Award für das Trio Infernal: Die Schöne, die Bestie und der aufrechte
Held sind in aller Munde.
Die Tomahawk-Raketen auf Bagdad leuchteten zur besten
Sendezeit eine neue Ära der globalen
Demokratie ein.
Verfolgt von den puritanischen Schergen erkennt Bill
Clinton, daß ein Mann tun muß, was ein Mann tun muß, dreht sich noch einmal nach Monica
um, nimmt seinen Hut vom Nagel, spricht Mundharmonikas unsterbliches "Irgendwo wartet
immer jemand", schreitet dann hinaus, dem Schurken Saddam unerschrocken die Stirn zu
bieten und Hillary zu retten.
Vorbei die kleingeistige Zeit, in der das Private privat, das
Politische politisch und beides möglichst geheim war! Alles hat sich vor den Augen des
wachsamen Publikums abzuspielen, das am Kiosk, per Fernbedienung oder mouseclick
über den Erfolg der Show entscheidet.
Da erkennt auch der verklemmteste Moralapostel: Das gesellschaftliche
Sein stützt sich auf die Säulen von sex and crime.
Aber war unsere Wahl wirklich frei? Hatten Monica mit
Zigarre im Internet und Saddam mit Tomahawk live bei CNN wirklich gleiche Quoten-Chancen?
Und hätten wir es nicht umgekehrt lieber gesehen?
Darum fordert der
Neuköllner Provokateur: TV-Kameras
in jeden Winkel, jede Spalte des Weißen Hauses und wo auch sonst immer über das
Abendprogramm bestimmt wird!
Ins Netz gestellt: 19.12.1998
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