Es
gibt nur eine Chance: Gerhard Schröder hat seine, als erster Medien-Kanzler
in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einzugehen, vertan.
Wer
sich, wenn’s um die eigene Nase und die Doris geht, als humorloser
Comedy-Feind outet und beleidigt nicht mehr mit der Naddel will, wer sich
dann noch mit dem beliebten Marathon-Mann anlegt und so am Drehbuch vorbei
vom strahlenden Dynamiker zum mobbenden Fiesling mutiert, der darf sich
nicht wundern, wenn seine Popularitätswerte in den nicht messbaren Bereich
stürzen wie die letzten Zuschauerzahlen von „Talk im Turm“.
Come
back? Nach solcher Performance ausgeschlossen!
Da
kann nur ein Total-Relaunch von Skript und Darstellern das große
Reform-Projekt noch retten. Amateure raus - Medien-Profis rein!
Deshalb
fordert der Neuköllner Provokateur als Sofortmaßnahme im Namen des
globalen Fortschritts: Telekom-Chef Ron Sommer
muss Bundeskanzler werden. Da hätte die Neue Mitte endlich ihren
jugendlichen Helden voller Elan und Erfolgs-Ausstrahlung.
Was
könnte denn die Opposition schon dem markanten
Slogan „Rot-Grün. Die machen das“
von Kreuzbergs Liebling Manfred Krug entgegensetzen? Ein fiepsiges
„CDU. Hier werden Sie
geholfen“ der sich zur Quotenkillerin entwickelnden Verona Feldbusch,
vielleicht noch mit der nöligen Angela Merkel im Background?
Egal,
was aus den Renten wird - ein Kanzler Ron Sommer müsste sich um seine
Popularität nicht sorgen!
Und
wenn der Job des Präsidenten schon ans Grauhaar-Alter gekoppelt ist: Statt
Freizeit-Pastor Johannes zieht Beate Uhse ins Präsidialamt, eine Frau für
die grüne Quoten-Seele, die zudem noch weiß, wie es um den kleinen Mann
bestellt ist. Heiner Lauterbach, der sensible Macho, sorgt unterdessen für
Recht und Ordnung und Erika Berger wird erste Gesundheitsministerin mit
eigener Talk-Show.
Das
alles ersparte uns schließlich kostspielige Meinungsumfragen und peinliche
Erklärungen nach Wahldesastern. Wahre Demokratie heißt: Die Richtlinien
der Politik bestimmt, wer die Primetime-Quoten bringt.
Ins
Netz gestellt: 31.10.1999
Online: