Quotenrichtig, weil
nach regionalem Publikumsgeschmack: Die Ballermann-Kampagne gegen den
Doppel-Paß.
Das sieht die
brodelnde Volksseele doch gern, ja da kommt Freude auf: Feuchte Blonde am Sangria-Eimer,
präsentiert von Deutsch-Mädel Ina Werner, tümelndes Bierzelt-Schunkeln und kurdische
Lichterketten vor Polizeibarrieren.
CSU-Chef Edmund Stoiber und
PKK-Chef Abdullah Öcalan wissen um heimatliche Zuschauergewohnheiten und haben sich ihren
Sendeplatz zur Primetime redlich verdient.
Die rotgrünen Sauertöpfe mögen vielleicht die besseren
Argumente haben - aber soziokulturelle Vorlesungen nach Feierabend sind nun mal ein
Quotenkiller.
Darum fordert der
Neuköllner
Provokateur: Keine Halbheiten mehr mit Doppelpässen,
weltweit freier Handel mit Staatsbürgerschaften aller Länder! Jedem die
Pässe, die er will, soviel er sich auch leisten mag!
Das Land, das da den Anfang macht, setzt modernstes
Staatsbürgerschaftsrecht und neue Maßstäbe globaler Unterhaltung.
Ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich den
Nachrichtenkanälen: Bei CNN und NTV ziehen die aktuellen Paß-Kurse real time im Laufband
durch das Bild, in Börsen-Talks stufen Chart-Analysten den Bundespaß von Halten auf
Kaufen, empfehlen kurdische Staatsbürgerschaften als wenn auch riskanten Futurewert mit
Performancechance. Und weise lächelt Altmeister André Kostolany: Denken Sie über
Rußland nach.
Focus schließlich kann mit dem Härtetest für 100
Staatsbürgerschaften im Vergleich aufwarten.
Selbst der Durchschnitts-Staatsbürgerschaftskonsument in
Neu-Dehli kommt in dieser schönen neuen Medien-Welt nicht zu kurz: In der
Samstag-Abend-Show geht's
mit Ulla Kock am Brinck statt um lumpige 100.000 Mark um 100 Pässe - und wer den Jackpot
knackt, wird dazu noch Monegasse.
Das bringt Zuschauer eben nicht nur von Flensburg bis
Vilshofen, das bringt Quote von Feuerland bis Wladiwostok.
Darum Ihr kosmopolitischen Multikultis: Denkt wahrhaft global -
und werdet endlich trendy!
Ins Netz gestellt: 20.2.1999
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