie, scheint es dagegen
ruhig zu sein – und allmählich ist auf der Newa-Brücke auch
kein Auto mehr zu sehen.
Dann
gegen 1.25 Uhr, werden die Brücken der Newa hochgezogen, zieht
die nun versammelte Armada an Schiffen unter den geöffneten Brücken
hindurch, hat die Volksfeststimmung einer Petersburger Weißen
Nacht ihren Höhepunkt erreicht. Mehr oder weniger langsam löst
sich die Menge auf, für einige Stunden herrscht Ruhe.
Samstag,
27. Juni: St. Petersburg mit Wassiljewskij-Insel, Petrograder
Seite, Smolnyj-Komplex, Christi-Auferstehungskirche „Auf dem
Blute“,
Michaelsschloss, Nikolaus-Marine-Kathedrale,
Puschkin mit dem Katharinenhof, Kanal-Fahrt und
Gostinyj Dwor
Unsere
Stadtrundfahrt, zu der wir pünktlich vom Hotel abgeholt werden,
startet um 9.30 Uhr. Unser erstes Ziel ist wieder die
Isaak-Kathedrale, die wir dabei allerdings nur umfahren, dabei vor
allem die mächtigen Granitsäulen bewundernd, die, so Elena,
unsere Reiseleiterin, damals beim Bau in den 40-er Jahren des 19.
Jahrhunderts innerhalb von 45 Minuten aufgerichtet wurden.
Vor
dem Marienpalast steigen wir kurz für einen Foto-Stopp aus dem
Wagen, ich mache dabei auch noch eine Aufnahme vom Reiterdenkmal
von Nikolaus I, ein eher überdimensioniertes und für meinen
Geschmack zu allegorisches
Denkmal, dessen Besonderheit aber darin liegen soll, dass das
ganze Gewicht auf einem einzigen Punkt lastet, also schon eine
technische Meisterleistung ist. Der Marienpalast wird nun zwar von
der Stadtverwaltung genutzt, aber jetzt am Samstag Vormittag
herrscht hier kaum Betrieb, und auch der Parkplatz ist fast völlig
frei - so, wie man übrigens
fast immer noch überall in der Innenstadt von St. Petersburg noch
einen freien Parkplatz finden kann.
An
der Admiralität, Generalität und Winterpalast vorbei fahren wir
über die Brücke auf die Wassiljewskij-Insel,
legen hier unseren zweiten Stopp an den beiden Rostrasäulen ein.
Das sind zwei rotbraune Säulen, mit den nachgemachten
Vorderteilen von Schiffen verziert, die einst als Leuchttürme für
die Einfahrt in den Hafen von St. Petersburg dienten. Und, wie wir
im Laufe des Tages noch sehen werden, werden sie immer noch ab und
an mit einem offenen Feuer auf der Spitze als Leuchttürme
genutzt. Zunächst aber, aus der Nähe betrachtet, ist diese
Funktion der Rostrasäulen nicht so ohne weiteres erkennbar.
Hier
von der Streika, wie dieser Uferplatz auf der Wassiljewskij-Insel
heißt, aus gesehen erscheint die Newa weniger wie ein Fluss als
vielmehr wie ein großer See mit Buchten und eben auch mit
Inseln.
Wir
verlassen die Wassiljewskij-Insel, wo gleich neben den Rostra-Säulen
auch noch das klassizistische Gebäude der Börse steht, fahren
auf die so genannte Petrograder Seite,
vorbei an der Blockhütte, in der in der Gründungsphase der Phase
der Stadt Peter der Große gewohnt haben soll – wobei man von
dieser Blockhütte allerdings nichts sieht. Die befindet sich nun
zum Schutz vor der Witterung innerhalb eines Ziegelbaus, der
allerdings ebenfalls nicht sonderlich imposant ist. Verglichen mit
den in Petersburg üblichen Palästen muss, wenn die Legende
stimmt, Peter der Große in den ersten Petersburger Monaten tatsächlich
wie ein Bauer gehaust haben.
Bei
der Weiterfahrt passieren wie die roten Befestigungsmauern rund um
die Haseninsel auf der linken, das Gelände des Militärmuseums,
mit seinen schon zur Straße hin ausgestellten Geschützen und
sogar Raketen, kommen zum ehemaligen Hochseehafen, wo nun einige
Restaurantschiffe liegen, man auch eine
Blick auf die Aurora werfen kann, den am Ufer festgemachten
Panzerkreuzer, dessen Kanonenschuss 1917 das Signal zur
Oktoberrevolution gab.
Unser
nächstes Ziel ist das Liteini-Viertel, das alte Gießerei- und
Teer-Viertel, der industrielle Teil des zaristischen St.
Petersburges. Hier machen wir am Smolnyj-Komplex
Station, ein ehemaliges in Blau und weiß gehaltenes Kloster mit
einer eher filigranen Kathedrale als Zentrum, einem verspielten
Bau, der mit seinen Türmen und Kuppeln auch einige
russisch-orthodoxe Elemente aufnimmt. Auf die innerhalb eines
Park- oder Gartengrundstücks gelegene Smolnyj-Akademie, in der während
der Oktoberrevolution der Petersburger Sowjet tagte, können wir
allerdings nur bei der Vorbeifahrt einen kurzen Blick werfen.
Denn
erst einmal stehen noch die Christi-Auferstehungskirche
„Auf dem Blute“, das Michaelsschloss und als
Nikolaus-Marine-Kathedrale auf unserem Tagesprogramm.
Die
Auferstehungskirche, auch einfach „Blutkirche“ genannt,
errichtet zur Erinnerung an Zar Alexander II, der an dieser Stelle
einem Attentat zum Opfer fiel, ist gerade teilweise eingerüstet,
kann wegen der Bauarbeiten nicht betreten werden. Also bleibt nur
ein Blick auf die bunten Zwiebeltürme, vergoldete Kuppeln und
Heiligenbilder an der Fassade.
Da
wirkt der Hof des in rosa gehaltenen Michaelsschlosses fast schon
wie ein schmuckloser Profanbau – woran auch der
Zaren-Darsteller, der gerade eine Reisegruppe durch das Tor
schleust und sich dabei fotografieren lässt, nichts ändert. Tatsächlich
sind es gerade nur wenige Besucher, die es hier vor allem zum
Denkmal des auf einen Thron sitzenden und ziemlich grimmig
dreinschauenden Peter des Großen zieht.
Rekonstruktionsarbeiten
laufen gerade auch an der Nikolaus-Marine-Kathedrale mit ihrem einzeln
stehenden, an einen Schiffsmast erinnernden Turm mit vergoldeter
Spitze. Aber man kann die Kathedrale immerhin betreten – und
erlebt dabei gerade einen orthodoxen Gottesdienst. Der
Andachtsraum ist durch eine Kordel vom Besucherraum abgetrennt,
und dort stehen die Gläubigen um den bärtigen Priester herum.
Der Priester liest eine Litanei, lässt sich zum Abschluss dann
von den Gläubigen die Hände küssen.
Nun
geht es zum Shopping in eines der teureren Andenkenläden, dann über
den Moskowskij-Prospekt
hinaus aus Moskau, Richtung Puschkin. Seinen Ausbau verdankt der
Moskowskij-Prospekt übrigens dem Grundgedanken sowjetischer
Stadtplanung, das Petersburger – hier eigentlich: das
Leningrader Zentrum – von den alten zaristischen Palästen hin
Richtung Moskau zu verlagern. Mit der noch aus der Zarenzeit
stammenden Siemens-Fabrik, heute wieder eine
Siemens-Niederlassung, hatte man ja bereits einen industriellen
Kern, mit dem Mega-Bau des Stadt-Sowjets, davor dem gewaltigen
weiten Platz und dem Lenin-Denkmal wollte man ein neues Zentrum
schaffen. Der gewaltige Bau steht heute ziemlich trostlos da, der
Platz und das Lenin-Denkmal wirken verwaist – kein Zentrum, was
die Menschen tatsächlich irgendwie anziehen könnte, eher ein
abschreckendes Beispiel sowjetischer Bauplanung.
Wie
trostlos die auch noch im kleinen ist, sehen wir dann am Beispiel
einer Wohnsiedlung in Puschkin. Schmucklose Bauten, der eine dem
anderen gleich, stehen aneinandergereiht an der Straße, an der
man aber keine Geschäfte oder anderes sieht. Das ukrainische
Gartenlokal, in dem wir nun zu Mittag essen, kommt für die
Bewohner dieser Stadtrandsiedlung wohl kaum infrage: Denn die können
sich zum großen Teil für ihre Fenster nicht einmal Gardinen
leisten, und manche Fenster sind auch noch mit Zeitungspapier
gegen Blicke von außen geschützt.
Eine
etwas schmalere Straße führt nun in das alte Puschkin, vorbei
zunächst an den Ruinen schlossähnlicher Bauten, mindestens aber
die Herrenhaus-Bauten großer Gutshöfe. Das waren allerdings die
Stallungen für die ausgemusterten Lieblingspferde des Zaren,
sozusagen der Alterssitz für verdiente und hochstehende
Vierbeiner. Viel mehr als die Fassaden ist von dieser
Pferde-Pracht aber nicht übrig geblieben – und es scheint
beinahe, als würde man sie weiter dem Verfall preisgeben.
Wir
schauen noch in eine kleine Kirche, die gleich neben dem
Puschkin-Denkmal steht, gehen dann zum Katharinenhof, eine weitläufige
Anlage, die mit ihren Blumenbeeten geradezu verspielt wirkt, ein
überdimensionales, in Blau-Weiß-Tönen gehaltenes Lustschloss,
umgeben von einem halbrund errichteten einstöckigen Anbau, der
wie eine Vielzahl gleichförmiger Pavillone wirkt.
Der
Haupteingang führt zu einem pompösen Treppenhaus in Weiß,
vermutlich aus reinstem Marmor, wir kommen an einem luxuriösen
Speisesaal vorbei, in dem gerade für die Abendgesellschaft anlässlich
der Marine-Ausstellung gedeckt wird – und stehen dann in der
Rekonstruktion des Bernsteinzimmers, im Vergleich zu den anderen Räumen
des Schlosses eines eher kleineres Zimmer, aber eben voll und ganz
mit verzierten Bernstein-Arbeiten ausgestattet.
Das
Original-Bernsteinzimmer war allerdings nicht der einzige Teil des
Katharinenhofes, der im Krieg zerstört wurde. Überall im Schloss
hängen Fotos vom Zustand des Schlosses, wie es die NS-Truppen
beim Vormarsch der Roten Armee zurückgelassen haben – und es
gab praktisch keinen Raum, in dem es noch mehr gab als die
nackten, ebenfalls teilweise zerstörten Wände. Der ganze
Katharinenhof, wie wir ihn heute sehen, ist eigentlich eine
Rekonstruktion, von der nach dem Krieg nicht viel mehr als die Außenmauern
standen.
Zurück
in St. Petersburg machen wir zunächst, nun außerhalb unseres
gebuchten Stadtbesichtigungs-Programms, vom Gribojedow-Kanal aus für
200 Rubel pro Person eine Kanal- und Flussfahrt auf der Mojka und
schließlich auf der Newa. Allerdings wird der Erlebniswert dieser
Bootsfahrt immer durch einen heftigen und auch kalten Regen getrübt.
Bei
unserer Bootstour fährt das Schiff zunächst auch unter Brücken
hindurch, bei deren Passage man aber besser ohnehin nicht auf Deck
steht. Hier ist bei der Durchfahrt gerade man Platz für die
Schiffshöhe selbst, aber auch kaum mehr. Ziemlich schnell kreuzen
wir dann auch schon auf der Newa. Auf den Rostra-Säulen wurden
die Leuchtfeuer entzündet, und wir werden Zeugen eines
Feuerwerkes an den aufgeklappten Newa-Brücken. Auf der Mojka geht
es dann vorbei am Isaak-Platz und der Eremitage wieder zum
Startpunkt an der Brücke des Newskij-Prospektes.
Am
Newskij-Prospekt statten wir nun noch dem Gostinyj Dwor einen
Besuch ab. Der zweistöckige Arkadenbau mit seiner Galerie im
oberen Stockwerk ist dabei im eigentlichen Sinn kein richtiges
Kaufhaus, vielmehr ein Einkaufszentrum mit einer Vielzahl von
Geschäften, die hier aber keine abgetrennten Läden, sondern
meist nur einen oder auch mehrere Verkaufsstände haben, ganz wie
bei einem überderdachten Markt. Allerdings sind das hier natürlich
schon etwas edlere „Marktstände“, ausgerichtet auf
wohlhabendere Russen und Touristen. Es gibt Schmuck,
Bernstein-Arbeiten in allen Größen, teure Textilien, kaum etwas,
was sich ein russischer Normalverdiener leisten könnte. Man sieht
momentan hier aber auch nicht all zu viele Kunden.
Das
Wetter bessert sich nicht wesentlich, und am späten Abend gibt es
auch noch ein Gewitter.
Sonntag,
28 Juni: St. Petersburg mit Haseninsel und Peter-und-Paul-Festung,
Winterpalast und Eremitage, Isaak-Kathedrale, Mikhailosky-Theater
Es
regnet zwar nicht mehr, aber der Himmel ist immer noch bewölkt,
und es hat sich auch deutlich abgekühlt. Für die Marathon-Läufer,
die jetzt in Petersburg ihr Rennen machen, mag das auch ganz gut
sein – für uns bedeuten die deswegen vorgenommenen
Absperrungen, dass unsere Stadtrundfahrt in einem Stau beginnt.
Statt der vielleicht sonst üblichen 15 Minuten brauchen
jedenfalls eine Stunde, bis wir die Haseninsel
mit der Peter-und-Paul-Festung erreicht haben.
Wir
gehen über eine kleine Holzbrücke, die das Festland mit der
Newa-Insel verbindet, laufen dann noch ein Stück an der roten
Mauer entlang, passieren schließlich das Haupttor, stehen nun im
Festungsgelände, das praktisch die gesamte Fläche der Insel
bedeckt.
Auf
der rechten Seite des Haupteinganges befindet sich das Gebäude
der alten Münze von St. Petersburg, ihr gegenüber, links vom
Eingang, die Peter-und-Paul-Kathedrale mit ihrem spitz zulaufenden
vergoldeten Turm, den man weit über die Newa sieht.
Von
innen erinnert diese russisch-orthodoxe Kathedrale in ihrer Anlage
stark an eine katholische Kirche, nur, dass es hier Ikonen statt
der üblichen Heiligenbilder gibt und die Sitzbänke fehlen. In
orthodoxen Kirchen dürfen sich die Gläubigen schließlich nicht
setzen, was selbst für den Zaren gilt. Der hat hier zwar seinen
eigenen, durch das rote Tuch mit dem Doppeladler ausgewiesenen
eigenen Platz, aber eben auch nur einen Stehplatz.
Gar
nicht zu einer orthodoxen Kirche passen allerdings die 33
Sarkophage für die insgesamt 33 Zaren und Großfürsten, bis auf
die von Alexander II und seiner Frau alle in weißem Marmor
gehalten. Nach der
orthodoxen Lehre müssen die Toten nämlich in der Erde bestattet
werden. Der Kompromiss, den man hier fand: Die Sarkophage sind
leer – darunter befinden sich die richtigen, in die Erde
gebuddelten Gräber.
Neben
der Kirche befindet sich das Haus des Kommandanten, einige weitere
Gebäude und eine Rasenfläche, die, wie Elena erzählt, früher
als Tanzplatz bezeichnet wurde. Hier mussten Soldaten, die
bestraft werden sollten, über Glasscherben oder glühende Kohlen
laufen, eine Tortur, die wohl auch nicht alle überlebt haben dürften.
Nicht
überlebt haben auch in jedem Fall die Gefangenen, die in den Gewölben
unterhalb der Festungsmauer, am „Tor des Todes“ eingekerkert
waren. An der Mauer sind die Wasserstände der Newa in den Jahren
mit Überschwemmungen markiert. Wer da das Pech hatte, im Kerker
zu sitzen, ist in seinen Ketten ertrunken. Wer überlebte, verließ
die Festung durch das zur Newa führende „Tor des Todes“, um
entweder zum Hinrichtungsort gebracht oder zur Verbannung nach
Sibirien verschifft zu werden. Das letzte, was ein solcher
Gefangener von St. Petersburg sah, war in jedem Fall auf der
anderen Seite des Flusses der Winterpalast.
Während
wir uns auf den Rückweg machen, wird auf der Festungsmauer der
Abschuss einer Kanone vorbereitet. Um 12 Uhr mittags soll die
abgefeuert werden, und der Befehl zum Abschuss, so Elena, kommt
heute immer von Astronomischen Zentrum bei Pukova, so dass der
Zeitpunkt des Abschusses auch wirklich exakt für die gesamte
Zeitzone als 12 Uhr kann.
Wir
sind schon ein gutes Stück von der Festung entfernt, als dann der
Schuss fällt, aber er dröhnt noch immer gewaltig in den Ohren.
Diesen Böller kann man auch noch bis weit über die Newa deutlich
hören!
Gegen
12.30 Uhr sind wir an der Eremitage, später als geplant, aber
immer noch so rechtzeitig, dass wir wie geplant über den Eingang
für voraus gebuchte Reisegruppen passieren können. Zum Glück!
Später sehen wir im Innenhof die Fortsetzung der Schlangen, die
sich an der Kasse gebildet haben. Wer hier anstehen muss, wartet
sicherlich schon mehr als eine Stunde, ehe er überhaupt eine
Eintrittskarte kaufen kann.
Zwei
Stunden sind für den Eremitage-Besuch einkalkuliert, eine
Zeitspanne, in der man nicht einmal einen Bruchteil der
Treppenaufgänge, Galerien und Säle des Winterpalastes
durchstreifen kann.
Was
von so einem Sprint durch die Kunstsammlung in Erinnerung bleibt,
ist beispielsweise eine goldene Pfauenuhr, eine überlebensgroße
Figurengruppe mit einem aus Gold gefertigten Pfau im Zentrum und
ausgestattet mit einem Uhrwerk, das man auch noch durch die schützende
Glasvitrine ticken hört.
Und
neben den Tizians, Rembrands und all den anderen Gemälden, die
hier nach ihren Herkunftsländern geordnet sind, wobei jedes Land
noch seinen eigenen Saal hat, fällt vor allem ein antik-ägyptischer
Gang auf, die originalgetreue Kopie einer entsprechenden Galerie
im Vatikan.
Ein
Saal schließlich präsentiert in eher kleinen Gemälden die Porträts
aller russischen Generäle während der napoleonischen Kriege, ein
anderer Saal ist geschmückt mit Kronleuchtern, die die Wappen der
alten russischen Rayons tragen. Es gibt Gänge, die mit Gobelins
behangen sind – und schließlich den fast leeren und gerade
deshalb so bombastisch wirkenden Thronsaal mit dem auf roten Samt
stehenden Zarenthron als einzigem Möbelstück.
Von
der Eremitage laufen wir, nun nach Beendigung unseres gebuchten
Rundfahrt-Programms, zur Isaak-Kathedrale, lösen für jeweils 120
Rubel die Tickets für die Besteigung der Aussichtsplattform und für
300 Rubel für das Museum im Inneren der Kathedrale, zu
Sowjetzeiten als Museum für Religionen und Atheismus
eingerichtet, nun nur noch Museum für Religionen und teilweise
auch als Kirche genutzt.
Die
Wendeltreppe, die zur Plattform um die Kuppel herum führt, zählt
201 Stufen – und bis ganz nach oben kommt man nur, wenn man
schlank genug ist, den letzten schmalen Durchgang zu passieren.
Beim
Rundgang auf der Aussichtsplattform sieht man dann tatsächlich über
die ganze Stadt, zunächst auf den Marienpalast mit der
Stadtverwaltung, eine Vielzahl von Palästen und Anlagen, die wir
bisher noch gar nicht gesehen hatten, schließlich auch über die
Newa und, ziemlich weit entfernt, die Hochhäuser einiger
Trabantenstädte.
Dann
geht es in das Innere der Kathedrale – wo der Besucher zunächst
einmal von der Gewalt der Ausmaße fast erschlagen wird. Gewaltig
on ihren Ausmaßen sind die Darstellungen der Heiligen, sind die
Dimensionen des Raumes – und vor allem dann die der Kuppel, die
sich hoch über der Anlage wölbt.
Ein
kleiner Seitenraum, wobei die Bezeichnung „klein“ hier relativ
zu sehen ist, ist für die Gläubigen abgeschirmt.Hier darf
gebetet, aber nicht gefilmt oder fotografiert werden. Dennoch
scheinen auch die Gläubigen wie alle anderen für den Besuch
Eintritt zahlen zu müssen.
Am
Abend sind wir im Mikhailovsky-Theater, gelegen in einer Nebenstraße
des Newski-Prospektes, sehen dort Tschaikowskys Ballett „Dornröschen“.
55 Euro hat eine Eintrittskarte gekostet.
So
stellt man sich ein historisches Theater vor! Weiße Holzstühle
mit rotem Polster sind zu ordentlichen Sitzreihen verschraubt, in
der Mitte hinten befindet sich eine große Loge, die bei Bedarf
auch von einem Vorhang verdeckt werden kann, und die Bühne selbst
scheint natürlich auch von einem schweren, roten Vorhang
verdeckt, der aber, wie man bei genauem Hinsehen feststellt, aus
Brandschutzgründen nur aufgemalt ist.
Die
Vorführung selbst ist natürlich ebenso traditionell wie das
ganze Flair dieses Theaters: mit farbenprächtigen Kostümen für
die Tänzerinnen und Tänzer, mit einer kunstvoll gemalten Kulisse
mit Märchenschlössern und Märchenlandschaften.
Bis
kurz vor 23 Uhr dauert die Vorführung – und in St. Petersburg
ist es immer noch taghell.
Montag, 29. Juni 2009:
Peterhof, die St. Petersburger U-Bahn
Vor
der Eremitage, fast direkt neben der Brücke, liegt die Station
der Schnellboote, die von hier zum rund 30 Kilometer entfernten
Peterhof fahren. Eine Fahrkarte für die Hin- und Rückfahrt für
die je halbstündige Tour kostet 700 Rubel.
Nicht
weit von der historischen Innenstadt entfernt passieren wir
Petersburgs Industriehafen. Hier liegen keine schmucken
Passagierschiffe sondern rostige Frachtkähne, stehen am Ufer
nicht weniger rostige Kräne – und eigentlich sieht man auch
kaum irgendwo Betrieb.
In
der Nähe des Industriehafens erheben sich graue Wohnblöcke, die
eintönigen Hochhausblöcke meist ohne Balkon, alles in allem ein
tristes Bild des Niedergangs, das an die alte Sowjetunion
erinnert.
So
pünktlich, wie wir gestartet sind, so pünktlich legen wir auch
am Kai des Peterhofes, der von Peter dem
Großen angelegten Sommerresidenz, an. Schon weitem sieht man auf
einem Hügel das Schloss, zu dem nun ein schnurgerader Weg führt,
vorbei an einem ebenso geraden künstlichen Wasserlauf, reichlich
geschmückt mit allegorischen Figuren.
Dieser
Wasserlauf nun führt uns zu den Wasserspielen unmittelbar vor dem
Schloss, das heute wie jeden Montag für den Besucherverkehr
allerdings geschlossen ist. Also spazieren wir dafür etwas länger
durch die Parkanlage, wo überall weitere Tümpel und Wasserspiele
warten, beispielsweise an einem Säulentempel, umgeben von Löwenfiguren.
Dazu gibt es einen größeren, rechtwinkelig angelegten See mit
einem schlossähnlichen Pavillon an seinem Ufer, umgeben von einem
nun allerdings gerade leeren Wassergraben eine kleine Prachtvilla
– und jenseits der Dünen liegt die Ostsee, deren Strand vor
allem bei russischen Hochzeitsgesellschaften äußerst beliebt zu
sein scheint.
Zurück
in St. Petersburg steigen wir am Newski-Prospekt in die U-Bahn.
Zwei Minuten benötigt man, ehe man mit der dabei ziemlich
schnellen Rolltreppe die Bahngleise erreicht hat. Die Züge selbst
sind ziemlich voll, und die Stationen liegen auch verhältnismäßig
weit auseinander. Fünf Minuten benötigt man in der Regel schon
von einer Station zur nächsten. Die Bahnhöfe selbst sind
funktional, schmucklos – und nur an einem Bahnhof wird die Wand
noch von einer Lenin-Plastik geziert.
Dienstag, 30. Juni 2009: Pukova
II
Um
neun Uhr werden wir vom Hotel abgeholt, brauchen etwa eine halbe
Stunde zum Flughafen. Die Abfertigungen verlaufen problemlos –
aber ebenfalls auf ihren Flug wartende Russen erzählen uns, dass
sie eigentlich von Pukova I fliegen sollten, dort dann gerade
erfuhren, dass es doch von Pukova II abgeht, dann hierher hetzen
mussten, um den Flug auch noch zu bekommen.
Solche
Probleme haben wir zum Glück aber nicht – und pünktlich ist
unser Flieger auch.
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