Eine Streitschrift des Neuköllner Provokateurs - warum das Volk lieber die Politik der starken Sprüche will und Weicheier nicht mag...

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Eine Streitschrift des Neuköllner Provokateurs

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Erinnert sich noch wer an jene Jammer-Show, in der der  freiheitsliebende Ehemann mit Blumenstrauß zurückgekrochen kam, um Vergebung zu erheischen? Weils Vergebung allenfalls im Himmel gibt, doch nie zur besten Sendezeit, starb das zu Recht den Tod der siechen Quote. Nun allerdings schlägt das Remake der Tränendrüse voll aufs Publikum zurück – und zwar erbarmungsloser als zuvor.

Joschka Fischer, voll jugendlichem Tatendrang, will sich nicht selbst verprügeln lassen, haut dem Polizisten auf die Mütze – schlüpft dafür jetzt ins Büßerhemd. Glatzkopf Laurenz-Meyer, so richtig oppositionell, schimpft den Kanzler als Betrüger – und lamentiert dann vor versammeltem Betroffenen-Chor,  er hätt' es so doch nie gemeint. Jürgen Trittin, mal voll von spritziger Wortgewalt,  nennt den Glatzkopf einen Skinhead – und eiert daraufhin, er wollte niemanden persönlich treffen.

Und dies alles prasselt mit der Tagesschau auf uns hernieder!

Zu Zeiten von Franz Josef Strauß  - Gott hab’ ihn zumindest dafür selig! – hat es solche winselnden Entschuldigungs-Arien nicht gegeben. Da traf man, weil man treffen wollte – und sich stolz im Ruhme eigener Schlagkraft sonnte. Schließlich hat das Publikum ein Recht auf starke Helden, gerne auch als Schurken in Aktion. Doch das Weichei mag man nur am Boden liegen sehen.

Das ist die spontane Ehrlichkeit, die stabile Quote bringt.

Darum fordert der Neuköllner Provokateur: Schluss mit der ermüdenden Verzeih-Mir-Show, wer noch einmal „Sorry“ murmelt, darf gleich danach sein leises „Servus“ sagen und fliegt aus dem Programm. Und für die Akteure der Polit-Show muss nach bewährtem Drehbuch gelten: Lieber einen Kollegen verraten, als die Chance auf einen guten Tiefschlag zu verpassen. 

Ins Netz gestellt: 19.3.2001

 

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