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Die
Ausflugsziele, beschriebene Orte und Tauchplätze: Paphos mit
Kato Paphos, Nea
Paphos, Königsgräber,
Coral Bay,
den Tauchplätzen Manjin,
Wrack der White Star,
100-Feet-Riff,
Wrack der Achilleus,
Halbinsel
Akamas mit Polis,
Lakki, Bad der Aphrodite,
Agios Georgios Islet,
Trodos-Gebirge
mit Kloster Agios Neophytos,
Giolou,
Arminou,
rund um den Olympos,
Melikouri,
Kykkos-Kloster,
Pedhoulas
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Donnerstag, 2.
Oktober 2008: Paphos
Nach
etwa dreieinhalb Stunden Flugzeit landet unsere Maschine auf dem kleinen
Flughafen von Paphos. Es ist gegen 17 Uhr, eine Stunde weiter als in
Deutschland, und die Temperatur beträgt noch immer gut 25 Grad Celsius.
Auf
dem Weg in die Hotelregion passieren wir eine kleine Ortschaft mit Andenkenläden,
Restaurants und Appartementhäusern sowie die „industrielle Zone“ – von
der eigentlichen Stadt Paphos und dem Hafen ist allerdings nicht zu sehen.
Unser Hotel, das Paphian Bay, eine 3,5-Sterne-Anlage, verfügt über einen
eigenen Strandabschnitt, ein kleines Stück Sandstrand mit Palmen, wobei man,
um ins Wasser zu gelangen, allerdings schon Badeschuhe benutzen sollte. Denn
gleich im Wasser geht es dann doch an den meisten Stellen ziemlich steinig zu.
Mit
den Nachbarhotels, und von denen gibt es viele, ist das Paphian Bay über eine
zwar schmale, aber lange und teilweise palmengesäumte Strandpromenade
verbunden. Diese Strandpromenade führt immerhin bis zum Kastell und zum Hafen
von Paphos, nach Kato Paphos.
Freitag, 3. Oktober 2008: Paphos mit Kato
Paphos und Nea Paphos
Die
Buslinie 11 verbindet das Hotelviertel von Paphos mit dem Hafen und darüber
hinaus mit der eigentlichen Stadt und dem Markt. Der Fahrpreis beträgt, egal,
wie weit man fährt, 1,30 Euro.
Die
Fahrt bis zum Hafen dauert etwa 15 Minuten. Das überragende
Bauwerk, das man auf dem Weg zum Hafenviertel passiert, ist eine wohl
gewaltige griechisch-ortododoxe Kirche, vor der eine, allerdings schon
ziemlich ausgefranste, griechische Fahne weht.
In
diesem Viertel dreht sich aber offensichtlich alles um die Hafenpromenade. An
kleinen Ständen werden Naturschwämme verkauft, die, so jedenfalls die
Ausschilderung, von der griechischen Insel Kalymnos stammen, ein Stand bietet
Muschelarbeiten an, und überall werden Ausflüge mit dem Glasboot
angepriesen.
Am
Ende dieser Hafenpromenade voller Restaurants und Souvenirgeschäften – die
Bezeichnung Fischerhafen kann hier angesichts der Yachten und Ausflugsboote
nur noch nostalgisch gemeint sein – erhebt sich das so genannte Kastell, die
mittelalterliche Hafenfestung, deren bescheidenen Ausmaße jedoch eher für
eine wehrhafte Hafenmeisterei spricht. Dennoch: Dieses Kastell hat dem
Hafenviertel den Namen gegeben – Kato Paphos.
Am
Eingang erzählt eine Tafel von der wechselhaften Geschichte dieses Kastells:
Errichtet wurde der Bau ursprünglich im 13. Jahrhundert von den
„Franken“, also den Resten der Kreuzfahrerstaaten, dann erobert von den
Venezianern, die die Anlage schließlich sprengten, bevor die Osmanen sie
eroberten – wobei die Osmanen das dann Hafenkastell wieder aufbauten. Und so
klein, gemessen an anderen Festungsanlagen, dieses Kastell auch ist: die
osmanischen Mauern, sicherlich über zwei Meter dick, können es sicher mit
den Mauern anderer Burgen aufnehmen.
Vom
„Dachgeschoss“ des Kastells aus hat man dann einen Blick über die Bucht
von Paphos.
Und
gleich neben der Hafenpromenade, am zentralen Parkplatz, schließt sich das antike
Paphos an, das Nea Paphos, ein weites, bis ans Meer reichendes und von den
Resten der alten Stadtmauer umgebenes Areal, in dessen Mitte auf einem Hügel
ein weißer Leuchtturm aus jüngerer Zeit steht.
Am
Ende des Römischen Reiches, im vierten Jahrhundert, hatte ein Erdbeben dieses
Paphos wohl ziemlich dem Erdboden gleich gemacht, die Menschen verließen die
Region – und so hat man noch heute zunächst den Eindruck, ein trostloses
Gebiet zu betreten, in dem, für den Laien aber nicht zu deuten, die Reste
umgestürzter Mauern und Säulen herumliegen.
Wir
folgen den ausgeschilderten Weg Richtung Stadtmauer und Theater – und schon
am Theater wird dieser Eindruck vollständig korrigiert. Das Odeon ist zwar
eher klein, aber wunderbar restauriert, und wenn man sich in die Mitte des
Orchesterraumes stellt und dort spricht, hallen sämtlich Töne wieder. Selbst
die ursprüngliche Akustik des Odeons lässt sich hier erleben.
Doch
bekannter als für ihr Theater ist diese archäologische Stätte für die
Mosaiken, die in den Überbleibseln der griechisch-römischen Villen aus dem
ersten und zweiten Jahrhundert gefunden wurden. Im „Haus des Dionysos“,
benannt natürlich nicht nach dem unbekannten ursprünglichen Besitzer,
sondern nach dem zentralen, hier gefundenen Mosaik, hat man die Kunstwerke
durch eine Überdachung vor den Unbillen der Witterung und weiterer Zerstörung
geschützt – eine gewaltige Fußbodenfläche bedeckt von noch immer
farbenfrohen Mosaiken, allegorische Götterdarstellungen, ein Adler mit einer
Amazone, aber auch sehr realistischen Jagd- und Kampfszenen, mit Stieren oder
Löwen.
Das
„Haus des Aion“ bezeichnet ein anderes ebenso geschütztes, aber um
einiges kleineres Mosaik – während das „Haus des Theseus“ mit seinem
Mosaik unter freiem Himmel liegt. Gleich neben dem „Haus des Theseus“
finden sich die Reste eines privaten Baderaumes und ein Gebäude mit Säulen,
wohl die einzigen Säulen auf diesem Areal, die tatsächlich stehen und nicht
umgestürzt auf dem Boden liegen.
Zurück
zum Hotel fahren wir wieder mit dem Bus, diesmal mit der Linie 15. Der fährt
zwar exakt die gleiche Route wie der Bus der Linie 11, kostet aber statt 1,30
nun 1,50 Euro.
Samstag, 4. Oktober 2008: Paphos mit den
Tauchplätzen Manjin und dem Wrack der White Star
Ein
etwas anderer Weg zur Hafenpromenade – und schon bekommt man auch einen ganz
anderen Eindruck von dem ganzen Hafenviertel: Das archäologische Feld in
Nachbarschaft zum Kastell umschließt offenkundig nur einen kleineren Teil des
antiken Paphos: Die Ruinen, die sich hier in den engen Gassen finden, scheinen
aber aus einer späteren als der griechisch-römischen Periode zu stammen,
erinnern an kleine, aber durchaus wehrhafte Bauern- oder Fischerhäuser oder
auch wie Eingänge zu Katakomben.
Pünktlich
um 8.15 Uhr hatte mich Frank von CyDive zum Tauchen abgeholt, und mit dem
Pickup waren wir zur Basis an der Hafenpromenade gefahren, in der Nähe von
McDonalds, an einem kleinen Shoppingplatz mit Straßencafé. Noch an der Basis
machen wir uns fertig zum Tauchgang, laufen dann zum Liegeplatz des
Schnellbootes der Basis.
Verlässt
man den Hafen mit dem Schiff, stellt man fest, dass das zunächst so klein
erscheinende Kastell nur Teil eines größeren Festungskomplexes war, eines
Komplexes, der sich über die ganze Kaimauer zog, von dem aber nur das
Hauptgebäude erhalten blieb, während an die anderen Bauten nur noch wenige
massive Steine erinnern.
Etwa
40 Minuten fahren wir mit dem Boot die Steilküste mit dem von Höhlen
durchsetzten Kalkstein nach Westen, haben dann an einem Felsbrocken im Meer
unseren Tauchplatz erreicht: Manjin.
Auch
unter Wasser – es geht in eine Tiefe von gut 17 Metern - setzt sich diese
Felslandschaft fort, ist ebenfalls durchsetzt von Höhlen und Kaminen, wobei
die recht engen Höhlen aber meist nur wenige Meter Länge messen, so dass man
sie auch ohne Lampen bequem durchtauchen kann. Dies scheint ein idealer Platz
für den Einstieg in die Höhlentaucherei zu sein.
Am
Nachmittag ist dann Wracktauchen angesagt: Zehn
Bootsminuten Richtung Limassol liegt in 15 Metern Tiefe der vielleicht 30
Meter lange russische Fischkutter „White Star“ auf Grund. In den 90-er
Jahren gesunken ist er noch nicht all zu sehr überwachsen – und
erstaunlicherweise sind selbst die mächtigen Taue vorn am Bug noch intakt,
wirken, als könnten sie noch immer die schwersten Lasten halten. Durch die
offenen Luken auf dem leeren Deck kann man ebenso wie durch die seitlichen
Bullaugen einen Blick in das Innere des Kutters werfen – hineintauchen tun
wir allerdings nicht. Dazu wären die Abstiege entlang der verrosteten Leitern
zu schmal.
Rund
45 Minuten bleiben wir am Wrack, an dem sich einige, allerdings wenige Fische
angesiedelt haben – fahren dann wieder zurück nach Paphos.
Sonntag,
5. Oktober 2008: Paphos mit den Tauchplätzen 100-Feet-Riff und dem Wrack der
Achilleus
Gut
zehn Minuten mit dem Schnellboot südlich des Hafens von Paphos liegt das 100-Feet-Riff
– schlicht und ergreifend benannt nach seiner Tiefe von gut hundert Fuß,
also etwa 30 Metern.
Die
„Tiefe“ ist allerdings auch schon das so ziemlich beeindruckendste an
diesem Tauchplatz – ein grasbewachsenes Riff, durchsetzt von einigen Sandflächen.
Der
Nachmittags-Tauchgang führt uns zum Wrack der
Achilleus, die Reste eines griechischen Frachters, der „aus unerklärten
Gründen“ Mitte der 70-er Jahre kurz vor dem Hafen von Paphos explodierte.
In einer Tiefe von elf bis zehn Metern liegen nun die Überreste dieses
Frachters weit verstreut auf dem Boden. Teile des Rumpfes erheben sich dabei
wie Hügel über dem Grund, teilweise schon so bewachsen, dass man sie für
Unterwasserfelsen halten könnte, aber bei dem großen, dem zentralen Stück,
in dessen Mitte ein gewaltiges Loch wie eine höhle klafft, ist die einstige
Schiffsform noch unverkennbar.
Und
das, was von den Aufbauten übrig geblieben ist, gruppiert sich wie
Eisenbahnschienen darum herum. Faszinierend: Selbst Teile der alten Maschinen
hat es entweder bei der Explosion schon weit aus dem Rumpf herausgeschleudert
oder sie wurden im Laufe der Jahre der Strömung fortbewegt. Jedenfalls
erscheinen sie nun als bizarr geformte Korallenbrocken, die sogar kleinere
Fischschwärme anlocken.
Zurück
in der Basis berichten Frank und Carmen von einem Schiffshalter, den man vor
einigen Wochen beim Tauchen in der Coral Bay gesehen hat. Eigentlich sind
diese Schiffshalter ja immer die Begleiter eines Hais – und da das
Mittelmeer, allerdings nur an seinen wirklich tiefen Stellen, auch eine verhältnismäßig
große Population von Weißen Haien vorweist, haben dann alle bei den
folgenden Tauchgängen Ausschau nach einem Weißen Hai gehalten – der sich
allerdings nicht sehen ließ.
Montag,
6. Oktober 2008: Trodos-Gebirge – Agios Neophytos – Giolou – Polis –
Lakki (Latchi) – „Bad der Aphrodite“ – Agios Georgios Islet
Straßendörfer
mit neu gebauten Villen, daneben Baustellen, auf denen weitere Villen und
Appartementhäuser entstehen – das ist der Eindruck, den man außerhalb von
Paphos bei einer Fahrt durch die westlichen Ausläufer des Trodos-Gebirges
gewinnt. Das sind „Feriendörfer“ oder auch Dörfer von Ruheständlern –
von Leuten, die sich, wie unser Reiseleiter sagt, die Kaufpreise von 3000 Euro
für den Quadratmeter eines Eigenheimes leisten können.
Auch,
wenn die Landwirtschaft ökonomisch nur noch eine untergeordnete Rolle spielt,
ist sie aber nach wie vor präsent. Es gibt weite Felder mit Bananenstauden,
natürlich Zitrusfrüchte, Wein und auch Getreide.
Unser
erstes Ziel liegt nur wenige Kilometer nördlich von Paphos, das Kloster Agios
Neophytos, eine weitläufige, noch von elf Mönchen bewohnte Anlage zwischen
den Bergen. Von den Mönchen bekommen wir allerdings nur einen kurz zu sehen,
als er gerade auf dem Weg zur Kirche ist. Die Mönche meiden, so gut es geht,
den Kontakt zu den Touristengruppen
– auch, wenn das Kloster dabei selbst an der Küste ein großes Hotel
besitzt.
Der
Heilige Neophythos, der das Kloster gründete und ihm seinen Namen gab, lebte
in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, wirkte in der Zeit, als die fränkischen
Kreuzritter die Herrschaft über Zypern eroberten, und der Mönch Neophythos
beklagte in seinen Schriften die Unterdrückung der Einheimischen. Seinen Ruf
als Heiliger erwarb er sich allerdings durch das von ihm geschaffene
Felskloster.
Zunächst
geht es für den Besucher aber zur Kirche der Anlage, einem aus dem 16. oder
17. Jahrhundert stammendem Bau direkt neben den neuen Mönchszellen. Wie in
fast allen Kirchen ist hier das Fotografieren verboten. Neben den Ikonen, die
wie immer in orthodoxen Kirchen die Wand vor dem Altarraum schmücken, gibt es
hier noch zwei Besonderheiten. Auf der einen Seite sind an der Decke noch die
von einem Brand verschonten Fresken zu erkennen – und dann wird hier in
einem Schrein der angebliche Schädel des Heiligen aufbewahrt, eine Reliquie,
die allerdings auch nicht weiter bewacht ist – und die von den Gläubigen,
die hierher kommen, entsprechend verehrt, also auch geküsst wird.
Das
eigentliche Heiligtum des Klosters sind aber die in den weichen Fels
geschlagenen Zellen, angeblich von Neophythos selbst geschaffen – und über
und über mit Ikonen bemalt, mit Ikonen, die weitaus farbenfroher und frischer
wirken als die, die wir in der Kirche gesehen haben. Dabei sind auch diese
bemalten Höhlen eine „Kirche“, und eine kleinere Höhle schließlich soll
das ursprüngliche Grab des Klostergründers gewesen sein.
Bei
unser Weiterfahrt nach Norden machen in der Nähe der Ortschaft Giolou eine
Rast – und zwar bei einer rekonstruierten Wassermühle. Der Flusslauf, an
dem diese Wassermühle einmal ihrer ursprünglichen Bestimmung diente, führt
momentan zwar absolut kein Wasser, was allerdings auch am aktuellen
Wassermangel auf der Insel liegen mag, weist aber immer noch die Konturen
eines für hiesige Verhältnisse recht ordentlichen Gewässers auf. Und mit
den Zutaten, die hier wachsen, wird nun in einem offenen Ofen Brot gebacken,
Weißbrot mit Oliven, mit Zwiebeln, mit den unterschiedlichsten Gewürzen.
Polis
gilt zwar als eines der Verwaltungszentren Zyperns, größte Ortschaft der Halbinsel
Akamas, ist aber kaum mehr als ein hübsches Dorf, das auch eine gewisse
touristische Infrastruktur vorzuweisen hat. Wir legen hier aber keinen Halt
ein, fahren direkt weiter nach Lakki, in der deutschen
Umschreibung mitunter auch Latchi genannt, ein touristisches Zentrum an der
Bucht von Chrysochous, mit vielen kleinen und einem, allerdings entfernter
liegendem großen Hotel, mit neu entstandenen Appartements in der Nähe des
Strandes und einem durch eine Kaimauer geschützten Hafen, in dem stolze
Yachten und bescheidene Fischerboote friedlich nebeneinander liegen.
Unser
Ziel bei Lakki ist zunächst ein Naturschutzgebiet, teilweise bewachsen wie
ein richtiger Urwald auch mit gewaltigen Gummibäumen, sicherlich bis 30 Meter
hoch – und mit dem „Bad der Aphrodite“. Dieses Bad der Göttin ist
allerdings ein winziges Naturbecken, dessen Besonderheit vor allem darin
liegt, dass es selbst in Zeiten größter Trockenheit immer Wasser hat.
Nach
dem Mittagessen in einem der Hafenrestaurants unternehmen wir eine Fahrt mit
dem Glasboot entlang der Küste zur Agios Georgios Islet, einem Stück
schroffem Felsen vielleicht einen knappen Kilometer vor der Küste, machen
dann an einer von Felsen geschützten kleinen Bucht noch einen Badestopp und
fahren schließlich zurück nach Lakki.
Auf
einer Parallelroute, westlich der Straße, die wir am Vormittag genommen haben
und von der aus man auf die Halbinsel Akamas schauen kann, geht es wieder nach
Paphos.
Dienstag,
7. Oktober 2008: Trodos-Gebirge – Arminou – Olympos – Melikouri –
Kykkos-Kloster - Pedhoulas
Östlich
von Paphos, auf der Route in das Herz des Trodos-Gebirges, liegt der Stausee
von Paphos. Doch selbst der Stausee führt kaum Wasser. Zwar soll es vor zwei
Wochen kurz geregnet haben, aber das war eben bei weitem nicht genug, und allmählich
wird die Wasserversorgung zum Problem. Regelmäßig bringen die Tanker vom
griechischen Festland bereits zumindest das Trinkwasser.
Die
Dörfer, durch die wir heute kommen, sind anders als die von gestern keine
Anziehungspunkte für betuchte Ruheständler. Hier mischen sich unscheinbare,
bescheidene Ein-Familien-Häuser mit alten Bauernkaten, kleinen Kästen, die
innen wahrscheinlich nur einen einzigen Raum haben dürften, aber meist
ohnehin schon länger erkennbar leer stehen.
In
einem dieser Dörfer sehen wir zwei bunte Busse stehen, bereits Oldtimer: Früher,
so sagt die Reiseleiterin unserer heutigen Trodos-Tour, habe praktisch jedes
Dorf zumindest einen solcher Dorf-Busse gehabt, der dann etwa am Morgen in die
nächste Stadt, zum Beispiel nach Paphos, gefahren sei und die Leute am
Nachmittag zurück gebracht habe.
Heute
lohnen solche Touren nicht mehr. Und die einstigen Schulgebäude sind in der
Regel zu Treffpunkten der Alten umfunktioniert worden – und Arminou, das
Dorf, in dem wir unsere Frühstückspause einlegen, soll noch ganze 18
Einwohner zählen.
Aber
dafür verfügt das Dorf über zwei Kirchen, wobei wir die ältere, zu der
auch der Friedhof gehört, besichtigen. Die einzelnen Gräber sind alle durch
weiße Kreuze kenntlich gemacht, viele Gräber zeigen ein Foto des
Verstorbenen. Frische Blumen sieht man auf keinem der Gräber, was aber daran
liegen mag, dass man nach griechischer Tradition nur am Todestag die Gräber
verstorbener Angehöriger besucht. Das Todesdatum ist auch auf dem Grabstein
vermerkt, nie jedoch das Geburtsdatum. Allerdings steht auf vielen Grabsteinen
dennoch, wie alt die hier Bestatteten wurden – und danach haben die meisten
Dorfbewohner doch in der Regel ein Alter von weit über 80 Jahren erreicht.
Die
alte Kirche selbst ist kaum größer als eine Scheune, errichtet aus
Feldsteinen – aber auch hier wieder der Innenraum voller Ikonen. Allerdings
ist das Kreuz hier schon ziemlich verwittert – zum Gottesdienst geht man
wohl doch eher in die große Kirche gegenüber dem Kaffeehaus, direkt am
„Hauptplatz“ des Dorfes, ein Platz, in dessen Mitte ein schwarzes Denkmal
ein einen – griechischstämmigen - Dorfbewohner erinnert, der während des
Unabhängigkeitskampfes 1957 von den „Türken“ getötet wurde.
Kurz
hinter Arminou kommen wir allmählich in das Herz des Trodos-Gebirges, sehen
in der Ferne auch den Olympos, mit seinen 1950 Metern der höchste Zyperns.
Stopp
an einem kleinen Fluss: Über den bescheidenen Wasserlauf spannt sich eine
alte steinerne Brücke mit spitz zulaufendem Bogen, errichtet in der Zeit der
venezianischen Herrschaft über Zypern – damals die einzige Möglichkeit,
das Trodos-Gebirge mit Fuhrwerken zu durchqueren. Auch, wenn es sich um eine
kleine Brücke handelt – für diesen Fluss, wie er sich heute zeigt, hätte
es keiner Brücke bedurft. Und auch damals war die Brücke offenkundig auf
keinen übermäßigen Verlehr eingerichtet. Ein Reiter mag sie noch überqueren
können, ein kleiner Eselskarren vielleicht auch, aber für breitere Wagen war
diese Brücke eher die Endstation auf dem Weg durch das Gebirge.
Wir
beginnen an dieser Brücke eine kurze Wanderung: Ein Wanderweg führt den
Flusslauf entlang – und am Wegesrand wachsen etliche Pflanzen, wie es sie
nur hier gibt, zum Beispiel die „Zyprischen Alpenveilchen“. Am Flusslauf
selbst wuchert der Urwald mit Bäumen, die gewaltige Höhen erreichen – und
zwischen denen wohl auch die Pilze recht gut gedeihen. Jedenfalls sieht man
hier doch eine ganze Reihe von Einheimischen, die jetzt in den Wald auf
Pilzsuche gehen.
Nach
dem Kurzen Spaziergang geht es wieder in den Mini-Bus – und vorbei an
Melikouri, einem Bergdorf, das wie ein gewaltiges Amphitheater an die Hänge
gebaut ist, ein Dorf, das ursprünglich als „Rosendorf“ bekannt wurde,
wohl nicht nur Zypern mit seinen Blumen belieferte. An einem Berghang befindet
sich nun auch die neue, große Kirche von Melikouri – während die
„alte“, den Inschriften nach um 1880 gebaute, direkt an einer Kurve der
Straße steht.
Von
hier ist es nicht mehr weit zum Kykkos-Kloster, auch das ein mittelalterliches
Kloster, errichtet angeblich zu Ehren einer auf dem Holz des Kreuzes gemalten
Ikone – wobei aber sämtliche Bauten der Anlage aus jüngerer Zeit stammen,
zum großen Teil aus den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Neu
sind damit auch die Heiligenbilder, die die Wandelgänge um die einzelnen Höfe
schmücken oder auch der Glockenturm, der in einiger Entfernung vom Haupttrakt
an einen Berghang gebaut wurde.
Das
Kykkos-Kloster ist vermutlich nicht nur das reichste Kloster Zyperns, es zieht
auch die meisten einheimischen Besucher an. Schließlich hat hier Erzbischof
Makarios, der erste Präsident der Republik Zypern, einige Jahre verbracht,
befindet sich sein Grab auf einem Hügel ganz in der Nähe. Diese Grabstelle
hatte sich Makarios schon zu Lebzeiten ausgesucht – angeblich, weil er von
hier sowohl auf den Norden wie den Süden Zyperns schauen könne.
In
Pedhoulas legen wir eine ausgiebige Mittagspause ein – und nehmen danach das
doch ziemlich ausgedehnte, sich über mehrere Höhenlagen verteilende Bergdorf
in Augenschein. Vor etlichen Häusern sind die kleinen Vorgärten oder Höfe
„überdacht“ – mit Holzsgestängen, an denen nun die Reben reifen. Unser
Weg führt „abwärts“, zur so genannten Scheunenkirche von Pedhoulas, eine
aus Feldsteinen errichte Kirche, nicht viel größer als eine Scheune, mit
schrägem Dach aus roten Ziegeln. In der osmanischen Zeit hatte sich in diesem
Teil Zyperns diese Bauform für Kirchen durchgesetzt, weil das schräge Dach
den Regen besser abhielt – und so die Ikonen in der Kirche besser geschützt
waren.
Und
auch, wenn diese zum Welterbe zählende Scheunenkirche von außen noch so
unscheinbar sein mag – die jahrhundertealten Ikonen wären wohl eines
internationalen Museums würdig. Typisch für die Ikonen-Malerei in den
Bergdörfern:
Hier ließ sich auch der Auftraggeber, der Dorfpriester, mitsamt seinen Angehörigen
auf den Heiligenbildern verewigen.
Gleich
neben der Kirche befindet sich noch ein „Byzantinisches Museum“, auch mit
Ikonen, aber dazu auch mit einigen alten Fotos von Pedhoulas um 1900.
Ein
kurzer Besuch in einem Gewürzladen in einem der Nachbardörfer ist die letzte
Station dieses Tagesausfluges. Kurz nach 17 Uhr sind wir wieder in unserem
Hotel in Paphos.
Mittwoch,
8. Oktober 2008: Paphos mit Königsgräbern und Coral Bay
Mit
der Buslinie 15 fahren wir am Hafen vorbei zu den so genannten Königsgräbern
– dem zweiten wesentlichen Bestandteil der archäologischen Ausgrabungen von
Paphos.
Auch
die Königsgräber – tatsächlich die Gräber der wohlhabenderen Bürger von
Paphos – liegen unmittelbar am Meer, bilden heute ein weitläufiges, vor
allem aber felsiges Areal. Und in diese Felsen wurden die einzelnen Gräber
geschlagen, wobei es sich nicht um einzelne Gräber, sondern jeweils um
Grabanlagen handelt. Die bestehen aus mehrere Nischen, die Kammern, in die die
Verstorbenen hinein gelegt wurden.
Antike
Standesunterschiede überdauern Jahrtausende. Da gibt es einfache Nischen, die
über- und nebeneinander in einen Felsbrocken geschlagen wurden, wohl die Gräber
für die weniger betuchten Bürger von Paphos, und regelrechte unterirdische
„Villen“ mit aus dem Fels gemeißelten Höfen, säulengeschmückten
Eingangspforten in die einzelnen Abteilungen des Totenhauses, die dann, im
Inneren, eigene Katakomben, nun aber wieder voller einzelner Nischen bilden.
Das waren dann wohl die Familiengräber der Wohlhabenderen.
Auf
dem Rückweg steigen wir versehentlich in den Bus , der in die „falsche“
Richtung fährt – und landen so in Coral Bay, einem
fast eigenständig wirkenden turbulenten Touristenstädtchen, das sich um
einen nicht einmal sonderlich großen Sandstrand herum gebildet hat. Obwohl es
schon späterer Nachmittag ist, strömen immer noch zahlreiche Menschen zum
Strand. Für uns ist es allerdings an der Zeit, umzukehren.
Donnerstag,
9. Oktober 2008: Paphos
Bereits
um 5.20 Uhr werden wir aus dem Hotel abgeholt – und warten dann auf dem
Flughafen von Paphos über zwei Stunden auf unseren Heimflug, der aber zum Glück
pünktlich startet.
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